Was in Berlin der „Aufstand der Anständigen“ war, waren jetzt „die Menschen“ in München, darunter die "Omas gegen rechts". Sie forderten uns dazu auf, „für die Menschen zu wählen“. Dieser Wahlwunsch wirft natürlich Fragen auf.
Aber ehe ich darauf näher eingehe, weise ich als Wahlbayer darauf hin, dass die Münchener Demonstranten die Berliner um Längen geschlagen haben. 250.000, wenn nicht gar 320.000 zu 160.000. Das ist ein Sieg um runde und satte 100.000. Ob es sich bei den 100.000 nur um Menschen oder doch wieder um lauter Anständige gehandelt hat, will ich erst einmal offen lassen.
Jedenfalls ist es ein schöner Sieg, wie ihn nicht mal Bayern gegen Hertha schafft. Aber es ist ein Sieg, den Markus Söder, der gerne siegreiche, nicht für sich in Anspruch nehmen kann. Die Münchener Demonstranten waren zwar streng überparteilich, aber nicht für die CSU. Und schon gar nicht für Friedrich Merz, den Brandmauerschänder der CDU. Er war auf einem Plakat sogar gehörnt als Teufelchen zu besichtigen.
Bei dieser gewissen – streng überparteilichen – Distanz zu den Unionsparteien handelte es sich in erster Linie um einen einfachen Akt der Höflichkeit und Dankbarkeit. Schließlich wurden die Demonstranten mit jeder Menge Staatsknete aus den Häusern Rot und Grün finanziert. Da wäre es ausgesprochen unfein gewesen, wenn sie dann auch noch die CDU und die CSU in die Aufforderung eingeschlossen hätten, „für die Menschen zu wählen“.
Ich bin nur ein Opa und obendrein ohne fest fixierten Kompass
Womit wir bei der Frage wären, wer denn die Menschen sind, für die wir wählen sollen. Gehöre ich auch dazu? Bei den „Anständigen“, die in Berlin aufgestanden sind, habe ich feststellen müssen, dass ich da nicht reinpasse, weil ich der Aufforderung, gegen Rechts zu marschieren nicht nachgekommen bin. Aber „für die Menschen wählen“ – dafür könnte ich mich durchaus erwärmen. Ja, ich wüsste nicht einmal für wen ich sonst wählen sollte. Irgendwie sind wir ja alle Menschen, ob man nun marschiert oder nicht. Man muss kein Marschmensch sein, um für die Menschen zu wählen.
Oder doch? Bei den ebenfalls staatlich mitfinanzierten „Omas gegen rechts“, die in München auch dabei waren, kommen mir erste Zweifel. Ich bin zwar nur ein Opa und obendrein ohne fest fixierten Kompass. Aber die Frage ist: Hätte ich bei den Omas mitmachen können, wenn ich zum Standesamt gegangen wäre und mich – der rotgrünen Regierung sei Dank – als Oma hätte umbuchen lassen? Von Amts wegen wäre das kein Problem gewesen. Aber da ist es dann wieder, dieses ewige Marschieren. Wo ist denn da der Unterschied zu den Berliner Anständigen, die mich wegen Nichtmarschierens zur Unanständigkeit verdammt haben? Wäre ich, da ich nicht mitmarschiert wäre, dann nicht doch nur eine Scheinoma? Der alte Opa, nur halt mit Oma-Schein?
Kurz: Es wäre ziemlich sinnlos, Oma zu werden und dann nicht mitzumarschieren. Eine anständige Oma, wie es scheint, marschiert nun mal. Also wäre ich keine anständige Oma. Was tun? Na ja, so schlimm wäre die Umbuchung zur Oma auch wieder nicht gewesen. Ich hätte mich ja – dank der rotgrünen Regierung – nach einem Jahr wieder in einen Opa zurückbuchen können. Es sei denn, die neue schwarz geführte Regierung lässt das dann nicht mehr zu. Dann hätte ich den Salat gehabt.
