Gastautor / 12.11.2016 / 06:00 / Foto: Frisia Orientalis / 3 / Seite ausdrucken

Mythen und Fakten über Klima und Energie (6)

Von Klaus-Peter Dahm.

Es wird nicht zu einer Überhitzung unseres Planeten kommen. Der heutige Klimawandel ist normal und natürlich. Kipppunkte, bei dessen Überschreitung eine unaufhaltsam katastrophale Klimaentwicklung einsetzt, existieren nicht. Insofern ist auch die Menschheit dadurch nicht bedroht. Zukünftig ist eine leichte Abkühlung viel wahrscheinlicher als eine weitere Erhöhung der globalen Temperatur.

Da unsere Warmzeit schon fast 12.000 Jahre anhält, könnte es in naher Zukunft aber auch einen gravierenden Klimawechsel in Richtung der nächsten Kaltzeit geben. Dies wäre wirklich ein Problem für die Menschheit, denn die Temperaturen würden allmählich um mindestens 10 Grad fallen. Die nächste Kaltzeit wird wegen der anthropogenen CO2-Emissionen nicht ausfallen, wie von einigen Klimaforschern angenommen wird. Schließlich fanden im Verlaufe der Erdgeschichte immer wieder globale Eiszeiten statt, obwohl die atmosphärischen CO2-Konzentrationen in der Vergangenheit fast durchweg deutlich höher als heute waren.

Allerdings besteht auch die Möglichkeit, dass zukünftig ein Milanković-Zyklus mit längeren Warmzeiten Dominanz erlangt. Unsere heutige Warmzeit würde dann noch sehr lange anhalten – bei ständigen kurz- bis mittelfristigen Temperaturschwankungen um 2 bis 4°C und der Langzeittendenz einer nur ganz allmählichen Abnahme der Temperatur. Noch ist unklar, welcher Milanković-Zyklus zukünftig das Klima der Erde bestimmt. Eine Abkühlung würde die Menschheit vor weit größere Herausforderungen stellen, als eine Erwärmung.

„Dekarbonisierung“ ist wirkungslos, teuer und lebensfeindlich

Klimaschutz durch CO2-Verminderung ist ein folgenschwerer Irrtum. Ob die Menschheit viel oder wenig CO2 emittiert, ist für das Klima ohne Belang, zumal der anthropogene Anteil ohnehin nur bei ca. 5 Prozent liegt. Ein aktiver Klimaschutz durch Verringerung der menschlichen CO2-Emissionen ist nicht möglich. Die Menschheit kann sich nur passiv gegen die Unbillen des Klimas schützen.

Ein Klimaschutz durch Verminderung der CO2-Emissionen – vor allem in Deutschland wird gern von „Dekarbonisierung“ gesprochen – ist aber nicht nur wirkungslos und teuer, sondern auch lebensfeindlich. CO2 ist kein „Schmutzgas“ oder „Klimagift“, sondern – zusammen mit Wasser und Sonnenlicht – die entscheidende Grundlage allen Lebens auf der Erde!! CO2 ist der wichtigste Baustoff und Energieträger des Lebens; aller Kohlenstoff in den Lebewesen geht letztlich auf CO2 zurück! Ohne CO2 ist kein Leben möglich. Die heutige CO2-Konzentration der Atmosphäre ist zu gering, um eine optimale Entfaltung des Lebens auf der Erde zu ermöglichen.

Der „Klimaschutz“, wie er inzwischen mit hohem finanziellen Aufwand betrieben wird, ist somit kontraproduktiv. Es ist deshalb dringend geboten, die Politik des „Klimaschutzes“ durch Verringerung der CO2-Emissionen zu überdenken. Ein Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre fördert das Pflanzenwachstum und damit die Nahrungsmittelproduktion. Bekanntlich ist die Bekämpfung von Hunger und Armut das Hauptproblem der Menschheit.

Es ist mir als Geochemiker unbegreiflich, wie gerade CO2 heute als „Schmutzgas“ oder „Luftschadstoff“ gelten kann. Warum kommt kein Aufschrei von den Biowissenschaftlern? Sie wissen schließlich, welche elementare Bedeutung das CO2 für das Leben auf der Erde hat. Man muss aber nicht Biologie studiert haben, um zu verstehen, dass CO2 unentbehrlich ist. Jeder von uns hat in der Schule gelernt, dass die Pflanzen aus Kohlendioxid und Wasser mit Hilfe vom Sonnenlicht Kohlenhydrate gewinnen und dabei Sauerstoff freisetzen. Diese Photosynthese-Reaktion ist aber die Grundlage allen höheren Lebens.

