Ulrike Stockmann / 06.06.2023 / 14:00 / Foto: Rafael P. D. Suppmann / 81 / Seite ausdrucken

Ministerin will Frauen-Schutzzonen auf Konzerten

Angesichts der Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann fordert Familienministerin Lisa Paus Änderungen im Konzertbetrieb. Es soll unter anderem „Schutzbereiche für Frauen bei Konzerten“ geben.

Angesichts der Vorwürfe gegen Rammstein-Frontmann Till Lindemann fordert Familienministerin Lisa Paus Änderungen im Konzertbetrieb. Frauen sollen auf derartigen Veranstaltungen besser geschützt werden. Konkret wünscht Paus „Schutzbereiche für Frauen bei Konzerten sowie den Einsatz sogenannter Awareness-Teams, die als Ansprechpartner beim Verdacht auf sexuelle Übergriffe zur Verfügung stehen“, meldet zeit.de.

Außerdem fordert unsere Frauenministerin die Abschaffung des sogenannten Row-Zero-Systems. „Darunter versteht man die Praxis, dass bei Konzerten bestimmte junge Fans ausgewählt werden, um ganz vorn direkt vor der Bühne zu stehen“, heißt es im Bericht. Der Veranstalter der vier Münchner Rammstein-Konzerte, die am Mittwoch starten, gab bekannt, nach „Beratungen am Wochenende“ sowohl die „Row Zero“ als auch Aftershow-Partys abgesagt zu haben.

Gottseidank tut sich Lisa Paus immer wieder mit ihrem unerschütterlichen Gespür für Realpolitik hervor. Kürzlich hatte sie bereits veranlasst, dass die ehrenwerte Amadeu-Antonio-Stiftung eine „Meldestelle Antifeminismus“ einrichtete (Achgut berichtete). Dorthin können nun nach Herzenslust anonyme Denunziationen gegen Personen und Vorkommnisse gerichtet werden, die einem irgendwie „antifeministisch“ vorkommen. Bislang gab es 133.000 Euro vom Staat allein für diese Meldestelle, insgesamt kassierte die Stiftung im Jahr 2022 über 2 Millionen Euro.

Und während mein Steuerzahler-Herz frohlockt, nehme ich ebenso freudig zur Kenntnis, dass Lisa Paus „schnell und konkret“ „Schutzmaßnahmen“ für auf Konzerten gefährdete Frauen durchsetzen will. Die Ministerin hat sogar schon die Musikbranche dazu eingeladen, dem „Bündnis gegen Sexismus“ beizutreten. „Das Bündnis stellt sich jeder Art von Sexismus und sexueller Belästigung entgegen“, sagte sie. Auch diese Gruppierung wird vom Familienministerium gefördert, sodass unser aller Steuergelder einmal mehr gut angelegt sind.

Sie gehe davon aus, nicht vergewaltigt worden zu sein

Investigativ-Journalistin Maike Backhaus berichtete bei WELT TV von Gerüchten um die „Verabreichung von K.o.-Tropfen, körperliche Angriffen sowie sexuelle Übergriffe“ im Rahmen von Rammstein-Konzerten, die bereits seit vergangenem Oktober an die WELT-Redaktion von Betroffenen herangetragen worden seien. Diese hatte sie bereits ausführlich in einem gemeinsamen Artikel mit Kollegen dargelegt. Es gäbe „klare Hinweise auf eine Systematik hinsichtlich der Situation der Row Zero“ bei Rammstein-Konzerten. Gemeint ist damit das Gerücht, dass gezielt junge Frauen für die vorderste Reihe ausgewählt würden, die ins Beuteschema Lindemanns passten. Diese würden von Mitarbeitern vor dem Konzert gefilmt, sodass sich der Frontmann aussuchen könnte, welche später auf Partys eingeladen werden.

