Als der heutige Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt einst im Wahlkampf engagiert darüber diskutierte, ob ein Mann, der Thüringen regieren will, „Mettbrötchen“ sagen darf, da war er höchstwahrscheinlich ganz authentisch. Als er Ende Januar 2025 eine Rede zum Holocaust-Gedenken hielt, las er hingegen einen Text vor, der KI-generiert war.
„Laut dem Analysetool Pangram ist Voigts Rede zu 100 Prozent KI-generiert. Das Programm GPTZero kommt zu dem Ergebnis, der Text sei „mit hoher Sicherheit“ durch Künstliche Intelligenz erstellt worden.“
Das steht auf der Seite „Frag den Staat“ über Voigts Gedenkworte, die doch eigentlich weit mehr sein sollten als seelenlose Verbalbegleitung zum Kranzabwurf. Dort wurde am Dienstag berichtet, dass neben dieser auch viele weitere Reden und Artikel, deren Autor angeblich Mario Voigt ist, von einer sogenannten Künstlichen Intelligenz verfasst wurden. Anscheinend nutzt die Thüringer Staatskanzlei lieber die Technik als herkömmliche Redenschreiber.
Dass unter Voigts Namen Texte aus dem Rechner erscheinen, war schon vor einer Woche Thema in den Medien. Da hatte der als „Plagiatsjäger“ bekannte Dr. Stefan Weber berichtet, dass der Thüringer Ministerpräsident sich einen Artikel von der KI erstellen ließ, den er offiziell höchstselbst zusammen mit seinem Magdeburger Amtskollegen und CDU-Parteifreund Sven Schulze für die Welt geschrieben haben wollte. Auch Achgut hatte darüber berichtet und kommentiert:
„Kann dieser Ministerpräsident nicht eigentlich auch komplett von einer KI ersetzt werden?
Überall stellen sich Arbeitgeber diese Frage. Da ist es doch angebracht, der Souverän, also das Volk, denkt ebenfalls darüber nach, inwieweit sich überbezahltes politisches Spitzenpersonal durch Spitzentechnologie ersetzen lässt.“
Wieder kein Einzelfall
Angesichts der Recherchen von Frag den Staat stellt sich diese Frage wohl irgendwann wirklich. Wörtlich heißt es bei den Kollegen, die in Voigts Werken recherchiert haben:
„Voigts Rede über den Holocaust und dessen Opfer enthält zahlreiche Passagen, die für KI-generierte Sprache typisch sind. Dazu zählen wiederholte Verneinungen und sowohl generische als auch schwer greifbare Sprachbilder. „Auschwitz war nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers. Es war das Werk von Menschen, die dachten, dass ihr Handeln im Einklang mit einem höheren Ziel stehe“, heißt es in der Rede. An anderer Stelle beschreibt Voigt die Überlebenden des KZ mit den Worten „Ihre Augen waren leer und zugleich unendlich tief“. Dieser und andere Sätze über die Auschwitz-Überlebenden finden sich wortgleich auch wenige Monate später in einer Rede Voigts zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. Auf unsere Frage, ob es zutrifft, dass Voigts NS-Gedenkrede vollständig durch KI generiert wurde, antwortete seine Regierungssprecherin nicht.“
Sich eine Holocaust-Gedenkrede von der KI schreiben zu lassen, ist ein krasser, aber kein Einzelfall, wenn man der Analyse von Frag den Staat folgt. Von elf analysierten Reden des Ministerpräsidenten habe das Analysetool Pangram nur bei einem einzigen Text keine Hinweise darauf erkannt, dass der Text mit KI erstellt wurde. Bei neun der elf Reden komme das Analyseprogramm auf einen KI-Anteil von weit über 50 Prozent. Drei Reden schienen vollständig KI-generiert zu sein, wozu auch die Neujahrsansprache des Ministerpräsidenten gehöre.
Letzteres ist allerdings insofern kaum skandalös, weil Neujahrsansprachen auch schon in vollanalogen Zeiten meist ausschließlich aus vorgefertigten Textbausteinen bestanden. Allerdings besteht der Skandal nicht in der Verwendung von KI an sich, sondern darin, deren Verwendung nicht kenntlich gemacht zu haben, wenn von ihr erzeugte Textpassagen einfach übernommen wurden.
Und das tat Voigt, bzw. sein Büro, nicht nur bei Reden, sondern auch bei weiteren Gastbeiträgen für verschiedene Zeitungen. Laut Frag den Staat kam das Analysetool Pangram bei drei von vier Texten auf einen KI-Anteil von 100 Prozent. Dazu soll ein Gastbeitrag für die FAZ gehört haben, in dem vor den Gefahren des Internets und von Smartphones für Kinder gewarnt wurde. In diesem Text seien Zitate von Wissenschaftlern enthalten, die sich nicht verifizieren ließen.
„Beispiel dafür, wie man KI nicht nutzt“
Mario Voigt musste sich bekanntlich wegen Plagiatsvorwürfen schon von seinem Doktor-Titel trennen. Gegen diesen Titelentzug von der TU Chemnitz klagt er zwar, aber die ungekennzeichnete KI-Verwendung spricht nicht gerade dafür, dass er besonders sensibel zwischen Eigen- und Fremdtext unterscheidet. Beim „Mettbrötchen“ ist er da schon empfindlicher.
