Rainer Bonhorst / 08.07.2019 / 16:00 / Foto: Eric Staller / 22 / Seite ausdrucken

Mein Coming-out als Öko-Egoist

Also gut, ich gebe auf. Auch ich werde demnächst Öko-Egoist. Warum soll ich mich länger gegen den allgemeinen Trend stemmen? So sehr ich meinen Diesel aus dem Hause Täuschen und Tricksen mit seinem geringen C02-Ausstoß auch liebe: So sauber wie ein E-Auto wird der nie werden. Jedenfalls nicht bei mir vor der Haustür. In meiner Stadt. Vor meiner Nase. Dass schafft nur ein E-Auto. Dass unsere E-Autos für andere Leute, nämlich für die dort hinten in Asien und dort unten in Afrika, eine ziemliche Schweinerei sind, kann ich leider nicht ändern.

Die armen Hunde in den Rohstoffländern, von denen ich das „E“ für mein künftiges E-Auto beziehe, tun mir ja irgendwie leid. Aber ich schließe mich der großen Mehrheit an und sage: E-Auto first! Donald Trump sagt ja schließlich auch: America first! Und ich sage: E first! Es lebe der Öko-Egoismus! Hauptsache unsere eigenen Innenstädte werden zu Luftkurorten.

Sicher, ideal ist es nicht, dass die Leute weit hinter der Türkei unter erbärmlichen Bedingungen nach den seltenen Erden buddeln, die wir für unsere dicken Autobatterien brauchen. Aber irgend einen Tod müssen wir sterben. Also, nicht wir, sondern die da hinten. Sorry. Aber ohne Lithium geht’s nun mal nicht. Und das gibt’s bei uns leider nicht. Das gibt’s nur da hinten. Wo es auch die neuen Kohlekraftwerke gibt, die man zur Lithium-Gewinnung einsetzt. Wir steigen zwar aus der bösen Kohle aus, aber das muss ja nicht für alle gelten. Für unsere saubere E-Mobilität sollen die anderen dort hinten ruhig wieder Kohle-Dreck machen. Sie dienen ja unserer guten Sache.

Und es tut mir auch leid, dass für die netten Kongolesen und ihre Kinderarbeiter die Kobalt-Gewinnung in ihrer demokratischen Republik so eine Sau-Arbeit ist. Wir sollten wirklich dankbar sein, dass die das für uns tun. Zum Glück brauchen sie selber ja keine E-Autos. Sie kriegen nun mal so wenig Geld für die Kobalt-Schufterei, dass dabei höchstens ein Fahrrad rausspringt. Ist ja auch ökologisch. E for future. Also für unsere Zukunft. Es kann ja nicht jeder eine haben.

Die Erde hat schon so viele Wüsten

Ein bisschen blöd ist auch, dass bei dieser Buddelei neue Wüsten entstehen. Andererseits: Die Erde hat schon so viele Wüsten, da kommt es auf ein paar mehr auch nicht mehr an. Wir wollen schließlich die Erde insgesamt retten und nicht einzelne Teile. Das heißt: unsere Teile schon. Mit dem Reinheitsgebot für unsere Lungen ist das wie mit dem Reinheitsgebot für unser Bier. Das gilt ja auch nicht überall. 

Suboptimal ist – zugegeben – auch, dass die E-Mobilität so viel Energie verbraucht. Schon die aufwändige Herstellung der supereffektiven neuen Batterien haut so richtig rein. Und dann dieser ständige Stromverbrauch, wenn Millionen E-Autos an den bald überall vorhandenen Ladestationen neuen Saft tanken! Da müssen wir uns, um der guten Sache willen, wohl auf gelegentliche oder häufigere Stromausfälle einstellen. 

Wirklich? Wir hier? Bei uns? Also, das stinkt mir schon ein bisschen. Lässt sich da nichts machen? Können die da hinten und die da unten die Stromausfälle nicht für uns übernehmen? Die sind doch daran gewöhnt. Die haben sowieso kein so tolles Stromnetz. Ließe sich da nicht eine Art E-Transfer einrichten? Wir verbrauchen den Strom und die kriegen den Stromausfall? 

Auf jeden Fall sollten wir es mit den ziemlich schnell verbrauchten Batterien so halten. Es wäre wirklich schon schön, wenn die da hinten und die da unten eventuell bereit wären, unseren giftigen Batterie-Müll bei sich endzulagern. Wir würden es ja selber probieren, aber wir müssen erst noch ein passendes Endlager für unseren Atom-Müll finden. Da muss sich doch ein Gegengeschäft organisieren lassen. Preisgünstiger Export unserer alten Benzin-Kutschen wäre die Lösung. Ach, der läuft schon? Na, also. Geht doch. 

