Air Tuerkis / 18.10.2018 / 06:25 / 43 / Seite ausdrucken

Mit Chamberlain nach Teheran

Vor rund 80 Jahren marschierte die Wehrmacht im Sudetenland ein. Doch anders als bei der vorhergehenden Besatzung und Annexion Österreichs oder der Remilitarisierung des Rheinlands war die Stimmung in England nicht von Hass oder Furcht geprägt, sondern von regelrechter Euphorie. In den größten Lettern, die es bis dato je in einer britischen Tageszeitung gab, titelte der Daily Express am Vortag „PEACE!“. Premierminister Chamberlain richtete sich ebenfalls am Vortag an sein Volk und verkündete: „I believe it is peace for our time“. Das Volk bejubelte seinen Regierungschef, der zu seinem Außenminister Lord Halifax sagte: „Ich habe es, ich habe es!“.  

Was er hatte, war eine schriftliche Zusicherung Hitlers, dass Großbritannien und Deutschland nie mehr Krieg miteinander führen würden. Chamberlain hatte diese schriftliche Zusage mit aller Kraft erkämpft und hatte einen hohen Preis bezahlt: das Münchner Abkommen. Es war der Höhepunkt seiner außenpolitischen Agenda, der Beschwichtigung, bekannt als „Appeasement“. 

Die Vorgeschichte: Am 10. April 1938 fand eine Volksabstimmung in Österreich statt, die mit 99,7 Prozent (als proklamiertes Ergebnis) den Anschluss an das Deutsche Reich besiegelte. Österreich war zuvor von Wehrmachtstruppen besetzt worden, die Abstimmung fand unter Aufsicht der Nazis statt. Hitler hatte damit seine Ankündigung aus „Mein Kampf“ – erschienen über 10 Jahre zuvor – verwirklicht und Österreich „heim ins Reich“ geholt. 

In London und Paris herrschten Verzweiflung und Erstaunen, es folgten aber keine Konsequenzen. Nicht mal leere Drohungen. Hitlers nächster Coup sollte die Besetzung der Tschechoslowakei sein, das hatte er bereits Ende 1937 vor hohen Funktionären angekündigt. Seitdem machte sich die Wehrmacht für einen Angriff auf die Tschechoslowakei bereit.

Eine Rechtfertigung hatte Hitler über die Sudetenfrage: Die Lage im mehrheitlich deutsch besiedelten Sudetenland war in der Tat sehr angespannt. Im Vertrag von Saint-Germain – der parallel zum Versailler Vertrag entstanden war – wurde das Sudetenland dem neuen Vielvölkerstaat Tschechoslowakei einigermaßen willkürlich zugeordnet. Der Widerstand der Bevölkerung wurde durch den Einmarsch tschechoslowakischer Truppen beendet. Den ethnischen Minderheiten und somit auch den Sudetendeutschen wurden Autonomierechte verwehrt, und sie waren massiven staatlichen Diskriminierungen ausgesetzt. Die tschechischen Parteien fällten wichtige politische Entscheidungen in einem Fünferrat unter Ausschluss der Parteien der ethnischen Minderheiten. In folgedessen bekam die „Sudetendeutsche Partei“, die sehr enge Kontakte zur NSDAP pflegte und ihre Befehle direkt von Hitler bekam, 1935 die meisten Stimmen aller Parteien in der Tschechoslowakei.

Hitler befeuerte nun den Konflikt im Sudetenland: Konrad Henlein, Vorsitzender der Sudetendeutschen Partei (SdP) stellte eine Reihe an Forderungen (unter anderem Autonomie) an die tschechoslowakische Regierung. Die SdP und ihre Anhänger begannen, tschechische Mitbürger unter Zuhilfenahme von ins Land gereisten SA-Männern zu bekämpfen und inszenierten Straftaten von angeblichen Tschechen in den deutschen Grenzgebieten.