Das Leben beruht auf dem Element Kohlenstoff

Vielleicht hätten unsere Biologielehrer eindringlicher darauf hinweisen sollen, dass wir Menschen völlig auf die Pflanzen angewiesen sind – wir essen Pflanzen oder Tiere (die sich wiederum von Pflanzen oder anderen pflanzen-fressenden Tieren ernähren) – und wir benötigen den bei der Photosynthese entstandenen Sauerstoff für die Atmung. Die meisten Menschen wissen zwar, dass das Leben auf dem Element Kohlenstoff beruht, offenbar wissen sie aber nicht, dass dieser Kohlenstoff in allen Lebewesen nur eine Quelle besitzt: CO2. Auch hat sich freier Sauerstoff in der Luft erst dann angereichert, als nach der Entstehung des Lebens die oxygene Photosynthese langsam dominant wurde. Wir sollten also CO2 preisen, anstatt es zu verdammen, wie P. Moore, einer der Greenpeace-Gründer, sehr richtig festgestellt hat.

Klima-Physiker mögen ein Modell favorisieren, dass dem CO2 die Schuld am heutigen Klimawandel gibt. Selbst wenn dieses Modell zutreffen würde, so müsste die Gesellschaft noch immer entscheiden, was jetzt zu tun ist: Die Existenzbedingungen des Lebens auf der Erde verbessern, indem wir weiterhin unbeschränkt CO2 emittieren oder einen möglichen Klimawandel begrenzen, indem wir diese Emissionen drastisch reduzieren? Die Staaten-gemeinschaft hat sich mit dem Klimavertrag von Paris für letzteren Weg entschieden. Sie sägt, bildlich gesprochen, am Ast, auf dem die Menschheit (und das übrige höhere Leben auf der Erde) sitzt. Zumindest verhindert sie eine Verbesserung der heutigen prekären Existenzbedingungen für das Leben. Hoffen wir, dass es nicht allzu lange dauert, bis dieser schwerwiegende Fehler korrigiert wird. Realistischerweise ist damit aber erst dann zu rechnen, wenn die Globaltemperaturen stark fallen werden.

In der nächsten Folge lesen sie: Was ist vom kürzlich ausgerufenen „Anthropozän“ zu halten?

Der Autor, Dr. Klaus-Peter Dahm, legt Wert auf den Hinweis, dass er keine Beziehungen zur Kohle-, Öl- oder Kernkraftindustrie pflegt oder gepflegt hat. Er ist parteilos und auch nicht Mitglied bei Organisationen von „Klima- oder Energiewende-Skeptikern“. Der Autor ist pensionierter Naturwissenschaftler (Geochemiker), der sowohl in der Rohstoff-Forschung als auch in der Grundlagenforschung gearbeitet hat. Nach der Wende 1989/90 war er 10 Jahre als kommunaler Spitzenbeamter tätig und hat dadurch gelernt, auch unterschiedliche rechtliche, ökonomische und technische Sachverhalte zu bewerten.

Diese Serie basiert auf Klaus Peter Dahms kürzlich erschienen Buch Vom Klimawandel zur Energiewende. Eine umfassende Prüfung der zugrundeliegenden Annahmen.

Hier alle Folgen der Serie:

Folge 1

Folge 2

Folge 3

Folge 4

Folge 5

Folge 6

Folge 7

Folge 8

Folge 9

Folge 10

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Leserpost

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Wolfgang Richter / 12.11.2016

Bis die Erkenntnis reift, sich auf einem religiös-fanatischen Irrweg befunden zu haben, werden sicher größere Milliardenbeträge sinn- und wirkungslos in der Atmosphäre verpufft sein, mit denen man viel Sinnvolles zur Verbesserung heute auf dem Globus lebender benach- teiligter Volkschaften (darf man heute glaube ich gar nicht mehr so nennen??) hätte auf den Weg bringen können, so z. B. die massive Wiederaufforstung von durch menschlichem Raubbau verödeten Landstrichen, auch im Austausch gegen QKm große Monokulturen..

Kai Hartmann / 12.11.2016

Ich find das Ganze etwas verwirrend. Laut Wikipedia befinden wir uns in der Warmzeit eines Eiszeitalters. Was denn nun, sollte es warm oder kalt sein?

Peter Fehlhaber / 12.11.2016

Kompliment jetzt schon für ihre kleine Serie! Ja, das Leben zieht das CO2 aus der Atmosphäre. Jeden Moment rieseln Tonnen abgestorbenes Phytoplankton auf den Grund der Ozeane. Von uns allen bleibt vor allem eins übrig: Kalk, gebildet aus CO2, ist wesentlicher Bestandteil der Sedimente. Das hat bereits vor ca. 50 Mio Jahren zu einer Verknappung des CO2s geführt, die die rasante Evolution der Gräser, die besser mit diesem Mangelzustand umgehen können, angetrieben hat. Gras weidende Tiere, die Huftiere, wurden so zu den die Landschaften prägenden Lebensformen. Wir selber sind also eine direkte Folge dieser Verknappung. Gras ist auch das einzige, was hier noch wächst, wenn die Temperaturen und damit auch zwangsläufig die CO2-Werte fallen.  Steigt die CO2-Kurve, ist alles in Ordnung, fällt sie, stehen wir längst vor großen Problemen.

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