Als wir vor fast 30 Jahren unser Haus in der Region Hannover bezogen, freute ich mich auf meinen ersten eigenen Garten und wollte alles richtig machen, also erstand ich auch Bücher über Bio-Gärten. Ich hätte gewarnt sein sollen, als ich in einem der Bücher auch Hinweise über die richtigen Termine für die Aussaat in Bezug auf Mondphasen und Sternenkonstellationen fand. Gewarnt deshalb, weil ich bei einem Besuch beim Friseur in einer der dort ausliegenden Zeitschriften, in denen das Thema auch behandelt wurde, Widersprüche zu den Empfehlungen des von mir erworbenen Ratgebers fand, insbesondere, welche Mondphasen die Aussaat von Blattgemüse fördern würden.
Weitere Recherchen ergaben dann, dass die verschiedenen Ratgeber sich nicht einig waren, was überhaupt wann zu welcher Sternenkonstellation oder Mondphase gesät oder gepflanzt werden durfte. Die hätten wenigstens voneinander abschreiben können, aber offenbar gibt es auch in diesen Kreisen verschiedene – also jetzt hätte ich fast „Denk“-Schulen geschrieben, besser wäre vermutlich der Begriff „Spökenkieker- Gemeinden“. Aber vermutlich sehen die alle andere Sterne, abhängig davon, was sie gerade geraucht haben, oder sie haben die Texte der Horoskope, die sie sonst für kostenlose Werbeblätter schreiben, gärtnerisch recycelt. Also habe ich mich nicht danach gerichtet. Aber schon damals habe ich nach einer Anleitung aus einem dieser Ratgeber – das vermeintliche spätere Insektensterben männlich-intuitiv voraus ahnend – ein Insektenhotel geschreinert, welches sich dann aber eher als Futterstation für Blau- und Kohlmeisen entpuppte:
Die holten sich dann die Larven aus den hohlen Schilf- oder Bambusstengeln und die Wildbiene schaute in die leere Röhre. Habe ich damit zum Bienensterben beigetragen? Man weiß es nicht. Apropos Meisen (ich meine die gefiederten, nicht die von Claudia oder Kevin): Die fand ich dann öfters festgeklebt und tot an den Leimringen, die ich gegen die verschiedenen Spannerarten um die Obstbäume gewickelt hatte, Leimruten halt, für Meisen attraktiv wegen der dort festgehaltenen Insekten, aber gelegentlich auch lebensverkürzend: Protestantische Arbeitsethik eben: Wer nicht im Schweiße seines Angesichts die Insekten selber fängt, sondern nach den niedrig hängenden Trauben greift, gehört bestraft. Sollte eigentlich auch für das „Wort zum Sonntag“ gelten.
Obst, nicht für Veganer geeignet
Ach ja, die Insekten. Die Leimringe sollen ja auch die Ameisen fernhalten, die sich in den Baumkronen Blattläuse in einer Art von Massentierhaltung halten, um sich von den süßen Sekreten ihrer Darmausgänge zu nähren. Funktioniert auch meistens, aber auf den Leimringen werden auch die Larven der Marienkäfer gestoppt, die fleißigsten aller Blattlausvertilger. Allerdings: Obgleich zeitgemäß im Frühherbst angebracht, helfen die Leimringe nur bedingt gegen Kirsch- oder Pflaumenmaden, auch die Apfelwickler lassen sich kaum aufhalten. Auch in den Bäumen aufgehängte Pheromonfallen, dann irgendwann angefüllt mit sexuell völlig frustrierten toten Männchen, halfen nicht wirklich. Jedenfalls ist in manchen Jahren unser Obst nicht für Veganer geeignet, jedenfalls sollte man vor dem Verzehr mal nachschauen.
