Gastautor / 03.08.2019 / 06:28 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 46 / Seite ausdrucken

Mit der Tech-Oligarchie in die Knechtschaft

Von Joel Kotkin.

„Es scheint keinen stichhaltigen Grund zu geben, dass eine durch und durch wissenschaftliche Diktatur je gestürzt werden sollte.“ (Aldous Huxley, Wiedersehen mit der Schönen Neuen Welt.)

Die jüngsten Bemühungen, einen kritischen Blick auf die sogenannte „Tech-Oligarchie“ zu werfen, oder sie sogar zu zerschlagen, konnten auf beiden Seiten des Atlantiks Unterstützer gewinnen. Sie konnten sogar die tiefe Spaltung in der amerikanischen Politik überwinden. Die unmittelbaren Bedenken beziehen sich auf Dinge wie die Kontrolle von Schlüsselmärkten durch eine oder zwei Firmen oder die enorme Konzentration von Reichtum in den Händen der Tech-Elite. Zunehmend wird auch die Kontrolle und Manipulation von Informationen durch die Oligarchie thematisiert.

Was aber nicht ansatzweise so viel diskutiert wird, ist das Endziel der Oligarchen. Was für eine Welt schwebt ihnen für uns vor? Ihre gesellschaftliche Vision ist eine, welche die meisten Menschen – egal, ob sie sich als links oder konservativ betrachten – wohl nicht gerne sehen würden. Und dennoch könnte sie Realität werden – für uns, und noch viel mehr für unsere Kinder – wenn wir ihr nicht Einhalt gebieten.

Vor über 40 Jahren beschrieb der Futurist Alvin Toffler in seinem Buch „Die dritte Welle“ die Technik als das „Morgengrauen einer neuen Zivilisation“. Er betrachtete neue Technologien als riesige Chance für die Weiterentwicklung der Gesellschaft und der Menschheit. Tatsächlich bewegen wir uns Schritt für Schritt auf das zu, was Taichi Sakaiya „hochtechnologisiertes Mittelalter“ genannt hat. In seinem wegweisenden Werk „The Coming of Post-Industrial Society“ von 1973 hat Daniel Bell vorhergesagt, was passieren würde, wenn wir einer kleinen Zahl von Technikern und Finanziers die ultimative wirtschaftliche und kulturelle Macht übergeben, die Möglichkeit, jeden Aspekt des menschlichen Lebens und der menschlichen Gefühle zu monetarisieren. Wir würden diesen Menschen die Chance geben, den Traum eines „Sozial-Alchemisten“ zu erfüllen – der Traum „die Massengesellschaft zu ordnen“.

Die neue Aristokratie

Wie die Barbarenfürsten, welche nach dem Fall Roms die Kontrolle in Westeuropa an sich rissen, haben die Oligarchen die digitale Landschaft von den alten industriellen Großunternehmen erobert und konzentrieren sie in immer weniger Händen. Wie die mittelalterliche Aristokratie hat die Tech-Oligarchie – versinnbildlicht durch Firmen wie Amazon, Google, Facebook, Apple und Microsoft – nie ein einheitliches, zusammenhängendes politisches Manifest produziert, das ihre technokratische Zukunftsvision darlegt. Dennoch ist es möglich, zu erahnen, woran die Internet-Elite glaubt und – was noch aufschlussreicher ist – die Umrisse der Welt zu sehen, die sie erschaffen wollen.

Dieser verschwindend kleine Anteil der Menschheit mit seinem relativ kleinen Grundstock an Financiers, Ingenieuren, Datenwissenschaftlern und Marketing-Experten kontrolliert die Ausbeutung unserer persönlichen Daten, die der Alibaba-Gründer Jack Ma als die „Elektrizität des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet. Ihre „Super-Plattformen“ funktionieren in den Worten eines Analysten als „digitale Torhüter“, die über „E-Monopsien“ herrschen, welche enorme Bereiche unserer Wirtschaft kontrollieren. Ihre wachsende Macht, so eine aktuelle Studie der Weltbank, beruht auf „natürlichen Monopolen“, welche vom Internet-Geschäft hervorgebracht werden und welche die Klassenunterschiede verstärken, und zwar nicht nur in den USA, sondern auf der ganzen Welt.