Hitler legte lange vorher den Termin für den Eimarsch fest

Aus militärstrategischer Sicht war eine Einnahme des Sudetenlandes für Hitler entscheidend. Das Sudetengebirge bot militärischen Schutz vor Deutschland, außerdem hatte die Tschechoslowakei bereits beträchtliche militärische Maßnahmen ergriffen, um das Sudetenland zu einer Art Schutzschild der Tschechoslowakei gegen Deutschland zu machen. Ein Krieg gegen die Tschechoslowakei in den Sudeten hätte Deutschland wahrscheinlich große Verluste bereitet. Außerdem standen sowohl über zwei Drittel der tschechoslowakischen Kraftwerke im Sudetenland als auch eine Vielzahl an Eisenwerken, die ganz besonders wichtig für Deutschland waren, da dessen massive Aufrüstungspolitik immer wieder durch Rohstoffmangel ins Stottern kam.

Die westeuropäischen Politiker, allen voran Neville Chamberlain, wollten den Frieden wahren – um jeden Preis. Anfang August entsandte das Vereinigte Königreich eine Delegation nach Prag, um den tschechoslowakischen Präsidenten Edvard Beneš zum Einlenken zu bringen. Man erklärte ihm: Wenn er nicht einlenkt und es zum Krieg kommen sollte, würde man nicht an der Seite der Tschechoslowakei kämpfen. Am 30. August beugte sich Beneš schließlich und willigte ein, den Sudetendeutschen Autonomierechte zu gewähren. 

Doch Konrad Henlein bekam die Order von Hitler, das Angebot auszuschlagen. Am Ende des Telefonats schrie er: „Lang lebe der Krieg. Und wenn er zwei bis acht Jahre dauert“. Am 10. September sprach Hitler auf dem Nürnberger Reichsparteitag und sagte, dass er den Sudetendeutschen um jeden Preis beistehen werde. Alle Zeichen standen nun auf Krieg, und so war in London und Paris die Frage allgegenwärtig, wie man sich im Kriegsfalle verhalten würde. Chamberlain ging bei Anrufen aus Paris nicht ans Telefon, ließ Anfragen an Diplomaten abblocken und machte so den Westen führungslos. Er hatte seinen eigenen Plan: Jetzt, da die Krise am stärksten war, wollte er Hitler in einem persönlichen Treffen zum Einlenken bringen. Er hielt sich für den Mann, der Frieden bringen kann.

Er bot Hitler bei einem Treffen auf dem Obersalzberg an, eine Volksabstimmung im Sudetenland durchzuführen. Doch auch das lehnte Hitler ab und verkündete: „Ich werde in kürzester Frist diese Frage – so oder so – aus eigener Initiative regeln.“

Die Gespräche drohten zu kippen, doch im entscheidenden Moment gab Hitler ein wenig nach: Er willigte ein mit dem Kalkül, dass die Tschechoslowakei ohnehin keiner Volksabstimmung zustimmen würde. Außerdem wollte Hitler einen Scheinkompromiss mit Großbritannien finden, um einen Kriegseintritt zugunsten der Tschechoslowakei zu verhindern. Denn Deutschlands militärische Stärke war noch sehr eingeschränkt. Der Blitzkrieg war aus rüstungstechnischer Sicht das einzig Mögliche. Einen Krieg gleichzeitig gegen die Tschechoslowakei und gegen England und das – noch immer – überlegene Frankreich zu führen, wäre in einem Debakel geendet. Er musste langsam und Schritt für Schritt vorgehen und darauf achten, keinen 2-Fronten-Krieg zu erzeugen. Hitler und Chamberlain verabredeten ein zweites Treffen in Kürze.

Der Franzose brach vor Scham in Tränen aus

Beneš lehnte die Übereinkunft zwischen Chamberlain und Hitler erwartungsgemäß ab. Doch Chamberlain wollte diesen Frieden – mit aller Gewalt. So kündigte er zunächst Paris die Rückversicherung im Falle eines Kriegseintritts Frankreichs zugunsten der Tschechoslowakei. Er brachte so das sozial und politisch gespaltene Frankreich auf seine Linie und ließ Gesandte beider Länder in der Nacht des 21. September dem tschechoslowakischen Staatspräsidenten ein Schreiben vorlesen, in dem beide Länder erklärten, Prag im Kriegsfall in keiner Weise zu unterstützen. Der Franzose brach dabei vor Scham in Tränen aus. Beneš willigte ein – er hatte keine Wahl. Ein Kampf allein gegen Deutschland wäre ein Selbstmordkommando gewesen. 

