Giuseppe Gracia, Gastautor / 23.04.2018 / 10:30 / Foto: Tomaschoff / 7 / Seite ausdrucken

Mehr islamkritische Frauenpower

„Die Burka symbolisiert, dass eine Frau bescheiden ist und ihrer Familie verbunden; aber auch, dass sie nicht von der Massenkultur ausgebeutet wird und stolz auf ihre Familie und Gemeinschaft ist." Dieser Satz stammt nicht aus der Scharia oder aus dem Mund eines Islamisten, sondern aus dem Aufsatz „Krieg und Affekt" der US-amerikanischen Feministin Judith Butler. Sie ist die Chefdenkerin der Gender-Bewegung, die den aktuellen westlichen Feminismus dominiert. Freude an diesem Zitat hätte wohl auch Scheich Taj Din al-Hilali, Australiens höchster Imam. Als vor Jahren eine Gruppe muslimischer Männer wegen Gruppenvergewaltigung verurteilt wurde, meinte er: „Nimmt man unverpacktes Fleisch und legt es draußen auf die Straße, und die Katzen kommen und fressen es: Wer trägt dann die Schuld, die Katzen? Das unverpackte Fleisch ist das Problem."

Wenn jemand wie Judith Butler die Burka verteidigt, zeigt das die Schwierigkeit des aktuellen Feminismus mit dem Islam: Er erschöpft sich darin, an Universitäten die böse Kultur des weißen heterosexuellen Mannes zu predigen und von Hollywood bis Europa Kampagnen gegen Sexismus in Szene zu setzen. Aber sobald es um den Islam geht, wird es seltsam still. 

Ein solcher Feminismus ist keine Hilfe für Muslime, die es wagen, öffentlich vor den Gefahren ihrer Religion zu warnen und theologische Reformen zu fordern, für die Freiheit von Millionen Frauen in muslimischen Ländern. Leute wie Hamed Abdel-Samad oder Seyran Ates in Berlin, die ihre Kritik mit Todesgefahr bezahlen. In der Schweiz sind es Frauen wie Saida Keller-Messahli, Präsidentin vom „Forum für einen fortschrittlichen Islam“. Sie wird von SP-Politikern seit Jahren gemieden und sogar als „radikalisiert“ bezeichnet, weil sie den abgehobenen Gutmenschen-Diskurs nicht mitmacht. Ich bewundere den Mut von Saida Keller-Messahli. Im Gegensatz zu ihr bin ich zwar gegen neue Verbote, dennoch ist für mich klar: Wir brauchen mehr islamkritische Frauenpower! 

Der Mut der Muslimas ist eine große Hoffnung und sollte von uns unterstützt und gestärkt werden. Doch leider erleben wir stattdessen eine unheilige ideologische Hochzeit zwischen Gender-Feminismus und Islamismus. Und es handelt sich noch nicht einmal um eine Zwangsheirat.

Giuseppe Gracia (50) ist Schriftsteller und Medienbeauftrager des Bistums Chur. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern. Dieser Beitrag erschien zuerst im Schweizer „Blick".

Foto: Tomaschoff

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Leserpost (7)
Werner Arning / 23.04.2018

Ja, sie mutet bizarr an, diese offenbare stillschweigende Sympathie des Gender-Feminismus für den Islam. Es wirkt, als sehe man sich für die gleiche Sache kämpfen, als habe man die gleichen Ziele. Oder ist es der gemeinsame Feind, der die eigenartige Koalition schmiedet?  Geht es vielleicht gemeinsam gegen den alten weißen Mann? Gegen den Kapitalismus? Gegen den Westen und seine Prinzipien? Sieht man sich gemeinsam als Opfer des gleichen Peinigers? Oder bewundert man irgendetwas am Islam? Vielleicht sieht man die Frauen als am Ziel ihrer Wünsche, als wahrhaft emanzipiert? Es bleibt schwer nachzuvollziehen.

Toni Bretz / 23.04.2018

“Fortschrittlicher Islam” - guter Witz. Wir brauchen weder Koran, noch Mohamed, noch Leute, die sich daran aufgeilen.  De-Islamisierung ist das Gebot der Stunde.

beat schaller / 23.04.2018

Gutes Bild bei diesem Text. Nur, bei der “Gender-weiblichen” Form von Lehrstuhl muss es heissen “Leerstühlin”. Oder ist das Ganze gar eine reine Hohlraumbehandlung? b.schaller

Eugen Karl / 23.04.2018

„Nimmt man unverpacktes Fleisch und legt es draußen auf die Straße, und die Katzen kommen und fressen es: Wer trägt dann die Schuld, die Katzen? Das unverpackte Fleisch ist das Problem.“ Diese Einstellung, die Männer auf die Ebene von Tieren ansiedelt, ist die fundamentale Gemeinsamkeit von Islam und Feminismus. Wir sollten aufhören, uns über diesen Pakt zu wundern.

Karl Anders / 23.04.2018

“Die böse Kultur des weißen heterosexuellen Mannes” - Zuletzt konnte ich den Siegeszug dieses “Narrativs” beobachten bei einer Veranstaltung einer politischen Stiftung zum Thema „liberal” “pluralistisch” “konservativ” “modern” - Die Debatte um das Islamverständnis und dessen Etikettierung“.  Die als einflussreiche muslimische Theologin angekündigte Dr. Amina Wadud eröffnete ihre Rede im Namen Allahs, auf Arabisch u. Englisch. Sie führte daraufhin wortreich - und nur mit einem Hauch von Verbitterung - zunächst aus, inwiefern sie, als Frau, als Schwarze, als muslimische US-Amerikanerin, als Nachkommin von Sklaven ein Opfer der “weißen” u. “säkularen” “Hegemonie” sei. Dies nahmen insbesondere einige junge Konvertiten im Publikum enthusiastisch auf, auch eine begeisterte junge Anthropologin - mit, man ahnt es, Interesse an “Gender” - vergaß Frau Wadud nicht im Anschluss herzlich zu umarmen. Eben eine jener Konvertiten forderte dann auch die endlich fällige Anerkennung von muslim. Gemeinschaften als Körperschaft des öffentlichen Rechts ein. Als jedoch eine zuhörende Ärztin die Kompatibilität von Islam u. Grundgesetz anzweifelte, vor allem im Hinblick auf das Recht auf körperliche Unversehrtheit, und auch ein junger Syrer das Hineindrängen von Muslimen in eine Opferrolle gerade auch über linke „Opferdiskurse“ kritisierte, gab es Murren. Es blieb abermals resigniert festzustellen: Die Realität hatte auch hier Hausverbot, die Zielgruppe war’s zufrieden. Insbesondere die Zuhörer Aiman Mazyek und Kurt Beck dürften die Veranstaltung mit dem wohligen Gefühl der Bestätigung verlassen haben. Ersterer bestückt mit neuer Argumentationshilfe bezüglich der diversen* Opferdiskurse, letzterer zuversichtlich, dass “die Sehnsucht nach gedeihlichem Miteinander”, “die Freude am Unterschied” gespürt und “das Miteinander entkrampft” werde. *“divers” sei hier im eigentlichen Sinne verwendet (angesichts der allgegenwärtigen “Diversitätsdiskurse” kann da ja schon mal Verwirrung entstehen…

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