Wenn der Dreck und die Not der anderen unsere Luft sauber macht, könnte man natürlich sagen: Das ist ein bisschen unsauber. Aber das muss ich als angehender Öko-Egoist aushalten. Denn wie heißt der Schlachtruf? E first!

Foto: Eric Staller GFDL via Wikimedia Commons

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Leserpost

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Sabine Lotus / 08.07.2019

Hans Rosling spricht (bzw. sprach) in seinem “Factfullness” von einer Neueinteilung: Anstelle 1. 2. 3. Welt wird nunmehr in 1. 2. 3 & 4. kathegorisiert. Die 1. fährt BMW,  (stellvertretend) die 2. Moppeds, die 3. Fahrräder und die 4. läuft. Wie viele an der sogenannten Welt 1 teilnehmen dürfen, bleibt wohl durchwegs konstant. Jedenfalls fand ich nichts anderslautendes. Der personelle Druck von Asien nimmt zu. Eigentlich dreht sich die Frage in diesem Land nicht mehr um den Autoverkehr, sondern wer hierzulande zukünftig Motorrad fährt, radelt oder läuft. Was irgendwelche Arbeitsbedingungen irgendwo auf der Welt angeht: Ja, Dreck. Viele BMW Fahrer machen (um BMW zu fahren) entsetzlich viel ‘Dreck’. Andererseits und bös: Wäre nicht die Billighoppflott Textilindustrie ‘dort’, die Shahindra unter 19. Jht. Deutschland industrieproduktions Bedingungen ermöglicht, ihre 3 Schwestern zur Schule oder vielleicht sogar Uni zu schicken mit ihren 3$ am Tag, hätten wir hier jetzt wieder weniger Konkurrenz auf dem ‘BMW Market’. Ist es das, was wir verurteilen sollen? Wir können uns drehen und wenden wie wir wollen. Wir werden niemals gut. Aber vielleicht gute Fußgänger.

Karsten Dörre / 08.07.2019

Nun seien Sie mal nicht so pessimistisch, Herr Bonhorst! Bis flächendeckend nur noch E-Fahrzeuge unsere Straßen bevölkern, vergeht mehr als ein Jahrhundert. Bis dahin wird die Innovation “E-Mobilität mit Lithium und Kobalt” der Verwesung zugeführt. Man darf sich Gedanken um heute machen, dass Diesel teurer gemacht werden soll, weil der Staat eine sichere und langlebige Einnahmequelle richtigerweise hellsieht.

Petra Wilhelmi / 08.07.2019

Tja, genauso isses. Fast alles, was die Grünen so anstoßen und wobei die anderen dann hinterherlaufen, ist vom Egoismus geprägt. Hier die Batterien. Nicht zu vergessen ist dabei, dass durch die eAutos hier Arbeitsplätze verlustigt gehen. Aber mit den Arbeitsplätzen in der direkten Autoindustrie ist es ja noch nicht getan: Zulieferer schauen in die Röhre und andere Gewerke, die mit dem konventionellen Auto irgendwie in Verbindung stehen auch. Das zieht sich dann hin bis in angrenzende Bereiche. Arbeitslosigkeit bedeutet weniger Geld und das heißt auch, dass dem alteingesessenen Bäcker die Kunden ausgehen, wie dem Metzger, dem Händler auf dem Gemüsemarkt. Freuen wird das vielleicht nur die Discounter und die Menschen dürfen sich dann von den Linksgrünen anhören, dass sie geizig wären, weil sie nicht mehr beim Bäcker um die Ecke (falls den noch gibt ) einkaufen. Auch das Verdammen von Flugreisen wegen der CO2-Lüge kostet vielen Menschen ihr Einkommen, in Deutschland und im Ausland. In vielen Ländern, die keine Sozialhilfe kennen, wird den Menschen dadurch ihr gesamtes Einkommen genommen, weil Hotels schließen müssten. Aber so sind eben die Linksgrünen - Ideologie ist alles, CO2-Einsparung ist alles. Was scheren uns die Einkommen und Befindlichkeiten anderer und noch weniger interessieren uns die anderen Länder, deren einzige Einnahmmequelle u.U. der Toruistmus ist. Warum spielen deren Einwohner nicht in Deutschland Schutzsuchende und beziehen hier ein anstrengungsloses Einkommen in einer - wie Linksgrüne fordern - vom Staat gestellten Luxuswohnung. Schließlich hat jeder das Recht nach Deutschland zu kommen und sich hier aushalten zu lassen. Das ist linksgrünes Menschenrecht. Ups, wer schürft dann aber die Metalle für die Batterien und wer kümmert sich dann um Hotelgäste? Naja, man muss eben Opfer bringen können. Und die Linksgrünen tragen sehr schwer an den Opfern, die sie anderen aufbürden.

