Gastautor / 07.02.2016 / 13:00 / 12 / Seite ausdrucken

Mit Spiegel Online in den Schubladen von vorgestern

Von Oliver Zimski

Weil mich die Titelstory über den angeblich „gefährlichsten Mann der Welt“ (Donald Trump) interessierte, kaufte ich mir letzte Woche nach langer Zeit mal wieder einen gedruckten SPIEGEL und blieb am Leitartikel von Chefredakteur Klaus Brinkbäumer hängen. Darin singt dieser ein Loblied auf die Qualitätsmedien, die „präzise und leidenschaftlich recherchieren und berichten“, fragt, was die Medien tun könnten gegen die Hysterisierung und Spaltung der Gesellschaft aufgrund der Vorfälle in Köln und gibt selbst die Antwort: „Sich Zeit nehmen, um Zusammenhänge tatsächlich erklären zu können… mit klaren Gedanken und Ruhe.“

Gleich auf der nächsten Seite folgt Jakob Augsteins wöchentliche Kolumne „Im Zweifel links“ mit einer wutschnaubenden Suada gegen die AfD, und da kam mir im Lichte der hehren Worte des Chefredakteurs die Idee, mir auf SPIEGEL-Online nachträglich auch die anderen Kolumnen zu Gemüte zu führen, und zwar zum Thema „Köln“. Die wöchentlichen SPON-Kolumnen werden von sieben unterschiedlichen Autoren beliefert. Zieht man den mit reinen Wirtschafts- und Finanzthemen befassten Wolfgang Münchau sowie das konservative Feigenblatt Jan Fleischhauer („Der schwarze Kanal“) ab, bleiben fünf Kolumnisten übrig, die in unterschiedlichen Facetten das linke Meinungsspektrum bedienen. Wie haben diese fünf die Ereignisse von Köln verarbeitet?

Den Anfang macht am 5.1. der Blogger-Autor Sascha Lobo, der zu einem Zeitpunkt, da die Dimension des Geschehenen der deutschen Öffentlichkeit gerade erst bewusst wurde, vor „radikaler, menschenfeindlicher Pauschalisierung“ warnt. Wenn diejenigen, die „sonst ganzjährig fordern, Frauen sollten gefälligst die Bluse zumachen“, jetzt auf Frauenrechte pochten,  so sei dies „instrumenteller Rassismus“. Der Kern von Zivilisation sei „Differenzierung“. Lobo schlussfolgert: „Zivilisiert zu sein bedeutet, nacheinander neun Schwarzhaarigen zu begegnen, die sich alle als Arschlöcher erweisen, und trotzdem dem zehnten Schwarzhaarigen nicht deshalb in die Fresse zu hauen. Es gibt nicht den einen Auslöser, nach dem Rassismus plötzlich okay ist.“

Am 7.1. folgt die Feministin Margarete Stokowski. Sie konstatiert den „bisherigen Höhepunkt der „rassistischen Hysterie“ in der „Debatte um muslimische Migranten“. Motiviert werde diese vom Hass „besorgter Bürger“, die nur neidisch seien, weil die „Ausländer“ sich einfach die „Frauen und iPhones“ nehmen würden, die sie selbst gern hätten. In Wahrheit sei es deutsches Kulturgut, sexualisierte Gewalt zu verharmlosen und zu billigen, wie man von „jedem verdammten Oktoberfest, nach jedem Karneval und jeder WM-Fanmeile“ wüsste.

