Im Jahre 1965 schwächelte das sogenannte Wirtschaftswunder erstmals erheblich. Einem wohlbeleibten Mann namens Ludwig Erhard, der als Wirtschaftsminister quasi das Symbol der Boomphase abgegeben und es sogar zum zweiten Kanzler der Nachkriegsrepublik gebracht hatte, schwante Übles. Bis dahin hatte der ständig steigende Wohlstand die vielfältigen Risse in der westdeutschen Gesellschaft übertüncht. Nun aber drohten Verteilungskämpfe, Zwietracht, Spaltung, womöglich Streiks in großem Ausmaß.
Da kam dem Dicken eine Idee, die auf einem Essay des konservativen Intellektuellen Rüdiger Altmann fußte. Im „Spiegel“, wo man seinerzeit die Kunst der gepflegten Sottise unnachahmlich beherrschte, las sich das so:
Aus dem blauen Raum seiner Brasil-Importe „Schwarze Weisheit“ stieg Erhards Fata Morgana einer „Formierten Gesellschaft“ auf, in der sich deutsche Menschen fernab von „Parteiungen, Gruppierungen und Egoismen“ auf der grünen Wiese der Eintracht atzten.
Nicht nur die „Spiegel“-Leute, praktisch das gesamte linke und liberale Spektrum jener Tage fiel über das Konzept her wie ein Rudel Wölfe. Formierte Gesellschaft, das klang ja verdammt nach uniformierter Gesellschaft, von der man erst zwei Jahrzehnte zuvor befreit worden war. Zu Erhards Vision passten auch gut die Pläne für Notstandsgesetze, mit denen der große Finsterling aus Bayern und andere Erzkonservative seit langem schwanger gingen.
Würde ein neues Ermächtigungsgesetz der nächste Schritt sein? Also, formiert zu werden, war ungefähr das Letzte, was die Progressiven im Lande sexy fanden. Was wehte, war der Wind of Change. Teile der Gesellschaft liefen sich gerade warm für den Kampf um mehr Freiräume, mehr Individualität, weniger Spießigkeit, weniger Obrigkeitsstaat. Dissens war angesagt, nicht Atzung.
Spätestens ab 1968 war Ende mit Eintracht
Manche Journalisten und die meisten, nun ja, Kulturschaffenden begrüßten das. Anders als heute, wo das bedrohte Kulturvölkchen am verlängerten Rücken der Regierung klebt. Kein Wunder also, dass Erhards Formierungsvorstellungen bald Geschichte waren. Wie auch seine kurze, glücklose Kanzlerschaft. Zwar wurden die Notstandgesetze 1968 im Bundestag von der damaligen GroKo durchgepaukt. Doch hatte sich das Land bereits so verändert, dass wohl niemand es mehr gewagt hätte, den „inneren Notstand“ auszurufen.
Von da an wurde das Zusammenleben immer wieder mal neu ausgehandelt. Im Parlament, in den Medien, auf der Straße. Gern auch rüde, zumeist auf Initiative linker Gruppen beziehungsweise einer aufkommenden, ominösen Zivilgesellschaft. Letztere wurde manchmal von der DDR mitgesteuert, zum Beispiel während der Massenproteste gegen den Nato-Doppelbeschluss. Jedenfalls: Spätestens ab 1968 war Ende mit Eintracht.
Das geht bis heute so und wird von den meisten Zeitgenossen mittlerweile als normal empfunden. Die Flegelei des jungen Joschka Fischer im Hohen Hause („Mit Verlaub, Herr Präsident, Sie sind ein Arschloch“) genoss bald einverständig bekicherten Kultstatus im rotgrünen Milieu. Und selbst nach schwerkriminellen Ausschreitungen wie jenen bei „Blockupy“ in Frankfurt oder beim G20-Gipfel in Hamburg kam kaum jemand auf den Einfall, die Krawalle zeigten einen unheilbaren Riss in der Gesellschaft an.
Jetzt haben wir ihn endlich, den Riss! Weil ein wachsender Anteil der Wahlberechtigten ein Problem mit der Massenimmigration hat und seinen Unmut notwehrhalber an der Urne kundtut, jammern Politiker, Kirchenfunktionäre, Migrationspromoter und Mainstreammedien aus allen Rohren über die „Spaltung des Landes“ und den „Verlust gemeinsamer Werte“. Etwa hier, hier, hier und hier. Sogar unser Bundesbräsi gab neulich eine Schreckensmeldung kund: Die „Haarrisse“ in der Gesellschaft, die er zu Beginn seiner Amtszeit bemerkte, hätten sich inzwischen in wahre „Gräben“ verwandelt.