Die Herrscher des Silicon Valley und seines nördlichen Doppelgängers, dem Puget Sound, stellen heute acht der 20 reichsten Menschen der Welt. 70 Prozent der 56 Milliardäre unter 40 leben in Kalifornien, davon allein 12 in San Francisco. 2017 hat die Hightech-Branche, größtenteils in Kalifornien, 11 neue Milliardäre hervorgebracht. Die Bay-Area hat mehr Milliardäre auf der Forbes 400 Liste als jede andere Großregion – abgesehen von New York – und mehr Millionäre pro Kopf als jede andere Großstadt.

Für einen Sektor, der einst für Wettbewerb bekannt war, ist das Ausmaß der Konzentration beeindruckend. Google kontrolliert fast 90 Prozent der Werbung bei Suchanfragen, Facebook fast 80 Prozent des mobilen, sozialen Datenverkehrs. Auf Amazon entfallen rund 75 Prozent aller E-Book-Käufe in den USA und – was wahrscheinlich noch wichtiger ist – fast 40 Prozent des weltweiten Cloud-Geschäfts. Google und Apple kontrollieren zusammen mehr als 95 Prozent der Betriebssysteme für Mobilgeräte, während Microsoft trotz eines gewissen Bedeutungsverlustes immer noch mehr als 80 Prozent der Software bereitstellt, die von PCs auf der ganzen Welt genutzt wird.

Der Wohlstand, der von diesen Quasi-Monopolen geschaffen wird, finanziert die Bemühungen der Tech-Oligarchie, bestehende Branchen wie Unterhaltung, Bildung und Einzelhandel, aber auch Zukunftsindustrien wie autonomes Fahren, Drohnen, Weltraumforschung und – besonders entscheidend – künstliche Intelligenz, ebenfalls zu monopolisieren. Wenn hier nicht Einhalt geboten wird, werden sie genug Macht angesammelt haben, um eine Zukunft zu schaffen, die man am ehesten als „post-human“ bezeichnen kann. Eine Gesellschaft, die von künstlicher Intelligenz dominiert wird und von denen, die sie kontrollieren.

Was wollen die Oligarchen?

Die Oligarchen erschaffen ein „wissenschaftliches Kastensystem“, nicht unähnlich jenem, welches Aldous Huxley 1932 in seinem dystopischen Roman „Schöne Neue Welt“ beschrieb. Anders als die alten Herren des Industriezeitalters haben die Tech-Herrscher wenig Verwendung für die Arbeitskraft der Mittel- und Arbeiterklasse – sie brauchen nur ihre Daten. Ihr Schwerpunkt bei der Personalgewinnung liegt auf dem Anwerben und An-Bord-Halten einer Handvoll technologisch begabter Spezialisten. „Software“, erklärte Bill Gates 2005 in Forbes, „ist ein IQ-Geschäft. Microsoft muss den IQ-Krieg gewinnen, oder es hat keine Zukunft.“

Der wahrscheinlich beste Einblick in die Mentalität der Tech-Oligarchie kommt von einem ihrer Bewunderer, dem Wissenschaftler Greg Ferenstein, der 147 Gründer von Digitalunternehmen interviewt hat. Ferenstein stellte fest, dass die aufstrebende Tech-Welt wenig Möglichkeiten für sozialen Aufstieg bietet. Von dem System profitiert vor allem ein kleiner Kreis an der Spitze der technologischen Infrastruktur; die Mittelschicht und die Arbeiterklasse werden, wie schon zu feudalen Zeiten, mehr und mehr an den Rand gedrängt.

