Peter Grimm / 29.06.2021 / 06:25 / Foto: Imago / 187 / Seite ausdrucken

Mehr Impfbereitschaft durch Schikanen für Ungeimpfte?

Erinnern Sie sich noch an die mehrfach wiederholte Zusicherung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn, wonach es mit ihm keinen Impfzwang geben werde? Abgesehen davon, dass seine Tage im Amt bald gezählt sein dürften, hat er aber nicht davon gesprochen, dass es keine Nötigung zur Impfung geben werde. Und da lassen sich die regierenden Politiker einiges einfallen.

Auch wenn sie derzeit noch nicht in der Lage sind, hinreichend Impfstoff zu beschaffen, so dass die Impfwilligen an eine Impfung ihrer Wahl kommen, sorgen sich die Verantwortungsträger vor allem um die irgendwann stagnierende Impfbereitschaft. Berichte über Nebenwirkungen und der Umstand, dass kein Corona-Impfstoff hinreichend geprüft sein kann, lassen die Menschen zögern. Viele dieser Skeptiker sind keine prinzipiellen Impfgegner, aber sie wollen sich nicht als kostenlose Probanden für die neuen Vakzine zur Verfügung stellen.

Wie hoch der politische Druck zur Durchimpfung der Gesellschaft ist, kann man anhand der Auseinandersetzung um die Kinderimpfung nur erahnen. Die Ständige Impfkommission wurde dafür gescholten, die Corona-Impfung für Kinder nicht generell empfohlen zu haben. Dabei war ihr zurückhaltender Bescheid, dass die Kinder-Impfung bei einer Gefahren-Nutzen-Abwägung allenfalls bei bestimmten Vorerkrankungen im Einzelfall sinnvoll sein könne, nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit.

Dennoch nutzen die vorherrschenden Gesundheitspolitiker jede Gelegenheit, um den Druck zur Impfbereitschaft zu erhöhen. Aktuell ist es die sogenannte Delta-Variante, die angeblich ansteckender sein soll als alle vorherigen. Panikprediger Nummer eins, der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (nach welchen Kriterien wählt die SPD eigentlich Experten aus?), ist natürlich auch im Sommer sofort zur Stelle. Er mahnte dieser Tage die Ständige Impfkommission (STIKO), ihre eingeschränkte Empfehlung für das Impfen von Kindern zu überdenken, meldet dernewsticker.de. "In Großbritannien sind bereits viele Kinder mit Covid in der Klinik. Die Ständige Impfkommission argumentiert, dass Covid für Kinder harmlos sei. Für die Delta-Variante gilt dies meiner Ansicht nach aber nicht", habe Lauterbach der "Rheinischen Post" gesagt. „Die Kampagne der Überzeugung der Impfskeptiker muss jetzt vorbereitet werden", so Lauterbach weiter. Wozu auch die „Aufklärung“ darüber gehöre, dass bei der Delta-Variante die Zahl der Krankenhauseinweisungen viel höher sei: "Das RKI geht von einer Hospitalisierungsquote von 11 Prozent aus, das ist doppelt so hoch wie bei der Alpha-Variante. Gerade bei Jüngeren ist der Unterschied groß, damit wird die Delta-Variante vor allem für Kinder zum Problem", wird Lauterbach weiter zitiert.

„Glattweg eine Fehleinschätzung“

Um hier zu zweifeln, muss man kein Gesundheitsexperte sein, nicht einmal ein parteiloser Mediziner. Es reicht ein funktionierendes Gedächtnis. Auch bei den anderen Mutanten, die bedrohlich durch die Medien zogen, sah der Genosse Lauterbach Intensivstationen voller jüngerer Menschen und musste hinterher einen Irrtum einräumen. Die Kollegen von bild.de hatten Anfang des Monats die zehn größten Irrtümer des Karl Lauterbach vorgestellt. Zu diesen heißt es da:

„Im Talk bei Maybrit Illner (16. April 2021) sagt Lauterbach: ‚Diejenigen, die jetzt auf Intensivstationen behandelt werden, sind im Durchschnitt 47 bis 48 Jahre alt. Die Hälfte von denen stirbt. Viele Kinder verlieren ihre Eltern. Das ist eine Tragödie.‘

Fakt ist: Niemand wusste zu dem Zeitpunkt, wie alt die Intensivpatienten wirklich sind.

