Gastautor / 19.06.2012 / 16:15 / 0 / Seite ausdrucken

Mosebach heisst die Kanaille

Gerd Buurmann

Während sich der persische Dichter und Sänger Shahin Najafi in Köln verstecken muss, weil unter anderem Großayatollah Lotfollah Safi Golpayegani eine Fatwa, ein Todesurteil, über ihn gesprochen hat, schreibt Martin Mosebach von der Frankfurter Rundschau:

“Es ist wahrscheinlich hoffnungslos, in der Gegenwart an den Geschmack von Künstlern zu appellieren, die es nach Blasphemie gelüstet: an die instinktive Abneigung, Wehrlose zu verletzen, durch weit geöffnete Türen zu rennen und dabei ein Siegesgeheul auszustoßen, sich in einer abgestumpften und gelangweilten Umgebung aufzuführen, als habe man soeben den Scheiterhaufen der Inquisition riskiert. In diesem Zusammenhang will ich nicht verhehlen, dass ich unfähig bin, mich zu empören, wenn in ihrem Glauben beleidigte Muslime blasphemischen Künstlern – wenn wir sie einmal so nennen wollen – einen gewaltigen Schrecken einjagen. Ich begrüße es, wenn es in unserer Welt wieder Menschen wie Jean Jacques Rousseau gibt, für die Gott anwesend ist. Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird. (…) Die Risiken, die er mit seinem Regelverstoß eingeht, werden ihn aber zugleich vor der Leichtfertigkeit im Umgang mit ihm bewahren. Er wird sich bei seiner Arbeit fragen: Ist diese blasphemische Passage, dies blasphemische Element wirklich notwendig, ist es ein unersetzbarer Teil meines Werks – oder nur Schnörkel, Laune oder Ungezogenheit? Muss ich dieses Wagnis eingehen, wenn ich mich weiter im Spiegel anschauen können will? Und diese Fragen werden dem Werk zugute kommen. Und einem auf diese Weise zustande gekommenen Werk werden ernsthafte Gläubige einen vielleicht widerwilligen Respekt nicht versagen.”

Mit diesen Worten hat sich Martin Mosebach in meinen Augen definitiv den Titel Ayatollah von Frankfurt verdient! Mosebach singt ein Loblied auf jene, die blasphemischen Künstlern “einen Schrecken” einjagen, während sich zu gleicher Zeit ein persischer Dichter in Deutschland verstecken muss, weil er in einem Lied die Blasphemie begangen hat, den 10. Imam höchstpersönlich um Beistand für seinen Kampf für Frauen- und Männerrechte, für die sexuelle und politische Befreiung, für Lust, Freiheit und Geilheit zu beten. Seit dem Lied verbreiten die staatlich kontrollierten Medien Irans einen Tötungsbefehl gegen Shahin Najafi. Vom Regime werden Fotos ins Netz gestellt, auf denen sein Kopf in einem Fadenkreuz zu sehen ist. Nicht selten weißt sein Kopf sogar Einschusslöcher auf. Gleichzeitig werden Demonstrationen für die Ermordung Shahins organisiert. In Deutschland sollen iranische Stellen das Todesdekret gezielt an hier lebende Iraner weitergeleitet haben. Kölner Islamisten prahlen sogar auf Facebook damit, Shahin in Kürze aufzuspüren und abzustechen. Und was sagt Ayatollah Martin Mosebach dazu?

“Es wird das soziale Klima fördern, wenn Blasphemie wieder gefährlich wird.”

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