Gastautor / 15.11.2016 / 06:00 / Foto: Frisia Orientalis / 3 / Seite ausdrucken

Mythen und Fakten über Klima und Energie (9)

Von Klaus-Peter Dahm.

Sind die erneuerbaren Energie wirtschaftlich?

Das Hauptproblem für die deutsche Energiewende sind die jetzt bereits stark steigenden Stromkosten. Die Erzeugung von regenerativem Strom ist deutlich teurer als diejenige von konventionellem Strom und es besteht keine Aussicht, dass sich dies in Zukunft ändern wird. Die Differenz zwischen Börsenpreis und Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) tragen alle Stromkunden über die EEG-Umlage. Die Subventionen in Form der EEG-Umlage und damit auch die Strompreise steigen von Jahr zu Jahr. Bereits heute liegen die von den Stromkunden zu tragenden Subventionen bei 24 Milliarden Euro jährlich.

Das EEG als Grundlage der deutschen Energiewende schreibt die Vorfahrt für den erneuerbaren Strom und langfristig feste Vergütungssätze (meist für 20 Jahre) vor. Da der Strom aus den erneuerbaren Energien extrem schwankt und keine ausreichende Speicherkapazität zur Verfügung steht, variiert auch die Einspeisung dieses Stroms in das Netz stark. Zum Ausgleich müssen zusätzlich konventionelle Kraftwerke auf Kohle- oder Gas-Basis betrieben werden. Diese können allerdings wegen des Vorrangs vom erneuerbaren Strom kaum wirtschaftlich arbeiten. 

So existieren zwei primäre Gründe für die Kostensteigerung im Rahmen unserer Energiewende: Der hohe Subventionsbedarf für die Erneuerbaren und die mehr als doppelte Auslegung unserer Energieversorgung. Erhebliche zusätzliche Kosten entstehen, weil unser ganzes Energie-versorgungssystem geändert werden muss. Es ist notwendig, das Stromnetz um- und stark auszubauen sowie zukünftig auch große Speicher zu errichten, die allerdings den Strompreis mindestens verdoppeln werden, wie betont. Weitere Zusatzkosten entstehen u. a. durch die immer zahlreicheren Eingriffe in das Netz zur Aufrechterhaltung der Netzstabilität (Redispatch, Countertrading und Abregelungen) sowie für das defizitäre Import-Export-Stromgeschäft.

Ein besonders schlimmer Auswuchs der Energiewende ist das Paradoxon, wonach sich die  Kosten für den normalen Stromkunden erhöhen, wenn besonders viel Strom aus Wind und Sonne erzeugt wird. Dann verbilligt sich zwar der Preis an der Strombörse in Leipzig, nicht aber für den Stromkunden. Er trägt die Differenz zwischen dem festen Vergütungssatz für den Erzeuger von Ökostrom und dem Marktwert; diese Differenz wird aber noch größer als sie ohnehin schon ist, wenn der Börsenpreis sinkt (!)

Hält die Politik an den Zielen der Energiewende fest, ist die Befürchtung durchaus berechtigt, dass eine Kostenlawine von 5 Billionen Euro oder mehr (?) bis 2050 auf uns zurollt. Diese Kostenlawine trifft vor allem den normalen Stromkunden. Bereits heute finanziert jeder Einwohner Deutschlands, auch das Kleinkind, die Energiewende mit fast 300 Euro im Jahr.

Die Antwort auf die Frage nach der Wirtschaftlichkeit der Erneuerbaren heißt also: Die erneuerbaren Energien sind sehr unwirtschaftlich und – da die Kosten weiter steigen – zukünftig nicht mehr bezahlbar.

Ist die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien umweltverträglich?

Auch viele Kritiker der Energiewende gehen von einer Umweltverträglichkeit der Energiegewinnung aus Wind und Sonne aus. Die erneuerbaren Energien wären sauber, so die allgemeine Meinung. Eine genauere Betrachtung zeigt aber, dass dies insbesondere für die Windenergie (aber auch für die Bioenergie und z. T. auch für große Solaranlagen) nicht zutrifft.

