Thomas Rietzschel / 24.08.2018 / 14:00 / 32 / Seite ausdrucken

Monokulti in Darmstadt

Wenn der linke Block aufmarschiert, um das Vorrecht auf die Demokratie zu beanspruchen, nimmt man es mit den Spielregeln der Demokratie nicht so genau. Jubelnd wird an den Pranger gestellt, wer es wagt, von dem gleichen Grundrecht freier Meinungsäußerung mit abweichender Überzeugung Gebrauch zu machen.

Dann gibt es, um wieder einmal Andrea Nahles, die Vorsitzende einer politischen Randgruppe namens SPD zu zitieren, was "auf die Fresse“. Stinkbomben werden zum Gaudi geworfen. Die Verteidiger der totalitären Demokratie feiern sich ausgelassen – „friedlich“ mit Kind und Kegel. Bei fetzigem Rock lassen sie es sich mit gut Gyros und Baklava gutgehen, wie dieser Tage in Darmstadt.

Kaum hatte die AfD vor Wochen angekündigt, in der dortigen Orangerie ihre Eröffnungsveranstaltung zum hessischen Landtagswahlkampf auszurichten, formierte sich ein „breites Bündnis“ von „rund 30 Initiativen“, Jusos, Grünen, Kirchen und Gewerkschaften. Für die selbe Zeit wurde am selben Ort, im Park vor der Orangerie, ein „Fest der Vielfalt“ organisiert. Der AStA versprach den Bürgern „Musik, Kinderprogramm, Speisen & Getränke sowie Informationsstände“. „Für Familienfreundlichkeit ist gesorgt“, versicherten die Veranstalter: linker Wahlkampf in den Zeiten des Hedonismus.

Mit Buttersäure in den Kampf

Für den knalligen Auftakt sorgten indes Unbekannte, als sie schon zwei Tage vor dem Termin Fenster der Orangerie einschlugen, um eine Stinkbombe mit Buttersäure in den von der AfD angemieteten Festsaal zu werfen. Auf einer Schmiererei am Jüdischen Friedhof war zu lesen: „Keine AfD, Orangerie 22. 8.“ Auch die Polizei bekam vorsorglich ihr Fett ab. Wieder einmal hieß es: „Deutsche Polizisten schützen Faschisten.“ Tatsächlich mussten die Beamten nachher erst einmal die halbe Innenstadt absperren.

Im Zentrum, auf dem Luisenplatz, hatte sich, so das Darmstädter Echo, „gegen 16.00 eine Mischung aus Alt und Jung, mit Fahrrad, Kinderwagen, Bollerwagen, Rollator oder Rollstuhl“ vereint. Mit ihrer „Portestdemo“ legten sie für Stunden den Verkehr lahm. Pendler mussten Umwege in Kauf nehmen, während die Demonstranten, nach Schätzungen der Polizei etwa 3.500, zur Orangerie spazierten.

Dort angekommen, pünktlich zum Veranstaltungsbeginn der AfD, „feierten“ sie fröhlich weiter, viele mit gezückter Trillerpfeife. Hunderte skandierten „Nazis raus!“ und „Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda“. Was die Redner, unter ihnen Alexander Gauland, drinnen im Saal sagten, war draußen nicht zu hören. Spielte auch keine Rolle, da von vornherein feststand: „Ganz Darmstadt hasst die AfD“. Eine Aussage, die insofern erstaunte, als die Stadt ein paar mehr als 3.500 Einwohner zählt, derzeit bald 160.000, rund 45 mal so viele, wie sich vor der Orangerie versammelt hatten.

Aber wer wollte schon kleinlich nachrechnen, wenn es um das große Ganze geht, um die Selbstbehauptung der linken Demokratie. Auch der Grüne Jochen Partsch wollte das nicht. Obwohl als Oberbürgermeister von Amts wegen zur Neutralität verpflichtet, hat er es sich nicht nehmen lassen, das „Fest der Vielfalt“ zu eröffnen. „Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Hetze haben keine Chance in Darmstadt, und das wird auch so bleiben“, rief der OB in die Menge. Dass es nur die AfD sein könne, die das ändern wollte, musste er nicht erwähnen. Es verstand sich für die Versammlung von selbst.

Wenn alle einer Meinung sind, ist es das Fest der Vielfalt

Der Applaus war dem Redner sicher, als er der immerhin demokratisch legitimierten Partei, abermals ohne Nennung ihres Namens, das „völkische Leitbild der Nazis“ unterstellte. Wie wenig diese Wortwahl mit seiner ausdrücklichen Warnung vor Hetze und „einer Verrohung der Sprache“ als Beginn allen Unheils zusammenpasste, mag dem Bürgermeister in der Hitze des Sommers entgangen sein. Überhaupt scheint ihm, und nicht ihm allein, so manches entgangen zu sein.

Zum Beispiel, dass unter dem Rest seiner Kommune, unter den Zehntausenden, die nicht zum „Fest der Vielfalt“ gekommen waren, Tausende sein könnten, die demnächst die verhasste Partei der „Rechtspopulisten“ wählen, nur weil sie es leid sind, sich ihre Gesinnung vorschreiben zu lassen.

Eine kaum zu überschätzende Gefahr angesichts dessen, wofür die AfD stehen soll, vielleicht sogar steht. Wer kann das schon wissen, wenn er den politischen Gegner von vornherein ausgrenzt, ihm kein Gehör schenkt, weil er ihn nicht für satisfaktionsfähig hält. Sich einzuigeln ist aber keine Lösung. Die es versuchen, wiegen sich in einer trügerischen Sicherheit. Am Ende sitzen sie ihrer eigenen Verblendung auf.

