Wolfram Weimer / 09.05.2014 / 17:03 / 4 / Seite ausdrucken

Mietpreisbindung ist Bonsai-Sozialismus

Nach Mindestlohn und Rente mit 63 bereitet die Große Koalition das nächste linke Projekt vor. Die Mietpreisbindung soll Gesetz werden. Dabei schadet das Projekt genau jenen, denen es helfen soll

Heiko Maas sollte sich einmal mit Diokletian beschäftigen. Der römische Kaiser - traurig berühmt als brutaler Christenverfolger - führte im Jahr 301 die erste Lohn- und Preiskontrolle der Welt ein. Unter Androhung der Todesstrafe sollte sein Edikt sprunghaft steigende Preise drosseln. Doch Diokletian scheiterte mit der staatlichen Preiskontrolle kläglich. Durch die gesetzliche Preisbremse verschwanden die betroffenen Produkte langsam vom Markt. Die Knappheit der Güter nahm zu, Schwarzmarktpreise stiegen umso schneller und das Gegenteil des Erhofften trat ein. Seit zwei Jahrtausenden gibt es immer wieder Nachahmer Diokletians und seiner Preisbremsenpolitik, und sie alle sind am gleichen Problem gescheitert.

Heiko Maas – als sympathisch-katholischer Saarländer und Todesstrafengegner eher eine Art Anti-Diokletian - könnte sich also den größten Fehler seines politischen Lebens ersparen, wenn er die Finger von staatlichen Preiskontrollen ließe. Macht er aber nicht. “Wohnungen sollen auch in Ballungsräumen bezahlbar bleiben”, fordert der frisch gebackene Bundesjustizminister. So weit, so gut. Doch dann kommt der Diokletian-Fehler: “Deswegen darf die Miete bei Wiedervermietungen nicht über zehn Prozent der ortsüblichen Vergleichsmiete erhöht werden.”

Heiko Maas will in Deutschland die große Mietpreisbremse einführen, und zwar schnell. Bis Ende Mai haben die Bundesländer nur noch Zeit, zu seinem Gesetzentwurf Stellung zu nehmen. Das Kabinett soll das Gesetz noch vor der Sommerpause auf den Weg bringen.
Die Immobilienbranche läuft inzwischen Sturm gegen die Mietpreisbremse und überbietet sich in vernichtender Kritik. Nun hat die Branche den Ruf von Vorstadtrockern, so dass kaum einer die Verbände hört. Man vermutet Bauspekulanten, Gierinvestoren, Makler- und Immobilienhaie, denen man ruhig einmal gesetzliche Preiszügel anlegen könne. Ihre Argumente werden ignoriert. Dabei haben sie mit ihren Mahnrufen einfach nur Recht.

Das Hauptproblem besteht darin, dass eine Mietpreisbremse letztlich dazu führt, dass Investitionen in den Wohnungsbau tendenziell gedrosselt werden. Das Angebot wird also nicht erweitert, die Knappheit verfestigt sich, das Problem spitzt sich zu. Eine Mietpreisbremse schadet am Ende just jenen, denen sie eigentlich helfen soll. Vier Effekte spielen dabei eine Rolle:

Erstens wird durch Mietpreisbremsen die Wohnqualität sinken, weil Vermieter einen sinkenden Anreiz haben, bei einem Mieterwechsel aufwändig zu renovieren. Je stärker die Mietpreise staatlich gedeckelt werden, desto dürftiger werden Gebäude und Wohnraum intakt gehalten. Den Extremeffekt dieser Politik konnte man an den Häusern in der DDR beobachten.

Zweitens bremst eine Mietpreisbindung die Neubauinvesitionen, auch wenn die Deckelung erst ab der Zweitvermietung gültig wird. So oder so werden die Ertragsaussichten geschmälert, der Investitionsanreiz also gesenkt.

Drittens wird es langfristig weniger Mietwohnungen geben, denn Investoren werden bei sinkenden Renditen eher verkaufen als weiter vermieten. Die Abnahme des Mietraumes kann man in Ländern mit langjährigen Mietpreisbremsen gut beobachten. In Spanien zum Beispiel verschwand letztlich sogar die Masse der Mietobjekte zugunsten von Eigentumswohnungen.

Viertens sorgt eine Mietpreisbremse für die Enstehung eines grauen Mietmarktes, auf dem Vermieter die Gängelung zu umgehen versuchen. Von absurden Abstandszahlungen für Einbauten bis zur systematischen möblierten Vermietung (in Österreich konnte man das studieren) reicht dann das Spektrum eines deformierten Marktes, der nicht mehr frei organisiert ist. 

Alle vier Effekte schaden am Ende den Mietern. Für sie wird die Lage mit einer Mietpreisbremse eher schlechter als besser. Nach einer Umfrage des Bundesverbandes Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen (BFW) befürchtet fast die Hälfte seiner Mitglieder (47 Prozent), dass der positive Trend bei den Baugenehmigungen im kommenden Jahr einbrechen wird. Allein aufgrund der Ankündigung der Mietpreisbremse sähen 41 Prozent der rund 1600 im BFW zusammengeschlossenen Wohnungs- und Immobilienunternehmen für 2015 negative Auswirkungen für die Baufertigstellungen. Von den BFW-Mitgliedern wollen 60 Prozent ihre Investitionstätigkeit verringern.

