Henryk M. Broder / 27.10.2014 / 21:27 / 22 / Seite ausdrucken

Monster bei Maischberger

Ein ARD-Sender plant für sein Drittes Programm eine neue Satirereihe. Der zuständige Redakteur ruft mich an und fragt, ob ich eine Idee für eine fiktive Talk-Show hätte, eine Parodie auf Jauch, Illner, Plasberg, Will und Maischberger. Ich zögere nicht lange und sage zu. Die Aufgabe ist reizvoll, das Honorar ordentlich.

Ich setze mich in meinen alten Saab und fahre nach Swinoujscie, das ehemalige Swinemünde an der Ostsee. Um etwas Fiktives zu schreiben, will ich in einer Umgebung sein, in der nicht Deutsch gesprochen wird, aber nah genug an ARD und ZDF, um mich anregen zu lassen.

Das A und O einer Talkshow sind die Gäste. Die Zusammensetzung muss stimmen. Und es muss ordentlich menscheln. Der Moderator bzw. die Moderatorin sollte in der Lage sein, jedes Thema mit der gleichen inneren Anteilnahme zu moderieren. Kindesmissbrauch ebenso wie die Mautfrage. Es muss, wie beim Puppentheater, einen Guten und einen Bösen geben, dazu einen Komiker und einen, der die Diskussion immer wieder auf den Ausgangspunkt zurück bringt.

Ein Format spricht mich besonders an: „Menschen bei Maischberger“, weil es ohne Publikum auskommt. Es gibt keine Claquere im Saal und die Gäste wissen nicht, wie sie ankommen. Ich schaue mir ein paar Folgen an und mache mich dann an die Arbeit. „Monster bei Maischberger“ soll die Parodie heißen.

In nur zwei Tagen ist ein etwa 20 Minuten langes „Drehbuch“ fertig. Ich schicke es an den Sender und fahre wieder heim nach Berlin. Noch am selben Tag ruft mich der Redakteur an.

„Sagen Sie mal, Herr Broder“, brüllt er ins Telefon, „was haben Sie sich dabei gedacht? Wir haben Sie um eine Satire gebeten, eine Satire! Keine Geschichte von Marsianern!“ Ich will etwas sagen, komme aber nicht dazu. „Glauben Sie wirklich, irgendein Moderator oder eine Moderatorin würde es hinnehmen, wenn die Gäste solchen Unsinn reden? Glauben Sie wirklich, irgendeine Redaktion würde eine durchgeknallte Konvertitin einladen, die immer nur ‚das hat doch nichts mit dem Islam zu tun’ stammelt oder einen Journalisten, der unterstellt, die ‚Köpfungen’ habe es nicht gegeben? Glauben Sie das wirklich, Herr Broder?“

Der Mann ist nicht zu bremsen. „Und dann diese Reporterin, die Sie sich ausgedacht haben. Unfassbar! Das Allerletzte! Das Internet ist das Problem! Google soll dafür sorgen, dass wir von den Köpfungen nichts mitbekommen! Das ist keine Satire. Das ist irre!“

Ich lege den Hörer auf den Tisch, hole mir eine Cola aus dem Kühlschrank, schaue die Post durch und gehe zurück zum Telefon. Der Redakteur tobt noch immer.

„Gerade von Ihnen hätte ich was anderes erwartet, Herr Broder, Realismus, keine Hirngespinste!“

Ich stelle den Hörer vorsichtig in die Basisstation zurück, lege mich auf mein blaues Ikea-Sofa, aktiviere den Fernseher und schaue mir eine Wiederholung von „Menschen bei Maischberger“ an.

Anmoderation Maischberger:
Guten Abend und herzlich willkommen zu unserer Sendung. „Allahs gottlose Krieger“, so nannte Der Spiegel neulich die Kämpfer des Islamischen Staates, und wir sehen Hinrichtungen, wir sehen Exekutionen, wir hören die Gräuelpropaganda und sind unfähig, seit Monaten eine Antwort darauf zu finden. Gibt es überhaupt eine gute Antwort darauf? Wenn ja, ist es unbedingt eine militärische Antwort? Und wohin führt uns dieser Konflikt, wird es ein Flächenbrand, kommt er zu uns über die Türkei, müssen wir auch Anschläge in Deutschland befürchten? Viele Fragen heute in der Sendung mit dem Titel: „Der IS-Kreuzzug, wird aus dem Glaubenskrieg ein Flächenbrand?“

Vorstellung der Gäste
(http://www.daserste.de/unterhaltung/talk/menschen-bei-maischberger/sendung/21102014-der-kreuzzug-des-is-wird-aus-dem-glaubenskrieg-ein-flaechenbrand100.html)

Maischberger: Der jüngste Höhepunkt in dieser Propagandaschlacht kam letzte Woche, da erreichte uns die Nachricht, dass gefangene Frauen und Kinder von der IS versklavt werden.

