Die Mehrheit der Deutschen lehnt die sogenannte "Gendersprache" ab. Das habe eine Umfrage ergeben, die "Welt am Sonntag" bei Infratest-Dimap in Auftrag gegeben hätte, meldet dernewsticker.de. Demnach hielten 56 Prozent der Bevölkerung nichts von Binnen-I, Gendersternchen oder einen Unterstrich in journalistischen und literarischen Texten. Auch Frauen würden sich mehrheitlich gegen eine sogenannte "geschlechtergerechte" Sprache (52 Prozent) wenden. Zwischen einem Zeitraum vom 18. bis 20. Mai habe Infratest-Dimap im Auftrag der "Welt am Sonntag" 1.008 Menschen befragt. Nur 16 Prozent würden das Gendern "voll und ganz" unterstützen. 19 Prozent befürworten es "eher". Hielten 61 Prozent der Männer nichts von der Verweiblichung bestimmter Worte, so läge der Wert bei den Frauen bei 52 Prozent.
Die Sprach-Umerzieherinnen ficht das nicht an. Die ARD-Talkshow-Moderatorin Anne Will habe in ihrer Sendung am vergangenen Sonntag demonstrativ vom "Bund der Steuerzahler - Pause - Innen" gesprochen. Weil es offenbar Nachfragen irritierter Zuschauer gegeben hätte, habe ein ARD-Sprecher der Bild-Zeitung erklärt: "Anne Will gendert seit Langem konsequent. Sie hat mit ihrem Sprachgebrauch zwei Tage vor dem Diversity-Tag ein Signal gesetzt und damit eine wichtige öffentliche Diskussion angestoßen."
"Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo habe der "Welt am Sonntag" gesagt, dass sich keine Leser darüber beschwert hätten, „dass wir nicht gendern." Eher werde beklagt, wenn Gastautoren auf dem Gendersternchen bestünden. Dies sei umso interessanter, als die "Zeit" einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Leserinnen hätte, habe di Lorenzo gesagt. Seine Wochenzeitung benutze meist demonstrativ sowohl die weibliche als auch die männliche Form.
Die Schriftstellerin Monika Maron hatte 2019 eine Online-Petition gegen den "Gender-Unfug" initiiert, die bisher 75.000 Unterzeichner gefunden habe. "Die politische Bereinigung der Sprache ist eine geradezu diktatorische, auf jeden Fall eine ideologische Anmaßung, die nur Leute mit Hoheitsgewalt durchsetzen können: in Behörden, Rathäusern, Universitäten, öffentlich-rechtlichen Sendern", habe sie der "Welt am Sonntag" gesagt. Es stimme zwar, dass sich Sprache immer verändere, „aber jetzt soll sie gewaltsam verändert und verunstaltet werden."