Claude Cueni, Gastautor / 28.07.2021 / 06:00 / Foto: William Tung / 78 / Seite ausdrucken

Muss Schneewittchen sterben?

Seit 1955 schläft Schneewittchen im Disneyland Resort in Kalifornien. Jetzt fragen zwei woke Journalistinnen, ob der Prinz sie nicht vorher hätte um Erlaubnis fragen müssen.

Seit 1955 schläft Schneewittchen in einem der meistbesuchten Freizeitparks der Welt, im Disneyland Resort in Kalifornien. Die Pandemie zwang die Betreiber vorübergehend zur Schließung. Nach 400 Tagen endlich die Wiedereröffnung. Die Tageszeitung „San Francisco Chronicle“ sandte zwei Woke-Journalistinnen zur Inspektion.

Die beiden Expertinnen blieben wie versteinert vor dem schlafenden Schneewittchen stehen, die von einem Prinzen wachgeküsst wird, und stellten die Frage, die zum Politikum wurde: Hätte der Prinz Schneewittchen, die 1812 in einen komatösen Schlaf verfiel, nicht zuerst um Erlaubnis fragen sollen, bevor er sie wachküsst?

Da sie schlief, wäre das selbst für erfahrene Märchenerzähler eine Herausforderung. Hätte der Prinz sanft ihre Hand streicheln sollen? Ein No-Go in Zeiten von #MeToo!

Schwarze küsst Ladyboy wach

Die beiden Journalistinnen verlangten, dass man das über zweihundert Jahre alte Märchen der Gebrüder Grimm umschreibt. Wieso schrieben sie nicht gleich selber ein gendergerechtes Märchen mit woken Figuren?

Denkbar wäre eine schwarze Frau (nicht zu dick, nicht zu dünn, nicht zu hübsch, nicht zu sexy), die einen thailändischen Ladyboy wachküsst. Und was wird aus den sieben Zwergen? Sie sind entweder homosexuell, bisexuell, heterosexuell, fluidsexuell, sexuelle Flexitarier oder noch Forschende. Und wo bleibt die Inklusion? Wir brauchen die Zwerge in allen Hautfarben, Geschlechtern, Alters- und Einkommensklassen. Dann gibts mehr Zwerg*innen als Bäum:innen im Wald:in.

Woke-People erreichen heute nicht selten Kabarett-Niveau. Expertin Deanne Carson meint zum Beispiel, man müsse auch Babys vor dem Wickeln um Erlaubnis fragen. Leslie Kern fordert ein Verbot von Hochhäusern, weil sie diese als sexistische Symbole erkannt hat, die in den Himmel ejakulieren.

Anmaßende Wohlstandsverblödung

Traut man den Online-Umfragen, halten jeweils etwa 90 Prozent der Leserschaft diese Diskussionen für ziemlich bescheuert. Es ist somit vor allem ein Medienthema, eine peinliche Anbiederung an den Zeitgeist, der von einer anmaßenden Minderheit im elitären Milieu ausgebrütet wird.

Wenn man bedenkt, wie Menschen in Armutsländern täglich um das nackte Überleben kämpfen, empfindet man diese Wohlstandsverblödung zum Fremdschämen.

 

Claude Cueni (65) ist Schriftsteller und lebt in Basel. Er schreibt jeden zweiten Freitag im Schweizer „Blick“, wo dieser Beitrag zuerst erschien. Kürzlich erschien im Verlag Nagel & Kimche sein Roman „Hotel California – Botschaft an Elodie“.

Foto: William Tung CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Werner Grandl / 28.07.2021

Untergehende Zivilisationen scheinen auch eine gewisse Komik zu entwickeln. Vielleicht träumen ja die beiden “woken” Dämchen heimlich von einem Prinzen, der sie wachküsst? Ob sich da wohl einer findet? Vielleicht mit verbundenen Augen.

A. Ostrovsky / 28.07.2021

In meinem Märchenbuch waren die sieben Zwerge überhaupt nicht sexuell. Aber in Amerika, sind das sowieso alles Freudianer, die die gesamte Welt mit sexuellen Abweichungen und Verirrungen zu erklären versuchen. Kann es sein, das Freud einfach nur krankhaft geldgierig war, so schlimm, dass er in Wiens Herrengasse im Central-Cafe dort den Besuchern auflauern musste, und sobald er bei jemandem Geld vermutet hat, hat er den mit einem Enkeltrick auf die Ledercouch gezerrt und hat dem solange eingeredet, dass er ein Entblößer ist, bis der sich entblößt hat und seine Geldbörse ausgeschüttet hat? Und bei Frauen gab es ja die Hysterie. Das war eine Geldquelle… Und hat er vielleicht auch erzählt, er könne Kinderwünsche erfüllen? Nein? Wie konnte er sich das Geschäft entgehen lassen? Gut, das war vielleicht genau abgesteckt zwischen den Clans. Es gab ja noch viel mehr Eugeniker als Freudianer. Der Mann, der so heißt wie die Rechnung, die er nicht zahlen will, und aussieht wie eine Winkerkrabbe, der müsste das eigentlich wissen. Für mich ist der ganze Wahnsinn nicht spätrömisch dekadent, sondern spätfreudisch dekadent. Die Opfer Sigmund Freuds schlagen zurück, das ist alles. Und ja es ist Irrsinn, es ist der Irrsinn, den er der ganzen Welt eingeredet hat. Und jetzt sagt mir bitte, das wäre Antisemitismus! Das WAR es meiner Ansicht nach nämlich tatsächlich. Man müsste mal mit Freuds Methode versuchen, dahinter zu kommen, woher Hitler diesen Hass auf die Juden hatte. Das war ja völlig irre. Vielleicht hat er an einer Schulung für Eugeniker in England teilgenommen, wo man ihm erzählt hat, dass Graf Coudenhove-Kalergi in den Juden den neuen Adel gesehen hat, aber die Minderwertigen an der Fortpflanzung hindern wollte. Und da hat Hitler, aus kaputten und debilen Familienverhältnissen der Inzucht stammend, wahrscheinlich seine Position in dieser Ideologie gefunden. Wann endlich endet dieser Wahnsinn? HUNDERT JAHRE!!

