Thomas Rietzschel / 01.01.2017 / 12:23 / 13 / Seite ausdrucken

Merkel: Alles paletti, alles richtig gemacht

„The same procedure as every year.“ Das immer Gleiche in der selben Reihenfolge. Zuerst der große Spaß, wenn Miss Sophie mit Gästen tafelt, die nur noch in ihrer Einbildung leben. Danach die schwere Prüfung: Sieben Minuten Merkel am Stück. Die Auflistung eingebildeter Erfolge, verquickt mit der Ermahnung des Volkes zur Zuversicht. Dazu das sorgfältig geschminkte Lächeln, abwechselnd mit dem Ausdruck der Kränkung, einem Anflug von Schmerz, der die Landeskinder belehrt, es der Landesmutter nicht schwerer zu machen, als sie es ohnehin schon hat.

Schließlich war es gerade im abgelaufenen Jahr für die Kanzlerin „bitter und widerwärtig“ genug, dass „Terroranschläge von Menschen begangen“ wurden, die sie, Angela Merkel, eingeladen hatte „in unserem Land angeblich Schutz zu suchen“. Und was hat sie nicht sonst noch alles getan, für die „Europäische Union“ oder die „parlamentarische Demokratie“. Immer wieder ist es ihr gelungen, den Abgeordneten da wie dort die Arbeit abzunehmen, indem sie sich über das umständlich zu handhabende Recht hinwegsetzte, selbst ohne viel Federlesens entschied, worüber man in Brüssel wie in Berlin unendlich lange hätte beraten müssen. Die Glück der Willkommenskultur, die Energiewende, den florierenden Schuldentransfer innerhalb der EU - alles verdanken wir dem entschlossenen Handeln unserer unermüdlich vor sich hin regierenden Bundeskanzlerin.

Alles paletti, alles richtig gemacht. Selbst für die Zukunft bestehen die besten Aussichten. Denn 2017 will es die Gelobte noch richtiger, am richtigsten machen. Wenn wir ihr nur weiter vertrauen, unsere Lebensart im Fußballstadion oder auf dem Oktoberfester mit Spaß an der Freude verteidigen, dann werden sogar die Terroristen vor „unserer Mitmenschlichkeit und unserem Zusammenhalt“ kapitulieren, sich frustriert von dannen schleichen. „Zerrbilder“ zeichnet, wer daran nicht glauben will. Auch das hat uns die Kanzlerin jetzt abermals versichert: „The same procedure as every year“, überlagert vom leicht muffigen Geruch vertrauter Selbstbeweihräucherung.

Gegen Ende der Litanei wieder die höfische Tonart

Kein Wort Angela Merkels, nichts in ihrer Neujahrssprache, das lohnte, in Frage gestellt zu werden. Lässt doch sogar Dieter Bohlen gegenüber seinen „Superstars“ bisweilen Gnade vor Kritik ergehen, weil er weiß, wie aussichtslos es ist, einem „Bekloppten“ klar machen zu wollen, dass er „bekloppt“ ist. 

Schwamm drüber könnte man wie bei den Neujahrsansprachen mancher von Merkels Amtsvorgängern sagen, hätte sie nicht gegen Ende ihrer Litanei wieder die höfische Tonart angeschlagen. Ohne mit der Wimper zu zucken, schrieb sie es sich als „Ehre“ zu, „unserer Demokratie und damit den Menschen zu dienen“. Knappe neun Monate vor der drohenden Bundestagswahl sollte das vermutlich eine Verbeugung vor dem Volk sein. Tatsächlich war es eine neuerliche Anmaßung, eine, die verrät, wie es in der Frau denkt.

Wer um alles in der Welt mag ihr nur diesen Floh ins Ohr gesetzt haben.

Handelt es sich doch bei dem, was sie tut, weder um eine ehrenamtliche Tätigkeit, noch hat sie den Job bekommen, weil ihr die Wähler eine Ehre erweisen wollten. Wie jeder Bundeskanzler zuvor ist Frau Merkel eine Angestellte, die auf der Lohnliste des Volkes steht. Nicht mehr und nicht weniger. Mit einem befristeten Vertrag steht sie in Diensten der Bürger, die ihren Teil des Vertrages erfüllen, indem sie erwirtschaften, was der Regierungschefin als Gehalt zusteht. Dafür hat sie sich per Amtseid gegenüber dem „deutschen Volk“ verpflichtet, seinen „Nutzen“ zu mehren und „Schaden von ihm“ abzuwenden. 

Davon , dass sie das bisher getan hat, mag Angela Merkel selbst überzeugt sein. Ich bin es nicht. Ihr Ehren-Schmus, halten zu Gnaden, verträgt sich nicht mit der Rationalität der Demokratie, nicht einmal in einer pathetisch aufgeschäumten Neujahrsansprache. Aber die Rede galt ja auch nicht mehr dem Bürger - der Untertan sollte sie sich zu Herzen nehmen. In diesem Sinne: Prosit Neujahr! 

Und hier die ganze Rede der Kanzlerin: 2016 war ein Jahr schwerer Prüfungen. Darüber möchte ich heute Abend zu Ihnen sprechen.

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Leserpost

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Klaus-Dieter Ohström / 01.01.2017

Drei Worte in der Ansprache hätten genügt “Ich trete zurück” Alles ander war verlogene Zeitverschwendung.

Peter Hoff / 01.01.2017

Kanzleransprache CDU-Propaganda? Ein Blick nach Dänemark hilft da weiter: In Dänemark bewegt sich immer wieder etwas: Hier hat es die letzte Neujahrsansprache eines Ministerpräsidenten gegeben. Da sie an das gesamte dänische Volk gerichtet ist, der Ministerpräsident jedoch nicht neutral ist sondern seine Partei vertritt, ist das nicht mehr zeitgemäß. 1941 war die erste Ansprache, Dänemark war damals besetzt. “Das Volk soll zusammenhalten…” . Vielleicht sollte man Merkels Ansprache deutlich als CDU-Propaganda kenntlich machen, oder sie ersatzlos streichen.