Die Realität spiegelt die Erwartungen der Tech-Unternehmer bezüglich der zukünftigen Entwicklung der Gesellschaft. Laut Ferenstein glauben die meisten Oligarchen, dass „ein immer größerer Anteil des wirtschaftlichen Wohlstands von einer kleinen Schicht sehr talentierter oder origineller Menschen generiert werden wird. Alle anderen werden sich vor allem mit einer Kombination von Gelegenheitsjobs und staatlicher Wohlfahrt durchschlagen müssen.“ Tatsächlich hat die Teilzeitarbeit stark zugenommen. Etwa 20 Prozent der Arbeitnehmer in den USA und Europa sind mittlerweile in dieser Form beschäftigt, und laut der Unternehmensberatung McKinsey werden es in Zukunft immer mehr werden.

Natürlich haben die Oligarchen ebenso wenig vor, ihre Macht und ihren Reichtum an das Proletariat abzutreten, wie die roten Kommissare, die 1917 in Russland an die Macht kamen. Stattdessen bevorzugen sie, was Marx einst als den „proletarischen Bettelsack“ bezeichnete: subventionierte Arbeiterwohnungen und Sozialleistungen für das wachsende Heer an Leibeigenen der Gig-Economy. Der ehemalige Chef von Uber, Travis Kalanick, – er war ein großer Unterstützer von Barack Obamas Gesundheitsreformen (Obamacare) – und viele Tech-Führungskräfte – darunter Mark Zuckerberg, Y-Combinator-Gründer Sam Altman und Elon Musk – befürworten ein bedingungsloses Grundeinkommen, um die Ängste der Arbeitnehmer vor „disruptiven“ Veränderungen zumindest abzumildern.

Ihre gesellschaftliche Vision läuft auf etwas hinaus, was man als „oligarchischen Sozialismus“ bezeichnen könnte, oder was die corbinistische Linke „vollautomatisierten Luxuskommunismus“ nennt. Wie im ursprünglichen bolschewistischen Modell sollen Technik und Wissenschaft in den Worten des Milliardärs und Tech-Investors Naval Ravikant „den Zusammenbruch der Familienstruktur und Religion“ zeitigen und die Hegemonie eines linken, identitätszentrierten Individualismus herbeiführen.

Das Leben in einer Welt, die von diesen Oligarchen dominiert wird, würde von dem demokratischen und konkurrenzbasierten Modell des Kapitalismus wegführen, das sich in den letzten 50 Jahren herausgebildet hat. Anstatt die Hoffnung auf gesellschaftlichen Aufstieg und die Gelegenheit zum Immobilienbesitz zu haben, werden die Angehörigen der neuen Generation ihr Dasein größtenteils als Leibeigene fristen, die in gemieteten Apartments wohnen. In meiner Wahlheimat Kalifornien treibt Facebook bereits solche Wohnkonzepte voran. Hier können sich die Leibeigenen und Techno-Hipster in virtuellen Welten verlieren. Den Armen – von denen die meisten einfach nur mehr Chancen im Leben wollen, statt noch mehr staatlicher Wohlfahrt – wird eine Rolle als dauerhaft Abhängige zugewiesen.

„Feudalismus mit besserem Marketing“

Um eine Vorschau auf die Gesellschaft zu bekommen, die die Oligarchen erschaffen wollen, geht man am besten dorthin, wo ihre Dominanz am weitesten fortgeschritten ist. Der Wired-Autor Garcia Martinez hat das Silicon Valley als „Feudalismus mit besserem Marketing“ bezeichnet. Seiner Ansicht nach ist die neue Aristokratie eine Art „innere Partei“, die aus Wagniskapitalgebern und Unternehmensgründern besteht. Weit unter ihnen gibt es eine „äußere Partei“. Sie besteht aus gut bezahlten Fachkräften, die allerdings aufgrund der hohen Lebenskosten und Steuern gezwungen sind, ein einfaches Mittelklasse-Leben zu führen. Unter ihnen ist das riesige Reservoir der Gelegenheitsarbeiter, welche Martinez mit den Pachtbauern der Südstaaten vergleicht. Leibeigene, die „auf Smartphone-Befehle reagieren, statt auf die Befehle eines Aufsehers.“ Noch weiter unten ist eine Klasse der Unberührbaren: „Die Obdachlosen, Drogenabhängigen und/oder Kriminellen“.