Alexander Schilling / 28.07.2021

“Nous avons fourni le virus, ils nous renvoient la maladie. Le boomerang est anglo-saxon, la main qui l’a lancé est française”—und allein in punkto “française” irrt in meinen Augen Pascal Bruckner, dessen “Coupable presque parfait” dieses Zitat entnommen ist: man darf getrost von einer ‘main européenne’ sprechen, die den Bumerang geworfen hat, der uns, aus der Neuen Welt kommend, direkt ins Zentrum trifft (d.h. auf halber Höhe zwischen Knie und Brust).——Die ‘Gymnasiastin’ aus Dostoevskyi’s Dämonen drängt sich auf,  in verdoppelter, doch nicht minder woker Gestalt—die Gräuel der russischen Revolution am Horizont:  und in eben diese Hemisphäre hatte ein vergleichbarer (west-) europäischer Bumerang mit allem Drum- und Dran vor nun reichlich hundert Jahren ohne Umstände direkt eingeschlagen, als in Nordamerika die berüchtigten Wildwest-Sitten, die Dostoevsky nicht minder fasziniert haben müssen, nur noch in der Hochfinanz herrschten. “Si elle (sc. l’Amérique) préfigure l’avenir du monde occidental,”—und mit diesen düsteren Worten beschließt der Autor die Präambel seines 2020 erschienenen Buches—“le nôtre est sombre. Et le sien plus encore”.

H Felder / 28.07.2021

Die Bekloppten haben schon lange das Sagen, das hat Franz Müntefering auch bei seiner Partei nicht verhindert.

Reinhard Max / 28.07.2021

Für so einen Artikel wünsche ich mir ein schlichtes Daumen hoch Symbol zum anklicken. Besser als der Autor, kann man es nicht schreiben.

Thomas Taterka / 28.07.2021

“Woke” als politische Macht ist gar nicht so witzig. Es zerrt gerade den 69 jährigen Harvey Weinstein , der 23 Jahre absitzt für ( ja für was eigentlich? ) “sexuelle Belästigung” erneut vor Gericht, um ihn lebendig zu begraben . Vorläufiger Höhepunkt der Woke - Barbarei , der ganz harmlos anfing vor 30 Jahren mit einem Popstar namens Madonna bei den MTV- Awards : ” Vogue “. Oder war’s schon bei ” Material Girl ” ? - Hab’s vergessen .

Sabine Heinrich / 28.07.2021

@Robert bauer: Herrlich! Danke!

Adam von Schluchz / 28.07.2021

Warum machen wir diesen Schwachsinn mit? Warum lassen wir uns das gefallen? Eine Minderheit aus Bescheuerten und Bekloppten will bestimmen was wir sagen dürfen. Und Politiker in Stadt und Land haben nichts Besseres zu tun diese Genderschei….  in Verwaltungsvorschriften zu gießen und das Volk zu bevormunden. Wehrt euch gegen diese Idiotismus. Hierzu ein Wort von Franz Müntefering: „Die Gescheiten müssen einfach aufpassen, dass die Bekloppten nicht das Sagen bekommen.“

Ulrich Horst / 28.07.2021

Dass hier Dornröschen mit Schneewittchen verwechselt wird, geschenkt. Merke: eine Frau, die vergiftete Apfelhälften verteilt: absolut in Ordnung. Hat sie ja einer Geschlechtsgenossin untergejubelt. Ein Mann, der einer Frau das Leben durch Mund zu Mund Beatmung rettet: was für ein alter, geiler Bock.

Robert bauer / 28.07.2021

Daß die Schlümpfe schwul sind, wissen wir bereits aus den Forschungsergebnissen von Otto Waalkes, Möglicherweise trifft das auch für die 7 Zwerge zu. Beweis: es gibt keine Zwerginnen. Die 7 Zwerge pflanzen sich gleichgeschlechtlich fort. Die nicht fortpflanzungsfähigen lassen sich als Bundestagskandidaten für die SPD in Wuppertal aufstellen.

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