Gastautor / 29.02.2012 / 11:48 / 0 / Seite ausdrucken

Multikulti in Uelzen

Manfred Gillner

Es sind Szenen, die an den brutalen Schläger-Angriff in einem Berliner U-Bahnhof erinnern: Ein junger Mann schlägt einen Passanten mit einer Bierflasche nieder, als das Opfer halb bewusstlos und wehrlos am Boden liegt, hagelt es Tritte auf den Kopf. Der 41-Jährige hatte einem Pärchen helfen wollen, das nachts von einer Gruppe bedrängt worden war. Seine Zivilcourage hätte er fast mit dem Leben bezahlt: Auf der Intensivstation stellt Ärzte unter anderem einen Bruch der Stirnhöhle, der Nase und ein Schädel-Hirn-Trauma fest. Der brutale Angriff ereignete sich nicht in der Bundeshauptstadt, sondern in der Provinz: Seit nunmehr mehreren Monaten terrorisiert eine Jugendbande die kleine Kreisstadt Uelzen im Nordosten Niedersachsens. In Ermittlerkreisen werden die rund ein Dutzend Heranwachsenden zwischen 18 und 21 Jahren nur die Douglas-Bande genannt. Denn die Mitglieder mit arbabischem und osteuropäischem Hintergrund treffen sich zumeist vor der gleichnamigen Parfümerie in der Innenstadt. Von dort ziehen sie in wechselnder Besetzung los, um Ärger zu machen.

http://www.merkur-online.de/nachrichten/deutschland/eine-jugendbande-eine-kleinstadt-terrorisiert-1526634.html

Der medizinische Gutachter Dr. Hubert Kampmann sagte: „Im vorliegenden Fall bestand für das Opfer keine Lebensgefahr.“ Dies ist einer der Gründe, warum die Jugendkammer die Anwälte der Angeklagten darauf hinwies, dass sie ihre Verteidigung nun auch in Richtung gefährliche Körperverletzung auslegen könnten. Richter Knaack nannte einen zweiten Grund: „Für einen versuchten Totschlag brauchen wir konkrete Anknüpfungstatsachen – und die sind hier sehr dünn.“ Bislang hatte nur einer der zahlreichen Zeugen einen Angeklagten, Ismail N., stark belastet. Es gibt den Verdacht, dass Zeugen vor ihren Aussagen beeinflusst wurden, der Vorsitzende Richter hatte mehrere Zeugen danach gefragt. Denn die beiden Angeklagten gehören laut Ermittlern zu einer Bande, deren Mitglieder in Uelzen immer wieder durch Gewalttaten auffallen würden. Eine als Zeugin geladene junge Frau verhehlt ihre Angst nicht, ihr Onkel – von Beruf Rechtsanwalt – hatte für ihre Aussage eine „geschützte Vernehmung“ mit einem rechtlichen Beistand beantragt. Das wurde abgelehnt, sie soll nun Mitte Februar aussagen.

http://www.az-online.de/nachrichten/landkreis-uelzen/uelzen/zeugin-angst-einer-aussage-1567584.html

Auch die Redakteure der „Allgemeinen Zeitung“, die über den Prozess in Lüneburg berichten, sind scharfen Angriffen ausgesetzt. „Wir schlachten dich ab, du Schwein. Das war dein letzter Artikel“, hätten Angehörige bei Anrufen gedroht, sagt der Redakteur Thomas Mitzlaff. „Scheiß Journalisten, wir machen euch platt“, hätten sie vor dem Gerichtsgebäude gerufen, demonstrativ ihre Messer gezeigt. Sogar im Gerichtssaal sei es zu Pöbeleien gekommen, berichtet Mitzlaff. „Ihr solltet besser nicht schreiben“, habe ihm jemand von hinten zugeraunt. „Ihr wisst ja, was anderen passiert ist.“ Das sei kein gutes Gefühl, sagt der Journalist.

http://www.haz.de/Nachrichten/Der-Norden/Uebersicht/Jugendbande-terrorisiert-Geschaeftsleute-in-Uelzen

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