Dushan Wegner, Gastautor / 29.09.2019 / 12:00 / Foto: Tim Maxeiner / 20 / Seite ausdrucken

Muss man alles verlieren, um frei zu sein?

Die folgende Szene spielt in einem Moskauer Ministerium, zur Zeit von Stalins Herrschaft. Sie stammt aus dem Buch „Im ersten Kreis“ von Solschenizyn. Ein Ingenieur wurde als Häftling in das Ministerium gebracht. Der Minister will wissen, wann der Voice Coder, ein Geheimprojekt, fertiggestellt wird.

Der Minister bekommt keinen Termin, und er versucht, den Ingenieur einzuschüchtern. Um nah an das Gefühl des Originals zu kommen, hat mein Vater (er lässt Sie grüßen und hält uns auch weiterhin für Weicheier) die Szene aus dem russischen Original übertragen – ab hier spricht also Solschenizyn, via Wegner-Vater:

Abakumov hatte auch eine Stimme, die wie der Donner laut sein könnte, und er konnte mit ihr Angst einjagen. Aber diesmal fühlte er, dass es kaum hilfreich wäre zu schreien. Es wurde ihm auch klar, dass dieser Häftling eine harte Nuss ist.

Er warnte also nur: „Hören Sie, Häftling, wenn ich Sie nett behandle, dann dürfen Sie nicht vergessen …“

„Und sollten Sie mich grob behandeln, dann würde ich mit Ihnen gar nicht reden, Bürger Minister. Sie können ihre Obristen und Generäle anschreien, diese Leute haben in ihrem Leben zu viel zu verlieren, ihnen mag das alles leid tun.“

„Wie Sie wünschen, wir werden auch mit Ihnen fertig.“

„Da irren Sie sich, Bürger Minister!“ Da konnte man für einen Augenblick einen Funken offenen Hasses in der Brille von Bobynin sehen. „Ich habe nichts, verstehen Sie, einfach nichts! Meine Frau und das Kind können Sie sich nicht nehmen. Eine Bombe hat sie mitgenommen. Und meine Eltern? Die starben schon. Und mein ganzes Vermögen auf dieser Erde – ein Taschentuch, und ein Overall, und die Unterwäsche darunter, ohne Knöpfe (er entblößte seine Brust und zeigte sie ihm) – die gehören dem Gefängnis. Freiheit habt ihr mir schon vor langem weggenommen, und mir diese zurück zu geben übersteigt Ihre Kräfte, weil Sie sie selbst nicht haben. Ich bin etwa 42 Jahre alt, verurteilt habt ihr mich für 25 Jahre, im Arbeitslager war ich schon, gefesselt war ich, die Hunde haben mich auch bewacht, und in der Kompanie mit besonders strengem Regime war ich auch – womit können Sie mir noch drohen? Was wollen Sie mir noch wegnehmen? Meine Arbeit als Ingenieur? Dadurch werden Sie mehr verlieren als ich. Ich werde jetzt rauchen.“

Abakumov öffnete eine Schachtel der 'Troikas', die für Kremlin hergestellt wurden, und schob sie Bobynin zu: „Bitte, nehmen Sie von diesen.“

„Nein, danke. Ich bleibe bei meiner Marke. Sonst huste ich.“ Er holte eine Selbstgedrehte hervor. „Übrigens, versuchen Sie es zu verstehen und geben Sie es weiter, dorthin, wer es da oben braucht, dass Sie stark sind nur so lange, so lange Sie den Menschen nicht alles wegnehmen. Aber der Mensch, dem Sie alles weggenommen haben, ist Ihnen nicht untergeordnet – er ist wieder frei.“

Entlasse Einen, erziehe Tausende

Zurück vom Nobelpreisträger von 1970 – damals waren die Preise doch noch mehr wert – zu den Nachrichten von heute. Hinter vorgehaltener Hand hört man schon länger, dass Menschen echte Angst haben, alles zu verlieren, wofür sie gearbeitet haben, was ihnen wichtig ist – ihre relevanten Strukturen. Zeichen mehren sich, dass wir alles verlieren könnten, als Gesellschaft wie auch als Einzelne.

„Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden“, so heißt es, doch in der Praxis wird es zur Makulatur. Wer sich heute auch nur mit Politikern der Opposition zum Mittagessen trifft, kann seine Stelle verlieren (siehe Welt: „Auf einem Foto mit Jörg Meuthen – Filmförderung trennt sich von ihrem Chef“). Entlasse Einen, erziehe Tausende. Einmal der Opposition die Hand geschüttelt – Job weg. Im schönen neuen Deutschland bist du jederzeit ein falsches Kopfnicken davon entfernt, alles zu verlieren.

Selbst wenn du nichts falsch machst, wenn du nie eine abweichende Meinung äußerst und einen Abweichler nicht einmal anschaust, ja sogar vor ihm ausspuckst, selbst dann kannst du alles verlieren. „Wir steuern mit Tempo auf eine Rezession zu“, so wird in der Welt ein Ökonom zitiert.

Menschen verlieren in Deutschland ihre Arbeitsplätze, und viele dieser Menschen haben sich nicht einmal durchs Denken falscher Gedanken oder Grüßen eines Oppositions-Politikers schuldig gemacht. Einige jüngere Beispiele: „Pfeffenhausen: Brandl schließt Werk – 120 Arbeitsplätze betroffen“ – „Entschieden: Sodecia trennt sich von 200 Mitarbeitern“ – „Bis zu 400 Jobs betroffen – Krones baut deutschlandweit Stellen ab“ – und so weiterund so fort.

Es gibt verschiedene Gründe, warum man in Deutschland alles verlieren kann. Nicht nur bei Anhängern der umbenannten SED wird ganz offen von Enteignungen geredet. Die Propaganda wirft den Leichtgläubigen absurd beliebige Zielgruppen hin – aktuell etwa Fahrer von sogenannten „Sports Utility Vehicles“, nicht aber die spritsaufenden Kleinbusse oder die Limousinen der Politiker und Staatsfunk-Bonzen – die Gerngehorsamen bekommen einen Feind vorgesetzt, und so sind sie davon abgelenkt und würden gar nicht merken, wenn ihnen gerade alles weggenommen würde.

Nichts mehr zu verlieren

Wenn wir mit unseren Handlungsmöglichkeiten zufrieden sind, dann nennen wir es Freiheit.

Unsere gefühlte Freiheit (gibt es eine andere?) kann (unter anderem) dann eingeschränkt sein, wenn unser Schützen und Stützen zweier verschiedener relevanter Strukturen in Konflikt gerät. Ein Mensch kann sich verpflichtet fühlen, seinem Arbeitgeber zu Diensten zu sein, oder mit seiner Familie mehr Zeit zu verbringen – zwei relevante Strukturen – und egal was er tut, wird das eine das andere einschränken, er fühlt sich also unfrei.

Was aber, wenn keine relevanten Strukturen mehr existieren würden? Wer dem Menschen alles nimmt, der nimmt ihm auch die Angst davor, dass ihm etwas genommen wird. Wer dir alle greifbaren und externen Kreise zerstört, der lässt dir nur deine inneren Kreise als relevante Struktur.

„In ihren letzten Momenten zeigen Menschen, wer sie wirklich sind“, so sagt der Joker, und es ist natürlich so zynisch wie vermutlich wahr – wer nichts mehr zu verlieren hat, der zeichnet noch einmal nach, was ihm wirklich wichtig ist. Zeige mir deine relevanten Strukturen, und ich sage dir, wer du wirklich bist.

In Markus 10,17-27 kommt ein reicher Jüngling zu Jesus und fragt, was er tun soll, um „das ewige Leben“ zu ererben. Man könnte es als „um frei zu sein“ umdeuten, um auch als „Ungläubiger“ die eigentliche Aussage zu bewahren. Jesus antwortet: „Geh hin, verkaufe alles, was du hast, und gib’s den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach!“ Der junge Mann aus Markus 10 geht traurig davon. Er will ja frei sein, will „das ewige Leben“ erben, will ganz moralisch sein, aber diese Art von Freiheit will er auch wieder nicht. Der Mensch, der alles verliert, der kann danach handeln, wie er wirklich ist, er ist also im tiefsten Sinne frei – doch will man diese Art von Freiheit wirklich anstreben?