Infofilm

Maischberger: Frau Rados, Sie waren gerade in diesen Gebieten, ist das Propaganda oder ist es Realität?

Antonia Rados: Es ist beides. Und ich glaube, man muss aufpassen, dass man hier wirklich unterscheidet zwischen dem, was dieser Islamische Staat oder diese Milizen des Islamischen Staates aus dieser Lage machen, und das, was tatsächlich vor sich geht. Es gibt natürlich jesidische Frauen und kurdische Frauen, die von diesen Milizen festgenommen werden. Wenn sie aber mit diesen Frauen reden, dann merken sie, es gibt mehrere IS, es gibt nicht nur eine Organisation, es gibt einige, vor allem tschetschenische Kämpfer, Kämpfer aus Jemen usw., die besonders brutal sind und sozusagen extrem vorgehen, und dann gibt es andere, die wieder menschlich sind, so weit man das in diesem Zusammenhang sagen kann, und die den Frauen auch helfen und sie freilassen. Das heißt, man muss sehr aufpassen, dass man das nicht durcheinander mischt. Was wir aber in den Internetmedien und vor allem auch in den Zeitungen des Islamischen Staates immer wieder sehen, ist die pure Propaganda, die Realität auf dem Boden ist etwas komplizierter, um einiges vielschichtiger.

Maischberger: Aber Sie haben gerade eine Reportage gemacht über ihre letzte Reise, Sie haben mit IS-Kämpfern gesprochen, ich habe eben auch gesehen, dass Sie mit einer Frau gesprochen haben in einem Flüchtlingslager, und die berichtete unter Tränen, wie ihre dreijährige…

Rados...  Tochter entführt worden ist, ja. Gut. Noch einmal: Ich glaube, wir haben solche Fälle, die extrem sind, und wir müssen uns auch daran erinnern, dass wir dort in einer extremen Kriegssituation sind und nicht seit gestern, sondern seit drei Jahren. In Syrien wird seit drei Jahren Krieg geführt, im Irak wird seit 11 Jahren eigentlich Krieg geführt. Das heißt, wir haben eigentlich keine Staatsstrukturen, wir haben keine Hilfe. Diese Frau, diese jesidische Frau hätte normalerweise in jedem anderen Land möglicherweise von einer Armee gerettet werden können. Aber in diesen Gebieten geht das eben nicht, und wenn Sie als Zivilist, als Frau, als Mutter an einen Posten gelangen, an einen Kontrollposten gelangen, wo die härtesten Kämpfer gerade sind, dann verschwindet die Tochter. Aber es gibt auch genau so viele andere Fälle, von denen ich gehört habe, die also wiederum in der Grauzone sind, kurz und gut, es gibt keine Ordnung, es gibt eine Anarchie, komischerweise auch beim Islamischen Staat.

Kristiane Backer meldet sich zu Wort

Maischberger: Frau Backer, ich hätte Sie sowieso als nächstes gleich gefragt, weil nämlich der IS in dieser Publikation das ja (die Entführung und Versklavung von Frauen) mit dem Propheten Mohammed begründet. ... Ist es zulässig, sich dabei auf den Propheten Mohammed zu berufen?

Backer: Absolut nicht. Vielen Dank. Ich möchte einfach nur kurz klarstellen, wir sollten nicht den Terroristen in die Hände spielen und diese Terroristenmiliz Islamischer Staat nennen, sondern so genannter Islamischer Staat.

Maischberger. Ok. Einverstanden.