In Kalifornien, und vor allem in der Bay Area, zeigt sich diese neo-feudale Realität bereits. Bereinigt um Lebenshaltungskosten hat meine Wahlheimat nach Angaben der US-amerikanischen Statistikbehörde die höchste Armutsquote des Landes. Einer von drei amerikanischen Sozialhilfeempfängern lebt in Kalifornien, obwohl der Bundesstaat nur 12 Prozent der US-Bevölkerung ausmacht. Eine Studie der Wohltätigkeits-Dachorganisation United Way zeigte 2017, dass fast ein Drittel der Familien in Kalifornien kaum in der Lage sind, ihre Rechnungen zu bezahlen. Heute leben acht Millionen Kalifornier unter der Armutsgrenze, davon zwei Millionen Kinder. Etwa jedes fünfte kalifornische Kind lebt in „tiefer Armut“ [ein Haushaltseinkommen unter 50 Prozent der Armutsgrenze, Anm. d. Red.] und fast die Hälfte nur knapp darüber.

Trott aller progressiven Glaubensbekenntnisse hat der Golden State einen der höchsten GINI-Koeffizienten – also eine der ungleichmäßigsten Einkommensverteilungen – unter den amerikanischen Bundesstaaten. Die Ungleichheit wächst schneller als in fast jedem anderen Bundestaat – sie ist jetzt größer als in Mexiko und näher an zentralamerikanischen Bananenrepubliken wie Guatemala oder Honduras als an entwickelten Ländern wie Kanada oder Norwegen. Sogar mittelalterliche Krankheiten wie Typhus kehren im Zusammenhang mit wachsenden Obdachlosensiedlungen zurück. Auch die Beulenpest könnte bald zurückkehren, obwohl die Mainstreammedien dies bereits, wie so oft, dem Klimawandel anstatt einer verfehlten Sozialpolitik in die Schuhe schieben wollen.

Die Website CityLab beschreibt die Bay Area als eine „Region segregierter Innovation“, wo die Reichen gedeihen, die Mittelschicht schrumpft und die Armen in immer unverrückbarerer Armut leben. Etwa 76.000 Millionäre und Milliardäre leben in den Landkreisen Santa Clara und San Mateo. Am anderen Ende gibt es tausende Menschen, die nicht wissen, wie sie ihre Familien ernähren und am Monatsende ihre Rechnungen bezahlen sollen. Fast 30 Prozent der Einwohner des Silicon Valley sind auf staatliche oder private Wohlfahrt angewiesen.

Noch in den 1980er Jahren konnte San Jose eine der egalitärsten Wirtschaften im ganzen Land vorweisen. Aber im aktuellen Boom sanken die Reallöhne für Latinos, Afro-Amerikaner und die Mittelschicht im Silicon Valley sogar. Viele Minderheiten arbeiten im Dienstleistungssektor, zum Beispiel im Sicherheitsdienst für etwa 25.000 US-Dollar im Jahr. Die Segregation von Minderheiten und Familien mit niedrigem Einkommen nimmt zu. Angestellte werden in Wohnwagenparks gedrängt oder schlafen in ihrem Auto oder bevölkern einige der größten Obdachlosensiedlungen im Land. Nach Angaben der Denkfabrik Brookings Institution ist im letzten Jahrzehnt die Ungleichheit im zunehmend tech-dominierten San Francisco am schnellsten gewachsen. Indessen ist die Mittelschichtsfamilie vom Aussterben bedroht.

Progressive und Konservative vereinigt euch!