Am Tag darauf fand das 2. Treffen zwischen Chamberlain und Hitler statt. Chamberlain hatte alle Wünsche Hitlers durchgesetzt und bot Hitler nun an, das Sudetenland – sogar ohne Volksabstimmung – an Deutschland zu übergeben. Doch Hitler kritisierte die Zeitabstände und forderte die sofortige Übergabe der Gebiete. Chamberlain konnte lediglich noch aushandeln, dass die Übergabe nicht sofort stattfinden sollte, sondern erst am 1. Oktober 1938.

Regelrecht stolz auf sein Ergebnis kehrte Chamberlain nach London zurück. Doch der „große Frieden“ Chamberlains geriet sofort wieder ins Wanken: Erneut lehnte Beneš das Ultimatum ab und ließ mobil machen. Auch Frankreichs Premier Daladier wollte an der Seite Prags in den Krieg eintreten und veranlasste die Generalmobilmachung. Außenminister Halifax gab im Kabinett bekannt, die Appeasement-Politik fortan nicht mehr zu unterstützen. Chamberlain musste unter massivem Druck nachgeben; er schlug vor, den Konflikt von einer internationalen Kommission ausverhandeln zu lassen.

Hitler lehnte natürlich ab und stellte den Tschechoslowaken darüber hinaus ein Ultimatum: Wenn sie nicht bis zum 28. September seine Forderungen akzeptieren würden, erkläre er am 1. Oktober den Krieg. Erneut ging Chamberlain in die Knie und bot Hitler ein Treffen mit den europäischen Regierungschefs an. Hitler willigte ein und gab 24 Stunden Aufschub. So fand am 29. September 1939 in München ein Treffen der Vertreter von Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien statt. Die Tschechoslowaken hatte Hitler ausgeladen.

Mussolinis Aktionsplan kam aus Berlin

Mussolini unterbreitete einen Aktionsplan, der beinhaltete, dass die Tschechoslowakei am 1. Oktober mit der Räumung des Sudetenlandes beginnt und diese am 10. Oktober abschließt. Chamberlain und Daradier willigten ein. Der Vorschlag kam in Wahrheit aus Berlin und wurde am Vortag nach Rom gesendet; er entsprach nahezu exakt der Forderung, die Hitler von Anfang an stellte.

Diese Schande von dem faulsten aller faulen Kompromisse – unterzeichnet am 30. September 1938 – ging als Münchener Abkommen in die Geschichte ein. Chamberlain bekam zudem die vage aber schriftliche Zusicherung Hitlers, dass es keinen Krieg zwischen Deutschland und England geben werde. Zurück in England verkündete er dies als das Hauptergebnis dieser Verhandlungen in München; er ließ sich als den Mann feiern, der seinen eigenen Stolz überwunden hat, um den Krieg zu verhindern.

Doch Hitler brach den Vertrag praktisch sofort. Er forcierte die Sezession der Slowakei als einen deutschen Satellitenstaat und ließ am 15. März 1939 die „Rest-Tschechei“, die geschwächt und zerklüftet keine Widerwehr mehr leistete, besetzen. Durch die erbeuteten Militärgüter der modernen Industrienation konnte er zwischen 15 und 20 Heeresdivisionen bewaffnen. Die Sudetendeutschen rekrutierte er in hohem Umfang als Soldaten für die Wehrmacht. 

Zwar übte nun die innerparteiliche Opposition in England Druck aus und erzwang so eine drastische Ausweitung der Rüstungsausgaben Großbritanniens, doch Chamberlain blieb auch jetzt noch Appeaser. 

