Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt erschien auf KiKA bei Logo! ein Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund – geführt von der ehemaligen Landesschülersprecherin Lucienne. Daraufhin kamen mehr als hundert Beschwerden beim ZDF, das Internationale Auschwitz-Komitee warf dem Kinderkanal vor, einem Rechtsextremen ein Forum gegeben zu haben. Jetzt veröffentlicht die Petitionsplattform Campact WeAct einen Offenen Brief des Vereins Teacher for Future Germany, von Eltern gegen Rechts und einem Kollektiv aus „Schüler*innen“ mit heftigen Beschwerden im Sinne von „How dare you“ darüber, dass das ZDF eine Schülerin „im guten Glauben auf ein Format“ einließ, „für dessen strukturelle Schwächen sie nicht verantwortlich ist, ohne darauf im Vorfeld professionell begleitet oder unterstützt zu werden.“
„Der Sender unterstützte die Schülerin erst, als der öffentliche Druck bereits enorm war. Zu spät. Den anschließenden Shitstorm bekam sie trotzdem ab.“
Da bereits ein weiteres Interview mit dem AfD-Spitzenkandidaten für Mecklenburg-Vorpommern Enrico Schult eingeplant war, formulierte der Landesschüler*innenrat (LSR) Mecklenburg-Vorpommern Bedingungen, damit sich nicht noch eine weitere Schülerin im gleichen Format mit einem Rechten „einlässt“. Nun, das ZDF konnte die Bedingungen nicht umsetzen, weshalb die Redaktion von „logo!“ das Interview am 8. September selbst geführt hat.
„Kindgerechtes Format gegen Rechtsextremismus“
Hier die Forderungen des Vereins Teacher for Future Germany e.V., für die auf der Plattform inzwischen knapp 128.000 Unterschriften gesammelt wurden.
„Entwickelt stattdessen ein kindgerechtes Format über Rechtsextremismus“
„„logo!“ kann aus der öffentlichen Kritik etwas Besseres machen: Politische Bildung, die Kinder wirklich stärkt. Vor und hinter der Kamera. Wir fordern ZDF, KIKA und die logo!-Redaktion deshalb auf:
Strahlt das AfD-Interview aus Mecklenburg-Vorpommern nicht in diesem Format aus. Rechtsextreme Politiker dürfen in Kindernachrichten keine ungefilterte Bühne bekommen. Prüft ihre Aussagen und ordnet sie journalistisch ein.
Entwickelt stattdessen ein kindgerechtes Format über Rechtsextremismus. Erklärt, warum Rechtsextremismus die Demokratie und Menschenrechte bedroht und ordnet demokratiefeindliche Positionen für das junge Publikum verständlich ein.
Setzt Kinder und Jugendlichen nicht professionellen Politiker*innen aus, ohne sie angemessen darauf vorzubereiten. Es braucht Medientrainings, Faktenchecks und die Möglichkeit, kritisch nachzufragen. Begleitet sie während des gesamten Prozesses – auch emotional.“
„Überwältigungsverbot, Kontroversität und Schülerorientierung“
Kurioserweise bezieht sich das Kollektiv der „Schüler*innen“ auf den Beutelsbacher Konsens, dessen Idee darin besteht, mit den sogenannten Prinzipien „Überwältigungsverbot, Kontroversität und Schülerorientierung“ zu vermeiden, dass Schüler im Unterricht indoktriniert werden, und ihnen zu ermöglichen, ihre eigene Meinung zu bilden. Da es in letzter Zeit in Vergessenheit geraten zu sein scheint, bietet es sich an, die drei Grundprinzipien des Neutralitätsgebots noch einmal kurz aufzufrischen:
1. Überwältigungsverbot. Es ist nicht erlaubt, den Schüler – mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der „Gewinnung eines selbständigen Urteils“ zu hindern. Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen Politischer Bildung und Indoktrination…
2. Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muss auch im Unterricht kontrovers erscheinen… Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten. Zu fragen ist, ob der Lehrer nicht sogar eine Korrekturfunktion haben sollte, d.h. ob er nicht solche Standpunkte und Alternativen besonders herausarbeiten muss, die den Schülern (und anderen Teilnehmern politischer Bildungsveranstaltungen) von ihrer jeweiligen politischen und sozialen Herkunft her fremd sind… Bei der Konstatierung dieses zweiten Grundprinzips wird deutlich, warum der persönliche Standpunkt des Lehrers, seine wissenschaftstheoretische Herkunft und seine politische Meinung verhältnismäßig uninteressant werden.