Mit dem Stiefel im Nacken aufrecht stehen

Alles zu verlieren, das bedeutet zuerst nicht Freiheit – alles zu verlieren bedeutet zuerst Leid, viel Leid. Sie mögen mich für altmodisch halten, aber ich halte die Abwesenheit von Schmerz für besser als Schmerz. Ich bin kein Linker, kein Wir-sind-mehr-Schreier und keiner der Fanatisierten damals im Sportpalast. Ich will weder Schmerz erleiden noch Schmerz zufügen. Ich will Freiheit leben, schon bevor man alles verliert und dann keine andere Wahl hat.

Die, deren Job es ist, die Zeichen der Zeit zu deuten, erkennen in den Zeichen unserer Zeit erstaunliche Dinge – und sie denken über die Konsequenzen nach. Ein Kolumnist sinniert, er werde wohl seine „Bindungen an Deutschland lockerer gestalten.“ Ein Anderer raunte vor Jahren von einer „Insel mit Vulkan“. Machen wir uns nichts vor: Die „Guten“ werden nicht zufrieden sein, bis nicht auch der letzte Abweichler aus dem Exil schreibt, weil er nicht anders kann, als retten zu wollen, was von der Heimat noch zu retten ist.

Wir haben schon einiges verloren und wir werden noch mehr verlieren. Der Staatsfunk wird tun, was der Staatsfunk eben tut. Man wird die Masse erziehen, „nehmt uns auch noch den Rest!“ zu brüllen. Schmierige Witzemacher – oder wen man in Deutschland wieder für solche hält – werden ihre gehirngewaschenen Jünger aufwiegeln, den restlichen Leuten, die nicht alles hergeben wollen für den großen Sieg des Globalismus, es dann eben zu nehmen, dabei im großen dummen Chor „Wir sind mehr“ und „Wir diktieren hier“ brüllend.

Wir haben schon jetzt einiges verloren, wir werden noch mehr verlieren. Wer sich nicht mehr an die Orte traut, wo vor wenigen Jahren noch seine Kinder spielten, der hat ein Stück seiner Heimat verloren – gibt es so etwas wie eine „halbe“ Heimat überhaupt? Sagt, was gesagt werden muss! Habt Mut, frei zu sein, bevor ihr alles verliert. Man wird euch später sagen: Hättet ihr frei geredet, bevor ihr alles verloren habt, dann hättet ihr vielleicht nicht alles verloren. Doch wenn ihr frei redet, dann könnt ihr wiederum alles verlieren. Was also raten?

„Aber der Mensch, dem Sie alles weggenommen haben, ist Ihnen nicht untergeordnet“, so sagt der Ingenieur im Moskauer Ministerium bei Solschenizyn. Denkt und redet schon jetzt, als ob ihr nicht untergeordnet wärt. Denkt, als ob ihr keine Angst hättet, doch bleibt vorsichtig. Das nämlich ist die Kunst, die es heute braucht: Mit dem Stiefel im Nacken aufrecht zu stehen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dushanwegner.com.

 

Dushan Wegner (geb. 1974 in Tschechien, Mag. Philosophie 2008 in Köln) pendelt als Publizist zwischen Berlin, Bayern und den Kanaren. In seinem Buch „Relevante Strukturen“ erklärt Wegner, wie er ethische Vorhersagen trifft und warum Glück immer Ordnung braucht.