Auf Hitlers Bruch des Münchener Abkommens im März 1939 reagierte er nicht. Auch als Deutschland Polen am 1. September 1939 überfiel, schaffte er es, keinen Krieg mit Deutschland zu führen, obwohl er für Polen eine Beistandsgarantie verkündet hatte. Er erklärte zwar den Krieg, veranlasste aber keine nennenswerten Maßnahmen, griff nicht an und führte so den sogenannten „Sitzkrieg“ zwischen September 1939 und dem 10. Mai 1940 (Beginn des Westfeldzuges). Die Franzosen verschanzten sich hinter der Maginot-Linie, und die Engländer setzten lediglich ein Expeditionskorps über den Ärmelkanal.

Im Mai 1940 trat Chamberlain zurück

Man wartete geduldig (während Deutschland einem Angriff von Westen nur wenig hätte entgegensetzen können), bis Deutschland den Krieg im Osten beendete, seine Truppen nach Westen verlegte und schließlich durch die Ardennen in Frankreich einmarschieren konnte. Mit Beginn des Westfeldzuges im Mai 1940 trat Chamberlain zurück und wurde durch den langjährigen Hitler-Kritiker, die Leitfigur der Resister (Gegenbewegung zu Appeasement), Winston Churchill, ersetzt. 

Nun wehte ein anderer Wind: “We shall defend our Island, whatever the cost may be, we shall fight on the beaches, we shall fight on the landing grounds, we shall fight in the fields and in the streets, we shall fight in the hills; we shall never surrender.“

Bereits am 20. Mai wurden die britischen Truppen jedoch an der Atlantikküste eingekesselt. Die Lage schien verloren, und so kamen die Appeaser aus ihren Löchern gekrochen: Sie wollten erneut mit Deutschland verhandeln. Eine Einigung treffen, Frankreich aufgeben und Frieden machen. Und sie waren kurz davor, den in der innerparteilichen Führungsriege isolierten Churchill wieder zu stürzen – das grenzte schon an Kollaboration.

Am Ende setzte Churchill sich allerdings durch, und seinem Mut und seiner Entschlossenheit ist es zu verdanken, dass das „Wunder von Dünkirchen“ (die spektakuläre Rettung der eingekesselten britischen Truppen in Frankreich zwischen dem 26. Mai und dem 4. Juni) gelang. Ihm ist es zu verdanken, dass Deutschland immer noch einen Feind im Westen hatte. Ohne Churchill hätte es vielleicht keinen D-Day gegeben.

Chamberlains Politik war vielleicht von gutem Glauben geprägt, von dem Glauben, dass kein Staatschef so skrupellos sein kann und mutwillig in einen Krieg steuert. Vielleicht wollte er auch die Sudetendeutschen aus ihrer problematischen Situation befreien. Aber dieses Argument kann niemand in dieser Situation vorbringen. Denn man befreite nicht die Sudetendeutschen, man fütterte ein Raubtier mit fremdem Blut. Hitler in dieser Situation klein beizugeben, war Wahnsinn – und kann durch nichts gerechtfertigt werden.

Verheerenden Effekt zugunsten Hitlers

Man kann auch nicht sagen, dass das Münchner Abkommen den Krieg zwar nicht verhindert hat, dass es den Versuch aber wert gewesen wäre. Denn die rüstungsmäßige Unterlegenheit Deutschlands war selbst während des Westfeldzugs noch fast 2:3 gegenüber Frankreich und England. 

Hitler konnte nur gewinnen, da er immer nur einen Feind gleichzeitig hatte, und diesen in einem schnellen Kampf niederwerfen konnte. Weder für einen längeren noch für einen Mehrfrontenkrieg war die Wehrmacht bereit. Die Verluste der deutschen Luftwaffe waren selbst während des Westfeldzugs so enorm, dass man den Vormarsch (für den der Angriff der legendären „StuKas“ entscheidend war) nicht viel länger als jene fünf Wochen hätte durchhalten können.

