Es mehren sich die Stimmen von Gewicht, die beklagen, dass diejenigen, die illegale Migration nicht konsequent unterbinden helfen, unverantwortlich handeln an der hiesigen Bevölkerung, und auch rechtschaffenen Flüchtlingen keinen Gefallen tun.
Der Politologe Werner Patzelt an der TU Dresden beklagte im Deutschlandfunk, dass „die politischen Parteien, die das Land jahrzehntelang erfolgreich gestaltet haben, auf dem wichtigen Feld der Migrations- und Integrationspolitik lange Zeit einfach nicht erkennen wollten, dass das zu einem innenpolitischen Zentralthema wird, wo ein nennenswerter Teil der Bevölkerung sich der politischen Klasse entfremdet.“
Auch wird in deutschen Medien unentwegt behauptet, dass das Ausland die deutsche Migrationspolitik vorwiegend positiv sieht. Frank Rövekamp, Professor für Japanische Wirtschaft und Politik in Ludwigshafen, zitierte in der F.A.Z. japanische Stimmen über die Lage in Deutschland, die vom „Chaos einer traumtänzerischen Politik, die eine fundamentale Tendenz aufweise, sich an weltverbessernden Idealen ausrichte, dabei den Blick auf Realitäten und auf andere Auffassungen verlöre. Dies führe zu systematischer Selbstüberschätzung, moralischer Arroganz und Alleingängen ohne Rücksicht auf Verluste... Die Entscheidungen in der Flüchtlingskrise hätten zu massiven Verwerfungen in der Europäischen Union geführt. Einerseits hätten sie die Beziehungen zu den osteuropäischen Ländern untergraben, andererseits dem Brexit Vorschub geleistet.“
David Miller, Professor für Politische Theorie in Oxford, sagte im Spiegel („Es gibt keine moralische Pflicht zur Aufnahme aller Flüchtlinge“): „Wirtschaftsmigranten können ihr Aufnahmebegehren nicht zu einem moralischen Anspruch oder einer Gerechtigkeitsfrage machen.“
Mariam Lau zitierte in der ZEIT in ihrem Portrait des niederländischen Migrationsforschers Ruud Koopmans „Kühler Querkopf“: Merkel habe nicht überblickt, was sie da in Gang gesetzt habe. „Und die Behauptung, Grenzen ließen sich nicht kontrollieren, ist einfach Quatsch.“ Nur wer seine Identität nachweisen könne, solle künftig zum Asylverfahren zugelassen werden. Koopmans findet, die Niederlande hätten da inzwischen die richtige Mischung aus Härte und Hilfsbereitschaft, während die Deutschen immer naiver würden.
„Es ist tragisch, junge Afrikaner zur Migration zu verlocken“
Der Entwicklungsökonom Sir Paul Collier von der Universität Oxford sagte am 3. September 2018 in der Printausgabe der F.A.Z. „Es ist tragisch, junge Afrikaner zur Migration zu verlocken“ in einem Interview:
„Die konfuse Migrationspolitik hat die Gesellschaften in Europa politisch sehr polarisiert und gespalten.“„Offenkundig haben verschiedene Gesellschaften verschiedene Einstellungen zur Immigration. Das muss man anerkennen und akzeptieren. Es kann nicht sein, dass ein Land anderen sagt, was sie tun müssen. Das wäre moralischer Imperialismus.“
Darüber hinaus stellte er fest, dass wir für einen Flüchtling in Europa 135 Mal mehr als für einen Flüchtling in der Nähe seiner Heimat bezahlen. Die Flüchtlinge, die am bedürftigsten seien, schafften es nicht bis Europa. Die EU Flüchtlingspolitik setze falsche Akzente.
Afrikas Bischöfe fordern vom Westen, wenn schon, Hilfe vor Ort, aber nicht Bevölkerungsverschiebungen. Verschwiegen wird in Europa, was afrikanische Kirchenvertreter sagen, wie Kardinal Peter Turkson aus Ghana, Präfekt des von Franziskus 2016 errichteten Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen. Turkson war zuvor seit 2009 Vorsitzender des Päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden. Er sagt: „Die Politiker der offenen Türen haben einen Geist geweckt, den sie nicht mehr loswerden“. Inzwischen müssten sich Politiker, wie in Italien und Österreich, mit Altlasten ihrer Vorgänger herumquälen.“
Anders als afrikanischen Kirchenvertretern kommt die Migration den Politikern gelegen. Es sind die Unbequemen, die Afrikas Herrschende nur zu gerne ziehen sehen. Kameruns Präsident Paul Biya hat zu meiner Zeit als Botschafter in Kamerun gar das Recht auf Migration nach Europa gefordert. Wer geht, geht häufig für immer. Das kommt die Länder mittelfristig teuer zu stehen. Aber die so genannten Eliten in Afrika stellen sich nicht den Herausforderungen. Denn die Zeitbombe tickt. Die Jugendarbeitslosigkeit in den afrikanischen Ländern ist die höchste in der ganzen Welt. Stabilität wird es in Afrika nicht geben, solange diese Menschen keine Arbeit finden. Es grenzt an Staatsversagen, wie die Fürsorgepflicht für die Bürger vernachlässigt wird. Wie viele Tote muss es noch geben, bevor die afrikanischen Staatschefs Interesse am Schicksal dieser Menschen zeigen?