Am 9.1. stellt die Schriftstellerin Sibylle Berg, die gegen deutsche Macho-Spießer und rechte Menschenfeinde sonst um keinen emotionalen Ausbruch verlegen ist, in fast heiterer Abgeklärtheit fest: „Das Jahr startet also mit der Meldung, dass… Frauen von Vollidioten in der Silvesternacht angegriffen werden… Wir werden unser verschontes, privilegiertes Leben nicht wiederbekommen, so sehr viele auch zetern und mit Transparenten irgendwo herumkrakeelen… Schuldzuweisungen sind vertane Energie. Die Welt wird nicht untergehen, die Menschheit nicht aussterben (noch nicht). Sie wird sich ändern. Wie von Anbeginn. Prost. Ein gutes neues Jahr.“

Der Journalist und Autor Georg Diez schreibt am 10.1. über die Reaktionen auf „Köln“: „All das, was sich im vergangenen Jahr aufgebaut hatte, all die aufgestaute Xenophobie, all der gekränkte Nationalismus, all der autoritäre Staatsglaube… brach los in einer einmaligen und von Hysterie und Hass… beförderten medialen Hetzjagd.“ Dann lässt er einen Haufen Fragen vom Stapel: „Warum war es nicht einfach Polizeiversagen? Warum sollte man gleich wieder Gesetze verschärfen? Warum ist Ausweisung das beste Mittel gegen Verbrechen? Was wäre, wenn die Täter deutsche Staatsbürger wären? Überhaupt: No-go-Areas… Was ist mit den No-go-Areas für Ausländer oder einfach nur Politiker? In Wismar wurde diese Woche ein Politiker der Linken niedergestochen. Wo blieb da der #aufschrei?“

Schließlich ist am 11.1. Jakob Augstein an der Reihe, der unangefochtene Medienstar unter den SPON-Kolumnisten. „Ein paar grabschende Ausländer, und schon reißt bei uns der Firnis der Zivilisation“ hatte er schon vorher auf seiner Facebook-Seite geschrieben. Auf SPON setzt er nun nach: „Die vergangene Woche hat uns mehr über die Deutschen gelehrt als über die Migranten… Es gibt einen Rassismus des guten Gewissens… Kultureller Hochmut gegenüber dem Islam verbindet sich mit der Abwehr des eigenen Sexismus. Das ist eine brisante Mischung.“

Soweit eine durchaus repräsentative Auswahl von Zitaten, die zeigt, dass bei allen fünf Kolumnisten keineswegs die sexuellen Massenübergriffe nordafrikanischer Täter auf Frauen im Fokus stehen, sondern die „hysterischen“ und „rassistischen“ Reaktionen der deutschen Gesellschaft auf sie. Und es meine nun niemand, die in der zweiten und dritten Woche nach „Köln“ massiv losbrechende Debatte über die bisher nie thematisierte hohe Kriminalitätsrate unter eingewanderten Nordafrikanern, aus politischer Korrektheit geschönte Polizeistatistiken, den drohenden „Verlust des öffentlichen Raumes“ etc. hätte die fünf SPON-Kolumnisten in ihren folgenden Kolumnen nachdenklich werden lassen – ganz im Gegenteil.

Lobo phantasiert am 13.1. den drohenden Aufstieg eines „Social-Nationalismus“ herbei, der gegen Millionen von Menschen mit Migrationshintergrund „zurückschlagen“ wolle. Sibylle Berg geißelt am 16.1. deutsche „Frauenbeschützer“: „Leute, die das Netz mit frauenfeindlichen Kommentaren vollrülpsen, benutzen kurzfristig ein Geschlecht, das sie latent verabscheuen…, stellen sich also vor die geistig und körperlich schwachen, ähm, Dings, Frauen, die sie normalerweise nicht wahnsinnig schätzen. Es sei denn, in der Küche. Nackt. Kleiner Scherz.“ Augstein postuliert am 18.1. eine besondere moralische Verantwortung der Deutschen für alle Flüchtlinge dieser Welt, „weil Opa für Adolf gekämpft hat.“ Die Feministin Stokowski warnt am 21.1. vor gefährlichen „Hobbymärtyrern“, die sich einbildeten, es gebe „Sprechverbote“, und die deshalb bereit seien, „sich für die Wahrheit aufzuopfern“. Und Georg Diez beklagt am 31.1., dass dauernd mit und über die AfD geredet werde, dabei gäbe es „genug zu diskutieren, über den Klimawandel… die globale Ungerechtigkeit… die Schönheit und den Schrecken des Islam.“