Hans Meier / 01.01.2017

Ich bin übrigens überzeugt, die Klugen und Integeren in Deutschland sind eine sehr dünne Schicht im Bevölkerungsteil, aber sie sind die Aktiven, die es in der Hand und im Hirn haben, das Neue, zu erschaffen. So wie viele Musiker miteinander zusammen spielen, weil es Komponisten gibt und Dirigenten, oder auch Schauspieler, Drehbuch-Autoren und Regisseure. Unsere politischen „Anti-Talente“ mit Merkel an der Spitze „schießt sich selbst ab“, da bin ich mir ganz sicher, sie kann gar nicht mehr aus den vielen Fallen entkommen, die hat sie zwar für ihre Gegner gebaut und aufgestellt, weil sie sich für raffiniert hält. Aber nun schnappt ständig eine Türe nach der anderen zu und ihr Spielraum, wird immer kleiner werden, bis sie ganz allein im Berliner Reichs-Stall steht, weil ihr die Stall-Knechte davonlaufen. Und das werden wir im neuen Jahr erleben, Alles Gute!

Karl-Heinz Vogt / 01.01.2017

Aber, aber, Herr Rietzschel - man kann es auch umgekehrt sehen. Selten so gelacht wie bei der Neujahrsansprache. Das war Comedy par excellence. Ganz großes Kino. Wenn man es nicht besser wüßte, hätte man meinen können, Hape Kerkeling oder Helge Schneider seien zur Höchstform aufgelaufen.

Uta-Marie Assmann / 01.01.2017

Wenn die Situation nicht so ernst wäre und wenn die Schäden (für ganz Europa), die durch das verantwortungslose Handeln von Merkel entstanden sind - und weiterhin entstehen -, nicht so gross wären, könnte man das Ganze als dümmliche Selbstbeweihräucherung einer auch intellektuell überforderten Kanzlerin abtun.  Nach wie vor stellt sie ihre Handlungen nicht infrage - täte sie dies, wäre ihr Rücktritt die logische Konsequenz. Ein Trauerspiel.

Harald Pieper / 01.01.2017

Was mich sehr erschreckt an dem “Nichtführungsstil” von Frau Merkel, selbst in ihrem unmittelbaren Umkreis, können doch nicht alle das Gehirn ausschalten, und wenn dann seit Monaten alle ohne Gehirnströme hainvegetieren, sollen sie ihre Diäten zur Verfügung stellen!! Alle Wahlprognosen zeigen ein düsteres Bild, sie verschwendet unser Geld in alle Richtungunden und es geht weiter bergab. Unsere Renten hätten allen “Alten” heute und in Zukunft ein wahrhaftes leichteres Leben gestatten können.  Das Geld wäre in Deutschland geblieben, der Kreislauf hätte den Wohlstand für alle erhöht. Und ohne Nullzinspolitik, müßte kein alter Mensch sich zum Arzt quälen. Taxi ala Flüchtling hätte ich diesen Menschen gegönnt., sowie Obdachlosen eine Gleichbehandlung. So hat Merkel und ihre Debutatsarbeiter uns Deutsche entgegen ihrem Amtseid aus ihrem Tätigkeitsfeld gelöscht. Und sie stellt sich hin als Erlöserin, welch traurige Erscheinung.

Karla Kuhn / 01.01.2017

“........ alles verdanken wir dem entschlossenen Handeln unserer unermüdlich vor sich hin regierenden Bundeskanzlerin.” Erst mal ein gutes Neues Jahr. Das schlimmste, nicht nur an dieser Rede, sondern an Frau Merkels Einstellung generell ist: Sie scheint, bzw. ist 100% von sich selber überzeugt.  Ich finde das ganz furchtbar. Einsicht ? Was ist das ? Warum geht diese Frau nicht endlich in den “wohlverdienten” Ruhestand.  “Handelt es sich doch bei dem, was sie tut, weder um eine ehrenamtliche Tätigkeit, noch hat sie den Job bekommen, weil ihr die Wähler eine Ehre erweisen wollten. Wie jeder Bundeskanzler zuvor ist Frau Merkel eine Angestellte, die auf der Lohnliste des Volkes steht. Nicht mehr und nicht weniger.” Das scheint Frau Merkel total entfallen zu sein aber nicht nur ihr, sondern den meisten der “Politkaste” Und so benehmen sich manche auch uns gegenüber.

helle diefenbach / 01.01.2017

Exakte, kernige Analyse von Thomas Rietzschel über die Art und Unart einer hoch fliegenden Kanzlerdarstellerin.

Tonicek Schwamberger / 01.01.2017

Herr Rietzschel, ich habe mir die Rede angesehen und -gehört -  nicht etwa mit Spannung u. auch nicht mit der Erwartung, etwas Neues gesagt zu bekommen. Sie haben Recht,: Der Tenor lautete “Alles paletti -  alles richtig gemacht”. Obwohl ich das erwartet hatte, war ich doch schon enttäuscht, hatte aber die Kraft, bis zum Ende zuzuhören. - Manchmal mußte ich auch wegschauen, da ich die Mimik nicht mehr ertragen konnte. Schade für uns, aber es war zu erwarten . . .

Albert Sommer / 01.01.2017

Ich darf Sie korrigieren Herr Rietzschel, es muss natürlich “Schreckensherrschaft” heißen, nicht einfach “Herrschaft”. Ihnen und der Achse ein gutes und gesundes neues Jahr.

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