Dazu kommt, dass Hitler durch die Besatzung Österreichs und der Tschechoslowakei immense Kapazitäten für Rüstungsgüter und Soldaten gewann. Hätten England und Frankreich Deutschland bei einem Angriff auf die Tschechoslowakei mit Krieg gedroht, hätte Hitler diesen Krieg nicht gewinnen können und womöglich zu diesem Zeitpunkt gar nicht begonnen. Das Münchner Abkommen hatte also einen verheerenden Effekt zugunsten der Hitlerschen Kriegsstrategie.

Chamberlain kann sich nicht von der Schuld reinwaschen: Die Verfolgung der Juden in Deutschland war präsent, die Konzentrationslager von Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald standen schon. Die Nürnberger Rassengesetze waren bereits verabschiedet. Die Legion Condor war bereits damit beschäftigt, Spanien zurück in die Steinzeit zu bomben. Hitler hatte bereits mehrfach und ausdrücklich z.B. in „Mein Kampf“ die Erweiterung des deutschen „Lebensraums“ angekündigt. Er hatte bereits Österreich annektiert und den Versailler Vertrag gebrochen. Deutschland gab fast die Hälfte seines Staatshaushaltes für Waffen aus. Spätestens mit dem Überfall auf Polen hätte Chamberlain handeln müssen. Er hätte einsehen müssen, dass sein Appeasement gescheitert war.

Kapitulation vor Massenmördern ist alles andere als human

Alles, was Chamberlain nicht wissen wollte, wissen wir heute in aller Deutlichkeit. Wir wissen, dass es Staaten gibt, die zu allem bereit sind, die vor nichts halt machen. Wir wissen, dass es Staaten gibt, mit denen man nicht verhandeln kann. Wir wissen, dass man Frieden nicht immer mit Verträgen erreichen kann.

Appeasement gegenüber jemandem, der weder an Frieden noch an Koexistenz interessiert ist, heißt in letzter Konsequenz vollständige und bedingungslose Kapitulation. Denn nur durch Kapitulation kann man den fest entschlossenen Angreifer davon abhalten, Blut zu vergießen. Kapitulation vor Massenmördern ist allerdings alles andere als human – genauso wenig wie bedingungsloser Pazifismus. Es ist kein Zufall, dass heutige Linksextreme und sogar viele Nazis die Idee des Friedens um jeden Preis als etwas Gutes propagieren. Paul Spiegel sagt: „Hinter dem Ruf nach Frieden verschanzen sich die Mörder“.

Heute wissen wir alles: Der oberste Führer des Irans stellte bereits einen 9-Punkte-Plan zur Beseitigung Israels vor, der iranische Präsident schrie es bereits Studenten zu: „Israel muss von der Landkarte getilgt werden“. In den letzten Jahren hat der Iran sein Militärbudget fast um ein Drittel erhöht, die iranisch kontrollierte Hisbollah geißelt den Libanon, die irakische Regierung und die schiitischen Milizen im Irak werden vom Iran beeinflusst, im Jemen wird ein blutiger Bürgerkrieg forciert, in Syrien stehen die iranischen Revolutionsgarden. In fast einem Dutzend der arabischen Länder sind iranische Militärs und Berater stationiert. Das Ziel ist klar: Der Iran will den Nahen Osten dominieren, Israel vernichten und die Atombombe bauen.

Aber in den europäischen Hauptstädten will man davon nichts wissen. Es ist grotesk, dass gerade wir Deutschen nicht glauben wollen, was ausgebreitet und offen – nicht mal mit dem Versuch einer Verschleierung belegt – vor uns liegt. Und wir appeasen – diesmal kann wirklich niemand sagen, er hätte es nicht gewusst. Wir müssen den Mut haben, nicht wegzusehen, nur so kann man den Frieden wahren.

Ronald Reagan soll einmal gesagt haben „Die Geschichte lehrt, dass Kriege beginnen, wenn die Regierungen glauben, dass der Preis der Aggression niedrig ist“. Doch die Geschichte – der beste Lehrmeister – hat bekanntlich die schlechtesten Schüler. Die deutsche wie die europäische Außenpolitik ist vollständig in den Appeasement-Modus umgeschwenkt. Wir versäumen es, die Flamme zu ersticken und werden einen Waldbrand ernten.

