Von Henryk M. Broder und Joachim Steinhöfel.
Vergessen wir die Metropolen der Welt und widmen uns Bottrop. In der „zweitkleinsten kreisfreien Stadt in Nordrhein-Westfalen“ (Wiki) spielt das wirkliche Leben – und jetzt regelmäßig auch bei uns.
Ich möchte bei allen Bottropern, nicht zuletzt im Namen der dort in den größten Faulgastürmen der Welt Beschäftigen, dafür um Verständnis bitten, dass ich hier noch einmal auf das von Sonja Schraven (Gemahlin des Schraven, David, dessen Aktivitäten auch in Wanne-Eickel nicht unbemerkt geblieben sind) gegen mich eingeleitete Gerichtsverfahren zurückkommen muss. Anlass dafür gibt ein beeindruckender Schriftsatz ihrer Anwälte, der deren Format durch seine intellektuelle und fachliche Brillanz effektvoll dokumentiert. Ich habe übrigens nicht behauptet, und werde das auch in Zukunft nicht tun, dass Sonja die sicher happigen Kosten dieser Könner nicht privat trägt, sondern der ganze Spaß irgendwie von Correctiv quersubventioniert wird, weil die Frage ihres Geburtsortes für den teilweise gemeinnützigen, teilweise bilanziell überschuldeten (Correctiv UG) Konzern überlebenswichtig ist. Was ich mir bei diesen Leuten so alles vorstellen kann, steht auf einem anderen Blatt.
In dem Verfahren wird von Sonjas Anwaltsfähnlein bekanntlich behauptet, die von mir in einer früheren Auflage von „Die digitale Bevormundung“ gemachte Behauptung, sie sei nicht nur Bottroperin, sondern „gebürtige Bottroperin“ sei „diskreditierend“ und eine Persönlichkeitsrechtsverletzung von "nicht hinnehmbarer Intensität". Auch der Mittelschüler weiß, dass, wenn man das Verfahren nun schon einmal angezettelt hat, man in dieselbe Richtung weiter argumentieren muss. Bottrop schlimm, da geboren, ganz schlimm. Dies schreibt nun Sonja Schravens Anwältin an das Gericht:
„In seiner Antragserwiderung Iegt der Antragsgegner [das bin ich] lang und breit dar, dass sich die Antragstellerin [die Schraven] für ihren Wohnort (Bottrop) engagiert und mit diesem identifiziert. Er Iässt allerdings außer Betracht, dass sich auch und insbesondere daraus die besondere Bedeutung des Geburtsortes für das Ansehen der Antragstellerin ergibt. Denn das Engagement der Antragstellerin für Bottrop ist Ausdruck einer besonderen Wertschätzung für ihren Wohnort. Sie engagiert und identifiziert sich mit Bottrop, obwohl sie hier nicht geboren ist. Sie ist nicht die kleingeistige Person, als die sie der Antragsgegner in seinem Buch darstellt, die in eine lokale Seilschaft hineingeboren wurde. Abträglich für das Persönlichkeitsrechts ist gewiss nicht der Umstand, in Bottrop geboren zu sein selbst. Wie bereits in der Antragsschrift umfassend dargelegt ergibt sich der herabsetzende Charakter der Falschbehauptung des Antragsgegners nicht aus dem Ort, sondern aus dem Kontext, in den der Antragsgegner den Ort setzt. Er zeichnet in seinem Buch von der Antragstellerin das Bild einer provinziellen Person, die qua Geburt Teil einer Gruppe ist, die sich gegenseitig begünstigt und Vorteile verschafft.“
Was mir nicht recht einleuchten will, ist, warum diese suizidalen Zeilen auch noch gebührenpflichtig sein sollen. Aber ich will mich mäßigen, tönte es doch kürzlich irgendwo aus einem intellektuellen Faulgasbehälter, hinter meinem „Meinungsfreiheits-Aktivismus“ stünde in Wirklichkeit „ein ziemlich libertäres und eindimensionales Verständnis, das mit dem ‚Recht des rhetorisch Stärkeren‘ vielleicht besser beschrieben wäre.“ Wer will sich schon nachsagen lassen, der rhetorisch Stärkere zu sein. Das ist irgendwie so schrecklich 80er.