Die formierte Gesellschaft unter zeitgeistiger Takelage
Steinmeier geißelte all jene, die sich „wohlfühlen im Schlechtreden unseres Landes“. Da segelt, so könnte man den Redetext deuten, Erhards Sehnsucht nach einer formierten Gesellschaft unter zeitgeistiger Takelage in die Gegenwart zurück. Dabei müsste einem gestandenen Sozen doch klar sein, dass Spaltungen durchaus nützlich sein können. Weil, sie ermöglichen den ehrlichen Blick auf unverkleisterbare Interessenkonflikte. Gar von einer „Gefahr für die Demokratie“ geht die öffentlich-rechtliche Rede. Zu dumm, dass immer noch geheim gewählt werden darf.
Mit der besagten Spaltung, die selbstredend aus dem wachsenden Hass der Rechten erwächst, verhält es sich wie folgt. Manche Menschen haben genug vom betreuten Denken. Von den ewigen Anpfiffen der Gesinnungsgouvernanten. Das äußern sie offen – nicht selten auch arschoffen – auf Facebook, Blogs und anderswo. Und ja, darunter sind auch richtig schlimme Finger. Die hassen wirklich. Wahrscheinlich sogar sich selber.
Nur, so einzigartig ist das nicht. Wer einen Monat lang „Spiegel online“ liest, etwa die Darreichungen von Diez, Augstein, Stokowski, Ataman, Stöcker, Lobo et al., hat hassmäßig für den Rest des Jahres ausgesorgt. Und wem das noch nicht langt, der erhält von den Restles, Moors, Kiyaks, Minkmars, Bahners großzügig Nachschlag.
Linke Mediendienste (rechte gibt es längst nicht mehr) wetteifern in der Disziplin, die wenigen konservativen Publizisten zu denunzieren. Besitzt einer wie Stefan Aust die Frechheit, die Migrationswelle als „Mutti aller Probleme“ zu bewitzeln, wird er sogleich als „Freischwimmer in der braunen Brühe“ angeschifft.
Ein Dokument aus der Berliner Geschlossenen
Denn es gibt bekanntlich keine echten Probleme mit den bislang anderthalb Millionen Reingeschneiten, more to come. Die Wirtschaft scharrt ja mit den Füßen, um mit ihnen ein neuerliches Wirtschaftswunder loszutreten. Wer das nicht kauft, ist ein Nazi. Und Elvis lebt.
Merkel selber gab in ihrer Regierungserklärung vom März 2018 zu Protokoll, die Debatte über die Flüchtlingskrise habe Deutschland gespalten, die Diskussion sei polarisiert, die Gesellschaft rauer geworden. Da beschwerte sich eine Brandstifterin über das dem Brand folgende Geschrei. Die Spalterin beklagte die Spaltung. Beschwor in ihrer Rede immer wieder den Zusammenhalt, der bitteschön neu wachsen möge. Ein Dokument aus der Berliner Geschlossenen. Aufbewahren für alle Zeit.
Den Startschuss für die Spaltungsnummer tat, wenn ich mich richtig erinnere, vor einem Jahr Merkels Paladin Peter Altmaier. Der Hop-on-hop-off-Politiker, der noch nie etwas auf die Reihe gekriegt hat (am wenigsten die fabulöse Energiewende, die er kurzzeitig mitvergurken durfte) und der das Peter-Prinzip idealtypisch verkörpert, erklärte als Kanzleramtschef via „Bild“: „Die AfD spaltet unser Land. Sie nutzt die Sorgen und die Ängste der Menschen aus.“
Merkels Ausputzer wirft also der Konkurrenz vor, diese kapriziere sich auf Sorgen und Ängste von Menschen. Als hätte es in der Geschichte der Demokratie irgendwann irgendwo eine Partei gegeben, die dies nicht fett im Programm führte. Ängste und Sorgen sind die Raison d’être jedweder Partei, Organisation oder Kirche. Sich darum zu kümmern, ist deren Job, stupid.
Zwei monströse Hypotheken aufgeladen
Privat allerdings soll Altmaier, sagen ihm näher stehende Journalisten, ein intelligenter und charmanter Mensch sowie ein toller Koch und Gastgeber sein. Ferner sei er des Englischen vollkommen mächtig, im Unterschied zu seiner Herrin. Ich frage mich manchmal, was so einer zu sich nimmt, wenn er vielleicht abends allein nach Hause kommt, auf sein iPad guckt und sich dort, korrekt zitiert, so wiederfindet:
Die AfD spaltet unser Land. Sie nutzt die Sorgen und die Ängste der Menschen aus.
Sagt der treue Diener einer Dame, die dem Land gleich zwei monströse Hypotheken aufgeladen hat. Deren Folgen sie naturgemäß nicht mehr auszubaden hat. Ebenso wenig ihr Sancho Pansa, der mit Merkel in den Orkus der Historie reiten wird. Neuverwendung: eher schwierig. Frage, wie wird dieser Mann sich später mal betrachten?