Der Autor ist 16 Jahre alt, Gründer der klassisch-liberalen Schülergruppe LJB und gibt in diesem Zusammenhang den Schülerblog apollo-news.net heraus, auf dem dieser Beitrag und das Video oben bereits erschienen.

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Leserpost

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Marc Blenk / 18.10.2018

Danke für den guten Beitrag. Es gibt mehrere Gründe für die Haltung der deutschen Regierung gegenüber dem Iran. Der von dir angesprochene Pazifismus, der natürlich etwas mit der deutschen Geschichte zu tun hat zum Beispiel. Aber etwas anderes ist hier meines Erachtens entscheidender und erschreckender: Der tief sitzende Antisemitismus weiter linker und linksliberaler Kreise hierzulande. Es ist eine Schande, wie diese Isreal geradezu als Feindstaat sehen. Und es ist eine Schande, wie diese Leute mit den Juden hierzulande umgehen, indem sie ihre größten Feinde zu hunderttausenden ins Land lassen. Klammheimlich verschanzt sich unsere Regierungspolitik hinter den ja schon seit Jahren antiisraelisch eingestellten Regierungen anderer Länder wie zum Beispiel Frankreich. (Welches einstmals Khomenei Exil gewährte, bevor er an die Macht kam. Eine der größten Sünden westlicher Appeasementpolitik gegenüber dem Islamismus). Ein Rat von mir an euch junge Leute. Sucht den Kontakt zu Exiliranern. Da findet sich der eine oder andere drunter, der so einiges erzählen kann über das Mullahregime. Aber wer sich so engagiert, wird das sicher ohnehin schon getan haben.

Eleonore Weider / 18.10.2018

Daniel Oehler, auch wenn ein paar Juden im Parlament sitzen: Seit 1979 ist die Zahl der iranischen Juden um 90 Prozent gefallen und diejenigen, die zurückgeblieben sind – entweder, weil sie zu alt sind, um zu emigrieren, oder weil sie sich dem Land ihrer Geburt zu sehr verbunden fühlen – leben in ständiger Furcht. Angesichts der anhaltenden Feindseligkeit der iranischen Regierung gegenüber Israel leben die verbleibenden etwa 9000 iranischen Juden unter komplizierten Bedingungen. Die Angehörigen der jüdischen Gemeinde müssen mit Sympathiebekundungen für Israel äußerst zurückhaltend sein, sie riskieren sonst strafrechtliche Verfolgung und könnten beispielsweise der Spionage für Israel beschuldigt werden. Derartige Beschuldigungen können Folter und die Todesstrafe nach sich ziehen. Jedes Wort, jede Handlung, jede Regung in der Gemeinde wird sorgfältig abgewogen und überdacht, um derartige Konsequenzen zu vermeiden. Doch selbst das reicht nicht. Die Behörden greifen beispielsweise in den Betrieb der wenigen verbliebenen jüdischen Schulen ein. Die Schulen dürfen nicht von Juden geleitet werden. Der Lehrplan wurde geändert und alle Aktivitäten werden überwacht, um beispielsweise sicherzustellen, dass der Unterricht nur auf Persisch und nicht auf Hebräisch stattfindet. Die Verteilung hebräischer Texte und die Unterweisung in der jüdischen Religion sind riskant und es wird nachdrücklich von ihnen abgeraten. Selbst innerhalb der Schulen kann die jüdische Gemeinde sich nicht sicher und frei fühlen. Zu den gegenwärtigen Einschränkungen und diskriminierenden Regelungen gehört der Ausschluss von Juden aus wichtigen Regierungsämtern und Spitzenpositionen. Unter anderem können Juden dem einflussreichen Wächterrat nicht angehören, in der Armee nicht zum Kommandeur aufsteigen, und das Präsidentenamt ist ihnen verschlossen. Juden sind vom Richteramt ausgeschlossen und können der Justiz auf keiner Ebene angehören. Bitte nicht die Gefahr für Israel unterschätzen.

