Was unterscheidet einen Penis von einem Kreuz? Der eine steht (wieder), das andere stört und soll weg. Die Süddeutsche Zeitung berichtet Anfang dieser Woche in ihrem Bayernteil, dass ein von Unbekannten errichteter Holzpenis auf dem Gipfel des 1.738 Meter hohen Grünten im Allgäu endlich wieder die ihm gebührende vertikale Position eingenommen hat. In sozialen Netzwerken hätten sich viele User dazu bereit erklärt, das „wohl ungewöhnlichste Kulturdenkmal des Allgäus“ wieder aufzurichten, nachdem es vermutlich Kühe, die sich lustvoll daran rieben, zu Fall gebracht hatten. Wer das selbst geschnitzte Phallussymbol dereinst auf den Berg geschleppt hatte, ist unbekannt. Beschwert hätten sich jedenfalls nur wenige Wanderer, wird der Wirt der benachbarten Grüntenhütte, ein gewisser Norbert Zeberle, zitiert, der das „ziemlich humorlos“ findet. „Es ist doch schön, dass man in Corona-Zeiten über so etwas lachen kann“.
Wenige Tage später informiert wiederum die SZ, nun selbst bemerkenswert humorlos, unter der Überschrift „Diese Art Wildwuchs nimmt überhand“ über die Untaten von Naturfrevlern im Nationalpark Bayerischer Wald. Rowdys hätten am 1.203 (!) Meter hohen Fahrenberg mitten in der streng geschützten Kernzone des Nationalparks ein großes, metallenes Kreuz in eine Felswand geschraubt. „Solche Aktionen haben mit der Wertschätzung der Schöpfung nichts zu tun“, empört sich Nationalpark-Chef Franz Leibl, ganz christlich, auf Bitte des Reporters. An den Drei Zwergen, einer markanten Felsformation am gleichfalls im Nationalpark liegenden Hohen Filzberg (1.279 Meter) – der auf Sprachschönheit bedachte Qualitätsjournalist setzt die Höhenangabe in Klammern, um eine unschöne Wortdopplung (der 1.279 Meter hohe Hohe Filzberg) zu vermeiden – sei „mit schwerem Gerät“ sogar ein „richtig großes Kreuz“ aufgestellt worden, versehen mit der Aufschrift „Gläubige stellen Kreuze auf, Ungläubige lassen sie entfernen.“ Diese Aufschrift habe Leibl besonders verärgert. Seiner Meinung nach hätten die Kreuze mit Glauben nichts zu tun. Sie seien vielmehr ein „Zeichen der Missachtung der Natur und damit der Schöpfung Gottes“.
Was lernen wir daraus? Penisse haben mehr Stehvermögen als Kreuze, sogar im einst so christkatholischen Bayern.
Beitragsbild: Frank Vincentz CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Ärzte erzählen sich manchmal frivole Ärztewitze: Beisetzung eines berühmten Kardiologen, große feierliche Enthüllung des Grabmonuments - ein großes Herz! In die ergriffene Stille hinein kichert ein Kollege, erntet strafende Blicke und entschuldigt sich: „Tut mir leid, ich musste gerade an meine eigene spätere Beisetzung denken - ich bin Urologe!“
Da wird doch nicht etwa der Bedford-Strohm Heinrich seine Finger in der Sache haben, ist er doch Spezialist fürs Kreuze abnehmen mit seinem Spezi Marx.
Stat crux dum volvitur orbis
@Marcel Seiler: So sehe ich das auch. Alle Gute, Schöne, Traditionelle und Bewährte muss zerstört werden und das Hässliche und Obszöne wird verherrlicht. Der verhasste Mann wird reduziert auf das überdimensionale Geschlechtsteil. Dahinter steckt meiner Meinung nach ein abgrundtiefer Hass auf das Männliche, das Deutsche, deutsche Tugenden und Traditionen.
Dass es erstrebenswert ist den Holzpenis in eine horizontale Position zu bringen, ist mir neu.
"Jede Aufzeichnung wurde vernichtet oder verfälscht, jedes Buch überholt, jedes Bild übermalt, jedes Denkmal, jede Straße und jedes Gebäude umbenannt, jedes Datum geändert. Und dieses Verfahren geht von Tag zu Tag und von Minute zu Minute weiter." George Orwell, 1984
Tja, in unchristlichen, gottlosen Zeiten braucht's auch keine entsprechende Symbole mehr. Hier offenbahrt sich die Degeneration und Verwahrlosung einer oberflächlichen, egozentrierten Gesellschaft, die sich zu Tode amüsiert, der nichts mehr heilig ist und für die die Worte 'Demut', 'Pflicht', 'Verantwortung' und 'Dankbarkeit' Fremdwörter geworden sind. Das ist in der Tat "spätrömische Dekadenz".