Am 6. Dezember 2003 machte der damalige Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) einen Rundgang durch die neu eröffnete „größte Sauna- und Wellnessoase“ der Stadtwerke München. „Hell, transparent und edel“ – so erwarte das neue Hauptgebäude des „Prinze“ seine Gäste, pries die Presseabteilung der Stadtwerke (SWM) den „neuen Wohlfühltempel“. Die „weitläufige Saunalandschaft“ lade „ganzjährig zum Entspannen ein, sei es an heißen Sommertagen nach ein paar Bahnen im Becken oder an frostigen Wintertagen nach einigen Runden auf der Eisfläche“. Für Auswärtige sei erläutert: Das „Prinze“ ist eine städtische Badeanstalt in München an der Prinzregentenstraße im schicken Bogenhausen nahe des Prinzregententheaters, die sich im Winter in eine künstliche Eisbahn verwandeln lässt und eben auch über eine Sauna verfügt.
Am 20. August 2022 war es mit der heißen Herrlichkeit einstweilen vorbei. In den frühen Morgenstunden jenes Tages brach ein Feuer aus, das die Sauna vollständig zerstörte, ausgerechnet zu einer Zeit, als infolge der „Energiekrise“ zu Beginn des Ukrainekrieges das Schwitzbad aus Gründen der Kostenersparnis vorübergehend stillgelegt war. Grund war „mutmaßlich“ ein technischer Defekt, aber vielleicht hatte ja ein bayerischer Ableger der Klimaschützer der Berliner „Vulkangruppe“ ein bisschen gezündelt, denen der hohen Energieverbrauch einer „Saunalandschaft“ ein Dorn im Auge ist. Seither ist die Glasbaustein-Fassade des Bades mit hässlichen Plastikplanen verhängt und man fragt sich, was dort bisher eigentlich geschehen ist.
Die Münchner Presse berichtet regelmäßig über den Stand der Bauarbeiten, von denen man zumindest von außen nichts sieht. Aktualiter sei „Ende 2027“ mit der Wiedereröffnung der Sauna zu rechnen, teilten die SWM jüngst mit. Das wären, wenn alles gutgeht, mehr als fünf lange Jahre für den Wiederaufbau einer abgebrannten Sauna. Der Bau der höchsten Brücke der Welt, der im September 2025 eröffneten Huajiang-Grand-Canyon-Brücke in der südwestchinesischen Provinz Guizhou mit einer Fahrbahnhöhe von 625 Metern, dauerte drei, jener der Millau-Brücke in Frankreich, der höchsten Europas, auch nur vier Jahre. Immerhin – an die Bauzeit von Stuttgart 21, wo seit 2010 gewerkelt wird, ohne dass bislang ein Eröffnungstermin feststeht, dürfte die Renovierung von Münchens größter Wellnessoase nicht heranreichen.
Der Wiederaufbau einer öffentlichen Sauna muss EU-weit ausgeschrieben werden
Eine Nachfrage von Achgut.com ergab, dass die Sanierung einer Sauna im Deutschland des Jahres 2026 keine triviale Angelegenheit ist, offenbar fast ebenso komplex wie es das Kunststück war, den Kabelsalat des neuen Berliner Großflughafens zu entwirren. Nach der Entrümpelung des verkokelten Interieurs im Zuge eines „umfassenden Rückbaus des Innenausbaus“ inklusive Reinigung der Lüftungsanlage und „Anbringung einer brandgeruchshemmenden Beschichtung“ seien zunächst „statische Sicherungsmaßnahmen“ veranlasst worden in „enger Abstimmung mit Prüfingenieuren bezüglich der Tragwerksplanung“, so die Stadtwerke. Zu diesem Zweck wurden auch Betonproben entnommen und im Labor analysiert.
Das wirft die bange Frage auf, ob das ganze Empfangsgebäude des Prinzregentenbades nicht vielleicht doch noch niedergelegt werden muss, wie es immer mal wieder in Sachen des Münchner Kulturzentrums Gasteig diskutiert wird, das seit sechs Jahren leer steht und eigentlich einer Generalsanierung inklusive eines aufwändigen Umbaus der Philharmonie unterzogen werden soll. Doch die könnte so teuer kommen und so lange dauern, dass man sich entschließt, den Riesenklotz, nicht weit vom „Prinze“ entfernt, doch einfach in die Luft zu sprengen.