Foto: Tim Maxeiner

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Volker Kleinophorst / 29.09.2019

Ist doch ziemlich offensichtlich, dass sich mit PC der Ton eher verschärft hat. Durch Unterdrückung von Kritik steigt die Wut. ich finde, alle sollten auch mal wieder was aushalten lernen. Gerade Politiker. Und wer wie Künast austeilt, kann schon gar nicht für sich Artenschutz beantragen. Ich bin für #tourettefüralle und eben icht nur für Links, wo man selbstredend “Migration bis zum Volkstod” fordern kann und allen, die das etwa als Umvolkung (ewas soll es denn sonst sein) interpretieren, von morgens bis abends unflätigst bepöbeln, deren Autos anzünden, die Häuser beschmiern, ja beim Arbeitgeber die Entlassung fordern darf. Zum sicher nicht ganz feinen “Drecksfotze” ein paar Fragen: Gibt es generell keine “Drecksvotzen”? Kann das nicht “Satire” sein? Hätten wir das gleiche Medien-Theater, wenn man “Nazischlampe” (NDR, natürlich Satire) Alice Weidel so bezeichnet hätte. Wohl eher nicht. Und genau diese doppelten Standards führen zu immer mehr Druck im Kessel. Denn Links hat ja hetzefrei und die Opferrolle für sich gepachtet. Bei der Blutspur, die der Sozialismus hinter sich herzieht, schon erstaunlich, aber der Islam framed sich ja auch nicht ohne Erfolg als Religion des Friedens. Was alles zu Trump, AfD, generell “Anderdenkenden” abgesondert wird, führt hingegen nie zu Empöhrung. Das ist immer Meinungsfreiheit. PS.: Ich bin übrigens der Ansicht, dass die Unterdrückung von verbaler Gewalt also mal Dampf ablassen, zu mehr realer Gewalt führt.

toni Keller / 29.09.2019

es haben schon manche lernen müssen dass sie in Wirklichkeit nur die macht haben die miesen Anordnungen der da oben umzusetzen und nicht die Macht das zu verhindern. Dann es scheint als sei Bobynins Hinweis “oben” angekommen, die Leute haben was zu verlieren, zwar nicht Frau und Kind, was die Frau angeht, , das zeigen die Scheidungsraten , ist man froh , wenn man die Frau, den Mann wieder los ist,  Beim Kind, das zeigen die Abtreibungszahlen, sowie die Umsätze der Apotheken ist man froh, wenn es sich erst gar nicht einstellt und sollte es das doch tun, so gibt es ja den § 218, der genau regelt wie zu tun ist, was er eigentlich verbietet, Haus und Hof besitzen die Deutschen von allen EU Bürgern am wenigsten und sollten sie so etwas besitzen und eventuell auch noch vermieten, werden sie die Parteien weiter wählen, die ihnen genau das auch noch nehmen wollen. Der Deutsche hat also mehrheitlich Zahlen auf einem Stück Papier und kann sich davon Flittergüter und Flitterkonsum leisten, nichts nachhaltiges und nichts was sich lohnt zu bewahren. Ja der der nichts mehr zu verlieren hat, der ist frei, und am unfreisten ist der, der sich an Dinge hängt die es eigentlich nicht wert sind.

Rolf Menzen / 29.09.2019

@Leon Fleischer u.a. zum mitschreiben: Bei der angesprochenen Gerichtsentscheidung handelt es sich mitnichten um ein Urteil, sondern um einen zivilrechtlichen Beschluss, dass Frau Künast nicht das Recht hat, die Klarnamen der Schreiber der Kommentare vom Provider zu erfahren. Die anderslautende Darstellung vieler Medien entspricht nicht den Tatsachen.

Jens Rickmeyer / 29.09.2019

»… Nobelpreisträger von 1970 – damals waren die Preise doch noch mehr wert« — Wie wahr! Der schwedische Plasma-Physiker Hannes Alfvén erhielt in jenem Jahr den Nobelpreis für Physik; er war einer der größten Wissenschaftler des 20. Jahrhunderts, aber welcher Bildungsbürger weiß schon von seinem folgenreichen Wirken? :-(

