Jesko Matthes, Gastautor / 02.02.2018 / 18:00 / Foto: Andrea Satte / 3 / Seite ausdrucken

Mut im Wendland: Warum wir? Warum nicht Springer?

Aus welchem rechtsradikal pegida-populistischen Portal stammt dieser Satz:

"An der öffentlichen Denuziationskampagne sind die Mainstream-Medien federführend beteiligt."

Denkste, es ist der links-autonome Blog „Kein ruhiges Hinterland“, der wortreich und orthographisch herausgefordert zu einer Demonstration gegen die angeblich verlogene und denunziatorische Elbe-Jeetzel-Zeitung aufruft, die den „Bullen“ die Meinungshoheit überlasse. Die Verfehlung des Lokalblatts für Lüchow-Dannenberg: Sie hat kritisch über Randalierer und Gewalttäter beim G20-Gipfel in Hamburg berichtet. Nun droht ihr also der Druck der Straße, die Polizei ist alarmiert, und der Chefredakteur reagiert pikiert:

Redaktionsleiter Benjamin Piel: „Wir werden am Nachmittag unsere Autos umparken.“ Denn erfahrungsgemäß seien diese ein Angriffsziel für die Szene, außerdem solle auch Platz für Polizeiautos enstehen. Ansonsten sieht der Redaktionsleiter diesem „besonderen“ Freitag aber gelassen entgegen. Ihn erstaunt dennoch, dass es überhaupt zu so einer Situation gekommen ist: „Unsere Berichterstattung zu den G-20-Protesten in Hamburg war moderat.“ Selbst als in Hitzacker ein mutmaßlich gewalttätiger Demonstrant der Hamburger Proteste festgenommen wurde, habe die Zeitung weder ein Foto noch einen Namen veröffentlicht und objektiv berichtet. Und auch sonst habe die Zeitung sich früh den Stimmen aus dem linken Spektrum geöffnet – schließlich sei der Landkreis dank der Anti-Atomkraft-Bewegung für seine hauptsächlich linke Protestkultur bekannt. „Ich hätte eine solche Demonstration eher in Berlin vor dem Axel-Springer-Gebäude erwartet als hier“, sagt Piel. Sollte die Demonstration friedlich verlaufen, wäre er auch zum Dialog bereit. „Ich könnte mir vo[r]stellen, vor die Tür zu gehen.“

Ich könnte mir, nach „G20“, vorstellen, was Piel in diesem Falle an Friedlichkeit erwartet. Und: Muss man als erfahrungsgemäßer Auto-Umparker tatsächlich noch rasch „Springer“ sagen und anbieten, zu den gaaanz lieben lokalen Linken gaaanz lokal links-lieb zu sein? Hat man also tatsächlich, dank der Anti-Atomkraft-Bewegung, im Wendland inzwischen mehr Angst vor autonomen Straftätern als vor Castor-Transporten?

Foto: Andrea Satta CC BY 3.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost (3)
Patrick Kaufhold / 02.02.2018

Appeasement at it´s best!

Gernot Radtke / 02.02.2018

Wie jämmerlich: „Heiliger Sankt Florian, verschon‘ mein Haus, zünd‘ Springer an!“ So spricht es heute ein linker Zeitungsmann frei heraus, wenn er um Haltung winselt, die offenbar ein Parkproblem ist. Unglaublich, wie es mit dem Land inzwischen schon im letzten Winkel bergab geht.

Heiko Stadler / 02.02.2018

Das ist sehr rücksichtsvoll von Herrn Piel, dass er die Autos seiner Kollegen umparken lässt. Dann können die Polizeiautos, die dort stehen werden, besser angezündet werden. Hat er denn auch Grillanzünder und Feuerzeuge bereitgelegt?

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