   Windkraftanlagen verbrauchen riesige Flächen unbebauter Natur und verschandeln unsere über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaften. In Deutschland werden jedes Jahr mindestens eine halbe Million Vögel und Fledermäuse – möglicherweise sind es sogar eine Million – durch Windkraftanlagen getötet. Bei den Fledermäusen handelt es sich fast durchweg um streng geschützte Arten, und auch bei den Vögeln ist der Anteil besonders oder streng geschützter Arten erheblich. Dies geschieht, obwohl das Bundesnaturschutzgesetz und andere Natur- und Tierschutzregelungen ein Tötungsverbot besonders geschützter Arten wildlebender Tiere vorschreiben. Von einer „Bewahrung der Schöpfung“ durch die Gewinnung von Strom aus erneuerbaren Quellen kann also nicht die Rede sein.

Auch die Anwohner von Windparks können gesundheitlichen Schaden nehmen.

Die Bioenergie (Stromgewinnung aus Biomasse) wird jetzt auf Grund der hohen Gestehungs-kosten des Stroms und der Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion kaum mehr gefördert, aber erzeugt noch immer mehr Strom als die Solarenergie in Deutschland. Die mehr als 9.000 Faulgasanlagen stellen ein erhebliches Risiko für die Umwelt dar. Bisher wurden über 500 Gewässerverunreinigungen bekannt; die Dunkelziffer liegt weit höher.

Selbst bzgl. einer Minderung der CO2-Emissionen – nach der AGW-Hypothese ist CO2 klimaschädlich – erfüllt die Energiewende nicht die Erwartungen. Wegen der unsteten Strom-erzeugung aus Wind und Sonne müssen zusätzlich konventionelle Kraftwerke auf der Basis fossiler Träger gebaut oder die vorhandenen alten Kraftwerke am Netz gehalten werden. Diese stoßen erhebliche Mengen CO2 aus. Die Vorgaben der Bundesregierung zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen sind unrealistisch. Von den herkömmlichen Kraftwerken emittieren nur Kernkraftwerke, die aber in Deutschland nunmehr stillgelegt werden, kein CO2!

Die Frage nach der Umweltverträglichkeit der Erneuerbaren muss deshalb mit NEIN beantwortet werden. Die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern, insbesondere aus Windenergie, ist nicht umweltverträglich. Im Gegenteil fügt diese Art der Energieerzeugung unserer Natur einschließlich der wildlebenden Tiere erheblichen Schaden zu. Da thermische Back-up-Kraftwerke unsere Versorgungssicherheit gewährleisten müssen, sind letztlich die Erneuerbaren auch nicht „sauber“ im Sinne von CO2-frei.

Die Energiewende hat im Übrigen nicht zu einer Einsparung im Stromverbrauch geführt, wie es geplant war. Allein bei der Energieeffizienz gibt es Fortschritte, wobei dies insbesondere für die Primärenergie (Strom, Brennstoffe, Kraftstoffe) gilt. Die Vorgaben der Bundesregierung sind allerdings unrealistisch.

In der nächsten Folge morgen lesen sie: 

Der Autor, Dr. Klaus-Peter Dahm, legt Wert auf den Hinweis, dass er keine Beziehungen zur Kohle-, Öl- oder Kernkraftindustrie pflegt oder gepflegt hat. Er ist parteilos und auch nicht Mitglied bei   Organisationen von „Klima- oder Energiewende-Skeptikern“. Der Autor ist pensionierter Naturwissenschaftler (Geochemiker), der sowohl in der Rohstoff-forschung als auch in der Grundlagenforschung gearbeitet hat. Nach der Wende 1989/90 war er 10 Jahre als kommunaler Spitzenbeamter tätig und hat dadurch gelernt, auch unterschiedliche rechtliche, ökonomische und technische Sachverhalte zu bewerten.