Die Irin Shelby Lynn hatte vor anderthalb Wochen auf Twitter gepostet: „Ich bin das Mädchen, das bei Rammstein gespikt wurde.“ Damit meinte sie, im Backstagebereich eines Konzertes in Vilnius gegen ihren Willen K.o.-Tropfen verabreicht bekommen und eventuell sexuell gefügig gemacht worden zu sein. WELT Online berichtete in oben erwähntem Artikel: „Auf Instagram hatte die junge Frau nach und nach weitere Details genannt. Hatte Fotos von Hämatomen an der Hüfte, den Unterarmen und den Handgelenken veröffentlicht und berichtet, offenbar unter Drogen gesetzt worden zu sein. Dann habe der Sänger und Star der Band, Till Lindemann, sie zum Sex aufgefordert.“ Sie gehe allerdings davon aus, nicht vergewaltigt worden zu sein. Auf Twitter präzisierte sie: „Ich möchte es noch mal klarstellen. Till hat mich NICHT angefasst. Er hat akzeptiert, dass ich keinen Sex mit ihm wollte. Ich habe nie behauptet, dass er mich vergewaltigt hat.“

Nach dem Konzert hatte sie erfolglos versucht, sowohl in Litauen als auch in Nordirland Anzeige zu erstatten. Im Anschluss an ihr Posting habe sich bei ihr die litauische Polizei gemeldet, um sie im Rahmen von Ermittlungen zu vernehmen. Im WELT-Bericht werden weitere Frauen zitiert, die angeben, womöglich gegen ihren Willen im Rahmen von Rammstein-Konzerten unter Drogen gesetzt worden zu sein. Gegenüber NDR und Süddeutscher Zeitung sprachen zwei weitere Frauen von sexuellen Handlungen mit Till Lindemann, denen sie angeblich nicht zugestimmt hätten. Laut WELT habe eine Berliner Anwaltskanzlei im Auftrag von Rammstein ein Schreiben an Shelby Lynn geschickt mit der Aufforderung, die „unwahren“ Vorwürfe und Behauptungen nicht weiter zu veröffentlichen. Die Anwälte hätten mit einer Unterlassungsklage gedroht. Auf Instagram bat die Band Rammstein darum, nicht vorverurteilt zu werden.

Doch das enorme mediale Echo zeigt bereits Wirkung: Der Verlag Kiepenheuer & Witsch hat seine Zusammenarbeit mit Till Lindemann beendet (wegen eines von ihm 2020 veröffentlichten Pornofilms), der Drogeriemarkt Rossmann stoppt den Verkauf des Rammstein-Parfums. Vielleicht wäre es klüger, die Ergebnisse einer polizeilichen Ermittlung abzuwarten, bevor man Sanktionen ansetzt. Als Familienministerin „Schutzbereiche für Frauen bei Konzerten“ zu fordern, zeugt so oder so von atemberaubender Weltfremdheit. Und ausgerechnet einer Band wie Rammstein exzessiven Groupie-Kult vorzuwerfen, wirkt geradezu albern. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass mal wieder eine Kampagne gegen Hedonismus, Ausschweifungen und Sinnesfreuden gefahren wird. Wie wäre es damit, Sex, Drugs and Rock'n-Roll gleich ganz abzuschaffen?

 

Ulrike Stockmann, geb. 1991, ist Redakteurin der Achse des Guten. Mehr von ihr finden Sie auf ihrem YouTube-Kanal.

Foto: Rafael P. D. Suppmann CC BY 4.0 via Wikimedia Commons

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Laszlo Leitner / 06.06.2023

Jede Woche hören wir davon, dass Frauen im öffentlichen Raum, belästigt, vergewaltigt oder niedergestochen werden. Dann ist aber immer von ‘Jugendlichen’ oder ‘jungen Männern’ die Rede. Namen und Bilder gibt es keine - damit die Zuwanderungspolitik der Regierung nicht infrage gestellt wird. Wenn jetzt Namen genannt und Gesichter gezeigt werden, dann muss es dafür einen Grund geben. Haben Ramstein in letzter Zeit Kritik an der Regierung geäußert? Normalerweise steckt das hinter derartigen Kampagnen der Presse.

