Nur scheinbar zufällig wurden am selben Tag sowohl der Artikel zu Robert Habecks grünen Energievisionen für die Ukraine und von Claudia Kemfert zum Abbau der Gasnetze im Focus veröffentlicht. Beide passen wie zwei Puzzlestücke ineinander.
Der Begriff der schöpferischen Zerstörung kommt aus der Wirtschaftstheorie und geht auf den Ökonomen Joseph Schumpeter zurück. Er besagt, dass jede wirtschaftliche Neuerung das Alte zerstört, und dass dies auch nötig sei, um das Neue zur Entfaltung zu bringen. Vor allem der Kapitalismus lebt von der schöpferischen Zerstörung.
Ähnlich denkt es vermutlich auch in Claudia Kemfert, ihres Zeichens Professorin für Energieökonomie am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, als sie gemeinsam mit Jan Rosenow ein Stück zum Gasnetz-„Rückbau“ schrieb (wir hatten berichtet, dass Augsburg als erste Stadt sein Gasnetz abbauen will). Etwas schulmeisterlich meinte sie, die Leute sollen sich nicht so haben mit der Zerstörung des Gasnetzes, das ist eine veraltete und bald unbrauchbare Infrastruktur. Und im Sinne der schöpferischen Zerstörung, wo sich die Zukunftstechnologie der Wärmepumpe angeblich immer mehr durchsetze, belaste der Schrott einer vergangenen Ära ja nur. Für die Verbraucher sei es sogar eine gute Nachricht, wenn die Gasnetze abgebaut werden (so wie gerade auch die letzten Atomkraftwerke), denn sonst müssten immer weniger Nutzer einer Gasheizung immer mehr aufwenden, um die Infrastruktur instandzuhalten. Ab 2045 brauche diese sowieso niemand mehr, denn dann bricht endlich die klimaneutrale Zukunft ohne Gas, Kohle, Öl (und Strom) an. Wie falsch man mit solch kategorischen Zeitplänen der Dekarbonisierung liegen kann, bewies erst kürzlich der schottische First Minister Hamza Youzaf.
Damit keiner auf die Idee käme, durch die Gasnetze könne man ja auch etwas anderes als Gas pumpen und deshalb sollten sie erhalten werden, belehrt uns Frau Professor Kemfert gleich, dies sei ein „Mythos“: Für Wasserstoff seien diese nicht geeignet. Einmal sagte sie sogar etwas, was auf der Achse auch bereits geschrieben wurde, nämlich dass die Herstellung von Wasserstoff aufwändig sei, viel Strom und Wasser verbrauche und für den Einsatz im Wärmebereich ineffizient und teuer sei. Hat sie sich da mit Robert Habeck abgesprochen, der derweil von der Einfuhr grünen Wasserstoffs aus der Ukraine träumt?
Die Ukraine nimmt Deutschlands Energie-Zukunft vorweg
Habeck denkt auch in den Parametern der schöpferischen Zerstörung, diesmal nicht für Deutschland, sondern für die Ukraine, die er vor kurzem besuchte in seiner Funktion als Vizekanzler, Wirtschafts-, Klima-, Energie-, Weltrettungs- und Neben-Außenminister (ausführliche Würdigung des Besuches hier). Dort braucht es keine Claudia Kemfert, die die begriffsstutzigen Bürger überreden muss, die Infrastruktur zum Wohle der Zukunft zu opfern, hier erledigt Russland diese Arbeit. Wenn dann alles kaputt ist, dann wäre die Ukraine das ideale Versuchskaninchen für eine neue, nachhaltige Energieproduktion, nicht nur für sich selbst, sondern auch für Europa.
Während man in Deutschland nach der Methode Schienenwolf noch einiges zu zerstören hat, und Claudia Kemfert wortgewandt und natürlich immer mit der Sorge um die einkommensschwachen Haushalte im Prinzip sagt: „Macht die Infrastruktur kaputt, bevor ihr für ihre Erhaltung zahlen müsst“, erledigt in der Ukraine diese Arbeit praktischerweise Russland. Die alte Energieinfrastruktur wird kaputtgebombt und Deutschland baut dann die grüne Energiezukunft für die Ukraine mit Windrädern und Solarfarmen.
Apropos Rückbau: Vor nicht allzu langer Zeit standen in vielen ostdeutschen Städten unbenutzte Plattenbauten herum, weil die Städte massiv schrumpften. Durch systematischen Rückbau, also Vernichtung von Wohnraum, den damals keiner brauchte, wurden schöne, neue Grünanlagen geschaffen. Auch damals hatte man die Vision einer lebenswerteren Stadt mit mehr Erholungsfläche für weniger Menschen, weil man davon ausging, dass die damalige Tendenz des Wegzugs aus der Stadt und der Schrumpfung der Bevölkerung, gerade in Mittel- und Ostdeutschland, beliebig weitergehen würde. Das war noch bevor Städte ab etwa 2010 wieder richtig hipp wurden und dann ab 2015 Flüchtlinge/Neubürger/Fachkräfte ins Land strömten und seither überall nach Wohnraum gesucht wird. Plattenbauten wären jetzt viel besser zur Unterbringung geeignet als Turnhallen, Hotels, Wohncontainer und Zelte. Die Zukunft ist bekanntlich unvorhersehbar, und Zukunftsforscher liegen in etwa so oft falsch wie Astrologen und Handleser. Das heißt, auf heute bezogen, dass man keine Infrastruktur vernichtet, nur weil es aus heutiger Sicht demnächst nicht mehr gebraucht wird.
Sebastian Biehl, Jahrgang 1974, arbeitet als Nachrichtenredakteur für die Achse des Guten und lebt, nach vielen Jahren im Ausland, seit 2019 mit seiner Familie in Berlin.