3. Der Schüler muss in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Eine solche Zielsetzung schließt in sehr starkem Maße die Betonung operationaler Fähigkeiten ein, was eine logische Konsequenz aus den beiden vorgenannten Prinzipien ist.
So war das Verständnis für politische Bildung in Deutschland vor 50 Jahren, als der Beutelsbacher Konsens formuliert wurde. Und wäre er noch von Bedeutung, hätte es keine Breaking News nach einem Interview einer Schülerin mit einem AfD-Kandidaten gegeben. Doch heute scheint der Beutelsbacher Konsens unbequem zu sein. So unbequem, dass Teachers for Future Germany e.V., das zum For-Future Bündnis gehört und sich für „eine transformative Bildung für nachhaltige Entwicklung“ einsetzt, versucht, die Bedeutung der Leitprinzipien des Konsens zu relativieren.
„Dienstleid verpflichtet!“
Der Verein beschreibt sich als basisdemokratisch. Gleichzeitig betont er, dass Bildung für nachhaltige Entwicklung in der bestehenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung kaum etwas bewirkt. Darum will Teachers for Future nicht bei der Schule stehen bleiben, sondern von dort aus in Gesellschaft und Politik hineinwirken – und einen schnellen Wandel zur Nachhaltigkeit in allen Bereichen erzwingen.
Bereits vor zwei Jahren drehte er in Kooperation mit Greenpeace den Kurzfilm „Dienstleid verpflichtet! Aufstehen für die Demokratie“, in dem „Rolle von Lehrkräften und Schulen im Kontext von Rassismus, Rechtsextremismus und der Verteidigung unserer Demokratie.“ thematisiert wurde.
„Müssen wir als LehrerInnen wirklich politisch neutral sein oder dürfen wir uns im Sinne von Grundgesetz und Menschenrechten deutlich positionieren?“
Lehrer seien „BeamtInnen“, was bedeute, sie legten ihren Eid auf die Verfassung ein. Das bedeute, sie seien der Demokratie verpflichtet. Und wenn es darum gehe, dass Äußerungen verfassungsfeindlich seien, dann dürfe man sich dazu nicht nur positionieren, sondern „wenn man ehrlich ist, dann müssen Beamtinnen sich dazu positionieren“.
„Der Beutelsbacher Konsens ist nur ein Leitbild. Rechtlich bindend für die schulische politische Bildung sind die Menschenrechte und das Grundgesetz.“
Neutralität für Naivität halten?
Der Beutelsbacher Konsens ist kein Deko-Zitat für Petitionen. Er entstand, weil politische Bildung nach 1968 zur Beute der Parteien zu werden drohte. Die siebziger Jahre waren polarisiert, in Hessen wurden Lehrpläne zum Wahlkampfthema. Die Zentralen für politische Bildung gerieten zwischen die Fronten. In Beutelsbach 1976 suchten Fachleute unterschiedlichster Couleur deshalb ein Minimum, das Curricula und Zuschüsse vor der Vereinnahmung schützen sollte. Dr. Hans-Georg Wehling, damals leitender Mitarbeiter der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg, formulierte es ein Jahr später: keine Überwältigung, Kontroverses kontrovers lassen, den Schüler zur eigenen Interessenlage befähigen. Wer das heute für ein unverbindliches „Leitbild“ erklärt, dreht die Geschichte um. Dann darf Schule wieder erwünschte Meinungen setzen und der Lehrer muss – wenn Teachers for Future konsequent bleibt – dort Stellung beziehen, wo die eigene Milieudiagnose „verfassungsfeindlich“ lautet.
Ob der Konsens in den Klassenzimmern überhaupt noch gilt, ist eine große Frage. Offen bleibt sie nicht, wenn Lehrervereine öffentlich dazu aufrufen, Neutralität für eine Naivität zu halten. Eine Schülerin vor der Kamera wird dann kein Subjekt politischer Bildung mehr, sondern eine Statistin für die richtige Haltung. Und der Beutelsbacher Konsens sollte genau das verhindern: dass der Staat, die Partei oder der moralisch aufgeladene Berufsstand dem Schüler das Urteil abnimmt und es ihm als Demokratie verkauft.