Diese Wurstigkeit kann er sich eigentlich nicht leisten, denn als Ministerpräsident der ohnehin recht eigenartigen „Brombeer-Koalition“ aus CDU, SPD und BSW verfügt er über keine eigene Mehrheit, sondern nur über genau die Hälfte der Landtagsmandate, wenn alle mitziehen. Für jede Mehrheitsentscheidung ist er auf Stimmen der Linken angewiesen. Für die ist der Spagat zwischen Oppositionsdarsteller und Regierungsstütze ohnehin schwierig. Doch wer einer Figur die Steigbügel hält, die sich lächerlich macht, macht sich selbst lächerlich, das wissen die Genossen.
Entsprechend sauer reagierten sie auch sofort, nachdem Frag den Staat diese Geschichte publiziert hat:
Beim KI-Gebrauch verstößt Ministerpräsident Mario Voigt gegen die Dienstanweisung seines Digitalministeriums zum „Einsatz von generativer Künstlicher Intelligenz“. Anders als dort festgehalten fehlen bei Voigts Reden und Zeitungstexten Hinweise auf den Gebrauch von KI. Die Landesvorsitzende der Linken in Thüringen, Katja Maurer stellt fest: "Mit seinem Verhalten wird Mario Voigt zu einem Beispiel dafür, wir man KI nicht nutzt". Sie fragt: "Kennt der Ministerpräsident überhaupt den Koalitionsvertrag seiner Regierung? Der dort festgeschriebene Schutz der Meinungs- und Pressefreiheit ‚vor Angriffen und Desinformation, insbesondere in der digitalen Medienwelt‘ wird mit Voigts Verhalten zu einem schlechten Witz".
Als vor einer Woche der erste Fall eines KI-Artikels unter Voigts Namen bekannt wurde, ließ der Ministerpräsident noch kein Unrechtsbewusstsein erkennen.
„Seine Gedanken von Software in die Schriftform bringen zu lassen, sei nicht nur kein Problem, sondern ein Qualitätsbeweis für moderne Thüringer Politik.“, berichtete die Südthüringer Zeitung. Nach dieser Logik wäre es noch moderner, Thüringen gleich von der KI regieren zu lassen. Ist das nun ein erneuter Beweis dafür, dass sich natürliche Dummheit nicht durch sogenannte Künstliche Intelligenz bekämpfen lässt?

Ist das ein Scherz? KI ist genau nicht dafür da, die Arbeit von Politikern durch Automatisierung zu ersetzen. Politik kommt von Menschen und ist für Menschen. Das darf die Technologie niemals verdrängen. Das wäre der Anfang vom Ende einer humanen Gesellschaft. Es scheint bereits schlimmer zu sein, als ich dachte.
Mario Voigt an KI:„Ich würde mich gerne intellektuell mit die duellieren.“
Antwort KI:„Tut mir leid,geht nicht,ich sehe,du bist unbewaffnet.“
Jetzt habe ich doch tatsächlich hier „Mr. Dummheit und das natürliche Mettbrötchen“ gelesen. Gut dass ich das noch gemerkt habe …
Eine Wurst, wie sie im Buche steht. Mettwurst eben. Wenn’s mit der natürlichen nicht reicht, muss die künstliche ran! Ein wirkliches Paradebeispiel für Abwesenheit von Intelligenz. Wie lange darf der und das Gericht eigentlich noch die Plagiatssache hinauszögern? Die ist doch selbst durch seine Uni bestätigt. Der muss doch schon seit einem Jahr zurückgetreten sein. Das ist Beihilfe zum Betrug und Erschleichen von Geldern und Pensionsansprüchen! Theoretisch sitzt der doch schon beim Arbeitsamt. Dort hat er auch Zeit zum Reden schreiben. Für wen auch immer…
Eigentlich ein Fall von fehlender Dienstaufsicht und sträflicher Unkenntnis der eigenen Pappenheimer. Als Regierungschef hält man sich einen Stab hochbezahlter Lakaien, die einem auch die Reden und Beiträge schreiben. Pech, wenn diese zu blöd oder zu faul sind, einen kleinen Beitrag selbst zu verfassen, so wie man von jedem Drittklässler das Verfassen eines Aufsatzes erwartet.
Das IST aber auch ein unsympathischer Gnom. Der war beim Völkerball in der Schule sicher immer der, der übrig blieb und in der Mannschaft, die ihn dann nehmen musste, der erste der abgeworfen wurde. Da musste er ja in der Politik landen, da sind viele seiner Art versammelt. Und jene, die so einen Sonderling wählen sind auch nicht besser.
Ich weiß nicht, warum ich jedes Mal, wenn ich dieses Bild von Herrn Voigt sehe (hieß so nicht auch ein gewisser anderer begnadeter Tarner und Täuscher, der Hauptmann von Köpenick?**), an die Lurchi-Bildbände von Salamander denken muß. Ich weiß nur noch nicht, welche Figur genau dieses Deja-vu Erlebnis hervorruft.
In Anlehnung an den immergleichen Schlußgesang in den Heftchen, würde es dem Besprochenen sicher auch gefallen, wenn seine Fans tirilieren:
„Lange schallt’s im Walde noch: Unser Mööörio, er lebe hoch!“
(**Der „Hauptmann von Köpenick“ war mit bürgerlichem Namen Wilhelm Voigt (vollständig Friedrich Wilhelm Voigt). Der gelernte Schuster erlangte 1906 Berühmtheit als Hochstapler, als er in einer preußischen Hauptmannsuniform das Rathaus von Köpenick besetzte und die Stadtkasse raubte. sagt google) Passt doch!
Aber Lurchi hat wenigstens was drauf gehabt, und seine Abenteuer nahmen immer ein gutes Ende, bei Mööörio kann man dagegen Zweifel bekommen.