Sein Diktum von einem „Tiefpunkt des Journalismus“ möchte man Diez und Kollegen nach der Lektüre von 5 x 2 SPON-Kolumnen gern zurückgeben. Man muss in der seriösen deutschen Presselandschaft wohl lange suchen, um eine ähnlich geballte Mischung von platten Stereotypen, dümmlichen Ressentiments und läppischen Verallgemeinerungen zu finden. Bemerkenswert auch die Selbstherrlichkeit, mit der die fünf konsequent ausblenden, was das Menetekel von Köln für die deutsche Gesellschaft bedeutet.

Dass in der Silvesternacht tatsächlich der „Firnis der Zivilisation“ gerissen ist, aber anders, als Augstein und Co. es wahrhaben wollen. Dass „Köln“ schlaglichtartig gezeigt hat, was diesem Land blüht, wenn die Erosion seiner Staatlichkeit und der Vertrauensverlust seiner Bürger so weiter gehen wie bisher: die brutale Herrschaft eines Rechts des Stärkeren. Durch eine unkontrollierte Masseneinwanderung, wie sie sich kein anderes Land der Erde leistet, durch kaum mehr integrierbare Parallelgesellschaften und fehlgeschlagene Integrationskonzepte, eine kaputt gesparte Polizei, eine überforderte Justiz und nicht zuletzt durch politische und mediale Eliten, die die legitimen Interessen des Landes dem eigenen Narzissmus (sich zwanghaft „gut“ fühlen zu wollen) unterordnen.

All das haben die fünf SPON-Kolumnisten nicht auf dem Schirm, weil sie sich nicht lösen können von ihren Schubladen von vorgestern. Nicht lassen können vom blinden Ankämpfen gegen ihr selbst aufgebautes Schreckgespenst des allgegenwärtigen Rassismus. Befangen sind in plumpen Pauschalurteilen über „die Deutschen“. Weil sie keine Antenne haben für die Voraussetzungen eines funktionierenden Gemeinwesens aller in Deutschland lebenden Menschen und dessen akute Bedrohung. So geschwätzig-arrogant in den eingefahrenen Denkbahnen auf- und abfahren und so ressentimentgeladen „hetzen“ (um es in ihren eigenen moraltriefenden Kategorien zu sagen) kann nur, wer zu lange im eigenen Saft geschmort und die Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und den Respekt vor ihnen verlernt hat. Und wer sich vor der äußeren Realität hermetisch eingebunkert hat.

Wohin das gestörte Verhältnis zur Wirklichkeit führt, zeigen die wenigen Stellen, an denen die Kolumnisten den geschützten Raum des eigenen Meinungsgeblubbers verlassen und sich auf das für sie dünne Eis objektiver Realien begeben. Etwa wenn Diez Frankreichs Reaktion auf die Terroranschläge des vergangenen Jahres lobt: „Es gab Tote… Die Täter kamen aus der Mitte der Gesellschaft… Die Nation reagierte ohne jede Hysterie, ohne Hass.“ Was ist mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes, die monatelang Grundrechte außer Kraft setzt? Was mit dem Aufstieg des rechtsextremen Front National zur stärksten Kraft in vielen französischen Regionen? Kamen die Täter wirklich aus der Mitte der Gesellschaft, oder sind sie in dieser nie angekommen, weil sie lieber in den Größen- und Vernichtungsfantasien ihrer dschihadistischen Parallelwelt schwelgten? Und waren nicht sogar einige der Attentäter von Paris als „Flüchtlinge“ eingereist? Muss man als Kolumnist eigentlich weder recherchieren noch differenzieren?

