Was für Zeiten! Das einst führende Nachrichtenmagazin hat im Titel einen Nachruf auf den Euro. In Athen stehen die Demonstranten mit ihren Transparenten vor dem Parlament, und auf den Transparenten steht: No Pasaran. Das ist ein legendärer Schlachtruf des spanischen Bürgerkriegs. Er hat zwar nichts genützt, aber sein Eros lebt.
Mutti, die Kanzlerin, war, bevor sie, wie jedes Jahr, nach Bayreuth fährt, kurz mal in Warschau, um dort die polnische Stabilitätspolitik zu loben. Die Polen haben immer noch ihren Zloty, und dass sie keine größeren ökonomischen Sorgen plagen, hat vielleicht auch damit zu tun, dass sie nicht den Euro haben.
Wären die Griechen bei ihrer Drachme geblieben, hätten sie jetzt eine Hyperinflation, aber keinen Staatsbankrott. Das wiederum ist kein Argument gegen den Euro, sondern gegen die Zugehörigkeit Griechenlands zur Eurozone. Griechenland ist nicht ein Fass ohne Boden, es ist ein Haus ohne Dach, dessen Bewohner statt endlich ein Dach zu bauen, unentwegt Sonnenschirme anschaffen.
Es sollte zu seiner Drachme zurückkehren.
Nie waren die Verhältnisse in Europa so gut geordnet wie heute, und doch sind alle unzufrieden. Wenn man an Europa denkt, braucht man nur noch ein einziges, knappes Wort, um sein Unbehagen zum Ausdruck zu bringen: Brüssel! Haben wir bloß eine Währungskrise, oder ist es vielmehr eine Sinnkrise?
Aus Beidem ist nur eine Lehre zu ziehen, nämlich die, dass der Nationalstaat nicht durch Europa ersetzt werden kann, und schon längst nicht durch den Europa-Mythos. Europa ist politisch allein als Staatenbund sinnvoll. Seine übergeordneten Finanz- und Wirtschaftsregelungen können nur das Ergebnis von nationaler Realökonomie sein.
Wir brauchen ein Kerneuropa, das des Euro, als Motor. Wie alles andere gestaltet wird, das Sonnenschirmzählen und die Strandgutverwaltung, oder die Freikartenvergabe in Bayreuth, sollte den einzelnen Staaten überlassen sein. Sonst wird es bald nur noch Brüsseler Protektorate geben, und Mutti wird auch noch Kaiserin oder Vorsitzende der Grünen.