Helmut Driesel / 29.09.2019

  Janis Joplin hat uns den Satz eingebläut, wir haben Tag und Nacht darüber nachgedacht, haben ihn gewogen und gewendet, Fragen gestellt und Antworten synthetisiert. Wann hat man nichts mehr zu verlieren? Bloß noch das nackte Leben vielleicht? Gibt es Situationen, wo man um eine Unterhose kämpfen und töten würde? Um Essen, um einen sicheren Platz für die Nacht, um Frau oder Freund? Wann ist man frei? Es ist nicht leicht. Ich kann viele Optionen haben, etwas zu tun oder zu lassen, bin ich dann frei? Viele Sachen, die man besitzt, können einen beherrschen, bedeutet das unfrei zu sein? Ich kann aber auch sehr wenig Optionen habe, zu tun oder zu lassen, innerhalb dieser Zwänge aber völlig frei sein. Habe ich keine Beziehungen zu Menschen oder Eigentum, bleiben mir kaum noch Optionen, ich kann vielleicht bleiben oder fortgehen, ich kann Hilfe suchen oder kriminell werden oder mir einen Strick besorgen oder einfach der Dinge harren, die derTag bringt. Das sind nicht die Verheißungen, die in dem Wort Freiheit mitschwingen. Es ist auch nicht die Einsicht in das Notwendige. Es sind immer Zwänge, es gibt kein Dasein ohne Notwendigkeiten, der lebende Mensch hat immer etwas zu verlieren, auch der Ingenieur oben unter Stalin. Freiheit ist jenseits aller Zwänge und Notwendigkeiten, sie ist mal reziprok und mal ganzheitlich. Sie kann groß sein oder winzig, es bleibt dennoch dieselbe, man kann sie spüren oder sich auch einbilden, dem einen erscheint sie als Freiheit für etwas, dem anderen als Freiheit von etwas. Wer keine Furcht spürt, etwas zu verlieren, kann sowohl reich als auch mittellos sein, ich habe nie herausgefunden, was Joplin oder der Komponist oderTexter damit wirklich meinten. Um so unglaublicher ist es, wie sich so eine hingeworfene Zeile Lyrik im Bewusstsein der ganzen Menschheit eingraben konnte.

Markus Blau / 29.09.2019

Es gehören immer zwei Parteien dazu, um eine Demokratie in eine Diktatur zu verwandeln. Die eine der selbsternannten Eliten, die das aus Gründen des Erhalts von Macht und Pfründen gerne möchte, und die andere,, die restliche Bevölkerung, die es sich gefallen lässt oder propagandaverblendet sogar dabei mittut. Was sich derzeit in Deutschland abspielt, ist in keinem anderen Land der Welt (Nordkorea vielleicht ausgenommen) vorstellbar. Menschen, die massenhaft auf die Straße gehen, um nach einer neuen Steuer zu schreien. Menschen, die nichts dagegen haben, wenn AfD-Verdächtige ihren Job verlieren, Menschen, die SUV-Fahrer am liebsten aus dem Auto zerren würden, Menschen, die von Millionären herausgebrüllte Parolen gegen „rechts“ bejubeln. Menschen, die wie die Eloi in Wells „Zeitmaschine“ hirn- und kritiklos in den Tag hineinleben und die schöbigen Witzchen staatsfinanzierter Pseudosatiriker über Andersdenkende beklatschen. Dieses Land verwandelt sich zunehmend in ein totalitäres Irrenhaus, in dem die vermeintlichen Ärzte die schlimmsten Irren sind, und (fast) alle machen mit…

sybille eden / 29.09.2019

Werter Herr Gildenhorn, sehr wahr was sie schreiben. Eine geschenkte Demokratie ( oder erzwungene ?), wird niemals so viel Wert geniessen wie eine erkämpfte . Das sehen wir ja jetzt bei den Enkeln dieser Demokratie. Sie wissen es einfach nicht mehr, und wollen es auch nicht mehr wissen , welche Art von Demokratie die westlichen Alliierten für Deutschland eingerichtet haben und mit deren Ausführung sie die Väter und Frauen (!) des Grundgesetzes betraut haben. “Betraut” kommt von Vertrauen, und dieses hatten sie damals ! Heute scheint es ,daß sie sich geirrt haben, und Margeret Thatcher hat es vorausgesehen ! ( Nur Sie ?) Schönen Sonntag noch.