Ich, für meinen Teil, werde gelegentlich fast rot, wenn mir aus dem Rumpelarchiv mal ein beknacktes Stück aus früher Journo-Zeit entgegenflattert. Welches ich unter jugendliche Verirrungen buche. Was auch gelingt, sobald der getunte Mojito wirkt, den ich Altmaier sehr empfehle:
Saft einer ganzen Limette
2 gehäufte Teelöffel Rohrzucker
8 cl Rum Havana Club (der Dreijährige)
Reichlich Minze
Crushed Ice aus drei soliden Würfeln
Auffüllen mit Mineralwasser
Angela M. benötigt sicherlich keine Drinks. Sie wird auch so mit sich im Reinen verbleiben. Bis zum Finale. Wie Margot H.
Beitragsbild: First National Pictures via Wikimedia Commons

Für Altmeiers Pension wäre ich wahrscheinlich auch käuflich.
Offensichtlich hat die SPD mit ihren destruktiven Manövern die CDU/CSU nun weichgeklopft und den Grünen zugetrieben. Man lese dazu den Beitrag in der WELT von heute "Jamaika kann jetzt kommen". So scheint das Strategiespiel zu sein.
Keine politische Bewegung in den vergangenen 50 Jahren hat (West-)Deutschland gespalten wie die Grünen! Ganze Industrie- und Wissenschaftszweige sind diesen Ideologen ohne jegliche Sachkenntnis zum Opfer gefallen. In der Kerntechnik beispielsweise waren wir führend! Die SPD leitete ihren Abstieg mit der Anbiederung an die Grünen ein, indem sie die Industriebeschäftigten verriet. Altmaier u.a. (die "Pizza-Connection") bereiteten den Verrat der CDU am Bürgertum vor, den Merkel mit der "Energiewende" und der 2015er Katastrophe vollendete. Soll bitte niemand glauben, daß die CDU wieder konservativ ist, wenn Merkel und ihr Küchenkabinett beseitigt sind. Nein, es wird nochmals 10 Jahre dauern, bis die Partei gründlich entmerkelt ist (Modell Sebastian Kurz). Oder sie geht den Weg der Democracia Christiana in die Bedeutungslosigkeit.
Für was die AfD alles verantwortlich ist? Für erstochene und verletzte deutsche Bürger durch Muslime. Für die Betonbarrieren auf Weihnachtsmärkten und Volksfesten. Für Angriffe von Muslimen auf Juden. Für Demonstrationen von Muslimen gegen Juden, Verbrennung von deren Fahne und Geschrei nach deren Gastod. Für Vergewaltigung unserer Frauen durch Muslime. Für No-Go-Gebiete. Für Hetze muslimischer Jugendlicher gegen deutsche und jüdische Schüler. Für die Ausbreitung und zunehmende Etablierung der muslimischen Klans. Für den nachlassenden Respekt vor der Polizei. usw. usw.
Dann ist es ja nicht mehr weit bis zur formierten Spaltung oder gespaltenen Formierung. Wie auch immer, ab in die tiefen Spalten mit den Sorgen und Ängsten, als hätte es sie nie gegeben.
Die Demokratie war noch nie des Deutschen liebstes Kind. Immer auf der Suche nach einem sozialistischen Führer. Ob National oder International. Die deutsche Wirtschaft hat nie ihre eigene Ethik entfaltet, sondern sich immer den Herrschenden angebiedert. Die Medien nur, wenn der Herrschende Links was. Was soll's. Der Euro wird über kurz das zeitliche segnen. Vorher werden die grünsozen die Autoindustrie mit Hilfe ihrer drolligen Vorständen zerstören. Der Sozialsystem wird durch ungebremste Ausgaben in sich zusammenbrechen. Und sie werden einen neuen Führer wählen. Einen wie Schulz oder Anna lena z.B.
Sie ganze links/grüne Denkungsart ist durchdrungen von einer Dialektik, die ihren Ursprung im Kommunismus hat. Bei Mekel, dem DDR/SED-Gewächs ist diese Art der dialktischen Verdrehungen der Tatsachen ganz besonders ausgeprägt. Aber auch Göring-Eckardt steht ihr da nicht viel nach. Und so ist es kein Wunder, dass sich der Hörigkeitswahn der deutschen Medien diesem Obrigkeitsdenken angepasst hat. Es hat sich eine Hass-Kultur entwickelt, die beileibe nicht von der AfD ausgeht, sondern von denen, die diese Partei mit ihrem Hass vernichten wollen. Diese Partei ist ein Störfaktor in der von links/grün gewollten formierten Gesellschaft ihrer Denkungsart. Das manifestiert sich nicht nur in der Medien-Landschaft, sondern ist bis in die Parlamente vorgedrungen. Unrühmliches Beispiel waren die Ausfälle der Herren Schulz und Kahrs im Deutschen Bundestag. Wenn jemand spaltet, ist das nicht ein Hass, der von der AfD ausgeht, die ja mit allem "Rechten" gleichgesetzt wird, sich aber auf die Sorgen der Menschen einlässt, sondern der Hass der Etablierten, die die Sorgen der Menschen ignorieren.