Georg Etscheit / 20.11.2020 / 16:30 / Foto: Frank Vincentz / 14 / Seite ausdrucken

Monumente mit und ohne Stehvermögen

Was unterscheidet einen Penis von einem Kreuz? Der eine steht (wieder), das andere stört und soll weg. Die Süddeutsche Zeitung berichtet Anfang dieser Woche in ihrem Bayernteil, dass ein von Unbekannten errichteter Holzpenis auf dem Gipfel des 1.738 Meter hohen Grünten im Allgäu endlich wieder die ihm gebührende vertikale Position eingenommen hat. In sozialen Netzwerken hätten sich viele User dazu bereit erklärt, das „wohl ungewöhnlichste Kulturdenkmal des Allgäus“ wieder aufzurichten, nachdem es vermutlich Kühe, die sich lustvoll daran rieben, zu Fall gebracht hatten. Wer das selbst geschnitzte Phallussymbol dereinst auf den Berg geschleppt hatte, ist unbekannt. Beschwert hätten sich jedenfalls nur wenige Wanderer, wird der Wirt der benachbarten Grüntenhütte, ein gewisser Norbert Zeberle, zitiert, der das „ziemlich humorlos“ findet. „Es ist doch schön, dass man in Corona-Zeiten über so etwas lachen kann“.

Wenige Tage später informiert wiederum die SZ, nun selbst bemerkenswert humorlos, unter der Überschrift „Diese Art Wildwuchs nimmt überhand“ über die Untaten von Naturfrevlern im Nationalpark Bayerischer Wald. Rowdys hätten am 1.203 (!) Meter hohen Fahrenberg mitten in der streng geschützten Kernzone des Nationalparks ein großes, metallenes Kreuz in eine Felswand geschraubt. „Solche Aktionen haben mit der Wertschätzung der Schöpfung nichts zu tun“, empört sich Nationalpark-Chef Franz Leibl, ganz christlich, auf Bitte des Reporters. An den Drei Zwergen, einer markanten Felsformation am gleichfalls im Nationalpark liegenden Hohen Filzberg (1.279 Meter) – der auf Sprachschönheit bedachte Qualitätsjournalist setzt die Höhenangabe in Klammern, um eine unschöne Wortdopplung (der 1.279 Meter hohe Hohe Filzberg) zu vermeiden – sei „mit schwerem Gerät“ sogar ein „richtig großes Kreuz“ aufgestellt worden, versehen mit der Aufschrift „Gläubige stellen Kreuze auf, Ungläubige lassen sie entfernen.“ Diese Aufschrift habe Leibl besonders verärgert. Seiner Meinung nach hätten die Kreuze mit Glauben nichts zu tun. Sie seien vielmehr ein „Zeichen der Missachtung der Natur und damit der Schöpfung Gottes“.

Was lernen wir daraus? Penisse haben mehr Stehvermögen als Kreuze, sogar im einst so christkatholischen Bayern.

Foto: Frank Vincentz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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Marcel Seiler / 20.11.2020

Das bildet den Wertewandel ab. Das Eigene wird zerstört. Dafür ist auch die Verherrlichung von Obszönitäten ein Zeichen. Heilig werden stattdessen fremde Kulturen (Islam) und randständige Minderheiten (LGBTQ+) und ein abstrakter Begriff von “Umwelt”. Was das alles treibt, ist mir nicht klar.

Wilfried Cremer / 20.11.2020

Die Kreuze wurden in vorauseilendem Gehorsam entfernt; die Gegend ist ein bischöfliches Wanderrevier. / Den Pimmel haben Japaner vor Ort geschnitzt, mit der Handkante. Man hat es bis ins Tal gehört.

Stefan Riedel / 20.11.2020

Da gibt es feine, aber kleine Unterschiede. So ein ( Möbelstück, natürlich), Ständer, der natürlich, kein nicht grüner Nichtständer sein darf. Ich muss bekennender nicht grüner Nichtständer werden. Ich frage gerade , Josef “Meineid” Fischer (Grüner, für die jüngeren Achse- Leser), und der Ständer…?

Frank Stricker / 20.11.2020

Na wie wärs noch mit “Vulven malen” bei den “drei Zwergen”,dann bricht der Nationalpark-Chef Leibl aber vollends zusammen…......

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