Die Berliner SPD hat offenbar einen neuen Hoffnungsträger. Als Spitzenkandidat soll Steffen Krach seine schwer angeschlagene Partei bei der Abgeordnetenhaus-Wahl in der noch schwerer angeschlagenen Hauptstadt zu neuen Höhen führen. Wer ist das? Wer kennt diesen Genossen?
In Hannover ist er weltbekannt. Hier ist Steffen Krach seit 1. November 2021 Regionspräsident. Der gebürtige Hannoveraner hatte dieses Wahlamt klar gewonnen. Im ersten Wahlgang erreichte er vor knapp vier Jahren 37,1 Prozent der Stimmen. In Hannover und Umgebung sind solche Ergebnisse für die SPD noch drin. Allerdings lag die Wahlbeteiligung seinerzeit nur bei 54,7 Prozent. Doch das ist den meisten Gewählten egal, Hauptsache die Stimmenzahl reicht fürs Mandat und da zählen in Deutschland die Nichtwähler nun einmal nicht mit.
Jetzt will Steffen Krach nach Berlin. Oder müsste es besser heißen: Jetzt soll er nach Berlin wollen? Zwar dürfte der Genosse Krach, Jahrgang 1979, sich noch zu höheren Ämtern berufen fühlen, als dem des Regionspräsidenten. Aber ob die aktuelle Berliner Landespolitik dafür der geeignete Ort ist? Dass die Stadt einmal als sichere sozialdemokratische Hochburg galt, ist lange her. Das war in jener fernen Zeit, zu der es in der SPD noch richtige Sozialdemokraten gab. Sogar in Ämtern mit Verantwortung, die sie auch noch gern übernahmen - also nicht nur die Ämter, sondern auch die Verantwortung.
Ja, das gab es mal, aber bevor es jetzt zu nostalgisch wird: Derzeit ist die SPD Juniorpartner in einer CDU-geführten Landesregierung, deren Regierender Bürgermeister seine Parteifarbe allerdings gern noch häufiger wechseln würde, als es derzeit beim Geschlecht erlaubt ist.
Dass die SPD in Berlin seit Jahrzehnten Dauerregierungs-Partei ist, hat sie nur den traditionellen Selbstschwächungsübungen der Berliner CDU zu verdanken. Doch mittlerweile sind die Genossen trotzdem in einer Position, in der sie - wenn sie mitregieren dürften - nur einen Platz als Juniorpartner bekommen könnten. In der letzten Landeswahl-Umfrage aus dem Juni kam die SPD mit 14 Prozent nur auf den vierten Platz, hinter CDU, Linken und Grünen. Eine rechnerisch denkbare rot-rot-grüne Koalition würde dann als stärkste Kraft unter den Linkskoalitionären von den SED-Erben angeführt.
Dass er nicht gleich zum Regierenden Bürgermeister gewählt wird, könnte der Genosse Krach wohl verschmerzen. Ein Senatorenposten dürfte ihm sicher sein, wenn seine Partei nicht weiter ins Bodenlose fällt. Nach dem letzten Umfrageergebnis, könnte ohne die SPD keine Regierung unter Auslassung der AfD gewählt werden. Und Minister auf Landesebene zu sein, ist immerhin besser als Regionspräsident.
Aber was ist der neue Spitzenkandidat für ein Mann? Müssen sich die Berliner Genossen neues Führungspersonal unbedingt aus Hannover holen? Offenbar ja, denn alles erscheint besser, als einen der heutigen namhaften Berliner Sozis in's Rennen zu schicken. Die nach den nicht rechtmäßig durchgeführten Wahlen ein Jahr lang amtierende Regierende Bürgermeisterin, Franziska Giffey, wäre gern wieder angetreten, heißt es. Dass sie bei der rechtmäßigen Nachwahl vor drei Jahren deutlich verlor, verhalf der Ex-Doktorin bekanntlich auch nicht zu der Einsicht, dass sie die Berliner Wähler möglicherweise nicht länger im herausgehobenen Staatsamt sehen wollen. Aber - so berichten Berliner Lokalmedien - die beiden Landesparteivorsitzenden (gibt es noch SPD-Landesverbände, die nur von einem oder einer Vorsitzenden geführt werden?) suchten lieber nach einem neuen und unverbrauchten Gesicht.