Wolfgang Kaufmann / 08.07.2019

Das was Sie hier beschreiben, nennt man Kolonialismus. – Fehlte nur noch dass wir den armen Ländern Jahr für Jahr eine halbe Million Billigsklaven abkauften. Dann ginge unsere Wirtschaft ab wie eine Rakete und die blöden Italiener und Franzosen mit ihren blöden Gewerkschaften und Sozialleistungen würden keinen einzigen Fiat oder Renault mehr verkaufen. – Ja, wer sich mit Deutschland verbündet, braucht keine Feinde.

Matthias Braun / 08.07.2019

” E FIRST “. Leute die früher mit dem Rad in den Städten fuhren, nehmen jetzt den E -ROLLER. Und Abends wird die Energiesparlampe eingeschaltet- für das gute Gewissen.

Rainer Niersberger / 08.07.2019

So ist es. Für ein gutes Gefühl ( der Weltrettung und eigenen Entlastung) gehen „ unsere“ psychisch instabilen Hipster über Alles, wenn sein muss auch über Leichen. Bei einem Ranking der größten unsozialen Egomanen würde diese Gruppe ohne jeden Zweifel den allerersten Platz belegen. Wir wissen, dass unmittelbare Konfrontationen -in welcher Form auch immer-  mit dem Elend dieser Welt gerne unter Beauftragung der teuersten Anwälte oder Einwirkung auf den grünen Obersten um jeden Preis vermieden werden. Es sind nicht nur grandiose Verdränger, sondern mindestens so große Heuchler und Pharisäer, die von keiner Partei besser „ bedient“ werden, als von den Grünen. Was für ein Glück, dass man sie relativ leicht erkennt, spätestens, wenn sie etwas von sich geben, und man dadurch den Kontakt im Interesse eigenen Wohlbefindens vermeiden kann. Es sind zumindest für soziale und rationale Nichtneurotiker kaum erträgliche Zeitgenossen, die aber zu einer dekadenten, wohlstandsverwahrlosten Gesellschaft zwingend dazugehören, geradezu ein Zeichen für diesen Zustand darstellen.  Diese Gruppe wird für einige Zeit zu den „Gewinnern“ bei der bevorstehenden Machtübernahme durch Habeck und co. gehören.  Die grünen Khmer werden ihnen dann sogar Sicherheitsanlagen um ihre Refugien bauen ( lassen), um unerwünschte Kontakte zum Plebs zu vermeiden.

Jürgen Probst / 08.07.2019

Warum merken die Grünen und die Future-Kids usw. nicht, wie bekloppt das alles ist? Weil diese Deppen solche Artikel nicht lesen.

Marianne Sommer / 08.07.2019

Sehr wohl Herr Bonhorst :-) Dem ist soweit wohl nichts mehr hinzuzufügen. Sie haben es sehr wohl, sehr gut beschrieben. Ich bekomme nur gerade schon wieder Brechreiz weil ich mir immer noch nicht vorstellen kann und will, dass ca. 80% hier im Lande tatsächlich so verblödet sind, um nicht genau zu den gleichen Schlüssen zu kommen. :-(

Rudi Knoth / 08.07.2019

Nun ja Klimaschutz/E-Auto hat auch seinen Preis. Übrigens “Seltene Erden” braucht man wohl für die Batterien nicht. Und Lithium wird in einer schon existierenden Wüste in Chile gewonnen. Und nach Wikipedia können Kanada und Australien für die “Seltenen Erden” einspringen. Im Prinzip stimmt es, daß das E-Auto die Abgase bei dem heutigen Strommix nur von den Städten zu den Kraftwerksstandorten verlagert.

Steffen Rascher / 08.07.2019

Richtig, wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht. Das sollte weltweit gelten. Dann dürfen sich die Guten aber auch nicht über den bösen Trump aufregen. Der will nun seine Granaten auch nicht mehr für uns abfeuern. Sind eh nicht Bio. Pfui.

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