Backer: Das, was der IS macht, hat mit dem Islam gar nichts zu tun, es ist gegen den Islam. Versklavung wurde abgeschafft vor Hunderten von Jahren unter Konsens, man darf kein Kalifat einfach ausrufen, ohne den Konsens der muslimischen Staaten, der muslimischen Gelehrten. Es darf niemand Jihad einfach ausrufen, ohne wie gesagt den Konsens der Gelehrten. Jihad ist ein Verteidigungskrieg, kein Angriffskrieg, es darf nicht versklavt werden, wie gesagt, Versklavung ist völlig verboten…

Ulrich Kienzle: Leider bezieht sich der IS auf den Koran. Und er (der IS) zitiert die Zweite Sure, Vers 191: Tötet die Ungläubigen, wo ihr sie trefft…

Backer: ... Man darf keine Verse aus dem Zusammen-hang reißen.

Kienzle: Ich kenne keine christlichen Gruppen, die durch die Welt ziehen, sich auf die Bibel berufen und Menschen umbringen. Das hat mit dem Koran etwas zu tun.

Backer: Es ist wichtig, dass Sie verstehen, dass dies nichts mit dem Islam zu tun hat.

Günter Wallraff: Und wohin werden dann die Frauen, die versklavt werden, verkauft? Nach Saudi-Arabien… und Sie dürfen nicht vergessen, es gibt keinen islamisch dominierten Staat, wo auch nur ansatzweise Demokratie herrscht. Die Türkei ist inzwischen eine Islamokratur.

Maischberger: Wir haben am Anfang gesagt, Glaubenskrieg. Ist denn das überhaupt ein richtiges Wort in dem Zusammenhang…

Rados: Ich möchte Frau Backer ein bisschen in Schutz nehmen. Ich glaube, man darf auch nicht unbedingt dem Islam nur unterstellen, dass er eine Kriegsideologie ist, sondern man muss das wirklich in diesem Zusammen-hang sehen, das ist eine islamische Gruppe, sie beruft sich selbst darauf, sie nimmt den Koran als Basis, aber sie ist auch viel mehr. Das ist eine religiöse Gruppe, das ist aber auch eine militärische gruppe, und das ist auch eine politische Organisation. Und ich glaube, man kann das Eine nicht vom Anderen trennen. Man kann diesen so genannten Islamischen Staat oder Staat nicht nur als eine islamische Organisation bezeichnen, sondern man muss das wirklich in diesem Zusammenhang sehen, sonst wird man der Gruppe nicht gerecht, sonst wird man den Realitäten nicht gerecht…

Backer: Wir müssen wirklich feststellen, es haben 120 Islamgelehrte, die wichtigsten Islamgelehrten unserer Zeit, einen ganz detaillierten Brief verfasst, gegen IS, und erklärt, warum aus Hunderten von Gründen… alles, was IS macht, komplett unislamisch ist. Und ich möchte noch eines dazu sagen: Jihadisten aus England, die nach Syrien zum Kämpfen gefahren sind, haben sich über Amazon „Islam für Dummies“, „Koran für Dummies“ und „Arabisch für Dummies“ gekauft, weil sie keine Ahnung haben vom Islam. 

Maischberger: Schlimm genug. - Frau Göring-Eckardt, Sie sind eine engagierte Protestantin, Sie sind uns aufgefallen als eine, die gegen das Minarettverbot gekämpft hat und dagegen jedenfalls argumentiert hat, können Sie es verstehen, wenn viele hierzulande trotzdem eben diesen Kurzschluss machen und sagen, das ist der Islam. Das kann doch nicht anders sein, wir stellen die Religion unter Generalverdacht.

Göring-Eckardt: Ich finde, das tun wir damit. Natürlich ist der Islam keine kriegerische Religion, er hat keine Aufklärung im klassischen Sinne gehabt, das ist sicherlich der Punkt, deswegen gibt es auch immer die Möglichkeit, sich wortwörtlich auf den Koran zu beziehen, das ist das Problem, aber ich würde ganz klar sagen, das ist Missbrauch der Religion und das hat nichts ursächlich mit der Religion zu tun. Ich finde, das sollten wir auf jeden Fall auseinanderhalten, weil wir sonst die ganzen friedliebenden Muslime und Muslima schlicht und ergreifend nicht nur beleidigen würden, sondern auf die völlig falsche Seite stellen würden. Natürlich ist es nicht nur notwendig, dass weltweit die Gelehrten sich äußern, sondern dass auch bei uns die muslimischen Gemeinschaften gesagt haben, mit der Ideologie der ISIS haben wir nichts zu tun. Und das find ich ganz zentral und wichtig, Missbrauch der Religion und Islamismus haben erstmal nichts mit Islam zu tun, sondern es ist genau das Genenteil.