Diese Serie basiert auf Klaus Peter Dahms kürzlich erschienen Buch Vom Klimawandel zur Energiewende. Eine umfassende Prüfung der zugrundeliegenden Annahmen.

Hier alle Folgen der Serie:

Folge 1

Folge 2

Folge 3

Folge 4

Folge 5

Folge 6

Folge 7

Folge 8

Folge 9

Folge 10

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Leserpost

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Ole Pingel / 16.11.2016

In den bisherigen Beiträgen fand ich die Herangehensweise und die Schlussfolgerungen von Herrn Dahms recht gut. Das war alles logisch und nachvollziehbar. Nach diesem Beitrag habe ich nun aber leichte Zweifel an seiner Unabhängigkeit, die am Ende jedes Artikels ja immer betont wird. Ein Beispiel: Er schreibt “Windkraftanlagen verbrauchen riesige Flächen unbebauter Natur und verschandeln unsere über Jahrhunderte gewachsenen Kulturlandschaften.” Gemessen am Flächenbedarf für die fossilen Energieträger und die Kernkraft ist dieser Flächenverbrauch aber doch eher gering. Bei Öl-, Gas-, Kohle, und Uranförderung wird nicht nur für Jahrhunderte verschandelt sondern für Jahrtausende vergiftet bzw für immer zerstört. Diese Auswirkungen kann man auch in Deutschland beobachten: - Uranbergbau-Halden, die enorme Kosten verursachen und für die es kein Konzept gibt, wie sie dauerhaft gesichert werden können, - Tagebaufolgelandschaften mit diversen Problemen (Vernässung, Versauerung..) - “verlorene” Orte Gerade die günstigen Rückbaumöglichkeiten bei Windkraft- und Solarenergie-Anlagen sehe ich als deren Vorteil an. Sobald wir etwas Besseres haben sollten,, lassen sich diese Anlagen nahezu rückstandslos aus der Natur wieder entfernen. Wie sieht es diesbezüglich z.B.  bei Kohle und Atomkraftwerken aus? Wie viele stillgelegte Atomkraftweke wurden weltweit bisher zurückgebaut und die Flächen für eine andere Nutzung freigegeben?

Thomas Klingelhöfer / 15.11.2016

Danke für Ihre aufklärenden Beiträge Herr Dr. Dahm. Leider ignoriert in diesen postfaktischen Zeiten das politisch-mediale Establishment Tatsachen nicht mal. Wenn Ideologie auf Fakten trifft, geht es schlecht aus für die Fakten.

Martin Friedland / 15.11.2016

In einer früheren Folge dieses Beitrags äußert sich Herr Dahm über die Nützlichkeit eines höheren CO2-Gehalts in der Atmosphäre. Bezogen auf das Pflanzenwachstum mag das stimmen; zumindest für Menschen stimmt dies nicht. Menschen reagieren auf höhere CO2-Werte mit dem Eindruck “abgestandene Luft” und dann langsamer Reduzierung der Aufmerksamkeit bis hin zur Ermüdung. Je nach individueller Disposition beginnt dies bei ca. 800ppm (0,08%), bei 1500ppm fällt Konzentration schon sehr schwer. Dies ist in Besprechungen etc. allgemein vertraut, der hier gerne verwendete Terminus “Sauerstoffmangel” trifft die Ursache nicht. Umgekehrt ist der niedrigere CO2-Gehalt in z.B. Wäldern ein Grund für das unmittelbare Frischegefühl. Natürlich ist ein Anstieg von 300 auf 400ppm in dieser Hinsicht noch unbedeutend; eine deutliche Erhöhung, vielleicht sogar Verdoppelung, hätte schon erheblichen Einfluß auf Menschen (sicher mehr als auf den Meeresspiegel), zumal der örtliche CO2-Gehalt - wie alle Stoffströme - ausgehend von der Quelle sich dynamisch verteilt und somit im Bereich der Quellen höher liegt als es der globale Wert beschreibt.

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