Wer den Ukraine-Konflikt verstehen will, muss den kommunistischen Holodomor kennen. Im deutschen Geschichtsunterricht spielt diese absichtlich herbeigeführte Hungerkatastrophe bis heute kaum eine Rolle.
Auch 90 Jahre nach dem millionenfachen Massenmord des Holodomor (zu Deutsch: Tötung durch Hunger) hat vermutlich eine Mehrheit der Deutschen noch nie von dieser Katastrophe in der Sowjetunion gehört – insbesondere nicht von deren Details.
Die Ziele des Tötens durch Hunger waren hauptsächlich folgende:
1. Zerschlagung des Dorfwesens, wo noch immer die Strukturen des „alten Zarenreiches“ lebendig waren.
2. Raub des Getreides, um es gegen Devisen auf dem Weltmarkt zu verkaufen, gewissermaßen ein Kolonialismus im eigenen Land. Kurioserweise ist immer wieder die Rede vom „Raubtier-Kapitalismus“ – der Begriff „Raubtier-Kommunismus“ hingegen kommt in Deutschland kaum vor.
3. Zerschlagung ukrainischer Unabhängigkeitsbestrebungen.
Während der Kommunismus in den Großstädten weitgehend durchgesetzt war, galt „das Dorf“ mit seinen Bauern vielen führenden Kommunisten als Inbegriff der Rückständigkeit, als Sinnbild des alten Zarenreichs der „Ikonen und Kakerlaken“ (wie es der 1940 in Mexiko von einem Kommunisten ermordete kommunistische Massenmörder Trotzki ausdrückte).
Obwohl sich diejenigen Staaten, die sich wie die Sowjetunion auf Marx & Engels beriefen, gerne als „Arbeiter- und Bauernstaaten“ betitelten, fremdelten schon ihre Vordenker mit dieser Berufsgruppe. So schrieb etwa Friedrich Engels 1845 in einem Aufsatz: „Die Bauernschaft, die stupideste Menschenklasse auf Erden“.
Im Juni 1921 setzten die sowjetischen Kommunisten unter Michail Tuchatschewski (dieser Herr Tuchatschewski wird uns weiter unten im Text noch einmal beschäftigen) gar Giftgas gegen aufständische Bauern ein, die sich in den Wäldern bei Tambow versteckt hielten.
Gesagt, getan: Die Entkulakisierung
Eine wichtige Ursache des millionenfachen Hungertodes war die Entkulakisierung, d.h. die Ausrottung der Kulaken, der „wohlhabenden“ Bauern, die man zuerst als Ausbeuter rufmordete, um sie anschließend staatlicherseits bestehlen, verschleppen oder ermorden zu können. Wie in Diktaturen üblich, war die Definition eines Kulaken schwammig und ungenau – so dass der Terror eigentlich jeden treffen konnte.
Auf einer Konferenz vor Agrarfachleuten am 27. Dezember 1929 wies der georgischstämmige Stalin alle Überlegungen zurück, Kulaken in die neuen kommunistischen Landwirtschaftsgenossenschaften (Kolchosen) miteinzubinden. Sein Ziel war vielmehr die „Liquidierung des Kulakentums als Klasse“.
Am 2. Februar 1930, drei Tage nach dem Politbüro-Beschluss zur Entkulakisierung, lag der GPU-Befehl Nr. 44/21 „Über die Liquidierung des Kulakentums als Klasse“ vor.
In Berichten des sowjetischen Geheimdienstes GPU (vorher Tscheka, später NKWD und KGB) wird das Ausmaß der Gewalt deutlich. Offenbar angestachelt von Parteifunktionären wurden arme und landlose Bauern aktiv:
Sie trieben die Kulaken „nackt auf die Straße, schlugen sie, organisierten Saufgelage in ihren Häusern, schossen über ihre Köpfe hinweg, zwangen sie, sich ihr eigenes Grab zu schaufeln, zogen Frauen aus und durchsuchten sie, stahlen Geld usw.“
„Die Entkulakisierer nahmen den reichen Bauern ihre Winterkleider und warme Unterwäsche und als erstes ihre Schuhe. Sie ließen den Kulaken in der Unterhose stehen und nahmen alles, auch die alten Schuhe aus Gummi, die Frauenkleider, den Tee für 50 Kopeken, Schürhaken, Krüge […] Die Brigaden konfiszierten alles, auch die kleinen Kissen, auf denen die Kinder ihren Kopf liegen hatten. Sie holten die Kascha vom Herd und schütteten sie über die zerbrochenen Ikonen.“
Die zur Deportation selektierten Bauern wurden zu Sammelpunkten und anschließend zu Bahnhöfen verbracht. Dort mussten sie in unbeheizte Güterwagen steigen. Ab Mitte Februar 1930 traten sie die teils mehr als zwei Wochen dauernde Fahrt in die Verbannung an.
