Wie steht es nun um die Bewegung, die sich „Occupy Wall Street“ nennt? Auf den ersten Blick ist der Zucotti Park, wo sich die Besetzer eingenistet haben, eine lebendige Angelegenheit, die wenig aggressiv wirkt. Es treiben sich dort die obligatorischen Bongo-Nervensägen, Selbstdarsteller, Rasta-Haare und Jugendliche mit selbstbemalten Army-Parkas herum. Gegenwärtig würde ich nicht von einer irgendwie signifikanten Bewegung sprechen. Auf dem Platz befinden sich maximal 600 Menschen, es ist aber schwer, dies genau festzustellen, weil aufgrund der Nähe zu Ground Zero viele Touristen kommen und gehen, stehen bleiben und Fotos machen.
Ein Gang durch die Reihen von Schlafsäcken und Plastikplanen verrät einem, dass einige der Besetzer auch schon länger keine Dusche mehr besucht haben, es riecht ein wenig streng. Alleinunterhalter und spontane Zusammenschlüsse von Musikern machen so etwas Ähnliches wie Musik, die einem nach kurzer Zeit die Ohren bluten lässt. Es gibt eine Verpflegungsstation, oder wie man unter deutschen Linken sagen würde Volksküche bzw. VoKü, die einige, aber wohl nicht alle Besetzer verpflegen kann. Der Rest versorgt sich bei den Falafel und Hot Dog Ständen, die hier geschäftstüchtig eine lukrative Einnahmequelle gewittert haben. In der Mitte des Platzes befindet sich eine Art Medienzentrum, dort sieht man die neuesten Produkte der kapitalistischen Gesellschaft, dutzende Laptops, MacBooks , Smart- und Iphones, sowie Kameras und Mikrofone. Alles ein bisschen improvisiert, aber doch professionell…
http://geniusloci.blogsport.de/2011/10/05/wunschdenken-in-der-besetzten-zone/