Volker Seitz war von 1965 bis 2008 in verschiedenen Funktionen für das deutsche Auswärtige Amt tätig, zuletzt als Botschafter in Kamerun, der Zentralafrikanischen Republik und Äquatorialguinea mit Sitz in Jaunde. Er gehört zum Initiativ-Kreis des Bonner Aufrufs zur Reform der Entwicklungshilfe und ist Autor des Buches „Afrika wird armregiert“. Das Buch ist beim Verlag vergriffen. Die aktualisierte und erweiterte Taschenbuchausgabe wird im September 2018 bei dtv erscheinen. Volker Seitz publiziert regelmäßig zum Thema Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika und hält Vorträge.

Da pflichte ich Herrn Marcel Seiler bei: Die deutsche Regierung hat keine Idee, keine Innovationsfähigkeit, keine Leitwerte, die steht einfach für gar nichts und dementsprechend kann die auch nichts. Das Ergebnis sehen wir: Chaos, Versagen, Dummheit. Denken tut da niemand mehr.
Erwähnt sei in dem Zusammenhang der chinesiche Begriff Baizuo, der von diesen für die sich selbst überhöhenden europäischen (deutschen) Moralisten benutzt wird, die zur Stärkung des Ego vorgeben die Welt retten zu wollen, von plitischer Korrektheit besessen sind, den (islamischen) Mulitkulturismus hoch halten, meinen diese Ideologie anderen ungefragt überstülpen zu können, und dabei die wirklichen Probleme und das in anderen Kulturkreisen gepflegte Denken völlig ausblenden.
"Merkel habe nicht überblickt, was sie da in Gang gesetzt habe". Dieses Zitat von Herrn Koopmans beschreibt das zentrale Problem der deutschen Politik zumindest der letzten drei Jahre. Seit September 2015 erleben wir doch nur die Versuche unserer Kanzlerin, die mit dieser katastrophalen Fehleinschätzung der Migrationspolitik für alle Menschen in Deutschland sichtbaren Probleme zuzudecken und zu vertuschen. Die verschiedenen Versuche will ich hier gar nicht mehr erwähnen. Geradezu hysterisch waren doch die Reaktionen in Chemnitz auf die spontanen " Zusammenrottungen" - in einem noch demokratischen System eine unglaubliche Wortwahl unserer Kanzlerin für eine spontane Demonstration - , um den Zusammenhang mit sehr überproportionaler Kriminalität bei sog. Flüchtlingen zu verdecken. Sie hat es nicht überblickt, und ein Eingeständnis dieses Fehlers wäre ihr sofortiges politisches Ende. Morde, Vergewaltigungen, Überfälle und andere Straftaten, die überwiegend mit geringfügigen Sanktionen bedacht werden, werden weitergehen und wir werden eine ewige Kanzlerin erleben, unterstützt von zu Klatschhasen mutierten sog. Abgeordneten und Parteimitgliedern.
Das Ausland denkt nicht "anders". Es denkt einfach überhaupt. Deutschland denkt nicht, es fühlt. Es gibt in Deutschland praktisch keine Diskussion darüber, welche Ziele die jetzige Politik anstrebt, ob sie geeignet ist, diese Ziele zu erfüllen, und ob es andere Politiken gibt, die diese Ziele besser erreichen könnten. InDeutschland brüllt man sich nur an: "Du Nazi, wenn Du diese Fremden nicht willst!" gegen "Das schaffen wir nicht!" Dass das Volk dies tut, verstehe ich. Dass die sogenannte Elite diesen Brüllwettbewerb mitmacht: das ist das Verbrechen, an den Deutschen *und* an den Fremden.
Aber Bevölkerungsverschiebungen zum Ausgleich der Alterung in der ersten und zur Steigerung des Wohlstandes in der dritten Welt wurden doch schon vor 15 bis 20 Jahren zuerst von der UN und dann von der EU gefordert und gefeiert. Und gerade erst im Mai 2018 wurde ein Absichtspapier zum Wohle der Migration bei der UN unterzeichnet, außer von Ungarn. Solche Dinge stehen in diametralem Widerspruch zu den hier zitierten Ansichten. Ist es nicht so, dass wir in Deutschland einen guten Schuss Trumpscher Chuzpe brauchen, nicht nur um unsere eigene Politik de facto zu ändern, sondern auch, um den Unsinn internationaler Institutionen als solchen zu bezeichnen und uns ganz offiziell von Standpunkten zu distanzieren, die kein vernünftiger Mensch akzeptiert? Besser als die französische Variante wäre das jedenfalls, pro Migration zu reden und sie gleichzeitig nach Kräften zu verhindern.
"Es grenzt an Staatsversagen, wie die Fürsorgepflicht für die Bürger vernachlässigt wird. Wie viele Tote muss es noch geben, bevor die afrikanischen Staatschefs Interesse am Schicksal dieser Menschen zeigen?" Verblüffend! Man ersetze 'afrikanische Staatschefs' durch 'deutsche Polithasardeure' und beachte den Effekt...
Neben dem Ventil für einen Bevölkerungsüberschuss haben die Herkunftsländer der Asylbegehrenden ein anderes Problem: Gut Ausgebildete sehen noch weniger Hürden, in die aufnahmefähigen Arbeitsmärkte des Westens, im Besonderen Deutschlands zu migrieren. Was wie der Traum der Kartellparteien nach der Zuwanderung von Fachkräften erscheint - so war dies in der Entwicklungspolitik als Brain Drain seit Jahren bekannt: Die Herkunftsländer verlieren die Leute, die am ehesten in der Lage wären, das Land und die nationale Wirtschaft nach vorne zu bringen. Es ist also müßig zu fragen, ob denn nun tatsächlich auch Fachkräfte unter den Migranten sind oder nicht: Jede Antwort hat einen sehr üblen Beigeschmack.