Die verschleppten Familien wurden in der Regel getrennt, arbeitsfähige Männer ins Landesinnere verbracht, die nicht arbeitsfähigen Familienmitglieder – Mütter und Kinder unter 16 sowie Ältere – in Nähe der Zielbahnhöfe in Transitlager eingewiesen. Schon diese sogenannte Entkulakisierung kostete etwa 530.000 bis 600.000 Menschen das Leben. Fast 40 Prozent aller Personen im Kulaken-Exil waren jünger als 16 Jahre.
Kannibalismus im Kommunismus
Nach ihrer Deportation erwartete die leidgeprüften Menschen teilweise ein Horror, den sie sich selbst vorher vermutlich nicht hätten vorstellen können:
Beispielsweise wurden etwa 6.100 Verschleppte auf der Insel Nasino im sibirischen Fluss Ob ausgesetzt – ohne Verpflegung, Unterkunft oder Werkzeug. Nach drei Monaten, im August 1933, waren von ihnen nur noch 2.200 am Leben – einige wurden Opfer des Kannibalismus ihrer hungernden Mitgefangenen.
Der Fall erinnert an den vielleicht größten Fall von Kannibalismus im 20. Jahrhundert: das im Westen wenig bekannte Massaker von Guangxi von 1968 im Rahmen der chinesischen „Kulturrevolution“. Ein wesentlicher Unterschied zwischen diesem Kannibalismus in Maos China und dem von Nasino war allerdings, dass er nicht während einer Hungersnot passierte. Es war offenbar eine Art „Bestrafungs-Kannibalismus“, bei dem 421 namentlich bekannte Menschen mit Billigung der lokalen kommunistischen Behörden aufgegessen wurden. Mindestens Tausende von Menschen nahmen an diesem Kannibalismus teil.
Während die Chinesen erst ab den 1950er Jahren unter landwirtschaftlichen Wahnsinnsprojekten der Kommunisten wie dem „Großen Sprung nach vorn“ oder der „Ausrottung der vier Plagen“ zu leiden hatten, ereilte die Bürger der Sowjetunion bereits zwischen 1929 und 1932 eine gewaltsame Kollektivierung.
In deren Zug wurde ein großer Teil der Bauern ihrer privaten Bauernhöfe beraubt und gezwungen, sich sozialistischen Großbetrieben anzuschließen. Viele Bauern schlachteten ihr Vieh, um dieses der Enteignung zu entziehen, einige zerstörten sogar ihre landwirtschaftliche Ausrüstung. Millionen Bauern wurden zur Brechung ihres Widerstandes gegen den staatlichen Raub in unfruchtbare Regionen umgesiedelt oder in Zwangsarbeitslager deportiert, wodurch die landwirtschaftliche Produktion stark zurückging. Davon unbeirrt ließ die Sowjetführung dennoch große Mengen an Lebensmitteln und Getreide requirieren, um diese auf dem Weltmarkt gegen Devisen, Waffen und Industriegüter zu verkaufen.
Diese sowjetischen Requirierungskommandos und Terroreinheiten der Tscheka sind bereits Thema des ersten „Tim und Struppi“-Abenteuers „Tim im Lande der Sowjets“ des Künstlers Hergé von 1929. Manches Mal wurde dieser Band als „einseitig antikommunistisch“ gebrandmarkt. Tatsächlich ist der Inhalt des belgischen Comics aber eigentlich eine kindliche Verharmlosung der Verhältnisse in der frühen Sowjetunion.