Amerikaner, die am Unternehmergeist hängen, haben erst langsam erkannt, wie die Tech-Oligarchie die Zukunft der Republik bedroht. Aber die öffentliche Skepsis gegenüber den Tech-Herrschern wächst, insbesondere in Kalifornien. Viele Menschen auf beiden Seiten des politischen Spektrums betrachten sie inzwischen als moderne Version der Industriemagnaten des Gilded Age, die erfolgreich das politische System der USA manipulierten, um Regulierungen, Kartellgesetze und Steuern zu umgehen.

Doch die Herrschaft der Oligarchen zu überwinden, wird nicht einfach. Anders als die alten Industriegiganten genießen sie eine noch nie dagewesene Macht über die Informationskanäle. Das zeigt sich insbesondere bei der Zensur größtenteils konservativer Stimmen auf Plattformen wie Facebook, YouTube und Twitter (dem sogenannten „Deplatforming“). Fast zwei Drittel aller Leser beziehen ihre Nachrichten über Facebook und Google, und bei der jungen Generation ist der Einfluss dieser Anbieter noch größer. Der Guardian formulierte es so: „Wenn ExxonMobil versuchen würde, seinen Einfluss in jeden Bereich unseres Lebens auszuweiten, gäbe es eine Graswurzelbewegung, um diesen Einfluss einzudämmen.“

Zu diesem Einfluss kommt noch die Kontrolle über die Reste der traditionellen Medien, zu deren Niedergang die Oligarchen zuvor mit beigetragen hatten. Oft zu Ramschpreisen konnten die Oligarchen prestigeträchtige Medien kaufen, darunter die New Republic (2012), die Washington Post (2013), The Atlantic (2017) und Time (2018).

Im aufziehenden politischen Sturm werden die Oligarchen außerdem links und rechts einige Unterstützer halten und sich auf einen wachsenden und politisch janusköpfigen Lobby-Apparat stützen können. Einige Progressive in Kalifornien stehen beim Thema Datenschutz auf der Seite der Oligarchen, und die Senatorin und Bewerberin für die demokratische Nominierung zur Präsidentschaftswahl 2020 Kamala Harris wird von vielen der Oligarchen unterstützt. Auf der rechten Seite des politischen Spektrums verteidigen einige Libertäre, zum Beispiel im Wall Street Journal und bei konservativen Think Tanks, die Oligarchen als die rechtmäßigen Sieger eines harten ökonomischen Wettbewerbs.

Aber all diese gut platzierten Verbündeten werden vielleicht nicht ausreichen, um regulatorische Angriffe abzuwehren, insbesondere, da immer mehr Menschen erkennen, wie wenig die von den Eliten geschaffene Welt für die Mittelschicht, die Demokratie oder die Freiheit des Denkens verspricht. Die Oligarchen, früher von vielen als Erlöser betrachtet, haben sich als akute Gefahr für die elementarsten Grundlagen unserer Demokratie herausgestellt. Widerstand gegen sie zu leisten, ist der wichtigste Imperativ unserer Zeit.

 

Joel Kotkin ist Presidential Fellow an der Chapman University in Orange, Kalifornien und Geschäftsführer des Center for Opportunity Urbanism in Houston, Texas. Sein letztes Buch „The Human City: Urbanism for the Rest of us“ erschien 2017 im Agate Verlag. Dieser Beitrag ist zuerst auf Englisch beim Online-Magazin Quillette erschienen.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Sophie Siemonsen / 03.08.2019

@Richard Rosenhain aber bisher scheint es ja zu laufen. Jeff Bezos (zahlt sogut wie keine Steuern mit Amazon) hat sich gerade eine Yacht (Flying Fox) für 400 Millionen gegönnt.

Sophie Siemonsen / 03.08.2019

Die Zukunft wird eine Mischung aus Orwell und Huxley und Judge Dredd. Irgendwie schrecklich.