Beitragsbild: Roland Horn CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons

Der „Nationale Wasserstoffrat“ bildet den Köhlerglauben ab, daß eine neue Technologie bloß dann zustandekommt, wenn ein Gremium darüber waltet. Zum Transport wird dort eine Übersicht europäischer Ferntrassen angedeutet , die durch Übernahme bereits bestehender Gasfernleitungen entstehen sollen. Auch LNG Terminals und Lkw Transporte werden erwähnt, wobei Drücke ab 250 bar auf nicht vollends geklärte Probleme hinweisen, für die noch Sachverständige zu gendern wären. Ein Governance Thinktank für Anspruchsvolle und als Infothek für unseren hermeneutisch umzingelten Herrn Habecks konzipiert, der gekonnt mit no content information umgehen kann. We’re on the road to nowhere.
@Gerald Schwetlik:„… Der Wasserstoff wird nicht komprimiert durch die Netze geleitet, dadurch ist es möglich. “ Ich will weder komprimierten noch entspannten Wasserstoff in meinem Haus benutzen! Ich will mein preisgünstiges Gas aus Russland wieder haben – genau wie einige andere Länder es immer noch beziehen! Der bekloppte Habeck und Konsorten gehören eingesperrt – für immer! Sie sind – im Auftrag transatlantischer „Welterneuerer“ – die Zerstörer unseres Wohlstandes und spielen sich anschließend auch noch als Retter auf! Diesem Irrsinn entgegen zu treten ist überlebensnotwendig! MfG
Gerade ist mir die Sendung Maischberger-von Pierer aufgefallen. Ich habe nur die Stelle angeschaut, wo von Pierer erzählt, wir müssten nur wieder mal richtig arbeiten. Er hat es immer noch nicht begriffen, dass er es war, der Siemens in die technologische Bedeutungslosigkeit geführt hat. Es gibt sie noch, hauptsächlich als Bank, aber technologisch ist die Zeit an Siemens vorbei gegangen. Fachliche Unfähigkeit ganz oben begann mit von Pierer. Sein Vorgänger Karlheinz Kaske war Physiker und hatte als Entwicklungsingenieur bei Siemens&Halske; gearbeitet. Für einen Elektro/Elektronik-Konzern war das die richtige Biographie. Von Pierer, hatte Jura und VWL studiert, noch nicht einmal BWL! Trotzdem hat er sich zugetraut, ein HOCHTECHNOLOGIE-UNTERNEHMEN autokratisch zu führen. Sein Nachfolger, Kleinschmidt, war wenigstens BWL-er, aber eben ohne die blasseste Ahnung von der Technologie. Von Pierer versteht offensichtlich bis heute nicht, dass er selbst den Siemens-Konzern heruntergewirtschaftet hat. Jetzt reißt er die Scheune auf, wir müssten nur mal wieder richtig arbeiten, als ob er davon etwas verstehen würde. Es sind die Dilettanten und „Rechtspositivisten“ (die auch vom Recht nichts verstehen, nur Paragraphen aufsagen können, und das oft falsch) die mit der Wirtschaftszerstörung angefangen haben. Deren würdige Nachfolger sind Kemfert, Baerbock, Lindner und Scholz, und vor allem die Ricarda, die als Einzige in der Truppe weiß, wie man richtig arbeitet. Natürlich auch der Herz, von der Hochfinanz. Der Weg von Pierer zu Lang ist konsequent! Der völlig unbegründete Hochmut begann damals, als man uns erzählt hat, an der Spitze eines Hochtechnologie-Unternehmens könnte man ohne jede Kenntnis zur Technologie führen. Es ist nichts anderes, als wenn uns die Blinden die Farben erklären wollen. Die DILETTANTEN können nur Niedergang, bestenfalls Stagnation.
für jemanden wie mich, der vor ca. 50 jahren an einer alt-ehrwürdigen universität studierte, war ein institut immer eine einrichtung eben dieser hochschule bzw. einer fakultät derselben. ein institut war immer mit dem begriff der wissenschaftlichkeit, höherer bildung und exakter forschungstätigkeit verknüft, das waren unzertrennliche einheiten. dort waren macher, fachleute, die eben genau das taten, wofür sich universitäten auszeichneten. sie bildeten fachleute aus, die das land nach vorn brachten. heute ist das anders, der begriff „institut“ ist nicht geschützt, jeder dösel kann und darf ein institut gründen, auch wenn er keine oder unzureichende hintergrundbildung verfügt. und so tummeln sich zahllose „institute“ in deutschland herum, selbstredend mit fürstlichen staatlichen zuschüssen bedacht, wenn sie nur ein opportunistisches narrativ verbreiten und zu jedem senf eine dazu passende „meinung“ kundtun, möglichst mit großem medialem getöse. je größer der lärm, desto wichtiger glaubt man zu sein und erwartet höchste weihen, wenn man durch die fernsehlandschaft durchgereicht wird. und dann kommt sowas dabei heraus.
Dass eine „Fachkraft“ wie Kemfert unbeirrt ihre Phantasien verkündet, geht nur, weil sie konsequent die reale Welt meidet und Diskussionen nur in ihrer Blase stattfinden. Alleine schon die Kenntnisnahme der täglichen Energieerzeugungs-Bilanzen wäre ein mentaler Hammerschlag.
Leute wie die Grünen waren sich ja auch sicher, daß dier Menschheit jenseits des Jahres 2000 längst auf dem Meeresgrund leben werde . . .
Das alles kennen wir doch von Kindern die unbedingt die Sandburgen (speziell diejenigen die von anderen Kindern gebaut wurden) zerstören müssen – und die regelmäßig ihre Baustein-Türme mit gewaltigem Rumms zum Einstürzen bringen. Kinder eben.