„Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“ So rief man einst von West-Berlin aus. Heute muss es wohl heißen: „Völker der Welt, schaut auf dieses Land – denn das Volk dieses Landes schaut lieber weg.“
„Ihr Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!“, so rief einst Ernst Reuter der Welt zu. Es war der 9. September 1948. „Diese Stadt“ war West-Berlin, das die Sowjets abgeriegelt hatten. Die Abriegelung geschah als Reaktion auf die Einführung der D-Mark. (Fünfzig Jahre später bekamen Kommunisten indirekt ihren Willen – die D-Mark wurde wieder abgeschafft zugunsten einer europäisch-sozialistischen Einheitswährung, heute unter der Leitung einer wegen Amtspflichtverletzung verurteilten Person.)
Damals war Ernst Reuter Oberbürgermeister, aber von den Sowjets nicht anerkannt, sprach er doch vor dem zerstörten Reichstagsgebäude der Welt ins Gewissen (mit „Welt“ waren schon damals zuerst die USA gemeint), die Luftbrücke nach West-Berlin aufrechtzuerhalten. „Luftbrücke“ bedeutete, dass zwischen Juni 1948 und September 1949 in exakt 277.569 Flügen (189.963 durch die USA, 87.606 durch Großbritannien) etwa 2,1 Millionen Tonnen Fracht nach Westberlin geflogen wurden (siehe Wikipedia).
Völker der Welt, schaut auf diese Stadt!
Wenn ein Volk ruft, dass die übrigen Völker hinschauen sollen, dann geht man natürlich davon aus, dass die entscheidenden handelnden Instanzen dieser Welt eben Völker sind. Und dass „Volk“ mehr bedeutet als „Leute, denen man zu Hunderttausenden den Pass hinterherwarf“. Der Ruf, auf diese Stadt zu schauen, will Empathie wecken. Ein Mitgefühl im besten Sinn. Ernst Reuter will West-Berlin und seine Bürger bei den Völkern der Welt als relevante Struktur etablieren.
Als nicht-blinder Deutscher möchte man heute ähnlich rufen: „Völker der Welt, schaut auf dieses Land – und auf sein Volk, das nicht Volk sein darf.“ Man muss es aber nicht rufen. Genug Menschen weltweit schauen auf dieses Land in der Mitte Europas. Und sie berichten auch von dem, was sie sehen.
Amerikanischer barmherziger Samariter
Aktuell wird zum Beispiel in New York getitelt: „American good Samaritan stabbed after confronting Syrian immigrant in Germany when he stepped in to stop harassment.“ Auf Deutsch bedeutet das: „Amerikanischer barmherziger Samariter erstochen, nachdem er eingriff, um Belästigungen zu unterbinden und dabei einen syrischen Einwanderer in Deutschland zur Rede gestellt hatte.“
Ja, das ist ein sehr langer Titel, und er fasst das Geschehen recht präzise zusammen. Bei bild.de erfahren wir mehr über die Tat in Dresden. Wir sehen Fotos vom Blut auf dem Boden der Straßenbahn. Die Ereignisse: Gegen 0:25 Uhr belästigten „zwei Männer aus einer Gruppe heraus weibliche Fahrgäste“ (so die Polizei). Ein 21-jähriger Amerikaner ging dazwischen. Er kannte sich offenbar noch nicht so gut aus in Deutschland. Der Amerikaner wurde schwer verletzt. Er äußerte sich inzwischen selbst im Video – und er ist nicht beeindruckt von Deutschland. Einer der beiden mutmaßlichen Täter, ein 21-jähriger Syrer, wurde von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt. Der andere mutmaßliche Täter ist bislang flüchtig.
Es ist eine von 29.000 jährlich erfassten Straftaten mit dem Tatmittel Messer in Deutschland (de.statista.com). Die Zahl der nicht-erfassten Taten, wenn ein Messer etwa einfach nur gezeigt wird, um einzuschüchtern, ist nicht erfasst. Man möchte ja zynisch hinzufügen, dass der Haupttäter, selbst wenn er gefasst und vor Gericht gebracht wird, nach aller Lebenserfahrung nicht halb so hart bestraft werden wird wie Deutsche, die sich unvorsichtig über seine Tat äußern. Solche Missstände sind aber doch eher „inner-deutsch“ (im modernen Sinne von „deutsch“). Mich wurmt die Frage: Was ruft Deutschland heute in die Welt hinaus?
Das Rufen für uns
Dank Internet und sozialen Netzwerken müssen wir Deutschen ja nicht selbst in die Welt rufen. Spätestens, wenn US-Amerikaner in Dresden von Syrern abgestochen werden, weil sie zu naiv und zu hilfsbereit sind, und wenn die Aufnahmen vom Blut auf dem Boden der Straßenbahn um die Welt gehen, dann erledigen die Bilder das Rufen für uns. Was aber sollen die Menschen tun, wenn sie „auf dieses Land schauen“? Wir haben ja selbst „Luftbrücken“ eingerichtet – und wir bringen „junge Männer“ ins Land. Soll man uns Nahrungsmittel schicken? Ja, demnächst vermutlich, aber noch nicht.
Soll man, wie damals nach West-Berlin, uns wieder Baumaterialien schicken? Ach, wir würden ja doch nur neue Unterkünfte für „junge Männer“ bauen. Einem wütenden Alkoholiker schenkst du ja auch nicht Schnaps zur Beruhigung. Die Völker der Welt schauen auf Deutschland – und sie wundern sich, schütteln ratlos den Kopf. Völker der Welt, schaut auf dieses Land! Nur reist lieber nicht hin, zur eigenen Sicherheit.