Hans Podro / 18.10.2018

Die massive Aufrüstung ist ein Mythos.Die Gegner hatten 3 bis 9 mal soviel… GB bot Deutschland einen Frieden an wenn es ins Welthandelsystem zurückkehrt. Hunderttausende Juden flohen bis 1938 aus Polen und Russland nach/über Deutschland. Polens Knäste waren voll mit Nichtpolen-vor allem mit Ukrainern und zwar nur weil sie Ukr. waren.Polen hatte mit allen Nachbarn Gebiesstreitigkeiten+kleinere Gefechte. GB sagte Polen sie sollen in der Danzigfrage hart bleiben.Dabei bot Deutschland an Gebiete abzutreten die alle 16 Vorgängerregierungen niemals abgeben wollten. Was die Legion Condor angeht.Nun ja,die Kommunisten veranstalteten dort ein Schlachten an Priestern wie es derzeit der IS tut.Auch die Anarchisten vernichteten sie bekanntlich weil sie nicht nach der roten Pfeife tanzen wollten. Übrigens lehnte der Rechte Flügel der spanischen Regierung den Kriegseintritt in den 2WK ab,der Linke Flügel wollte Krieg.

Fritz Wunderlich / 18.10.2018

Eine personenzentrierter Rückblick mit wenig strukturiertem Wissen um die Gesamtsituation des Britischen Empires. Es bedarf mehr als Tagebücher und Biographien, um z.B. die dominante Antikriegsstimmung in Grossbritannien zu erfassen. Richtig ist die Einschätzung zu der Ressourcenvermehrung des III. Reiche, sowohl industriell, finanziell als auch personell, mit Bodenschätzen und Fachkräften. Vielleicht sollte man auch die Erwägungen und Schlussfolgerungen aus dem Spanischen Bürgerkrieg in jede Betrachtung des Münchner Abkommens einfließen lassen.

Horst Szentiks / 18.10.2018

Auf achgut.com wurde doch noch vor Kurzem ein Artikel veröffentlicht, daß es bis jetzt gar KEINEN unterschriebenen Vertrag mit dem Iran gibt - oder habe ich da was falsch in Erinnerung?

Martin Lederer / 18.10.2018

Der “Witz” ist: 1914 wollten die Völker den Krieg, weil sie nicht wußten, was auf sie zu kam, weil sie die lähmenden inneren Konflikte hinter sich lassen wollten, als eine Art Flucht, ... 1938/39 wollten die Völker den Krieg nicht. Auch nicht das deutsche Volk (wie Berichte aus der Zeit zeigen). Weil sie “wußten”, was Krieg bedeutet (wobei der dann wieder ganz anders war als der vorherige). Deshalb wollte Chamberlain Frieden um fast jeden Preis. Zu den heutigen Deutschen: Die Mehrheit der heutigen Deutschen würde nicht mal kämpfen oder Krieg führen wollen, selbst wenn ihre eigenen Kinder (so sie denn überhaupt welche haben) tot geschlagen würden. Sie würden sich freiwillig unterwerfen mit dem Gedanken “So schlimm wird es schon nicht kommen.” Und nun konkret zum Iran: Sollte die Masse der Medien hier (vor allem die Glotze) über Nacht PR-Kampagnen fahren, über die tolle Regierung in Nord-Korea, mit schönen Bildern wie deren Regierungschef für den Frieden kämpft, Plastiktüten aus dem Land verbannt, Windräder bauen lässt, Flüchtlinge aufnimmt, mit Bedford-Strom gemeinsam betet, ... würden die Beliebtheitswerte von Kim Jong-un durch die Decke gehen und sogar die von Merkel und den Grünen überstrahlen. Kurz gesagt: Die Masse des Volkes ist blöd. Denen könnte man alles verkaufen.