Ekaterina Quehl, geboren in St. Petersburg und seit mehr als 20 Jahren in Deutschland, ist Journalistin, Redakteurin und Grafikdesignerin. Sie leitete jahrelang die Redaktion eines großen kritischen journalistischen Portals und schreibt heute auf ihrem eigenen Blog, wo dieser Beitrag zuerst erschien.
Beitragsbild: Montage Achgut.com/ ARD - ARD-Personalien.pdf, Gemeinfrei, via Wikimedia Commons
Das ist sektiererische Gülle aus dem Maul politisch korrekter Schizophreniker. Das ist eine Gehirnwäsche BRD und keine Demokratie. Die Fürze hochgradig NS belasteter Familienfolgen.
Ilona Grimm, durch das von Adolf Hitler eingeführte Konkordat sind Bedienstete der Kirche Staatsbeamte. Nach der Wende haben sich die Kirchen der DDR in linientreue Partei Kirchen verwandelt, ein Pfarrer bekommt ganz schön viel Geld und Sondervergütungen und theologische Queer Einsteiger gibt es auch. Nicht umsonst fliehen in Scharen Christen aus ihren Mainstreamkirchen, wo Hirt*innen wie Käßmann ihre Parteibuchideologie als inkompetente Gesellschaftsklempner durchsetzen wollen, solche Schnapsideen haben wie Lügen Fasten, Vulven Malerei oder quere theologische Befreiungstheologie. .Das ähnelt sehr der Tetrarchie zu Zeiten von Kaiser Diokletian, wo der Staat die Kontrolle über den religiösen Glauben hat. Da ist nix mit dem freien selbstständigen Gottvertrauen, wie in Martin Luther lehrt, der gegen den Missbrauch der klerikalen Obrigkeit gegenüber den gläubigen Christen wetterte.
@ Ilona Grimm Es gibt doch Überschneidungen im kanonischen Rechtssystem und z.B. der Taufe (kleiner Exorzismus) und auch Nottaufe?
Anyhow, der beschriebene „Pastor“ richtet Beerdigungen, Taufen, Hochzeiten u.a. aus.
Die EKD hat wohl nur noch Küchenhilfen ähnlich wie beim Pizza Lieferservice. Bei dem werden Personen in der Küche angestellt und in Wahrheit liefert die Person aus. Eine Küchenhilfe erhält weniger Stundenlohn. Das passt dann auch auf die EKD zu. Bildung nicht notwendig, Lohnkosten sparen. Da bin ich beim Lieblingsthema, Bildung ist Teufelszeug, erst recht in Schulen und Steinzeit Religionen.
Es wird höchste Zeit, dass die AfD den sogenannten „öffentlich-rechtlichen“ den Geldhahn zudreht. Die berichten einseitig links und linksradikal. Schlimmer als Karl-Eduard! Ich hatte mir den Schwachsinn schon zu DDR -Zeiten nicht angetan; heute erst recht nicht.
@ Thomas Szabó: Ja, so ist das mit den links-grünen „Nazis“. Die raffen das scheinbar gar nicht…
Danke, Frau Mayer; ich bin ganz bei Ihnen.
Von semantischen Interesse dürfte auch die mediale Einordnung der Lager sein. Links ist heute a priori völlig ok, Rechts ist schlecht und muß bekämpft werden. RECHTS ! – nicht etwa „konservativ“.
Auf dieser primitiven Ebene wird sich heute in Deutschland politisch auseinander gesetzt !
„Oh, Heilige Einfalt“ „ O sancta simplicitas! “ soll Jan Hus auf dem Scheiterhaufen einer Frau zugerufen haben, die Holz für seine Verbrennung herbei schaffte…
Zitat: – Und der Beutelsbacher Konsens sollte genau das verhindern: dass der Staat, die Partei oder der moralisch aufgeladene Berufsstand dem Schüler das Urteil abnimmt und es ihm als Demokratie verkauft. – Zitatende
Wenn wir Erwachsenen nicht deutlichen Widerstand leisten gegen die woken Gestalter einer neuen Welt dann werden sie siegen!!! Denn sie fangen in den Schulen an, sie indoktrinieren die Jugend in einem Alter wo dies leicht möglich ist. Zur Not wird gegen das Bild von Elternhaus, gegen den Verband der Familie, gegen Mutter und Vater indoktriniert. Mutter und Vater müssen ja beide ganztags arbeiten. Die Kinder werden einer freien Bildung durch elterlichen Einfluss entzogen.