Peter Grimm / 24.09.2016 / 14:37 / 4 / Seite ausdrucken

Mit der Staubsaugerin zur Geschlechter-Gerechtigkeit

Der Kampf um die geschlechtergerechte Sprache scheint ja auf den ersten Blick entschieden zu sein. Höchstens in der privaten Sprachpflege und in der schönen Literatur kann man die deutsche Sprache noch ungegendert genießen. Andere Refugien gibt es kaum noch. Die Fußgänger und Radfahrer sind sogar aus der Straßenverkehrsordnung verschwunden. Es gibt bis auf den Mullah auch kaum noch eine Berufsbezeichnung ohne eine zwingend eigens zu erwähnende weibliche Form.

Doch der Schein trügt. Wahre Kämpferinnen für geschlechtergerechte Sprache haben ein Feld entdeckt auf dem sich bis heute – zumindest grammatikalisch – immer noch eine männliche Dominanz erhalten hat: Der Bereich der technischen Geräte und Arbeitsmittel. Tagtäglich finden sie Anwendung und werden, so sie grammatikalisch männlich sind, auch nur männlich bezeichnet. Das geht in der heutigen Zeit gar nicht mehr, finden die Genossinnen der Linken in Flensburg und wollen in der Stadt der Punkte erreichen, dass die Arbeitsgeräte der Verwaltung ihre Männlichkeit verlieren.  Die linke Stadtratsfraktion stellt fest:

Es ist im Sinne einer sozial gerechten und antidiskriminerenden Gesellschaft nicht hinzunehmen, dass Nomen, die ein Arbeitsgerät/-mittel bezeichnen, häufig nur mit maskulinen Artikeln gebraucht werden. Dies verlängert die patriarchalische Gewohnheit, dass menschliche, mechanische oder technologische Arbeitsleistung als überwiegend “männlich” charakterisiert wird. Auch im Bereich der modernen Technologie werden viele dieser Nomen noch immer mit einem “männlichen” Artikel verwendet. – Im Sinne eines genderneutralen bzw. alle Gendertypen umfassenden Sprache ist daher eine Doppelform anzuwenden. Dies hat für die mündliche und schriftliche Sprache in allen Bereichen der Verwaltung sowie der Kommunalpolitik der Stadt Flensburg zu gelten.

Die Genossinnen haben die nötige Verordnung schon ausgearbeitet und als naturgemäß unverständiger Mann hatte ich das für Satire gehalten. Aber ausweislich des Links unter dem ich das Papier gefunden habe, kommt das Papier tatsächlich von der Linken. Also freuen Sie sich auf ein Kabinettstückchen Realsatire, aber denken Sie daran, dass es gar nicht so lange dauert, bis aus solcher Satire bitterer Ernst werden kann:

Antrag:

Ab sofort werden Arbeitsgeräte/-mittel aus allen Arbeitsbereichen der Stadt Flensburg genderneutral bezeichnet. Dies gilt insbesondere für grammatisch mit maskulinem Artikel („der“) bezeichnete Arbeitsgeräte/-mittel:

  • Bezeichnungen, die Berufsbezeichnungen nachgebildet sind: der/die ScannerIn, der/die ComputerIn, der/die BleistiftanspitzerIn, der/die KopiererIn, der/die StaubsaugerIn usw.
  • weitere Bezeichnungen sollten bestehenden Doppelformen kreativ nachgebildet werden: der/die Papierkorb/-körbin, der/die Briefkopf/-köpfin, der/die AbfalleimerIn usw.

Ausgenommen davon sind Nomen,..

  • die mit einem Nominalisierungssuffix (-keit, -heit, -ung usw., insbesondere wenn sie dabei den femininen Artikel „die“ tragen) gebildet werden, z.B. die Sitzung, die Tagesordnung usw.
  • die grammatisch einen neutralen Artikel („das“) tragen: das Papier, das Dokument usw.
  • die einen Ort bezeichnen (der Flur, die Kantine, die X. Etage, der Wartebereich usw.)

Vielleicht hätte einer den Genossinnen Sprachkommissarinnen den Hinweis geben sollen, dass sich ihr Plan auch verwirklichen ließe, in dem man die Deutschen zur generellen Benutzung des geschlechtsneutralen „das“ verpflichtet. Natürlich wäre auch das Sprachbarbarei, aber wenigstens praktisch und einfach. Aber damit würde man vielleicht weniger Fachausschüsse zur Bestimmung der richtigen Form benötigen und damit gäbe es weniger Stellen für die Sprachwächterinnen. Hoffen wir, dass diese Anträgin schnell gnädige Aufnahme in der Papierkörbin findet.

Den ganzen Antrag finden Sie hier.

NACHTRAG:
Inzwischen hat die Linke in Flensburg ganz offiziell erklärt, ihr Antrag sei nur eine Satire gewesen und sie würden selbstverständlich gegen ihren eigenen Antrag stimmen, mit dem sie nur einen anderen Antrag vorführen wollten. Warum sollte man auch ernsthafte Kommunalpolitik machen, wenn sich die Verwaltung auch wunderbar mit Satireanträgen beschäftigen lässt und alle, die Arbeit damit haben, wenigstens gut unterhalten werden.

Dass die Linke jetzt im Norden das Gendern bewusst satirisch überhöht, um gegen falsch verstandene geschlechtergerechte Sprachregelungen mobil zu machen, das ist auch eine bemerkenswerte Entwicklung. Die parteiamtliche Klassifizierung des eigenen Antrags als Satire finden Sie hier.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Peter Grimms Blog Sichtplatz.hier

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Leserpost

netiquette:

Andreas Adam / 25.09.2016

Dabei sollten wir alle aber in Zukunft genau hinschauen, wo nur Begriffe verwendet werden, die weiblich sind! Z.B.: die Kantine, die Kaffeekanne, die Aktenklammer, die Maus, die Festplatte, die Tastatur, die Diskette, die,die,die. Naja, es gibt wohl Menschen, die keine Probleme sehen, ausser die, sie sich selbst machen. Aber schön zu wissen, dass es Abgeordnete gibt, die für viel Geld sich nur um ihre eigene fragwürdige Profilierung kümmern.

Manfred Ort / 25.09.2016

Schon lange Zeit, daß die Gleichberechtigung Platz greift. Die Diskriminierung des männlichen Geschlechts ist unerträglich. Deshalb: Der Idiot, die Idiotin, der Depp, die Deppin, der Simpel, die Simpelin, der Dummkopf, die Dummköpfin !!! Man könnte das fortsetzen. Viele negativen Begriffe sind männlich unterlegt, einfach unerträglich.

Dietrich Herrmann / 24.09.2016

Na, Hauptsache der Begriff “die Idiotin” findet in Flensburg bei diesen Genossinnen noch Anwendung. Im Übrigen halte ich dieses Gendern, und auch noch als Wissenschaftszweig, für das Dämlichste, was je von Menschinnen erfunden wurde.

Hans Meier / 24.09.2016

„Preisfrage“: Was werden Studien-Abbrecherinnen, die mehrfach durch das Lehrer-Sprach-Examen durchgefallen sind anschließend hauptberuflich? Wo kommen die unter? Was regeln die neben der Gender-Sprache auch noch am lokalen Klima als Kommunal-Beauftragte?

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