Ich frage mich daher auch, ob als „vegan“ verkaufte Fruchtsäfte – vor allem die in „Bio-Qualität“ – wirklich das Werbeversprechen halten können. Hätte ich noch mein Labor an der Uni, würde ich eine Bachelorarbeit ausgeben, die erforschen sollte, ob sich in diesen Säften tierische Proteine nachweisen lassen. Wäre vermutlich genauso spaßig wie die Arbeit, in der eine Lehramtsstudentin in meiner Abteilung (Danke, Linda B.!) auf Bio-Kohlrabi das Bt-Toxin und die dazugehörige DNA nachweisen sowie lebende Bakterien von Bacillus thuringiensis isolieren konnte. Sollten wir mal publizieren, um die Bio-Bande, die ja so vehement gegen ebendieses Prinzip agiert, wenn es gentechnisch eingesetzt wird, mal aufzumischen …
Fazit: Ich habe seither stets einen kleinen Vorrat an den handelsüblichen, für den Hausgärtner zugelassenen Pflanzenschutzmitteln im (Garten-)haus, beteilige mich durch Jäten mit der Hand aber vollbiologisch an der Dezimierung der Biodiversität einer mich störenden Ackerbegleitflora.
Beitragsbild: Beercha Flickr CC BY 2.0 via Wikimedia Commons
Deprimierend! Diese Gärten - nix als Arbeit! Hehe, manchmal schreib ich auhc liebr aunig Sachen in Leserbriefspalten, als - - - im garten den rücken zu beugen, ne...
Pflanzenschutzmittel - ohhhh Sie Bienenmörder! Wenn das die Grünen Khmer hören, werden Sie exkommuniziert oder sogar Ihrer bürgerlichen Ehrenrechte beraubt!
Ja, und bei den Leimringen krochen die Ameisen im Apfelbaum nach kuerzester Zeit darunter durch.
Mondphasen fürs Blattgemüse.. Ja, da hätte man stutzig werden können. Ich hoffe weiterhin, dass bereits nach der ersten am Leimring klebenden Blaumeise diese Dinger abgenommen wurden? Die Meisenfütterung am *Bienenhotel* wiederum sehe ich eher als positiven Effekt. Und Blattlasuvertilger par excellence sind Wespen. Und Hornissen wiederum halten Wespen in Schach... Ein paat Bienenstöcke in Gartennähe lassen beide Populationen wachsen. Ansonsten braucht ein Garten ein paar Jahre, bis sich ein halbwegs stabiles Biotop bildet, wo *Schädlinge* und *Räuber* halbwegs ausgeglichen sind...Es geht im eigenen Garten dann tatsächlich ohne "einen kleinen Vorrat an den handelsüblichen, für den Hausgärtner zugelassenen Pflanzenschutzmitteln". Bei wirklich heftigem Blattlausbefall mache ich eine Mischung aus einem Liter Wasser, einem walnussgroßem Stück SCHMIERseife und einem Schluck Spiritus und verteile die mit einem Pumpsprüher. als Fungizid funktioniert die *Bordeaux- Brühe* wunderbar. Ja, ist Kupfer drin, sparsam anwenden. Stickstoffreiche Pflanzenbrühen für die Vitalität der Kulturpflanzen funktionieren (Brennessel oder Beinwell), ebenso hat eine Brühe aus Hollunderblättern, 14 Tage lang gegoren, einen temporären Effekt gegen Wühlmäuse, allerdings muss man die eigenen Geruchsnerven ausblenden. Silikatische Steinmehle, bei den Demeter- Jüngern ein Muss, funktionieren auch zur Verbesserung des Pflanzenwachstums. Man weiss jetzt auch, anders als zu Steiners Zeiten, warum: wohl im Wesentlichen durch Bodenbakterien werden geringe Mengen Kieselsäure gebildet, die im Boden gebundenen Phosphor pflanzenverfügbar machen. Ich behelfe mir mit Steinsand, *Urgesteinsmehl* braucht es nicht.... Fröhliches Gärtnern und immer etwas Eiweiss im Obst! Dann isses in Ordnung!
Haben Sie es denn schon einmal mit den in Veganer-Kreisen so beliebten Avocado probiert? Die wären dann aus echt regionalem Anbau. Hausgemacht, sozusagen. *g*