Die Tatsache, dass Ende vergangenen Jahres nun zumindest eine Baugenehmigung für die Sauna eingereicht wurde, lässt darauf schließen, dass das Ergebnis der Betonanalysen einer Sanierung offenbar nicht grundsätzlich entgegensteht. Zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen wolle man „ergänzende Alarmierungsmaßnahmen zur Brandfrüherkennung“ umsetzen, heißt es, was zu weiteren Verzögerungen führt, nicht zu vergessen die „laufenden Gespräche mit den zuständigen Denkmalschutzbehörden“, da das Prinzregentenstadion Teil des geschützten Ensembles der Prinzregenstraße ist.
Potemkin lässt grüßen!
Erfreulicherweise hat sich der neue grüne Münchner Oberbürgermeister Dominik Krause, wie schon seine Vorgänger, eine Entbürokratisierung der Stadtverwaltung vorgenommen. Für die Prinze-Sauna dürfte das begrüßenswerte Ansinnen zu spät kommen, zumal die EU ein Wörtchen mitzureden hat – auch der Wiederaufbau einer öffentlichen Sauna muss unionsweit ausgeschrieben werden. Und dann gibt es noch die Erfordernisse der Basisdemokratie, die bei der Neukonzeption einer Wellnessoase weit ernster genommen werden als wenn es um die Planung gigantischer Windräder geht.
Dazu wurde, so die Stadtwerke, eine „Gäste- und Mitarbeitenden (sic!) befragung“ veranlasst mit dem Ergebnis, dass nun unter anderem die Tauchbecken vergrößert werden sollen. Im Vergleich „zu vor dem Brand“ seien zukünftig auch mehrere kleinere Schwitzräume vorgesehen, um in Besuchszeiten mit geringerer Nachfrage Energie zu sparen, weil einzelne Räume ausgeschaltet werden können. Gleichzeitig soll das Angebot um Attraktionen erweitert werden, die bisher nicht im Angebotsumfang der Sauna im Prinzregentenbad wahrgenommen werden konnten, darunter eine „Schneekabine“, in der sich die Gäste mit künstlich erzeugtem Pulverschnee abkühlen können. Was dazu wohl die Vulkangruppe sagt?
Dass der Wiederaufbau bedauerlicherweise so schleppend vorangehe, sei auch der Tatsache geschuldet, dass die Baubranche in den letzten Jahren stark ausgelastet gewesen sei, sagte eine Sprecherin der Stadtwerke der Lokalpresse. Doch nun geht es offenbar mit Riesenschritten voran. Mit ersten „genehmigungsfreien Arbeiten“ soll nach Abschluss der kommenden Freibadsaison begonnen werden, also Ende dieses Jahres: „Die Erneuerung der Fassade wird zu den ersten Maßnahmen nach Erteilung der Baugenehmigung gehören.“ Potemkin lässt grüßen! Aber vielleicht sollte man angesichts der nächsten Energiekrise und den Erfordernissen des Klimaschutzes das Projekt noch einmal grundsätzlich überdenken. Schließlich sollen ja kalte Winter der Vergangenheit angehören und im Sommer soll es so heiß werden, dass man sich zum nachhaltigen Schwitzen nur an die Isar legen muss.

Die Prinzregentenstraße. Da war doch mal was. Da war ich gerade 44 Tage auf dieser Welt. Die Sache heute ist bedeutend größer und die Sache ist garantiert nicht nach einem Tag vorbei. Man denke eher in Jahren. Aber wenn alle zusammenarbeiten und die richtigen Fachleute endlich nach vorne gelassen werden und frei schalten und walten können, wird dabei nicht ein einziger Schuss abgefeuert. Alles eine Frage der Präzision. ;-)
Hat wer Mitleid mit Münchnern?
Unglaublich politisch inkorrekt ist das Bild. Heutzutage kann in D dieses Bild allein für eine Durchsuchung von Büroräumen reichen. Nicht zu vergessen, wofür nach S. Freud eine Zigarre als Symbol steht.
In einem anderen Ort wäre womöglich eine abgebrannte Sauna ein Katastrophe, aber in München, da denke ich, nur ein abgebrannter Biergarten erfordert Sofortmaßnahmen.