Jakob Augstein ... Wir haben in Europa ein Problem von Antiislamismus, der wird größer, das vermischt sich mit echtem Rassismus, auf jeden Fall mit so einem Kultur-chauvinismus, der ohnehin da ist, und da wird das natürlich instrumentalisiert, was da passiert… Die Pauschalisierung von Marokko bis Indonesien, das haut doch nicht hin, das wissen Sie doch auch, wir reden über den Islam, den gibt es gar nicht, es gibt halt keinen Papst da…

Maischberger: Eine Zwischenfrage Herr Augstein, Sie sind ja medienmäßig ganz weit vorne. Haben wir die Schlacht, die Propagandaschlacht eigentlich schon verloren? Weil wir eben die Hinrichtungen, die Massaker, jetzt eben auch die Versklavungen, wir nehmen das einfach für bare Münze?

Augstein: Wir machen genau das, was die wollen. Sie wissen ja, dass es dieses Al-Kaida-Manual gibt, ich hab jetzt den Namen vergessen, das kann man im Internet runterladen, die Anleitung für den richtigen Jihad, die wollen ja, dass die Amerikaner und der Westen da angreifen…

Maischberger: ... und deshalb enthaupten sie…

Augstein: ... die wollen uns ja provozieren…

Maischberger: ... und stellen das ins Netz…

Augstein: ...ja, und wir springen über das Stöckchen, weil wir…

Maischberger: Was sollen wir sonst tun? Nicht über das Stöckchen springen, uns nicht darüber aufregen…

Augstein: Darüber reden wir ja. Wir haben natürlich eine sehr selektive Moral. Wenn man uns ein Bild zeigt von einem von unseren Leuten, der geköpft wird, reagieren wir darauf ganz anders, als wenn man uns andere Bilder zeigt von Menschen, die auf der Welt leiden, wo wir vielleicht selber zuständig sind. Wir entscheiden sehr genau, wann wir zu den Waffen greifen und wann nicht. Wir sind sehr beeinflussbar.

Maischberger: Warum ist das so attraktiv, Frau Backer, es sind ganz viele westliche Kämpfer bei der IS, es sind jetzt nicht Hunderttausende oder Zehntausende, aber Tausende, aus Großbritannien sind sehr radikale runter gegangen, einer, der geköpft hat oder vor laufenden Kameras den Kopf abgetrennt hat, ist ein Brite gewesen. Wie erklären sie sich die Attraktivität dieses Islam für Muslime oder solche, die es werden wollen?

Backer: Wie eben schon gesagt, die Muslime, die in diesen Jihad ziehen, haben wenig Ahnung vom Islam. Die kaufen sich „Islam für Dummies“, weil sie eben keine Ahnung vom Islam haben, das sind rebellische Teenager, junge Leute, die kämpfen wollen, egal wofür sozusagen, die sind mal bei der einen Gruppe, mal bei der anderen Gruppe, das sind keine theologisch gefestigten jungen Leute…

Maischberger: Erstmal würde ich interessant finden, warum ist das so attraktiv?

Backer: Weil überall in Europa und im Westen Islambashing stattfindet, nirgendwo findet der wahre Islam statt, wir müssen Helden fördern…

Wallraff: Was ist der wahre Islam?

Kienzle: Ich finde das extrem naiv. Sie müssen damit rechnen, dass unsere Problemjugend ständig diese Bilder sieht, und das ist richtig Propaganda, wo Leute geköpft werden, wo Leute vertrieben werden. Dass das Hysterie auslöst und eine Aversion gegen den Islam…

Backer: Das sind Extremisten, das sind Terroristen, das ist nicht der Islam…

Kienzle: ... auslöst, das ist selbstverständlich, das müssen wir aber auseinanderhalten, diese Propaganda…

Backer: ... aber es hat doch nichts mit dem Islam zu tun…

Kienzle: Diese Propaganda ist schrecklich und sie ist unheimlich raffiniert. Sie bringen weniger Leute um, als sie behaupten. Und wir übernehmen das einfach und sagen, es ist furchtbar. Es ist ein furchtbarer Verein, aber die beherrschen die Propaganda total und da hat Augstein recht, die wollen natürlich, dass die Amerikaner angreifen, und das, was in Kobane passiert, wenn die dort gewinnen, dann sagen sie: Wir haben gegen den Rest der Welt gewonnen, und das ist das beste Programm, um Nachwuchs zu bekommen…

Augstein ... wir haben eine ganz merkwürdige facebookgesteuerte Aufmerksamkeitswahrnehmung hier, und wir machen uns die Sache viel zu einfach.