Musterbiographie aus dem Klischeebaukasten
Relativ unverbraucht ist Genosse Krach allerdings nur in all den Lebensbereichen, die nichts mit dem Polit-Apparat zu tun haben, also dem Leben der Normalbürger. Sein Lebenslauf liest sich wie eine Musterbiographie aus dem Klischeebaukasten:
Noch vor dem Abitur tritt er in die SPD ein und studiert nach dem Zivildienst Sozial- und Politikwissenschaften in Göttingen und Berlin. Nach dem Studium bekommt er eine Stelle als „Referent für Wissenschaft, Weiterbildung, Forschung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz beim Bund und der Europäischen Union“ in der Landesvertretung von Rheinland-Pfalz in Berlin. Ein Jahr später ist er in der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung der Persönliche Referent des Senators Prof. Dr. Jürgen Zöllner. Von 2008 bis 2010 ist er in dieser Senatsverwaltung zuständig für Planungs- und Parlamentsangelegenheiten, um dann bis 2011 im gleichen Hause als Leiter des Büros des Senators Prof. Dr. Jürgen Zöllner zu arbeiten. 2011 wird die Senatsverwaltung umbenannt („für Bildung, Jugend und Wissenschaft“) und bekommt mit Sandra Scheeres eine neue Senatorin. Genosse Krach wird Leiter des Büros der Senatorin, bevor er sich 2012 sich aus der Landespolitik verabschiedet, aber nicht aus Berlin. Er wechselt für zwei Jahre in die SPD-Bundestagsfraktion als Leiter der Bund-Länder-Koordinierungsstelle, um dann wieder in die Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft zurückzukehren, allerdings als Staatssekretär für Wissenschaft.
2016 bis zu dessen Abwahl als Regierender Bürgermeister von Berlin im Herbst 2021 diente Krach seinem Genossen Michael Müller als Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung in der Senatskanzlei.
Was für ein reicher Erfahrungsschatz, mit dem er dann im November 2021 sein erstes Wahlamt als Regionspräsident in Hannover antreten konnte. Wie sich bei der Lebenslauf-Lektüre leicht erahnen lässt, ist Krach all den Berlinern, die sich näher mit der Berliner Landes- oder Wissenschaftspolitik befasst haben durchaus kein unbekanntes Gesicht. Doch so groß dieser Kreis auch sein mag, die Masse der Wahlberechtigten muss erst noch überzeugt werden, dass Genosse Krach der neue Hoffnungsträger sein könnte.
Ich als ehemaliger Berliner Wahlberechtigter und politisch nicht ganz uninteressierter Bürger muss ehrlicherweise zugeben, dass ich nicht sofort wusste, von wem die Rede ist, als die ersten Meldungen über diese neue Berliner SPD-Personalie zu hören waren.
Karrierechance für den Kandidaten
Wenn man sich verschiedene Auftritte von ihm anschaut, dann wirkt er nicht unsympathisch und für ein Gewächs aus Treibhaus des Politik- und SPD-Partei-Apparats vergleichsweise wenig abgehoben. Auch kann er seine Textbausteine gefälliger präsentieren als viele seiner Genossen. Und die letzten beiden Regierenden Bürgermeister der SPD, Müller und Giffey, haben Maßstäbe und Erwartungen an landespolitisches Spitzenpersonal erheblich gesenkt.
Steffen Krach dürfte klar sein, dass er im nächsten Jahr nicht Regierender Bürgermeister wird. Aber in seinen Lebenslauf dürfte es - so man dessen bisheriger Dramaturgie folgt - gut passen, wenn er dann in jene Senatsverwaltung als Senator einzieht, in der er als Referent, Büroleiter und Staatssekretär gedient hat.
So wird es für ihn womöglich wirklich aufwärts gehen, auch wenn es mit seiner Partei möglicherweise und mit dem Land Berlin höchstwahrscheinlich spürbar weiter abwärts geht.
Peter Grimm ist Journalist, Autor von Texten, TV-Dokumentationen und Dokumentarfilmen und Redakteur bei Achgut.com.

Ich lese gerade nochmal ein Statement des BSW-Genossen (Porsche-) Ernst. Ein Staement von ‚früher‘ – damals, als er noch ein Links-Parteiler war’. Es gäbe ‚… eine große Truppe politikunfähiger Clowns in der Partei. … Es gibt Leute in der Partei, deren Kontakt zur Arbeit sich darauf beschränkt, dass sie mal als Schüler oder Student ein Regal bei Aldi eingeräumt haben …‘. Unter dem Eindruck dieses Zitats lese man die Biografien der Berliner SPD-Genossen Kracht, Kühnert, Klose oder Chebli. Im Ernst: Wer von den Berliner SPD-Genossen wäre in der freien Wirtschaft auf dem ersten Arbeitsmarkt vermittelbar?