Fritz kolb / 06.06.2023

Wieder einmal ein Beweis dafür, warum die kommunistische Partei im grünen Gewand im Volksmund schon längst Grüner Mist genannt wird. Auch diese Minister-Darstellerin versucht fernab jeder Realität in Deutschland, ihre wirren linkskommunistischen Fantasien umzusetzen. Weg damit, abwählen und fertig.

Ludwig Luhmann / 06.06.2023

Wie? Was? Es gibt also doch Frauen? Aber warum brauchen die jetzt Schutzzonen? Frauen sind doch wie Männer:Innen? Oder brauchen die Frontlochhabenden Schutz vor den Halalen, die sie vor ein paar Jahren allerglücklichst empfangen und umschmust haben? Mit Hijab oder Burka sollten so ziemlich alle Probleme verschwinden ...! Und niemals vergessen: Millionen moderate Mohemmedaner in Deutschland sind wirklich so richtig moderat! Ganz in echt! Isch’wör!

Rolf Mainz / 06.06.2023

Frau Paus hat immerhin ein Studium erfolgreich zu Ende geführt. Und dies 11 Jahre lang, zwischen 1988 und 1999…

T. Eder / 06.06.2023

Frauenzonen? Einen großen Käfig nur für Frauen oder was ist genau angedacht? Nur für Frauen von Geburt an oder auch für Frauen, die sich grad als solche fühlen? Es ist nicht zu fassen wie unsere Politiker ticken.

Thomin Weller / 06.06.2023

Ursache-Wirkungsverdrehte grüne Welt. In Hamburg hat ein wütender Syrer der ohne Führerschein gefahren ist und seinen Autoschlüssel abgeben musste, 245 Autoscheiben mit dem Hammer zerschlagen. Nach Logik der Grünen sollten die Autofahrer ihren Wagen in Schutzzonen unterbringen. Wo gibt es die Schutzzonen vor dieser Unregierung, Terrorregime?

holger milde / 06.06.2023

Jo, junge Frauen gehen auf ein Rockkonzert bekannter, nunja eher etwas härter auftretender Musiker, werden eingeladen und erwarten genau was? Diskussionen mit der Kombo über das Klima & Gendergerechtigkeit, oder Backebackekuchen? Sollen hier wieder mal medial alte weiße Männer geschlachtet & Kasse gemacht werden? Vielleicht sollte diese gelesenen(?) jungen Damen besser künftig zu Konzerten oder anderen Veranstaltungen westasiatischer & mittelasiatischer Künstler gehen, da werden sie sicher zuvorkommend und höflichst umsorgt.

Ulrich Schellbach / 06.06.2023

.....“Nach dem Konzert hatte sie erfolglos versucht, sowohl in Litauen als auch in Nordirland Anzeige zu erstatten.”.... Achwas? Na, dann versucht frau es eben (natürlich erfolgreicher) in Deutschland. Wie ging der Song von Udo Lindenberg, damals, als er noch einigermaßen seine Sinne beisammen hatte: “Bei jedem Konzert sieht man dieses wilde Kind - und dann zeigt sie den Stars - wo die erogenen Zonen sind - und dann nach der Schau - besteigt diese Frau den Band-Bus - mit losem Reizverschluß...  (...)  ...Angeilika aus Winsen an der Luhe - die lässt nämlich keinen Star in Ruhe - den unbekannten Jungen, der neben ihr steht - den übersieht sie voller Hohn - sie macht es nicht unter einem Beatle - ‘nem Bee Gee oder Stone”... Und nun? Kindergeburtstage sind angesagt, eine Sicherheitsmeile vor der Bühne, keine “Aftershow-Partys” - wie doppeldeutig - mehr? - Die Rampen-Götter schotten sich ab,  tausende willfährige Groupies lösen sich in Verzweiflung auf und die Flower-Power-Ommas haben viel Stoff für Erzählungen aus der guten, alten Zeit.

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