Julian Tumasewitsch Baranyan, Gastautor / 11.12.2015 / 10:30 / 1 / Seite ausdrucken

Merkel auf dem Podest vor dem IS-Schlächter und dem Pöbelmilliardär

Von Julian Tumasewitsch

Liebe Merkelisten, ihr habt Grund zu feiern! Das Time-Magazine hat eure Kanzlerin, der ihr mit einer Ergebenheit folgt, dass Kim Jong-un vor Neid erblasst, zur “Person of the year” gewählt. Sie hat dabei harte Konkurrenz wie Abu Bakr al-Baghdadi und Donald Trump auf die Plätze verwiesen und bekommt einen Titel, den vorher Politgrößen wie Hitler, Stalin (zweimal!), König Faysal von Saudi-Arabien, Ayatollah Khomeini, George W. Bush oder “Der Computer” verliehen bekamen.

Gibt es etwas Höheres, was man als Politiker erreichen kann?

Auch von mir allerherzlichsten Glühstrumpf an die Bundesangie und ihre Jubelgermanskis;-)

Aber ein wenig muss ich euch dann doch die Suppe versalzen! Nein, keine Angst, ich habe nach reiflicher Überlegung letztendlich doch davon abgesehen, das Time-Magazine zu bestechen, damit es die Wahl rückgängig macht, und Merkel durch meinen Favoriten Krampus ersetzt.

Es ist vielmehr so, und jetzt kommen wir zum ernsten Teil meines Statements, dass die Begründung des Time -Magazines schlichtweg falsch ist.

Darin heißt es: “Es ist selten, einem / einer Anführer/in bei dem Prozess zuzusehen, eine alte und quälende nationale Identität abzulegen”.

Genau das tun Merkel und ihre Regierung nämlich nicht! Im Gegenteil, sie führen das Land mit medial ausgeklügeltem preußischen Drill und auch ansonsten sind Außen- und Innenpolitik eine konservative Rückkehr zur altpreußisch-monar(s)chischen Herrschaftsidentität. Merkel und ihre Truppe führen Deutschland im Stile von preußennostalgischen (An-) Führern, dass Kaiser Wilhelm vor Neid erblassen würde! Sie kehren außenpolitisch durch leidenschaftliche Liebestänze und bedingungslose Treueschüre mit islamistischen Regimen im Nahen und Mittleren Osten bei gleichzeitiger Feinseligkeit und Anmeldung von Kolonialallüren gegenüber Osteuropa zu der Politik zurück, die Wilhelm II. schon vor mehr als 100 Jahren verfolgte.

Sie gehen sogar noch einen Schritt weiter, was den Herren Kaiser (nein nicht der Beckenbauer), der am Ende seiner Tage antisemitische Hassschriften von seinem niederländischen Exil aus verfasste, besonders freuen dürfte. Sie weiten die altpreußische Außenpolitik auf die Innenpolitik aus. Zusammenarbeit auf allen Ebenen mit radikal-sunnitischen Verbänden heißt das Gebot der Stunde. Und wehe ein Querulant von orthodox-christlichem Einwanderer, Yeziden, Aleviten, Polen, Tschechen, Slowaken, Zentralrats Präsident der Juden und so fort stellt das in Frage! Dann kommen sie, die selbsternannten Sittenwächter der Bundesmutti, und klagen an. Wer was gegen die Person des Jahres und ihre Politik hat, muss der AfD und/oder PEGIDA nahe stehen. Ob er/sie selbst etwas davon weiß, ist egal. Wer Angie liebt, muss es besser wissen.

Glaubt das oder begebt euch ins intergalaktische Exil zu Darth Vader und der dunklen Seite der Macht.

Julian Tumasewitsch Baranyan (30) hat Linguistik und Politologie in Gießen studiert und bereist als selbsständiger Handelsvertreter inbesondere die frankophone Welt

Siehe auch hier.

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Leserpost (1)
Wolfgang Schlage / 12.12.2015

Wahl von Frau Merkel als “Person of the Year”: ein interkulturelles Missverständnis Ich stimme der Analyse von Autor Julian Tumasewitsch in weiten Teilen seiner Analyse nicht zu. Der Grund, dass Frau Merkel von TIME zur “Person of the Year” gekürt wurde, liegt einfach an der US-amerikanischen Perspektive des Flügels der “liberals” dort (bitte nicht verwechseln mit den hiesigen “Liberalen”): die sehen Frau Merkel - als Vertreter der “diversity” gegen die Abschottungspolitik eines Donald Trump, - als Vertreterin erneuerbarer Energien gegen ihre republikanischen Kohle-Barone und Öl-Interessen, - als Bewahrerin europäischer Einheit in Analogie zu ihrem verehrten Präsidenten Lincoln, der ja die Einheit der USA erhalten hat, und letztlich als - europäische Führungsfigur—US-Amerikaner haben etwas für Führungsfiguren übrig, die sie dann wie ihre eigenen verehrten Präsidenten sehen. Kurz und gut: die TIME-Journalisten haben also einfach ihre US-Weltsicht auf Frau Merkel projiziert, und sie haben noch nicht mitbekommen, - dass Frau Merkels Umweltpolitik nicht funktioniert, - dass sie Europa durch Euro und Flüchtlingspolitik zerstört, - dass nach Europa andere Muslime einwandern als in die USA und dass der sich in Europa breitmachende Islam demokratiefeindlich ist (etwas, das die Muslime in den USA bisher jedenfalls nicht sind) und dass Frau Merkels angebliche Führungsstärke in Wirklichkeit darin besteht, den Weg des geringsten Widerstands zu gehen. Die Wahl von Frau Merkel als “Person of the Year” ist einfach ein interkulturelles Missverständnis.

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