Wehrlose Bauern ohne Waffen
Die sowjetischen Bürger waren im Gegensatz zu amerikanischen Bürgern, denen die Gründerväter der USA in weiser Voraussicht bereits 1791 das Recht zum Tragen einer Waffe zum Schutz vor einer tyrannischen Regierung einräumten, ihrer kommunistischen Regierung völlig wehrlos ausgeliefert. Es gab sogar den Befehl, Hungerflüchtlinge zu erschießen, federführend umgesetzt vom ukrainischen Kommunisten Wsewolod Balyzkyj.
Als zur Verschleppung und Ermordung der Bauern, dem Raub des Getreides durch die Behörden und dem weitgehenden Zusammenbruch der Landwirtschaft im Frühjahr 1932 auch noch eine Dürre hinzukam, war die Katastrophe perfekt:
Der epochalen menschengemachten Hungersnot des Holodomor von 1932/33 fielen nach verschiedenen Schätzungen bis zu 9 Millionen Menschen zum Opfer (also auch Millionen außerhalb der Ukraine). Die Erfahrungen des Holodomor führten zu einer weiteren Verstärkung der Unabhängigkeitsbestrebungen der Ukraine. Als eine Volkszählung 1937 einen Bevölkerungsrückgang verzeichnete, wurden die beteiligten Statistiker hingerichtet.
Während Diktator Stalin Urlaub am Schwarzen Meer machte, verhungerten in der Ukraine ganze Dörfer, Kinder versuchten Spatzen und Kaulquappen zu fangen. Doch zum Jagen waren einige von ihnen vom Hunger schon zu sehr geschwächt. Menschen mussten Angst vor Überfällen hungriger Nachbarn haben, die ihnen ihr Essen stahlen oder gar kleine Kinder raubten und aufaßen.
Einer der Haupttäter des Holodomor, der spätere sowjetische Außenminister Wjatscheslaw Skrjabin (bekannt unter seinem Tarnnamen Molotow), verbot obendrein die Flucht der hungernden Bauern in die Städte.
Etwa drei Millionen Kinder waren unter den Verhungerten. Manches Mal setzte bei ukrainischen Eltern vor lauter Hunger der Verstand aus, und sie aßen in ihrer von den Kommunisten herbeigeführten Not ihre eigenen Kinder auf.
Wahrnehmung im Ausland
Die Regierung der UdSSR versuchte, den Holodomor vor der Weltgemeinschaft zu verbergen. Einigen Journalisten wie den Briten Gareth Jones und Malcolm Muggeridge und dem Deutschen Paul Scheffer, die die Sowjetunion zu dieser Zeit bereist hatten, gelang es dennoch, über die Katastrophe zu berichten.
Auch der ungarische Schriftsteller Arthur Koestler notierte über seine Beobachtungen in Charkow (bis 1934 war Charkow, und nicht Kiew, Hauptstadt der sowjetischen Ukraine):
„Unter meinem Fenster in Charkow zogen jeden Tag Leichenbegängnisse vorbei. Kein einziges Wort über die örtliche Hungersnot, über Epidemien, das Aussterben ganzer Dörfer. Man bekam ein Gefühl traumhafter Unwirklichkeit; die Zeitungen schienen von einem ganz anderen Land zu sprechen, das keinerlei Berührungspunkte mit dem täglichen Leben, das wir führten, hatte, und ebenso verhielt es [sich] mit dem Rundfunk.“
Doch auch damals gab es bereits kommunismus-freundliche Journalisten im Westen wie etwa den britischen Pulitzer-Preisträger Walter Duranty, der in seinem Artikel in der „New York Times“ vom 31. März 1933 („Russen sind hungrig, aber hungern nicht“) die Verbrechen Stalins und seiner Helfer zu vertuschen versuchte.
1935 wurde Gareth Jones bei einer Recherchereise unter ungeklärten Umständen auf dem Gebiet der sowjetisch besetzten Mongolei oder auf dem Gebiet des japanisch besetzten Mandschukuo ermordet. Zuvor hatte er Bekanntschaft mit einem Deutschen namens Herbert Müller gemacht, der späteren Veröffentlichungen zufolge ein getarnter GPU-Agent gewesen sein soll.