Sonja Schraven hat es mit ihrem Geburtsort-Aktivismus nun zu einer Fußnote in einem Nummer-1-Bestseller gebracht. Manche sagen, das sei für die Bottrop-Insassin der schönste Tag eines Lebens am Faulgasbehälter gewesen. Es würde mich glücklich, ja, auch ein wenig stolz machen, hätte ich ihr damit tatsächlich eine kleine Freude bereitet. Auf Seite 180 (Sonjas Lieblingsseite) findet sich ab der 6. Auflage von „Die digitale Bevormundung“ die ihrem Namen zugeordnete Fußnote 42 (in Fachkreisen auch Schraven-Fußnote), deren Auflösung auf Seite 223 wie folgt lautet:
„Die Bottroperin Sonja Schraven ist gegen die in einer früheren Auflage enthaltene Behauptung, sie sei ‚gebürtige Bottroperin‘, gerichtlich vorgegangen. Es handele sich dabei um eine ‚diskreditierende‘ ‚Falschbehauptung‘, so die für die Kaffeewagenbetreiberin auftretenden ‚Correctiv‘-Anwälte, von ‚nicht hinnehmbarer Intensität. Denn Sonja Schraven ist tatsächlich in Groß-Gerau geboren. Weltbekannt als Austragungsort des Hessentags 1994 und durch zwei Eisenbahnstrecken, die sich am östlichen Stadtrand in etwa in rechtem Winkel kreuzen.“
Man kann irgendwie schon jetzt sagen, dass das ganze Vorgehen des Bottroper Freundeskreises auf einer von Anfang an kühl durchdachten und auch sehr erfolgreichen Strategie beruhte. Da kann man auch mal Glückwünsche ins Revier schicken.

An der Bratwurscht fehlt die Kurry-Sose.
Na endlich isset mal wiarklich wizzich.
Herr Steinhöfel,
Bitte geben Sie zu, dass Sie wussten, dass Sie es mit einer gebürtigen Gross- Gerauerin zu tun haben. Sie haben eine der brilliantesten Buchvermarktungsstrategien der Neuzeit erdacht.
In Westfalen gilt Bottrop nicht als beste Adresse. Deshalb die Entrüstung der Frau S. Sie wollte mit der Kaffeebude Kasse machen und sich dann in Groß Gerau ein Haus bauen oder eine ETW in Ffm,-Sachsenhausen kaufen, wo sie dann beim Sojalatte von ihrer Zeit im wilden Ruhrgebiet am Büdchen schwadronieren kann. Vergleichbar die verwöhnten Maklerkinder, welche zwei Jahre lang in Berlin rumnerven, um dann in ihrem Heimatort Papas Maklerfirma zu übernehmen. – Herr Steinhöfel, Sie haben dieses Ehepaar an seinen zwei empfindlichsten Punkten getroffen: zum einen beim Geld, zum anderen bei ihrer Selbststilisierung „Wir kommen aus so guten Verhältnissen, daß uns auch das Wohnen im Pütt nicht schadet“. – Wann kommt Teil 5?
Wenn die Olle wirklich aussen Revier kommen täte, hätse mit sonnen Fisimatenten nix am Hut. :-)
Das einzige, was sich beim Studium dieser Posse aufdrängt ist, das Menschen, die den Anwaltsberuf ergreifen, einem zumindest zum Teil doch eigentlich leid tun müssten. Es muss doch angesichts eines langjährigen juristischen Studiums und den Beschwernissen der am Ende abzulegenden Staatsexamen geradezu fürchterlich sein, in der Praxis dann dermaßen blödsinniges Gestammel, wie das der Anwältin, zusammenschreiben zu müssen, um damit seine Brötchen zu verdienen. Und auch die Bottroper Landsleute können einem doch nur leid tun, wenn Typen wie die Dame Schraven per anwaltlicher Vertretung vortragen lassen, in Bottrop „gebürtig“ zu sein, sei ein „diskreditierender“ Umstand. Geheilt wird dieser Schwachsinn auch nicht etwa dadurch, dass die Anwaltsvertretung der Dame Schraven dann schnell noch den „Kontext“ bemüht. Denn der „Kontext“ vielmehr, in dem sich die anwaltliche Argumentation der Schraven-Seite bewegt, unterstreicht ja genau den Eindruck, den anscheinend jeder bekommen soll, wenn „gebürtig“ in Zusammenhang mit „kleingeistig“, „lokale Seilschaft“ und „provinziellen Person, die qua Geburt Teil einer Gruppe ist, die sich gegenseitig begünstigt und Vorteile verschafft“ auftaucht. Der insoweit konstruierte Zusammenhang bleibt Zeitgeistern mit gesunden Menschenverstand und entsprechenden Empfängerhorizont ganz sicherlich nicht verborgen. Und genau das ist auch so gewollt. Wie gesagt, juristische Fachleute, die gezwungen sind, solch einen Blödsinn zu verzapfen, können einem nur leid tun. Was im Übrigens auch durchaus für Frau Schraven gilt, die meint, mit solchen unterirdischen Ansätzen ein Buch und die Meinungsfreiheit torpedieren zu können. Wie blöd muss man eigentlich sein? Der Zeitgeist hierzulande treibt wahrlich schräge Blüten.
Wo bekommt man denn noch die alte Auflage? Fehldrucke sind doch eine gute Wertanlage ;-) . Und für das künftig sicher irgendwo eröffnete „Museum der dümmsten deutschen Republik“ braucht es allemal ein Ausstellungsstück! Kommt dann in den Saal gleich hinter die selbstgenähten Anti-Viren-Masken, die Fotos von den Sprengungen der Kühltürme und der Tafel mit den Top-Ten-Versprechern unserer Baerböckin. Ja, das soll das Museum erlebbar machen: im Irrsinn sind wir weltweit unschlagbar bunt und vielfältig.