„Es ist auch legitim…, die kulturelle Prägung der Tätergruppen… einzubeziehen“, konzediert Lobo. „Das ist der Grund, warum deutsche Mobs ausländisch aussehende Menschen jagen, ein soziokulturell vorhandener Rassismus detoniert.“ Stokowski erklärt: „Natürlich müssen wir über Geschlechterordnungen in arabischen und nordafrikanischen Ländern sprechen...“ Warum tun sie und ihre Kollegen es dann nicht? Warum diffamieren sie jeden, der es tut, als Rassisten? Wie Hohn klingen da die Worte von Georg Diez: „Die Wahrheit ist ein zartes Gut. Sie ist nicht für alle sichtbar und nicht zu jeder Zeit, und möglicherweise gibt es sogar mehrere Wahrheiten.“

Jan Fleischhauer, das konservative Feigenblatt, kritisiert in seiner Kolumne vom 5.1. die Besetzung deutscher Talkshows zum Flüchtlings-Thema, weil dort immer vier „Menschen guten Willens“ gegen einen „Uneinsichtigen“ antreten würden. Das Verhältnis bei den SPON-Kolumnen ist noch ungünstiger: fünf gegen einen. Wobei man diesen fünf eines wirklich nicht nachsagen mag: guten Willen.

Bevor der SPIEGEL-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer seinen Leitartikel von letzter Woche mit Lobhudeleien auf das eigene Medium abschließt – die sorgfältige Recherche, die notwendige Differenzierung, all die anregenden Diskussionen mit Lesern und die Bereitschaft, Kritik aufzunehmen – behauptet er, in seiner Redaktion habe sich ein Leser gemeldet, „Abonnent seit 30 Jahren“, und über „Hofberichterstattung“ geschimpft. Auch Wörter wie „ihr Judenfreunde“ und „Arschlöcher“ seien gefallen. Ist das glaubhaft, dass der langjährige Abonnent sich plötzlich als Judenfeind entpuppt? Auf jeden Fall schafft es Brinkbäumer mit einem simplen rhetorischen Trick, den sehr nachvollziehbaren Vorwurf der einseitigen Berichterstattung an den SPIEGEL gleich mit dem Ruch des Antisemitismus zu behaften. Genau diese perfide Tour, lautstark die eigene Offenheit für Kritik zu behaupten und im selben Atemzug die Kritik zu denunzieren, treibt immer mehr Menschen dazu, den sogenannten Qualitätsmedien den Rücken zu kehren.

Oliver Zimski ist Übersetzer, Sozialarbeiter und Autor. 2015 erschien sein Kriminalroman „Wiosna – tödlicher Frühling“.

 

 

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Leserpost

netiquette:

Günter K. Schlamp / 08.02.2016

Mein Spiegel-Abonnement habe ich vor einem halben Jahr gekündigt. Mir war aufgefallen, dass ich, anders als in früheren Jahrzehnten, seit einigen Jahren kein Heft oder keinen Einzeltext mehr aufhebe. Und in der Tat: Ich vermisse ihn nicht!

Jochen Fischer / 08.02.2016

Zustimmung und Respekt für die Nervenstärke, von den 5 genannten Gestalten tatsächlich je 2 Beiträge zu konsumieren. Bei meinen eigenen Besuchen auf SPON erreicht das Rädchen an der Maus immer Höchstgeschwindigkeit, wenn die runden Portraits auftauchen…

Peter Holtman / 07.02.2016

Vielen Dank für diesen überaus gelungenen Beitrag Herr Zimski. Sie müssen aber auch nicht so garstig mit den Redaktionen und Autoren umgehen. Jeden Tag gibt jede Redaktion ihr Bestes im Wettbewerb um die verzerrteste Visage eines Trump, einer Petry oder eines CSU Hinterwäldlers abzudrucken. Jahrelang wird uns berichtet was moralisch gut und richtig und schön ist. Meinungsmanipulationen wie bei dem angeblich vergewaltigten Mädchen werden schonungslos angeprangert. Wenn nun ein Flüchtling vorm LAGESO nicht verstorben und der Linken Politiker in Wismar eher einer Gemütsstörung als einem Anschlag zum Opfer viel - geschenkt. Schließlich hätte das wirklich passieren können. Wer jedoch Manipulation (das Wort Lüge gebrauche ich mit Absicht nicht) vermutet, erntet von der gesamten schreibenden Zunft Kopfschütteln und Verachtung. Was sich der Pöbel nur einbildet…