Und wenn ihr doch hinreist, dann haltet euch besser an die lokalen Überlebensstrategien. Wenn „junge Männer“ sich an Mädels ranmachen, dann schaut lieber weg, wie Deutsche es tun. Wer nicht wegschaut, landet schnell im Krankenhaus. Oder wegen Rassismus vor Gericht. Völker der Welt, schaut auf dieses Land – denn das Volk dieses Landes schaut lieber weg.
Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. Seine Website und das Blog-Magazin, auf dem dieser Beitrag zuerst erschien finden Sie hier.
Beitragsbild: Tim Maxeiner
@ Ralf Neitzel – „ein alter weisser Mann, hat der noch schlechtere Karten vor Gericht. Soll mir also keiner erzählen, dass die deutschen Feige sind.“ – Wo doch medial immer „Courage“ eingefordert wird – es gab in der Münchner U-Bahn mal vor Jahren einen entsprechenden Vorfall – 3 machen sich über einen her, der am Boden liegend weiter malträtiert wird. Ein Herr, ich habe den Namen „Burger“ im Kopf, schritt ein und verpaßte dem ihm zunächst stehenden einen Schlag ins Gesicht, was die Tat beendete , so war es der Presse zu entnehmen. Mein Hiinweis an „XY“ als Kandidaten für den „Courage-Preis“ brachte erwartungsgemäß keine Reaktion. Und dann war zu lesen, daß der Helfer von einem Münchner Gericht wg. Körperverletzung verurteilt wurde, weil er „dem Falschen“ in der Gruppe der Tatverdächtigen das Nasenbein geknickt hatte, da diesem keine aktiven Tätlichkeiten gegen das Opfer nachzuweisen gewesen wären. – „Was lernt uns das?“ – Immer erst nachfragen, vielleicht die mögliche Tatmotivation ausdiskutieren und ggf. rein profilaktisch Handy und Geldbörse als Friedensangebot anbieten, ggf auch eine Wange hinhalten, um dem „Messer“ zu entgehen, halt sich vorbildlich und erwartbar „deutsch-kartoffelig“ unterwerfen. So geht offenbar gewünschte Integrationsförderung. -Zynismus aus-
„Wenn “junge Männer„ sich an Mädels ranmachen, dann schaut lieber weg, wie Deutsche es tun.“ – Zu berücksichtigen, daß diese „Gruppe“ mehrheitlich vertreten war und ist, wenn es um begrüßendes Teddybären-Werfen geht, wenn es darum geht, Kritiker der merkelschen „Offenen Grenzen“ und der „AfghanenShuttle“ als Nazies zu bezeichnen, wenn es darum geht, bei „Arsch Hu“ und Aufläufen von „Unsere Demokratie“ in Gruppen aufzulaufen etc etc etc. . Von mir aus können „sie“ „Evolution“ gern ausleben. Liegt für mich auf der selben Denkschiene wie zB die Ablehnung von „AfD- / Nazi“- Spenden und -Hilfsangeboten für Flutopfer. Dann spielt doch alleine.
Ist inzwischen wie im Südsudan. Nur ohne Sonne.
Kopie: „Man wartet seitens der Staatsanwaltschaft selbst bei schweren Gewaltverbrechen an der Grenze zum Tötungsdelikt nicht mal mehr die ersten Ermittlungen ab, bevor man einen Tatverdächtigen wieder auf freien Fuß setzt.
Aber wenn jemand ein lustiges Bildchen ins Netz stellt, blüht die Staatsanwaltschaft zur Höchstform auf, und der Demokratiefeind bekommt morgens um sechs ein Rollkommando auf den Hals gehetzt. Anschließend lacht man sich dann gemeinsam im Interview über sein Opfer kaputt. Und ein Kommentar zur Dürre kostet mal eben 16.000 Euro.
Da läuft etwas ganz gewaltig schief. “
Mich kotzt das alles sowas von an… schmeißt das Dreckspack endlich raus…
„Der Dolch des Mörders war unter der Robe des Juristen verborgen. Dass ein Rechtssystem prostituiert wurde, zu verbrecherischen Zielen, das ist noch eine neue, höhere Dimension des Unrechts.“ (Strafrichter und Buchautor Ingo Müller, „Furchtbare Juristen“, 1987)
Insbesondere erfreut mich die Lektüre der Medien, wenn Begriffe sauftauchen wie: <Ein Mann, polizeibekannt, illegal eingereist, Messer, nach Feststellung der Personalien auf freien Fuß …und nicht vergessen„Deutscher“, aber ansonsten anonym>!
@Rolf Mainz; Aus welchem Grund die uns verachten und angreifen? Na ja, also, das ist doch hinlänglich bekannt. Die kamen und kommen nicht hierher um sich zu integrieren sondern um zu übernehmen. Gerade lief auf ntv ein lustiges Filmchen zu Merkels „Wir faffen daff!“ mit den vollkommen deppert klatschenden, jubelnden, Häppchen und Teddy-verteilenden deutschen Idiotinnen und Idioten auf deutschen Bahnhöfen 2015. Die Blicke der ankommenden Syrer und was da sonst noch kam, sprach Bände. Die verachteten schon vorher dieses kriecherische deutsche Volk und fühlten sich dann vollkommen bestätigt. Für die sind wir das, was Juden, Zigeuner, Schwule und Behinderte für die Nazis waren . . .