Und die Gefahr, dass die nächste Regierung schwarz geführt wird, ist ja groß. Zwar gehe ich davon aus, dass Rot und Grün in den verbleibenden Tagen ihre sämtlichen Wähler zum Demonstrieren auf die Straßen Deutschlands schickt, von den Anständigen bis hin zu den Omas. Da kommt sicher einiges zusammen. Aber es wird hinten und vorne nicht reichen, um den teuflischen Merz vom Kanzleramt fern zu halten.
Tja, so ist das Leben. Da fordern die Demonstranten die Leute ganz lieb auf, für die Menschen zu wählen. Und was tun die Menschen? Sie wählen die Menschen, die gar nicht gemeint sind.
Rainer Bonhorst, geboren 1942 in Nürnberg, arbeitete als Korrespondent der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) in London und Washington. Von 1994 bis 2009 war er Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen-Zeitung.

Schön, wie die „Omas gegen rechts e.v.“ genauso wie der „Lebensborn e.v.“ organisiert sind. Liebe angebl. angebl. „Omas“, ihr kommt leider zu spät…
Haben viele von denen früher nicht mal „Mein Bauch gehört mir“ demonstriert, haben die Kinder und sind die überhaupt Oma?
Zum Glück hat mich noch keine von denen zum „Mitmarschieren“ aufgefordert. Ich würde sie zunächst fragen, wie viele Enkelchen sie denn hätte, und wenn ja, warum sie dann nicht mit ihnen im Park spazieren gehe oder ins Hallenbad bzw. Freibad. Ich kann mir jetzt schon vorstellen, was sie antworten würde („aber da kann ich doch nicht hin, da ist es doch so gefääääährlich!“). Tja. Genau solche, die damals willkommenrufend mit Bärchen und Bonbons am Bahnhof standen ….
Trotzdem bleibt aber die Frage, wer diese Menschen sind, die man verführt hat oder die sich selbst verführen wollten und was diese sonst so den lieben langen Tag tun. Wer sich nach getaner wertschöpfender Arbeit an einem freien Tag erholen will, der ist mit großer Wahrscheinlichkeit weniger bei solchen Aufmärschen (Demonstrationen sind ja gegen die Regierenden) dabei.
Andererseits braucht es schon viel Überzeugungskraft, um normale Deutsche auf die Straße zu bringen. Gegen den brutalen Hamas-Überfall gelang das beispielsweise nicht. Da waren diejenigen in der Mehrheit, die das als Symbol für ihren Kampf „From the River to the Sea“ ansahen. Und auch gegen die 761 Gruppenvergewaltigungen, die nach Herrn Klamroth auch ein australischer Austauschstudent begangen haben könnte und auch gegen die „gewöhnlichen“ Vergewaltigungen, die alle überdurchschnittlich von einer bestimmten Bevölkerungsgruppe ausgingen, ja Frau Klöckner es waren alles oder im Nachhinein vielleicht auch fast alles Männer, geht niemand auf die Straße.
Aber auch gegen die Silvesterzerstörer, allein in Berlin waren es 700 Festgenommene, erhob sich kein Protest. Aber sind wir hier froh, dass nicht auch da 100.000 gegen die Polizisten auf die Straße gingen, die durchgestochen hatten, dass von den mehrheitlich 400 Deutschen, wie die Berliner Zeitung stolz verkündete, doch fast 70% keine urdeutschen Vornamen hatten. Wenn schon keine Demo dagegen, dann gibt es doch wenigstens eine Untersuchung, wie das Ungeheuerliche geschehen konnte.
Die Omas gegen rechts. Ich frage mich: Haben diese Omas keine Lebenserfahrung gesammelt. Haben sie in ihrem langen Leben gar nichts dazu gelernt? Wollen die auch nicht mehr selber denken, wie so viele jüngere Leute oder können sie es nicht mehr altersbedingt? Wenn die Ursache altersbedingt ist, dann kann man ihr Tun vielleicht doch entschuldigen oder es mit Mitleid versuchen.
Liebe Omas für Rech… äh gegen Rechts, „Für die Menschen wählen“ (und damit gegen Tiere?) ist aber kein edler Slogan. Das wird die Tierschutzpartei aber viele Stimmen kosten!
Auf nordhessisch-direkt nett sich das, was , leider sogar im Massen-Plural, hier behandelt wird ist, kurz und bündig ‚TROCKENFUTT’.