David Simon / 18.10.2018

Die ganze Diskussion um historische Vergleichbarkeit ist meines Erachtens Erbsenzählerei. (Ganz abgesehen von dem wirklich absurden Vorwurf des Holocaust-Relativierens…) Die Frage, die sich damals stellte und heute wieder stellt, ist eben dieselbe: Wie verhalten wir uns gegenüber einer Macht, die uns allem Pazifismus zum Trotz unmissverständlich zum Feind erklärt? Die Aufteilung der Menschen in Über- und Untermenschen finden wir nunmal sowohl im Nationalsozialismus wie im Islam, insofern kann und sollte man hier schon Parallelen ziehen. (Es gibt auch noch ein paar mehr.) Die feindliche Übernahme der freiheitlichen Welt findet ja auch schon tagtäglich statt - da muss man nur mal durch Malmö oder Neukölln spazieren. Das Aussitzen und heimliche Hoffen darauf, dass es bitte jemand anderen treffen soll, ist zwar menschlich verständlich - wir alle es doch, wenn wir ehrlich sind, bereits jeden Tag tun - letzten Endes aber selbstmörderisch.  

Justin Theim / 18.10.2018

Die Fehler wiederholen sich: Schon damals wurden die Feinde der Demokratie nicht aus Deutschland entfernt. Hitler sollte 1922 ausgewiesen werden, dies aber wurde verhindert. Durch wen? Heute wie gestern durch die SPD und ihre Protagonisten! Damals war es der bayerische Fraktionschef Erhard Auer, heute sind es die Nahles, Maas, Oppermanns, Schulzens und wie sie alle heißen, die Abschiebungen verhindern! Damals betrieb Chamberlain ggü. Hitler eine Appeasement-Politik, heute betreiben unsere Politiker ggü. dem Islam eine Appeasement.-Politik. Was damals dabei herauskam ist bekannt. Was heute und morgen dabei herauskommen wird, kann man nur ahnungsvoll befürchten. Mit Blutvergießen wird es allemal zu tun haben! Das Wetterleuchten dieser Entwicklung nehmen wir bereits wahr (Freiburg, Kandel, Chemnitz, Köthen etc. pp.)

Ivan de Grisogono / 18.10.2018

Eine sehr realistische Betrachtung und Kritik der deutschen, durch Linke unterwanderten, Politik! Es hat nichts mehr mit Realpolitik und Interessen einer führenden Industrienation zu tun. Horizont der Merkeltruppe reicht kaum bis zum nächsten Wahlen, Verluste und irreparable Schäden werden ignoriert und schöngeredet! Frau versteckt sich hinter Dilettanten in Brüssel und verrät unsere Werte und unsere Verbündete. Vis a vis Israel herrscht eine charakterlose Doppelzüngigkeit! Merkel muß endlich weg! Islam gehört nicht zu Deutschland!

Anders Dairie / 18.10.2018

Der junge Gastautor hat halb recht, jedoch nicht völlig.  In einer Welt, in der sich immer mehr Gruppen, teils ohne vereinbarte Regeln, feindlich gegenüberstehen, ist Appeasement immer das erste Mittel zur Konfliktdämpfung, wenn nicht dessen Bewältigung.  Der junge Mann setzt sich selbst unter Zugzwang;  Er müsste gegen jeden als diktatorisch erkannten Gegner sofort losschlagen.  Männer wie Chambelain und andere haben den 1. Weltkrieg miterlebt, als Politiker oder Soldaten.  Ich kennen nur die Gefallenenzahlen aus dem 2.  Weltkrieg :  etwa 5.000 Deutsche und 7.500 Russen—pro Tag !!!  Nicht pro Großkampftag.  Die Amis und Briten mögen geringere Verluste gehabt haben.  Jedoch Tausende mögen es ebenfalls sein—pro Tag !!!  Inbegriffen sind nicht die materiellen wie morali-schen Verluste. Dieser Krieg war ein Kulturbruch.  Dekorierte Soldaten sind auf allen Seiten als strikte Pazifisten heimgekommen.  Das hat genau obigen Grund. Krieg kann nur die ultima ratio sein.  Feigheit vor Auseinandersetzungen ist nicht gemeint.  Übrigens, Glaubenskriege sind das Übel schlechthin.  Und genau diese drohen den heutigen Zivilisationen.  Männer wie Chamberlain sind gefragt, mit der Erfahrung des alten Chamberlain.

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