Th. Wagner / 03.08.2019

Ich persönlich halte von dieser sogenannten Konzentration nicht besonders viel. Wir sollten vielmehr mal berücksichtigen, ob wir überhaupt noch lebensfähig sind, wenn die Stromversorgung über längere Zeit mal nicht mehr gewährleistet ist. Da sind Firmen wie Google, Facebook, Apple, Microsoft u. v. m. plötzlich allem beraubt, was sie ausmacht. Nur dank der Versorgungssicherheit konnte sich so etwas wie heute entwickeln. Diese Abhängigkeit von permanent verfügbarem Strom würde mir sehr viel mehr Kopfschmerzen bereiten. Die Löhne sind weltweit in Bewegung. Allerdings, wenn Hochlohnländer plötzlich anfangen sich mit Niedriglohnländern zu vergleichen, und im Grunde genommen dummer Manager feststellen, dass es wo anders billiger zu produzieren ist, ist das der Anfang vom Ende. Es fängt schon bei den Lebenshaltungskosten: in kalten Regionen ist der Aufwand, dank des Heizens wesentlich höher, also braucht es hier höhere Löhne. Wer das weiterdenkt, wird feststellen, dass es viele Produkte gibt, die hin solchen Regionen nicht sinnvoll hergestellt werden können. Zusätzlich ist die Kaufkraft der Arbeitnehmer zu berücksichtigen, schließlich kann da keiner einen Nachtragshaushalt aufstellen und sich das Geld dazu vom Chef geben lassen.

Ralf Pöhling / 03.08.2019

Hochinteressanter Artikel. Die Tech-Oligarchen sind Fluch und Segen zugleich. Auf der einen Seite haben sie die Welt und die Menschen nach vorne gebracht, wie kaum jemand zuvor. Ohne die Vorleistung der Tech-Oligarchen, würde weder diese Website existieren, noch könnten wir über diesen Artikel diskutieren. Auf der anderen Seite hat diese Entwicklung zu globalen Monopolen und damit zu einer unglaublichen Machtkonzentration geführt, die nicht nur bestehende staatliche und gesellschaftliche Strukturen gefährdet, sondern ebenso die Demokratie und sogar die freie Marktwirtschaft, die den Tech-Oligarchen selbst den Weg nach oben geebnet hat. Der Wettbewerb ist faktisch ausgehebelt, was wohl auch den merkwürdigen Hang der Techies zum Sozialismus erklärt. Das gemeine Volk muss vom Staat finanziell unterstützt werden, damit es den Tech-Oligarchen als potentieller Kunde erhalten bleibt. Wer auf der Straße und aus dem Mülleimer lebt, hat kein Geld mehr für digitale Dienstleistungen über und fällt somit als Kunde aus. Der Trick zur Lösung des Problems liegt jedoch nicht etwa in der Einführung des Sozialismus, denn damit wird das Gefälle von Arm zu Reich erst richtig zementiert, sondern im Gegenteil in der Ankurbelung des Wettbewerbs. Amazon, Facebook & co. brauchen Konkurrenz. Lässt sich bewerkstelligen. Es braucht nur die entscheidende Verbesserung und das Alleinstellungsmerkmal gegenüber den etablierten Dienstleistern. Dafür braucht es wiederum kompetente Kräfte in anderen Regionen der Welt, die entsprechend entlohnt und somit vom eingekauft werden abgehalten werden. Die Lösung heißt bessere Bildung in der Breite der Bevölkerung, gezielte Förderung von Hochbegabten, der Abbau von Hindernissen bei unternehmerischer Tätigkeit und eine adäquate Entlohnung von Spitzenpersonal. Die Chinesen haben das begriffen. Wir in Europa noch nicht.

Caroline Neufert / 03.08.2019

Das ist viel zu eng gedacht und mir zu einfaches GAFA-Bashing. Sie vergessen China ... Regularien mögen vielleicht die GAFA-Unternehmen in ihrem Tun einschränken, viel stärker werden sie aber uns, die Nutzer einengen. Und das war es dann mit Demokratie. ... ...