Der irisch-britische Schriftsteller George Bernard Shaw, der 1932 die Sowjetunion bereiste, berichtete wahrheitswidrig „von vollen Restaurants und großzügigen Menüs“ in der UdSSR.
Besonders überraschend ist ein solches Wegsehen bei jemandem, der aus der Ex-Kolonie Irland stammt, die selbst unter katastrophalen Hungersnöten zu leiden hatte.
Später verteidigte Shaw zudem die „Säuberungen“ in Stalins Reich:
„Wir können es uns nicht leisten, hochmoralisch aufzutreten, wenn unser kühner Nachbar [die Sowjetunion, Anm.] auf humane und gerechte Weise eine Handvoll Ausbeuter und Spekulanten liquidiert, um die Welt für die Anständigen zu schützen.“
Nach dem Holodomor kündigte sich schon die nächste Katastrophe im kommunistischen Imperium an: Nun wurden Kommunisten von Kommunisten getötet und die Täter von gestern wurden im Zuge des „Großen Terrors“ besonders in den Jahren 1937 und 1938 von ihren eigenen Genossen zur Hinrichtung geführt – unter ihnen auch der oben bereits erwähnte Michail Tuchatschewski.
Um einen guten Überblick über diese neue Schreckensepisode zu bekommen, kann man sich die kurze Biografie von Geheimdienst-Chef Nikolai Jeschow zu Gemüte führen.
Aufarbeitung
Das Thema Holodomor wurde in der Sowjetunion weitgehend totgeschwiegen. Außerhalb der Ukraine gibt es bis heute nur sehr wenige Denkmäler und Mahnmale, die an den Holodomor erinnern: In Kanada sechs (darunter das erste der Welt von 1983 in Edmonton), drei in den USA (eines davon in Washington D.C.), zwei in Polen und eines in Deutschland in München – da allerdings „nur“ als Initiative der dortigen ukrainischen Kirche. Im geschichtsvergessenen Deutschland sind dafür noch heute fünf Straßen nach Julian Marchlewski benannt, einem guten Freund des Tscheka-Gründers Feliks Dzierżyński.
Neben der Ukraine haben Australien, Ecuador, Estland, Georgien, Kanada, Kolumbien, Lettland, Litauen, Mexiko, Paraguay, Peru, Polen, Portugal, Ungarn und der Vatikan den Holodomor offiziell als Völkermord anerkannt. Am 23. September 2008 erkannte das Repräsentantenhaus des US-Kongresses den Holodomor als Genozid am ukrainischen Volk an.
Zwei der Hauptverantwortlichen für den Holodomor lebten friedlich und unbehelligt als Rentner noch bis 1986 (Molotow) bzw. bis 1991 (Kaganowitsch).
Fazit
Ähnlich wie beim Holodomor waren schon während der bis heute gefeierten Französischen Revolution (der 14. Juli ist noch immer Nationalfeiertag in unserem Nachbarland) Bauern in der Provinz lästige „Revolutionsbremsen“, und ähnlich wie beim Holodomor wurden beim Aufstand in der Vendée (eine französische Provinz am Atlantik, südlich der Bretagne) 1793 mittels eines Völkermordes von Franzosen an anderen Franzosen geschätzt 300.000 Menschen ermordet. Die im Zuge der Französischen Revolution stattgefundenen Massenertränkungen in der Loire bei Nantes sind heute ähnlich unbekannt wie die Details des Holodomor.
Nicht wenige aber sehen den Holodomor als gezielten Völkermord an den Ukrainern, und eine ebenso gezielte Russifizierung bei gleichzeitiger Ausmerzung der ukrainischen Kultur. Offenbar verfolgte Josef Stalin das Ziel, jeglichen ukrainischen Freiheitswillen zu unterdrücken und die sowjetische Herrschaft in der Ukraine zu festigen.