Jörg Göhzold / 07.02.2016

Ein notwendiger Beitrag, vielen Dank. SPON-Kolumnisten waren für mich immer Ergänzungen zur Meinungsbildung. Seit Mitte Januar klicke ich aus den Gründen, die OZ hier darstellt, diese Seite nicht mehr an. Propaganda aus einer Parallelwelt, völlig realitätsfern - sowas braucht niemand. Ich bin seit Anfang Januar Abonnent der JF, was für eine journalistische Wohltat. Der Spiegel ist tot.

Klaus Garbe / 07.02.2016

Ein exzellenter Artikel, der die recht plumpe linke Argumentation entlarvt: Wenn sich Straftaten von Migranten nicht verschweigen oder beschönigen lassen, unterstellt man den deutschen Bürgern voreilig eine rassistische Verallgemeinerung und Ausdehnung dieser Vorkommnisse auf alle Migranten. Gleichzeitig schreckt man gegenüber den deutschen Nichtmigranten vor einer Verallgemeinerung nicht zurück, indem man ihnen pauschal unterstellt, sie seien sexistisch und würden jetzt plötzlich angesichts der Vorfälle in Köln die Achtung der Frauenrechte einfordern. In der Tat sind es aber nicht dieselben, sondern unterschiedliche Personen, wobei die frauenverachtenden Deutschen sicherlich eine deutliche Minderheit darstellen dürften - ansonsten wäre die Nachrichtenlage eine andere. Unterfüttert wird es dann noch durch vermeintliche Feministinnen wie Anne Wizorek, die relativierend von mehr als 200 Vergewaltigungen beim letzten Oktoberfest phantasierte, was von der Polizei verneint wurde. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt taugt dieser Vergleich schon deshalb nicht, weil am letzten Oktoberfest das sechstausendfache an Personen, wie Silvester auf der Domplatte versammelt war. Er zeigt aber, wie perfide von den Linken argumentiert wird. Bei Frau Wizorek, die ihre Kompetenz offenbar aus diversen nicht abeschlossenen Studien bezieht, frage ich mich immer, wie sie es in die öffentlich-rechtlichen Medien schafft, um dort unwidersprochen fragwürdige Bahauptungen zu plazieren.

Peter Schuh / 07.02.2016

Warum ist diese Art der einseitigen Berichterstattung nun so verbreitet in Deutschland? Sind das alles die von der politischen Gravitation gebündelten Überbleibsel des 68er Urknalls? Auf jeden Fall ist es wichtig den Menschen zu erklären wie sie solche Rhetorik erkennen können. Gut dass es die “Achse” tut.

Herwig Mankovsky / 07.02.2016

Der SPIEGEL ist zum Idiotenblatt verkommen, er hat seine Funktion als Montagsthemenbesetzer längst verloren. Schade. Mehr ist da nicht mehr zu sagen.

Heinrich Johannes / 07.02.2016

In der Ausgabe vom 9.1. bezeichnete der SPIEGEL die Ereignisse der Silvesternacht als großes Rätsel, dem man in dieser Ausgabe durch ein Team von SPIEGEL- Redakteuren nachgehen wolle. Das Resultat war ein von 21 Redakteuren verantworteter Beitrag, in dem zwar über sexuelle Übergriffe beim Oktoberfest, im Karneval oder in Großraumdiscos gesprochen wurde, nicht aber über die sexuelle Gewalt in Flüchtlingsheimen und die daraus resultierende Angst der Frauen in den Flüchtlingsheimen und natürlich erst recht nicht über sexuelle Gewalt gegenüber Helferinnen. Kein Wunder, dass dem Spiegel die Ereignisse der Silvesternacht weiterhin ein Rätsel sind. So sieht der investigative Journalismus bzw. die „präzise und leidenschaftliche Recherche“ made by SPIEGEL im Jahr 2016 aus. Braucht man wirklich nicht.