Rados: Der IS ist so attraktiv, weil er erfolgreich ist… IS hat mit Hilfe von Militärs aus dem Irak, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein es geschafft, eine militärische Struktur zu machen und als Ideologie sozusagen den Islam zu nehmen. Das ist natürlich eine Mischung, die für junge Leute und für alle sehr attraktiv ist… Der Erfolg hat ISIS so erfolgreich gemacht.

Backer: Die Propagandamaschine ist unglaublich…

Rados: Ich sehe das etwas anders als der Herr Augstein. Ich glaube, da gibt es doch ein Problem mit dem Internet. Das heißt, wenn wir nicht wollen, dass diese extreme Propaganda von Hinrichtungen von Journalisten und humanitären Helfern zu uns kommt, dann müssen auch Google und das Internet was dagegen tun.

Augstein: Keiner von uns hatte diese Köpfungen gesehen. Wir denken das nur, das hat niemand gesehen, das war nicht zu sehen im Netz. Also, ich habe es jedenfalls nicht gefunden.

Und so ging es noch 55 Minuten weiter. Und wenn sie nicht geköpft werden, werden wir die Experten für den wahren Islam und echten Terrorismus bald wiedersehen, bei Illner, Beckmann, Plasberg, Jauch oder einem Propaganda-Video des IS.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Paypal via Direktüberweisung
Leserpost

netiquette:

Wolfgang Schmid / 28.10.2014

Zum Glück gab es 1933-1945 noch keine Maischberger, sonst könnten wir in der Mediathek folgende Sendungen bestaunen: Ein Kirchenmann betont 1933, dass die NSDAP nichts mit dem eigentlichen Nationalsozialismus zu tun habe, der eine zutiefst humane, gerechte und friedliche Ideologie sei. Ein Fachismusexperte erklärt nach der Kristallnacht, dass von den Nazis unter uns keine Gefahr ausgehe - die meisten von ihnen leben schließlich friedlich und ohne Mordgelüste. Ein paar Humanisten stellen 1940 Kerzen gegen die allgegenwärtige Naziphobie an der noch unzerstörten Dresdner Frauenkirche auf und warnen davor, picklige HJ-Pimpfe auszugrenzen - sie könnten sich sonst radikalisieren und von der SS anwerben lassen. Eine bewegte Schriftstellerin regt 1941 den Dialog mit den Gauleitern vor Ort an, damit diese sich deutlich vom Treiben der Einsatzgruppen in Russland distanzieren können. Und Augstein erklärt, dass der Kriegseintritt der US-Amerikaner 1941 nur das Stöckchen wäre, das Hitler ihnen hinhalte. Und sie sollten bloß nicht springen, damit der Weltkrieg nicht auch noch zu uns komme. Man kann aus dieser unseligen Geschichte nur eines lernen: “Nie wieder Maischberger!”

Bernd Zeller / 28.10.2014

Bei diesem „Wir haben die Köpfungen nicht gesehen“ müssen wir differenzieren—ist das abscheulich dumm, dezent intellektuell, propagandistisch, imbezil, journalistisch, unmenschlich monströs, oder ist es Jakob Augstein? Was er vormacht, ist die Informationsgesellschaft; man kann die Welt zu einem Informationszustand herabstufen und damit emotional beherrschbar machen. Was hier wie eine extreme Auslegung des Zynismus aussieht, ist ein Selbstschutz, für den eine Verleugnung vorgenommen werden muss, weil die Realität nicht auszuhalten wäre für einen instabilen Charakter.

Waldemar Undig / 28.10.2014

Die Satire findet doch bereits statt. Nur bleiben einem die Lacher oft im Halse stecken.