Zweifellos hat die absichtlich herbeigeführte Hungersnot die landwirtschaftlich starke Ukraine besonders hart getroffen. Andere Stimmen weisen jedoch darauf hin, dass der Massenmord durch Hunger auch weite Teile des südlichen Russlands und sogar Kasachstans betraf, wo sogar ein noch größerer Anteil der Bevölkerung gestorben sein soll.
Zudem gab es nicht wenige wichtige Täter des Holodomor, die selbst ukrainischer Abstammung waren (z.B. der oben erwähnte Wsewolod Balyzkyj). Stalin wollte offenbar viele Ukrainer ermorden – allerdings war der Mordwille des Kommunisten nicht auf diese beschränkt. Nahezu alle Bevölkerungsgruppen, die das Pech hatten, in seinem Herrschaftsgebiet zu leben, waren von Vertreibung und massenhaften Morden betroffen: Russen, Juden, Ukrainer, Deutsche, Tschetschenen, Mongolen usw.. Nicht einmal die treuesten Kommunisten, nicht einmal die Täter des Holodomor, waren gefeit davor, später selbst von Kommunisten hingerichtet zu werden, darunter Stanislaw Kossior, der Stalin als Mitwisser und einer der Haupttäter des Hungermassenmordes lästig geworden war.
Der Massenmörder Kossior wurde von Boris Rodos gefoltert, um ihm eines der typisch sowjetischen Fantasie-Geständnisse (Kossior sollte schriftlich zugeben, dass er ein „polnischer Spion“ sei) abzupressen. Der Gefolterte hielt lange stand und brach erst zusammen, nachdem man seine 16-jährige Tochter in den Raum gebracht und vor seinen Augen vergewaltigt hatte. Anschließend wurde der „geständige“ Kossior von dem vielbeschäftigten Henker Wassili Blochin hingerichtet, der schon beim Katyn-Massaker 7.000 Gefangene mit eigener Hand erschossen haben soll. Nachfolger von Kossior als Parteichef der Ukraine wurde übrigens Nikita Chruschtschow, der als Nachfolger Stalins 1954 die Krim von Russland an die Ukraine „verschenkte“ – möglicherweise, um die russisch-ukrainische Aussöhnung nach der Stalin-Zeit zu fördern. Ironischerweise sorgte ausgerechnet dieses mutmaßliche „Versöhnungsgeschenk“ Chruschtschows (der aktiv an Stalins Verbrechen beteiligt war) 2014 für besondere Spannungen, weil nun Russland die wichtige Halbinsel „zurück-annektierte“.
Manche sprechen beim Holodomor nicht von einem Genozid, sondern von einem „Klassizid“, von einem Krieg der Kommunisten gegen Menschen, die ihrer Meinung nach der Entfaltung des Kommunismus im Wege standen. Dennoch ist verständlich, dass viele Menschen in der Ukraine auch wegen des Holodomors nie wieder an Moskau gebunden sein wollen, weil von dort damals die Befehle für das Hungermorden kamen.
Doch ganz egal, wie man den Holodomor und seine Motive bewerten mag: Tatsache bleibt, dass er überdurchschnittlich geschichtsinteressierten Achgut-Lesern vielleicht ein Begriff ist, aber in Deutschland bis heute noch weniger Aufmerksamkeit bekommt als der schon länger zurückliegende Völkermord an den Armeniern.
Weiterführende Links
Der Holodomor ist auch Thema des Dokumentarfilms „The Soviet Story“ aus dem Jahr 2008, der hier in deutscher Sprache und komplett in einem Film zu sehen ist.
Unser Bild zeigt verhungerte Bauern auf einer Straße in Charkow (Ukraine) im Jahre 1933.
Simon Akstinat arbeitet als Autor und Fotograf. Sein neues Buch „Pantheismus für Anfänger – Der kaum bekannte Gottesglaube von Goethe, Einstein und Avatar“ ist hier und hier bestellbar.
