In der ZEIT stellt Ferdos Forudastan, Moderatorin bei WDR und DLF, die Frage, warum sich Deutsche schwer tun, Migranten differenziert zu betrachten, und stattdessen alle wie Türken behandeln.
Nun ja, würde man nicht, wie sie im Text beklagt, entlang den ethischen Grenzen statt entlang den sozialen urteilen, dann wäre sie die Upper-Class-Journalistin, die auch noch einen falschen Genitiv nach entlang verwendet und an den Unterschichten vorbeischreibt, und nicht die Tochter eines Iraners; den Text aber wollte man von ihr in ihrer letzteren Funktion.
Ihre Beobachtung trifft zu, aber dass die Öffentlichkeit von dieser Haltung abrückt, das wird nichts. Das würde an einem Gründungsmythos der multigesellschaftlichen Kultur rütteln. Es gibt die Minderheiten, die toleriert und gefördert werden müssen, und die Mehrheit, die sich dank Toleranz als solche fühlen kann und schuld ist, wenn was hakt.
Will man anfangen zu differenzieren zwischen den verschiedenen Migrationshintergründen, wo soll das enden, beim Individuum? Sind demnächst die Leute selbst verantwortlich für ihre Kinder?
Wenn Asiaten trotz kultureller und ethnischer Verwandtschaftslosigkeit es schaffen, durch eigene Leistung aufzusteigen, kann man kaum noch darlegen, wieso Araber so gezielt diskriminiert sein sollen, dass sie weder in Vierteln, in denen sie die Minderheit noch wo sie die Mehrheit stellen, aus Dauerbenachteiligung herausfinden können.
Vielleicht sind es auch nicht die verallgemeinerten Deutschen, vielleicht ist es eine soziale politische Schicht. Um die Migranten geht es ja gar nicht. Sie sind der soziale Puffer. Politik richtet sich an Loser, und die umgeben sich gern mit noch größeren Losern, die in Unmündigkeit und Abhängigkeit gehalten werden.