Fiona Allen / 28.10.2014

Ich musste mich (wirklich!) erst überzeugen, dass der Original-Maischberger-Text nicht auch Satire ist. Ich habe Angst.

Frances Johnson / 28.10.2014

Wenn diese Leute behaupten, dass alle diese Untaten nichts mit dem Islam zu tun haben, sollen sie bitte auch klarstellen, dass weder die Kreuzzuege noch das Abfackeln von Abtreibungskliniken etwas mit dem Christentum zu tun haben. Und auch nicht die Inquisition, an die eine Fatwa gegen z.B. Salman Rushdie doch wohl am meisten erinnert.

Thomas Schlosser / 28.10.2014

Sie sitzen in den Talkshows, die Backers, Rados’ und Augsteins dieser Republik, und behaupten gebetsmühlenartig, dass IS, Boko Haram, Taliban, Al Quaida, Hisbollah, Hamas und und und und “nichts mit dem Islam” zu tun hätten…. Die Hinrichtung eines Vergewaltigungsopfers kürzlich im Iran, die öffentlichen Exekutionen von Homosexuellen, das Köpfen von Menschen, auf Marktplätzen in Saudi-Arabien, all das hat nach Meinung dieser unfassbar Blinden “nichts mit dem Islam” zu tun….. Da frage ich mich: Für wie blöd halten Augstein und Co. ihr Publikum eigentlich….?

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 21.05.2024 / 12:00 / 30

Ab nach Kassel!

Neues aus Kassel. Eine israelische Kunsthistorikerin bekommt eine Gastprofessur und erklärt ihren Gastgebern als erstes den Unterschied zwischen Antisemitismus und Antizionismus. Es gibt tatsächlich einen,…/ mehr

Henryk M. Broder / 07.03.2024 / 16:00 / 19

Aserbaidschanische Kampagne verhindert Armenien-Debatte

Eine in Berlin geplante Buchpräsentation und Diskussion über bedrohtes armenisches Kulturgut konnte aus Sicherheitsgründen nur online stattfinden. Die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP)…/ mehr

Henryk M. Broder / 04.03.2024 / 14:00 / 23

Michael Blume: Vom Zupfgeigenhansl zum Ersten Geiger?

In der Dienstzeit des Antisemitismus-Beauftragten Michael Blume hat die Zahl antisemitischer Straftaten in Baden-Württemberg erfolgreich zugenommen. Aber der Mann hat andere Sorgen. Ende Dezember letzten…/ mehr

Henryk M. Broder / 26.01.2024 / 12:00 / 70

Frau Assmann denkt über 1945 hinaus

Eine „Expertin für Erinnerungskultur“ möchte die Erinnerung an die Shoa mit der an die Nakba verbinden. Den Palästinensern wäre mehr geholfen, wenn Deutschland ihnen ein…/ mehr

Henryk M. Broder / 17.01.2024 / 06:15 / 91

Der Unsinn, aus dem Antisemitismus-Beauftragte gebacken werden

Gleich nach dem Influencer, dem Eventmanager und dem Insolvenzberater ist „Antisemitismusbeauftragter“ ein Beruf mit Zukunft. Der Antisemitismus hat Hoch-konjunktur, und da braucht man ausgewiesene Experten…/ mehr

Henryk M. Broder / 02.01.2024 / 14:00 / 50

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts: Chr. Str.

Christian Streich, seit 2012 Cheftrainer des FC Freiburg, ist vor allem dafür bekannt, dass er sich gerne „einmischt“ und „Stellung bezieht“. Denn: Sich einmischen und…/ mehr

Henryk M. Broder / 21.12.2023 / 16:00 / 6

Efraim Habermann: 19.6.1933 – 19.12.2023

Der Fotograf Efraim Habermann ist mit 90 gestorben. Ein kultivierter Herr, der noch auf Aussehen und Umgangsformen achtete, das Haus nie ohne Krawatte und Einstecktuch verließ. Statt eines…/ mehr

Henryk M. Broder / 05.12.2023 / 13:00 / 38

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts: D.F.

Es muss nicht immer einer oder eine aus der Beletage des Feuilletons sein. Auch im Souterrain des Kulturbetriebs flackert manchmal ein Licht auf. Derzeit ist es…/ mehr

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com