Beitragsbild: Von Alexander Wienerberger">Alexander Wienerberger - Diocesan Archive of Vienna (Diözesanarchiv Wien)/BA Innitzer, Gemeinfrei, Link
Den Holodomor zu schildern erscheint müßig, denn diese Schilderung erfüllt keine Funktion. In der BRD wird geschildert, was eine Duldungshaltung der Bevölkerung hervorruft. Ein schlechtes Gewissen. Beschämung. Dazu existieren inzwischen Anleitungen. Dadurch bewegte Themen sind beispielsweise Klima, und natürlich alles, was unter Nazi subsummiert werden muß. Wer sollte hier beschämt sein darüber, was ein Stalin angerichtet hat? Übrig bleibt lediglich eine Assozistation, wonach Putin ja Russe, und damit mit Stalin in einen Tiopf geworfen werden könne. So ähnlich, wie jeder Deutsche gleichzusetzen sei mit Hitler, auf jeden Fall als Nazi zu gelten habe, sofern er sich seiner Delegitimierung, einer Duldungshaltung zu entziehen scheint. Rußland war und ist mehr als Stalin, bei aller Rückschau. Deutschland ist mehr als Hitler. Leider hat Deutschland seine von Gorbatchov sehr günstig erlangte Wiedervereinigung mit Undankbarkeit gegenüber Rußland vergolten, indem es sich über offenbar tatsächlich bestehende Zusagen hinsichtlich einer Osterweiterung der Nato hinweggesetzt hat. Hier scheint mir der Ursprung einer stetig vorangetriebenen Konfrontation zu liegen, durch die Putin objektiv zum Handeln veranlaßt wird.
Was ist das für ein Märchen, das man gezielt die Ukrainer verhungern lassen wollte. Ich bin selbst ursprünglich aus der Ecks UdSSR. In den 30er Jahren haben überall in der Sowjetunion die Menschen gehungert weil, ihnen der Weizen weggenommen wurde und andere Lebensmittel zur Saat. Man hat in der Ukraine gehungert, man hat in der Kuban Region (Rostow) gehungert, im Norden des Kaukasus und seiner ausufers wie der Region Stawropol wo Gorbatschow herkommt. Man hat in zentral Russland an der Wolga gehungert, Kazan, Nischni Nowgorod, Samara, Saratow usw. Man hat auch hinter dem Ural gehungert wie in Sibirien der Region Omsk wo ich her stammen aber auch in der Kuzbsass Region oder im Norden Kasachstans also überall wo Weizen, Mais, Roggen usw angebaut wurde. Dieses besagte Getreide wurde von den Kommunisten beschlagnahmt und in den Westen verkauft um sich einen Maschinenpark zu erstellen, Kunden waren das deutsche Reich, Frankreich, England, USA…. Diese Länder haben es den Kommunisten sehr gerne abgenommen. Es ist schon fragwürdig das den Russen in die Schuhe zu schieben. Den alle haben gehungert mir hat meine Großmutter erzählt wie es bei uns in Sibirien war. Man nannte diese Region die graue Ukraine. Es ist ein schönes Schauermärchen aus der Feder des state Departments. Was für eine Lüge das beste war aber das viele dieser Kommunisten selbst Ukrainer waren. Wenn ich hier weiter schreibe bleibe ich eine Woche hier hängen.
@ Herr Carsten Baumgartner: Jetzt beruhigen Sie sich doch – die Welt ist voller anderer Ansichten und ich habe meine jeweils wohl begründet. Meine Sichtweisen müssen Ihnen nicht gefallen, Ihre mag ich jetzt auch nicht, soweit ich sie übersehe. Das ist das Wesen der Demokratie, um den richtigen Weg wird gestritten. Und Kritik gehört selbstverständlich dazu, wenn die Achse eine offensichtlich einseitig politische Kampagne fährt, muss sie mit Gegenwind rechnen. In jedem Fall sollten Sie davon absehen, die Vertreter anderer Meinungen aus dem Diskurs vertreiben zu wollen – ich nehme mal an, Sie wollten das für sich selbst auch nicht? Ich weigere mich eben, irgendwelche Versatzstücke der NATO-Presse zu wiederholen und bilde mir eine eigene Meinung. Wenn Sie das nicht ertragen, ist das bedauerlich, aber wohl nicht mein Problem.