Jedenfalls war es bisher noch immer der politische Hochmut der herrschenden Eliten, dem in der Demokratie ihr Fall unversehens folgte. Mit einem „Fest der Vielfalt“, bei dem es in Wahrheit um die ideologische Gleichschaltung geht, ist dagegen nichts auszurichten, weder in Darmstadt noch sonst irgendwo. Mehr und mehr erinnert einen dieses multikulturelle Feiern an das Singen der verirrten Kinder im Wald. 

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Hans-Peter Dollhopf / 24.08.2018

Bei dreieinhalbtausend Teilnehmern aus “rund 30 Initiativen” wären das im Mittel immerhin 120 “Aktivisten” pro Verein. Neben deren wenigen Claqueuren ist für die Mitmache aber mehrheitlich typisch, dass Passanten spontan auf das angebotene Gaudium mit Volksfestcharakter abfahren. Sehr viel brisanter ist die Frage der Geldmittel, die einzelne Initiativen einfließen ließen. Viele von denen hängen für den “Kampf gegen Rechts” am staatlichen Förder-Tropfer. Der Eingriff in den legitimen Wahlkampf einer demokratischen Parteien unter Verwendung staatlicher Mittel ist aber nicht nur korrupt - und noch nie war das Familyministerium so korrupt wie heute - sondern auch strafbar.

Matthias Thiermann / 24.08.2018

Gesinnungs-Tourette ist unheilbar!

Wiebke Lenz / 24.08.2018

Ich stimme dem Autoren vollumfänglich zu. Mittlerweile habe ich mich ja schon fast an den erschreckenden Umstand gewöhnt, dass Personen, die von Amts wegen politisch neutral agieren müssen, genau dieses missachten. Was für mich als Protestantin jedoch immer wieder nicht minder schlimm ist (eher noch schlimmer): Die Kirchen (als Institutionen) maßen sich an, nach “guten” und “schlechten” Menschen zu unterscheiden. Also, in meiner Bibel (zugegebener Maßen ältere Ausgabe und auch nicht “in gerechter Sprache”) steht z.B. eher was davon, dass Jesus zu den Zöllnern und Huren ging ...

Helmut Bühler / 24.08.2018

Lassen wir sie gewähren. Je mehr Radau, desto mehr Schub für den Normalbürger, der sich mit der Umorientierung schwertut und gewohnt war, seine Meinung an Tagesschau, der Kanzlerin und dem grünen Weltgewissen auszurichten. Das ist ein schmerzhafter Prozess, der etwas dauert. Dann aber werden grüne OBs zum Teufel gejagt. Freiburg ist überall.

Arnd Siewert / 24.08.2018

Da wird doch nur lautstark der allimentierte Fressnapf verteidigt! Parteien, Kirchen, Gerwerkschaften, Vereine ....alle greifen als systehmtreu reichlich Staatsknete ab - des Brot ich ess des Lied ich sing! Am übelsten treibt es der öffentlich rechtliche Humbug - überversorgt verblödet! Hitler spiegelverkehrt. Wahnsinn im Gemeinschaftsrausch. Nur alle schön an einem Strang ziehen.

Silas Loy / 24.08.2018

Das läuft nach dem verdammt bewährten Muster: Die AfD ist unser Unglück. Und sobald dieses Stigma sitzt ist alles erlaubt. Die AfD ist völkisch, fremdenfeindlich, rassistisch und sowieso nazi. Deshalb ist sie vogelfrei, wie man das früher mal nannte, sie ist rechtlos. Sie ist von dero Politikern und Mediens Gnaden zum Abschuss freigegeben. Die Deutschen sind wieder ganz die alten. Jedenfalls die 3.500 verirrten Kinder in Darmstadt.

Sebastian Gumbach / 24.08.2018

Ich bewundere die, die das noch aktiv ertragen könnnen. Ich persönlich ziehe mich mehr und mehr zurück, und wenn das hier nicht mehr möglich ist, dann eben in Polen oder Ungarn. Dieses Land hat längst nichts mehr zu tun mit dem Land, in dem ich aufgewachsen bin. Und mir sind auch die 87% sehr fremd geworden, die letztes Jahr die Blockparteien gewählt haben.

Leo Hohensee / 24.08.2018

Ich lese bei Achgut überwiegend Beiträge, die meine Meinung bestätigen. Und doch glaube ich nicht daran, dass das alles tatsächlich meine Meinung / Auffassung / Erkenntnis ist. Aber eine Gemeinsamkeit, da bin ich mir sicher, haben die Leser hier: jeder muss an sich selbst die Verpflichtungen richten 1) sich im Eigenstudium um Erkenntnisse bemühen und 2) schlicht, den eigenen Verstand einschalten ! - basta!! Ergänzung: besser gehtnicht - “Wenn alle einer Meinung sind, ist es das Fest der Vielfalt”

Justin Theim / 24.08.2018

Überall, wo sich Bürgermeister oder Oberbürgermeister sich als hetzerische Idioten outen, stellt sich am Ende heraus: sie gehören der SPD, wahlweise auch mal den Grünen an. Ob Kandel, München, Freiburg usw. usw. , der Beweis für das obige Statement ist vielfach erbracht!

armin wacker / 24.08.2018

@Frau Schoenefelder Meine volle Zustimmung. Im uebrigen heizen die linken grade den Kessel an,  in dem sie ueber kurz oder lang schwimmen lernen.

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