Stefan Frank / 07.05.2017 / 18:00 / Foto: Petteri Sulonen / 6 / Seite ausdrucken

Mord am Chiemsee: Christenverfolgung in Deutschland

Aus dem Polizeibericht:

Am Samstagabend, 29. April 2017, attackierte ein 29-jähriger Afghane eine 38-jährige Landsfrau im Ortsgebiet von Prien. Die Frau wurde dabei schwerstverletzt, sie erlag noch im Laufe des Abends Ihren Verletzungen. Der Angreifer konnte vor Ort festgenommen werden. Staatsanwaltschaft und Kripo Rosenheim ermitteln nun wegen eines Tötungsdeliktes. Gegen 18:45 Uhr gingen bei der Einsatzzentrale des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd mehrere Notrufe ein, wonach eine Frau vor einem Supermarkt im Ortsgebiet niedergestochen und schwer verletzt worden sei. Ein 29-jähriger Afghane konnte vor Ort von einem zufällig anwesenden Polizeibeamten in Freizeit und Passanten trotz heftigen Widerstandes überwältigt und von den Beamten der Polizeiinspektion Prien festgenommen werden. Die beiden 5 und 11 Jahre alten Kinder der Frau mussten die Tat mit ansehen. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich sofort um die beiden Kinder, sie wurden bis auf weiteres in Obhut genommen.

Das Opfer, Farimah S., hatte vor acht Jahren den Islam verlassen und das Christentum angenommen und war vor sechs Jahren wegen der Christenverfolgung in ihrem Heimatland nach Deutschland geflohen. Der Täter soll die Frau nur flüchtig gekannt haben. Nach Polizeiangaben habe er die Tat gestanden, aber bislang nicht über sein Motiv gesprochen. Die Polizei hält ein religiöses Motiv für gut möglich. Farimahs Schwester Somi sagte gegenüber „Bild“: „Meine Schwester musste sterben, weil sie Christin wurde.“

Afghanistan: Morde an Christen sind normal 

So sieht es auch Ado Greve, Öffentlichkeitsreferent des überkonfessionellen christlichen Hilfswerks Open Doors, das sich seit mehr als 60 Jahren und heute in etwa 60 Ländern für verfolgte Christen einsetzt. „Afghanistan ist als ein Land bekannt, aus dem sowohl Opfer als auch Täter kommen“, so Greve im Gespräch mit dem Autor. „Afghanistan steht auf dem Weltverfolgungsindex von Open Doors auf Platz drei, d.h. es gehört zu den Ländern mit extremer Christenverfolgung. Dort ist es bei Todesstrafe verboten, den Islam zu verlassen.“

Diejenigen, die das dennoch täten, müssten – wenn es bekannt werde – entweder mit juristischer Verfolgung seitens der Regierung rechnen oder eben mit Verfolgung durch die eigene Familie oder religiöse Gruppierungen, „also islamische Gruppierungen, die dafür sorgen, dass der vom Islam Abgefallene der Todesstrafe zugeführt wird, auf unterschiedliche Art und Weise“. Von daher sei dieses Denken bei dem Täter von Prien „ein völlig normales und in den Islam, wie er ihn versteht, integrierbar“, so Greve.

„Im Koran kann er nachlesen, dass die, die vom Islam abfallen, getötet werden müssen. Wenn er sich dann darauf beruft, dann hat er nach seinem Verständnis der Religion gehandelt, und dann ist das absolut religiös begründet.“ Es sei bekannt, dass der Mörder vor dem Lidl-Markt auf die vierfache Mutter gewartet habe. „Es war also eine gezielte Tat. Er hatte ein Messer dabei. Er wusste, was er tun wollte und hat es ausgeführt. Die Einschätzung der Schwester und anderer Personen aus dem Umfeld der Mutter, ist nachvollziehbar: Farimah musste sterben, weil sie Christin war.“

Behörden: Kein Interesse an Aufklärung

Sind Open Doors ähnliche Fälle aus Deutschland bekannt? „Es gab in Deutschland vereinzelt Morde an afghanischen Frauen“, sagt Greve. Inwieweit diese religiös begründet gewesen seien, wisse er nicht – oft würden Behörden diesbezüglich möglicherweise gar nicht recherchieren und ermitteln. Solche Fälle würden eher als „Familienstreitigkeiten“ oder „Beziehungstaten“ eingestuft, weil dem „zentralen Stellenwert der Religion im Leben der Täter“ nicht die nötige Beachtung geschenkt werde.