Danny Wilde / 29.09.2019

@Leon Fleischer: die gemeinte Politikerin wird es ertragen müssen. Das Gerichtsurteil mag dennoch skandalös sein, Sie und ich werden es nicht beurteilen können, mangels genügend tiefgehender Detail- wie Rechtskenntnisse. Persönlich war ich erstaunt und fand es nicht gut, trotz meiner bestehenden Antipathie gegen die Betroffene. Die von Ihnen kritisierte Gabriele Kremmel habe ich auch anderes verstanden: sie betont ja extra “jenseits des Justiziablen” - der unnötigerweise in Erinnerung gerufene Fotzen-Unflat ist im Gegenteil eindeutig justiziabel und war es auch schon immer, und die Politikerin wäre gut beraten, die nächste Instanz anzurufen. Was wir aber heute sehen, und ich glaube, das wird ein weiterer Schutzgraben für die Angestellten (“Politiker”) des Volkes werden, ist, dass ein neues Gesetz kurz vor der Verabschiedung steht, bereits das Verächtlichmachen von EU-Symbolen unter hohe Strafen zu stellen - mit dem Argument, die Verunglimpfung nationaler Symbole würde bereits hoch bestraft, eingebracht von Politikern, die u.a. genau dadurch aufgefallen sind und nie belangt wurden. Politiker haben heute unantastbar zu sein, Debatten werden nicht geführt. Die Gleichschaltung einer einstmals lebendigen und kontroversen Demokratie steht kurz vor der Vollendung. Dushan Wegners Artikel sagt dazu eigentlich alles.

Petra Wilhelmi / 29.09.2019

Ein feiner Artikel, Herr Wegener. Aber man kann jeden etwas nehmen, auch wenn er nichts mehr Materielles besitzt. Das Leben. Ein Gefangener im Straflager sieht das sicherlich anders. Der Mensch ist aber i.d.R. von Natur aus einer, der den kleinsten Zipfel anfasst, um leben zu können. Noch steht in Deutschland ein Lager zur Umerziehung nicht zur Debatte - hoffe ich jedenfalls - aber ohne Geld dazustehen, also den sozialen Tod zu erleiden, macht Menschen meist fügsam. Ich verstehe auch (zwar nicht immer) das im Westen von Deutschland die Freiheit als etwas Gegebenes angesehen wird, was nie enden kann. Ihnen fehlt es, eine Diktatur erlebt zu haben. Noch mehr fehlt es ihnen, das kurze Zeitfenster der völligen Freiheit erlebt zu haben. Der Zeit, wo alles in Frage gestellt werden konnte. Wo Ideen, wie man die Zukunft gestalten könnte, nur so sprudelten. Wo hohes Leitungspersonal vor ihren Arbeitern Rechenschaft ablegen mussten und oft auch gezwungen wurden, ihren Posten niederzulegen. Dieser ganz kurze Augenblick der Freiheit ist so kostbar gewesen, dass man ihn nicht missen wollte und diesen Augenblick trägt man noch in seinem Herzen. Deshalb empfinden auch viele Ostdeutsche diese neue Entwicklung besonders schlimm, diese bleierne Decke, die überall auf den Problemen liegt. Dieses Zurückdrehen der Meinungsfreiheit, dieses Kanalisieren von Meinungen in eine Einheitsmeinung und den dazugehören Block, der dieses Mal nicht die nationale, sondern die internationale Front heißen müsste. Das ist für viele Menschen - gerade hier im Osten - zur Horrorvorstellung geworden. Das alles wissen diejenigen, die immer im Westteil gelebt haben und diejenigen, die beim Umbruch in der DDR noch Teenies und jünger waren nicht und somit ruhen sie sich auf der Matte, die sie Demokratie und Freiheit nennen, aus. Leider.

Leon Fleischer / 29.09.2019

@Detlef Fiedler, vielleicht sollten Sie sich unter die „herrliche“ Glocke stellen, oder die Abgeordneten der AfD und Ihr Wunsch ginge möglicherweise in Erfüllung:-)

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