@Klaus Keller Gut beobachtet: Putin ist nicht Stalin. Er ist auch nicht Julius Cäsar, obwohl sich dieser wie Stalin zum Diktator auf Lebenszeit ernannt hatte. Sein Pech war nur, dass die Römer konservative Republikaner waren. Wie sieht das eigentlich mit Nordkorea aus? Kim Jong Un ist auch nicht sein eigener Vater und Großvater. Man nennt soetwas Dynastie oder sogar Monarchie. Die russische Revolution hat zwar den Zaren beseitigt aber nicht die monarchischen Machtstrukturen. In Russland ist man sogar mit der Vergöttlichung Lenins darüber hinausgegangen. Der liegt immer noch trotz aller Veränderungen in Russland, in seinem Mausoleum, nicht zur Anschauung sondern zur Anbetung. Wer alle Systeme und Macht relativiert hat nicht nur Keine Ahnung von Geschichte und Politik, sondern trägt ungewollt auch dazu bei, dass sich das, was z.Z. Politik in Deutschland ist, sich konsolidieren kann.
@ S. Donner: „Um es zu verstehen muss man es aus Sicht der Täter sehen.“ – Erzählen Sie, bitte, diese Theorie einer gerade vergewaltigten Frau. „ Russland musste zu der Zeit 2/3 seines Weizenbedarfs aus den USA beziehen.“ Falsch: Russland war ab 1923 ein Weizenexporteur. Wer mit Fakten nicht umgehen kann, kann es mit Moral und Menschlichkeit auch nicht.
@Margit Kaestner. G.B. Shaw war auch eines der ersten Mitglieder der erzsozialistischen Fabian Society von 1884, Nach Wikipedia: „The Fabian Society is a British socialist organisation whose purpose is to advance the principles of democratic socialism via gradualist and reformist effort in democracies, rather than by revolutionary overthrow. Fabian Society was also historically related to radicalism, a left-wing liberal tradition“. Ihren Impetus bezieht die Society von der Strategie
des altroemischen Quintus Fabius Maximus Verrucosus, surnamed Cunctator (c. 280 – 203 BC), der für seine berechnende, lange Zeiträume einkalkulierende Strategie bekannt war. Das Wappen der Fabians ist, bezeichnenderweise, ein Wolf im Schafspelz. Alles ganz offen ergooglebar. Es wuerde mich nicht wundern, wenn eine enge Verbindung zwischen K. Schwab (Stichwort Transhumanismus=Eugenik?) und den Fabians bestehen wuerde.
Und nur so am Rande: „uns aller Aussenministerin“ und Schwab-Kueken studierte Voelkerrecht an der London School of Economics (LSE), die 1895 von der Fabian Society gegruendet wurde. Alles nur Zufall?
Fast alles richtig beschrieben, nur zwei kleine Korrekturen finde ich nützlich: 1. Der Erfinder des Holodomor war nicht Stalin, wie man aus diesem Artikel schlussfolgern kann, sondern Lenin, der bereits 1918-19 diese Taktik erfolgreich verwendet hat, um die Macht über das rebellische Bauerntum zu erhalten. Die Idee ist einfach und genial: Wenn der Staat alle Lebensmittel unter seiner Kontrolle hat, kann er jeden Bürger zu allem Möglichen zwingen. Darüber kann man bei Betrand Russell nachlesen, dem Lenin diese Geschichte mit Vergnügen erzählte. 2. Khrustschow war NICHT entgegen dem gängigen Irrtum der direkte Nachfolger Stalins. Nach Stalins Tod wurde der Posten des Ersten Sekretärs der KPdSU von MALENKOW besetzt, der übrigens auch die Krim-Transaktion 1954 organisierte.
### Nun, was sind die Lehren aus der Gschicht? (1) Es gibt kein Verbrechen so grausam, so unvorstellbar, dass die Politiker es nicht begehen können. Wer heute sagt „Es ist unmöglich, dass die Globalisten 6 Milliarden Menschen umbrigen wollen“, muss zurück auf die Schulbank die Geschichte des 20.Jh. zu lernen, bevor man mit ihm diskutiert. (2) Der schlimmste Feind des Menschen ist der Staat. Kein individueller Verbrecher hat nur ein Zehntausendenstel des Bösen getan, das der Staat täglich tut. (3) Das Volk ohne Waffen ist das Volk der Sklaven.