Dietmar Weber / 03.08.2019

Ohne Techgiganten und Silicon Valley wären alle ärmer. Und damit meine ich wirklich alle. In den letzten Jahrhunderten ist soviel Reichtum durch Effizienzsteigerung, Motivierung und “Empowerment” entstanden. Die Techgiganten nur im Kontext von Werbung in Datenmissbrauch zu sehen ist ein grundlegendes Missverständnis. Die Mittelschichten dieser Welt stehen in Konkurrenz zueinander. Wenn ein Land hier verliert, dann gewinnt ein anderes. Wie kann man in so einer Analyse die Globalisierung unberücksichtigt lassen ?

HaJo Wolf / 03.08.2019

@Florian von Lichtenberg: Hätten Sie auf meinen Post höflich und sachlich geantwortet, statt herumzupöbeln, würde ich Ihnen gerne erklären, was Sie nicht verstanden haben.

toni Keller / 03.08.2019

Vieles ist wirr in dem Beitrag, aber ich denke die Grundrichtung ist wirklich erschreckend. In meiner Kindheit hatten alle Leute, die ich so kannte, und wir waren nicht reich, ein Haus und lebten da auch. Gut das ist subjektiv, aber es gibt immer mehr Leute die ihr Leben lang zur MIete wohnen, es gibt immer mehr Leute, die zwar Wohneigentum haben, aber eben eine Eigentumswohnung im Mehrfamilienhaus. Der eigentlich verständliche Wunsch dort zu sterben, wo man gelebt hat, ist immer weniger möglich, neulich stand in der FAZ ein Artikel wo begründet wurde, warum das Haus weg ist, sobald die Mutter ins Heim muss. Ich denke übrigens nicht, dass die Daten alleine das Problem sind, gerade ihre Fülle macht aus, dass man weniger damit anfangen kann, als man so meint, das Problem ist, dass wir alle, auch hier auf der Achse, immer mehr in eine Realität hinein rutschen, die rein virtuell ist. Man sieht es an all den beklagten Ökoirrsinnsentscheidungen eigentlich sehr gut.

Thomas Schmidt / 03.08.2019

Techgiganten und Monopolisten haben auch einen Riesenvorteil, der allerdings heute als selbstverständlich wahrgenommen wird. Früher hat jeder mit eigenem Mass gemessen und eigene Formate benutzt, und es hat mühselige Anstrengungen über Jahrzehnte und Jahrhunderte gedauert, bis das standardisiert wurde. Ein Techgigant der 1-2 Jahrzehnte quasi Monopolist ist, erledigt das im Alleingang, die ganze Welt nutzt seine Software und seine Formate, und so ein weltweiter Standard erzeugt ungeheure Produktivitätsgewinne. Zu blöd dass der Ami es liebt, wenn seine Techgiganten globale Monopolisten werden, aber er selben nicht mal von seinen bescheuerten Zoll und Unzen zugunsten des dezimalen Systems abgeht.

Lef Kalender / 03.08.2019

Was ich nicht verstehe, ist, wie man mit Werbung Geld scheffeln kann. Einzige Erklärung: Menschen sind dumm und haben es nicht besser verdient. Ich habe schon in der 7.Klasse gelernt, was Werbung ist, wie sie funktioniert, dass ICH da für Unsinn bezahlen muss. Seitdem bin ich ein Anti-Werbungsmensch, was heißt: Was ich in der Werbung sehe, kaufe ich prinzipiell nicht, wenn es irgendwie geht (zum Glück gibt es Aldi .)). Wenn alle oder die Mehrheit genau so denken würden, wäre google Pleite oder könnte nicht mehr kostenlos anbieten. OK, ich finde es super, kostenlos bedient zu werden (Google usw.), aber von mir werden deren Werbekunden jedenfalls nicht reich. Der Rest der Doofen ist mir egal, trotzdem: Danke an die.

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