„Muslime sind in der Regel dazu geneigt, ihre Religion sehr ernst zu nehmen. Wenn sie den Islam streng konservativ auslegen, wozu die Anwendung der Scharia gehört, dann kann es sein, dass wenn in der Familie die Tochter zum Christentum konvertiert, sie vom Onkel, Vater oder Bruder ermordet wird, was dann nach außen hin leicht wie eine Beziehungstat erscheinen kann, wenn niemand nachforscht, ob sich das Opfer dem Christentum zugewandt hat – manchmal ist das ja vielleicht nach außen auch gar nicht bekannt.“

Anders im Fall der ermordeten Farimah. „In Prien gibt es ja Christen, die sagen, dass sie Farimah kennen, dass sie seit acht Jahren Christin war, dass sie sich in Prien hat taufen lassen und eine sehr eifrige Christin war, die gern über ihren christlichen Glauben sprach. Sehr konservative Muslime reagieren dann möglicherweise mit Ablehnung, Widerwillen und vielleicht sogar mit Hass und Gewalt.“

„Hunderte solcher Fälle“

Raten Kirchen ehemaligen Muslimen, die zum Christentum übergetreten sind, zu besonderer Vorsicht? „Sie werden ihnen vielleicht sagen, dass sie nicht allein aus dem Haus gehen sollen, dass sie Acht geben sollen, wenn sie merken, dass sie bedroht werden und dass sie dies unbedingt der Polizei melden sollen“, so Greve. Seine Organisation wisse von etlichen Pfarrern und Pastoren in Deutschland, die Open Doors gegenüber Übergriffe gemeldet haben, dass es leider „Hunderte solcher Fälle“ gebe, wo christliche Flüchtlinge in Deutschland und oft eben auch Konvertiten Gewalt erlebt hätten. Im Oktober hatte Open Doors einen Bericht über religiös motivierte Übergriffe auf christliche Flüchtlinge in Deutschland veröffentlicht. In der Pressemeldung dazu heißt es:

Von 743 Betroffenen berichten 617 (83%) von mehrfachen Übergriffen, 314 (42%) von Todesdrohungen, 416 (56%) von Körperverletzungen, 44 (6%) von sexuellen Übergriffen. Die Übergriffe gingen zu 91% (674) von muslimischen Mitflüchtlingen aus, zu 28% (205) von muslimischem Wachpersonal und zu 34% (254) von anderen Personen. Bei den Übergriffen waren oft auch mehrere Personen beteiligt. Mangelnde Hilfe seitens Wachdienste, Heimleitung sowie Behörden verschärfte nicht selten die Situation der Betroffenen.

Christen werden als Lügner dargestellt

Pfarrer Gottfried Martens von der Evangelisch-Lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde in Berlin ist deutschlandweit bekannt dafür, sich für verfolgte Christen und zum Christentum übergetretene ehemalige Muslime einzusetzen. Für wie plausibel und wahrscheinlich hält er es, dass Farimah ermordet wurde, weil sie sich zu Jesus Christus bekannte?

„Ich habe natürlich auch keine Informationen über den psychischen Zustand des Täters und könnte über seine Motive von daher auch nur spekulieren“, sagt Martens. Übergriffe auf konvertierte Christen aus dem Iran und Afghanistan durch radikale muslimische Afghanen wegen ihrer Konversion erlebten er und seine Gemeinde allerdings immer wieder.

„Zurzeit wohnen bei uns in den Gemeinderäumen fünf Christen aus unserer Gemeinde, die aus dem Iran und Afghanistan stammen und von einem radikalen muslimischen Afghanen wegen ihrer Konversion zum Teil schwer verletzt wurden: Dem einen wurden alle Zähne im Vorderbereich ausgeschlagen, einer hat eine lange Wunde am Kopf, die mit zahlreichen Stichen genäht werden musste, ein anderer läuft zurzeit an Krücken, weil ihm der Täter seinen Fuß mit einem Stein schwer verletzt hatte; ein anderer kam mit Würgemalen am Hals zu uns.“ Leider nähmen die zuständigen Behörden – die Polizei nehme er von dem Vorwurf ausdrücklich aus – solche Übergriffe „überhaupt nicht ernst“.