Dabei steigt die Zahl der Baugenehmigungen und Fertigstellungen erst seit 2010 wieder, nachdem 2009 nur 159.000 Wohnungen gebaut worden waren und damit weniger als halb so viele wie noch 2001. 2013 wurden rund 270.400 Wohnungen genehmigt, 12,9 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Das reicht aber nicht aus, um die Lage auf den Wohnimmobilienmärkten spürbar zu entschärfen.

Anstatt den Mietmarkt zu verbarrikadieren, sollte die Politik besser die Rahmenbedingungen für Neubauten fördern. Denn die Ursache für hohe Mieten sind mangelnder Wohnraum. Durch das Ausweisen von mehr Bauland und die Verkürzung von Genehmigungsverfahren könnte ein Bauboom in Deutschland ausgelöst werden, der Mieter unmittelbar entlastet. Nichts hilft geplagten Mietern mehr als möglichst viele neue Immobilien.

Die Mietpreisbremse hingegen verschärft – wie weiland bei Diokletian – nicht bloß die Knappheit. Sie provoziert auch noch massenhaft Ärger. Denn einmal mehr greift den Staat mit komplizierten Gesetzen und ausufernden Ausführungsverordnungen in das Alltagsleben der Bürger ein. Dieses Gesetz wird tausendfache Streitigkeiten auslösen, Gerichtsverfahren nach sich ziehen, es wird Heerscharen von Rechtsanwälten und Gerichten beschäftigen. Es ist ein klassischer Kurzschluss linken Denkens, dass man über Preisreglements Knappheiten bekämpfen könne. Die Mietpreisbremse ist nichts anderes als Bonsai-Sozialismus.

 

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Martin Schorr / 12.05.2014

Die Mietpreisbindung wird an einer sog. Gentrifizierung heruntergekommener Viertel nichts ändern, da der vorsichtige Vermieter bei einer Neuvermietung natürlich weiterhin dem solventesten Mietinteressenten den Zuschlag geben wird. Dieser hätte sich die betroffene Wohnung im Zweifel wohl auch ohne Preisdeckelung leisten können. So bleibt als Effekt der Mietpreisbindung eine finanzielle Entlastung gut bestallter Mieter bei gleichzeitiger Reduzierung der verfügbaren Mittel zur Instandhaltung einer Immobilie. Ob das im Sinne der Erfinder der Mietpreisbremse ist, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Gero Wiessner / 12.05.2014

Gerade die CDU macht alles mit, was die Sozialisten auch nur irgendwann vorschlagen könnten. Wer immer noch glaubt, dass die CDU unter Merkel öko-sozialistisch geworden ist, dem kann man nicht helfen.

Klaus Kalweit / 10.05.2014

Man sollte doch nicht übersehen, daß die gleichen Politiker, die jetzt das aufkommende Problem steigender Mieten aufgrund steigender Nachfrage mit staatlicher Gängelung in den Griff kriegen wollen, diejenigen sind, die die ständig steigende Zuwanderung nichtkompatibler Menschen, die schon mehrfach bewiesen haben, daß sie sich nicht mit Schlichtwohnungen, natürlich kostenlos, anspeisen lassen wollen, zulassen, ja sogar fördern und fordern. Ich bin gespannt, wie in zehn Jahren das Wohnungsproblem aussehen wird, wenn die Entwicklung weiter fallender Renten der jetzt noch arbeitenden Menschen sich so fortsetzt wie geplant.

Wolfgang Schmid / 09.05.2014

Gerade am Prenzlauer Berg, in dem jetzt so viel über die bösen Schwaben geschimpft wird, die gentrifizierend die Preise nach oben drücken, konnte man doch über 50 Jahre lang sehen, wohin es führt wenn man aus sozialen Gründen die Mieten auf lächerliches Niveau senkt: Die Häuser wurden nicht nur nicht zyklisch renoviert, sondern systematisch heruntergewirtschaftet, bis aus einst herrschaftlichen Gründerzeithäusern sozialistische Ruinen wurden. Und in diesen heruntergrutschten Vierteln konnte sich dann irgendwann auch eine meinungsführende Klientel solch ehemals wunderbaren Altbauwohnungen leisten, die niemals großbürgerliche Einkommen erzielte. Und natürlich wehren sich diese Mieter jetzt auch dagegen, in eine “normale” Wohnung umziehen zu müssen, die sie sich mit ihrem schmalen Einkommen leisten könnten. Aber da hilft auch kein Neubauprogramm am grünen Stadtrand - denn man ist selbstverständlich lieber mittendrin auf niedrigem Niveau als in der Peripherie in der nagelneu renovierten Platte. Ich kanns ja verstehen…

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