Rebecca Kasimier / 07.02.2016

Der bekannte deutsche Qualitätsjournalist Georg Diez, den Sie mehrfach zitieren, hat auch im neusten “Spiegel” (6/2016) wieder zugeschlagen und in einem gemeinsam mit Maximilian Popp verfassten Artikel seine Vorstellungen von Wahrheitssuche und Recherche dokumentiert. Der Text watscht Islamkritiker wie Necla Kelek grob ab (S. 126) und stellt in Kurzporträts einige reformorientierte Muslime vor, um die Vereinbarkeit von Islam und westlicher Demokratie nahezulegen. In der Passage, die sich dem mehrfach ausgezeichneten Schriftsteller Navid Kermani widmet, werden dessen Aussagen über Koran, Islam und Islamismus ausführlich paraphrasiert. Wir lesen: “Der radikale Islam, auf den sich die Terroristen berufen, braucht die Angst. Er braucht Feindbilder. Er braucht einfache Wahrheiten für komplizierte Zeiten. Der Glaube ist dabei nicht das Problem; es ist der falsch verstandene, der verkürzte, der missbrauchte Glaube.” (S. 124) Fein, denken sich Leserin und Leser, das wissen wir ja schon von Kaddor und Mazyek: Die Islamisten haben nicht kapiert, dass der Islam eine grandiose Friedensreligion ist. Das Problem ist ihre Fehlrezeption. Doch dann lesen Spiegelleser oder Spiegelleserin weiter und stoßen auf folgende Aussage. Noch immer geben Diez und Popp die Auffassung Kermanis wieder: “Islam bedeutet Interpretation. Es gibt oft nicht nur eine Auslegung des Koran, es gibt keine richtige und falsche Lehre.” Nanu, denkt der Rezepient, der den beiden Autoren bis hierhin gefolgt ist. Wenn es keine richtige Lehre gibt, wie können dann Islamisten etwas falsch verstehen? Denn dies hat doch Kermani den Islamisten gerade noch vorgeworfen, zumindest in der Fasson, die Diez und Popp seinen Gedanken geben. Warum gibt es da keine Nachfrage der Journalisten? Warum drucken sie diesen Widerspruch einfach ab? Verabschiedet sich hier mal wieder Aufklärung und wird durch ein freundliches Gesicht ersetzt?

Klaus Ziegler / 07.02.2016

der Autor schreibt hier in Artikel u.a. über Mensche die sich “zwanghaft gut fühlen wollen”  , ich nenne sie jetzt mal die Gutmenschen, das kennt man ja. Wir sind uns sicherlich einig darüber daß die meisten von ihnen Gutes wollen, es besteht eher Uneinigkeit über der Wahl der rechten Mittel. Die selbe Klientel , ich unschreibe mal mit 68er, öko, links, gebildet, gutsituiert etc..zeigt auch in Erziehungsfragen erstaunliches. Die Praxen der Kinderpsychologen sind heute voll mit Kindern auch dieser gebildeten Schicht die mit dem Konzept der antiautoritären Erziehung zum Teil riesen Probleme hat. Gerade Jungs sind sind oft die Verlierer. Zappelphilipp und Adhs lässt Grüßen… Wo keine Väter sind die Sicherheit bieten und grenzen aufzeigen entsteht ein Vakuum. Das ist natürlich auch die Krise des männlichen, eine kastrierte Gesellschaft Erst so nach und nach zeigt sich hier daß Kinder Grenzen benötigen um gut zu gedeihen… Die Vorstellung daß fürsorgliche Liebe und Härte oder Strenge gleichzeitig nötig sind ist vielen nicht zugänglich. Das Ergebnis ist dann oft gut gemeint aber verheerend. Für mich sollte dieses Prinzip auch in Gesellschaftlichen Prozessen Leitlienie sein: Mit liebevollem Herz geleitet, aber auch klar, streng und wo nötig hart. Ich selbst habe 4 Kinder zwischen 14 und 28 Jahren.

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