„Das erfahren wir seit zwei Jahren immer wieder. Von daher sind wir einfach ganz pragmatisch dazu übergegangen, Opfer solcher gewalttätiger Übergriffe bei uns in den Gemeinderäumen erst einmal aufzunehmen, zumal der Täter in diesem Fall offen damit gedroht hat, die fünf künftig zu ermorden.“ Dennoch sei der Täter bereits am nächsten Tag wieder freigelassen worden und „wartet nun schon auf seine Opfer“. Vertreter der politischen Parteien und der Kirchen wollten von solchen Vorkommnissen nichts wissen und stellten die „Opfer immer wieder als Lügner“ dar. „Ich würde ihnen gerne einmal persönlich die Verwundungen zeigen – aber dann würden wir wahrscheinlich wieder zur Antwort bekommen, dass die Christen schuld seien und angefangen hätten oder dass es wahrscheinlich wieder nur um einen Streit ums Essen gegangen sei.“

Motiv „beliebig austauschbar“?

Der Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Prien, welcher Farimah angehörte, Karl-Friedrich Wackerbarth, war für eine Stellungnahme für diesen Artikel nicht zu erreichen. In der Presse ist er zum möglichen Tatmotiv mit unterschiedlichen Äußerungen zitiert worden. In seiner Trauerrede sagte er: „Farimah hat ihr Christsein mit dem Leben bezahlt - so müssen wir vermuten.“ Einige Tage zuvor hatte er hingegen noch gesagt: „Ich tue mich schwer, das Verbrechen an unserem Gemeindemitglied als religiös motiviert zu sehen.“

Da der mutmaßliche Täter psychisch krank sei, seien „Anlass und Motiv der Tat beliebig austauschbar“. Hatte der Pfarrer gehofft, es möge sich ein anderes als ein religiöses Motiv finden? In seiner Trauerrede sagte Wackerbarth: „Es ist genau das passiert, wovor wir alle Angst hatten: ein Mord, der Vorurteile und Ängste schürt."

Foto: Petteri Sulonen Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia Commons

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Leserpost

netiquette:

Karla Kuhn / 07.05.2017

„Es ist genau das passiert, wovor wir alle Angst hatten: ein Mord, der Vorurteile und Ängste schürt.“Früher war ein Pfarrer noch eine Autorität, heute kann man über so eine Aussage nur noch den Kopf schütteln. Der Mord ist ein Skandal. Er schürt keine Vorurteile, zu viel ist in den letzten zwei Jahren passiert, als daß man noch wegschauen darf. Und ein Pfarrer erst recht nicht, er hat diese miese Tat öffentlich anzuprangern.  Die Kirche ist doch sonst auch nicht zimperlich, wenn es um Andersdenkende geht.  Komisch, meistens wenn ein Asylant/Flüchtling eine Straftat begeht, wird ihm eine psychische Krankheit zugeschrieben.

Belo Zibé / 07.05.2017

Pfarrer Wackerbarth scheint neben dem “Worthülsen-Spiel” auch psychologische Schnell-Diagnoseverfahren zu beherrschen. “Rückt näher zusammen, dann kann euch der Wolf nichts anhaben”, sprach der Hirte zu seinen Schafen, bevor er sich in die Behaglichkeit seines Schäferwagens zurückzog.

JF Lupus / 07.05.2017

Immer wieder zeigt sich, dass der Islam weder friedlich noch mit der freiheitlichen westlichen Kultur kompatibel ist. Er hat in seinem Anspruch, die einzig richtige Ideologie zu sein, mit seinem erklärten Ziel der Ausrottung aller Juden und der Unterdrückung und Ermordung aller “Ungläubigen” hohe Übereinstimmung mit der NS-Ideologie - auch deshalb gehört der Islam weder zu Deutschland noch zu Europa. Der Islam gehört verboten. Und diese Meinung ist weder rechtsradikal noch rassistisch, nicht ausländerfeindlich und nicht nationalsozialistisch. Sie ist gesunder Menschenverstand.

Wilfried Cremer / 07.05.2017

Ein auf der Hand liegendes klares Urteil wird aus Feigheit und Angst zum Vorurteil umdeklariert. Diese raffinierte Lüge ist heute das Kainsmal von Scheinchristen bis in höchste Ämter.

Klaus Reichert / 07.05.2017

Tja, der wackere Pfarrer und die Haltung zeigenden Politiker. Immer wieder das Muster “Hoffentlich war es nicht das, was es ganz offensichtlich war”. Hätten sie doch nur dem Täter rechtzeitig gesagt, dass seine Tat nur den “Rechten” in die Hände spielt. Wer weiß, vielleicht hätte er’s gelassen?

Axel Kracke / 07.05.2017

„Es ist genau das passiert, wovor wir alle Angst hatten: ein Mord, der Vorurteile und Ängste schürt.“ Anscheinend sind die “Vorurteile und Ängste” das eigentliche Ärgernis dabei und noch schlimmer als der Mord selber…

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