So ist das bei den Genossen. Erst tritt man den Pimpfen bei. Dann verweigert man sich – obwohl der Genosse Kracht im Vergleich zu den heutigen Baby-Sozialisten ja immerhin noch Zivil-Dienst geleistet hat. Früher war auch der Zivildienst ein echter Dienst – vermutlich die einzige Zeit seines Lebens, in welcher der Steffen ehrlich gearbeitet hat. Nach der kurzzeitigen Arbeitenden-Existenz beginnt man den wissenschaftlichen Sozialismus zu studieren, und schon geht es aufwärts auf der Karriere-Leiter, Stufe für Stufe und Sprosse für Sprosse. Und so wurde der Genosse erst (An-) Leiter, dann Ober-Leiter, dann Hauptleiter und schließlich – SEKRETÄR. Die Karriere-Entwicklung bei den Genossen gleicht in dieser Hinsicht der Karriere im Management großer Konzerne. Dort starten die Absolventen ihres jämmerlichen BWL-Studiums nach dem Karriere-Motto: ‚jung – dynamisch – erfolglos‘ ja auch gleich am ersten sogenannten Arbeitstag karrieremäßig mächtig durch und fühlt sich berufen, Leuten die schon jahrelang wirklich gearbeitet und Ahnung von Job haben, Vorschriften zu machen und Anweisungen zu geben. Seitdem geht es mit dem Wirtschaftsstandort Deutschland bergab. Ich empfehle hierzu den biografischen Werdegang des Wirtschafts-Föhrers Fratzscher! Genosse Kracht wurde nun wieder befördert: vom Sekretär zum (An-)Föhrer der Sozialisten Groß-Berlins. Aber er ist ein Föhrer ohne den miefigen Stallgeruch der örtlichen Parteikamarilla. Bei den ehrenwerten Herren (und Dämlichkeiten) in der Gefolgschaft des Saleh-Clans dürften solche von draußen eingedrungenen Stören-Friede wenig Begeisterung auslösen. Ich wünsche hiermit dem Intrigenstadel der SPD Berlin ein Wahl-Ergebnis noch hinter der AfD! Eine Partei, die es schafft, eine Figur wie die altgewordenen Juso-Lin(k)e Annika Klose in den deutschen bunten Tag zu schicken, darf man nicht wählen. Nirgendwo!
Die SPD ist nur noch eine leere Hülle, die nach Bedarf mit Inhalten und Personal gefüllt wird. So wie die verblichene FDP. Eine Partei, die sich um die Anliegen der arbeitenden Bevölkerung kümmert, existiert jedenfalls nicht (mehr). Möglicherweise ist es die AfD, aber deren Politik wurde noch nicht sachlich getestet. Mal sehen was passiert, wenn die nächsten Wahlen durch sind, und die SPD verschwunden ist. Dann wird die AfD zeigen müssen, welche Politik sie für die deutsche Bevölkerung macht.
1979! – 2 Jahre jünger als ich, also fast noch ein Kind der SPD Stepke. Und als Transvolkspartei, gefangen in einer mit Ach&Krach; noch 13% Vereinigung, die sich aber im Körper einer 44% Großpartei fühlt, kommen für die SPD bald auch nicht mehr die Gesetzmäßigkeiten zum Rundfunkstaatsvertrag zum Tragen und es muss mangels „gesellschaftlicher Relevanz“ nicht mehr berichtet werden.
Mir reichen schon die biografischen Eckdaten von dem: als Schüler in die SPD – Politik- und Sozialwissenschaften studiert – nie wertschöpfend gearbeitet. Also klassisch: Kreißsaal – Hörsaal – Politik. Was soll da von dem kommen?
@Torsten Hopp: Da müssen wir vorsichtig sein. Man verliert leicht den Überblick, was alles zum Bruttoinlandsprodukt dazu gerechnet wird. Z. B. Prostitution wird mit eingerechnet. Ich las mal die Schlagzeile, Deutschland – Europas größtes Bordell.
Was solls. Schon bei Ihrer Gründung bestand die SPD aus Lehrern, Literaten, Zeitungschreibern, Redakteuren usw. Wann kamen die auf die Idee, eine Arbeiterpartei zu sein? Zum Silvesterpunsch bei den Tetzlaffs höre ich mir dann wieder an, Verteidigungsminister Georg Leber hat Maurer gelernt. Nein er hat kaufmännischer Angestellter gelernt. Nach dem Krieg hat er auf dem Bau gearbeitet. So wie viele Trümmerfrauen. Was sicherlich sehr schwer war. Ab 1949 als hauptamtlicher Gewerkschafter. Das war bestimmt leichter.