Auf eine Anfrage der FDP-Politikern Judith Skudelny im April, teilte die Bundesregierung mit, dass bei der Übermittlung der Intensivbetten-Kapazitäten keine Daten zum Alter der Patienten erfasst wurden. Grund: Man habe diese Daten bisher nicht „als erforderlich angesehen“.

[…]

Lauterbach räumt „glattweg eine Fehleinschätzung“ ein. „Meine Einschätzung kam durch persönliche Gespräche zustande, die ich mit den Leitungen von Intensivstationen geführt habe. Zum Glück ist es dann nicht so gekommen, wie ich nach diesen Gesprächen befürchtet hatte.“

Es könnte sich also auch diesmal wieder um eine Fehleinschätzung handeln. In den medialen Echokammern des Genossen Lauterbach ist für Skepsis angesichts der Erfahrungen mit den Ankündigungen des Panik-Experten dennoch kaum Platz. Dass eine gesunde und praktizierte Skepsis einmal zur Grundausstattung guter Journalisten gehörte, scheint leider eine verblassende Erinnerung der Älteren zu sein.

Sonst könnte einem auch einfallen, dass es bislang bei jeder vermeldeten neuen Mutante hieß, sie sei wahrscheinlich ansteckender, gefährlicher und tödlicher als das bisherige Virus. Bald darauf blieb höchstens das „ansteckender“ übrig, denn die Zahlen deuteten auf keine größeren Lebensrisiken als mit den Virusvarianten zuvor. Doch statt aus diesem Anlass die Panik-Botschaften zu hinterfragen, werden sie weidlich genutzt, um die Aufrechterhaltung eines Ausnahmezustandes nach Seuchenrecht auch ohne das reale Vorhandensein einer Seuche irgendwie zu legitimieren und die impfunwilligen Bürger zur Impfung zu nötigen.

Quarantäne, Tests und Kontrollen

Eine Möglichkeit ist es, den Ungeimpften das alltägliche Leben so unkommod wie möglich zu machen. Allein der Umstand, dass sie sich überall testen lassen müssen, wo der Geimpfte einfach hinein darf, reicht augenscheinlich nicht. Zumal Gastwirte und Gewerbetreibende immer weniger Lust zu haben scheinen, die geschäftsschädigende Testpflicht konsequent durchzusetzen.

Jetzt aber kamen die Regierenden auf die Idee, den Ungeimpften den Grenzübertritt zu erschweren, wohlgemerkt die Heimkehr. Zum Anfang der Woche versuchten sich einige Landesministerpräsidenten wie der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), der Erste Bürgermeister von Hamburg, Peter Tschentscher (SPD), oder der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), in Forderungen nach schärferen Regeln zu überbieten. Unumgängliche Quarantäne, mehrfache Tests, unbedingte PCR-Tests und vor allem mehr Kontrollen wünschen sich die Genossen Landesfürsten für Ungeimpfte, die sich erdreisten, Urlaub im Ausland machen zu wollen. Der einzige Ausweg, das soll der Bürger beigebracht bekommen, obwohl es die Ministerpräsidenten nicht so klar aussprechen, ist die Impfung.

Ihr Genosse Gesundheitsexperte sagt es ganz direkt. Und er ist auch nicht mit 60 oder 70 Prozent Geimpfter zufrieden. "In Israel steigt die Inzidenz trotz hoher Impfquote und Topwetter wieder an. Es zeigt sich: Echte Normalität wird nur mit einer sehr hohen Impfquote kommen. Mehr als 80 Prozent Impfquote wird nötig sein.“, lässt sich Lauterbach zitieren. Allerdings könnten die hier von Lauterbach angeführten Zahlen auch eine andere Schlussfolgerung zulassen: Vielleicht wird die Wirksamkeit der Impfungen einfach völlig überschätzt.

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Hans Styx / 29.06.2021

@Frances Johnson: Mal abgesehen davon, dass ich von Todesfällen und nicht von Hospitalisierung sprach: Sehen Sie sich die Tabellen 3-5 an: Im Vergleich zu z.B. Alpha werden weniger Infizierte im Krankenhaus vorstellig. Von denen, die vorstellig werden, müssen weniger über Nacht bleiben und die Sterberate bleibt mit 0,1% deutlich hinter den 1,1% von Alpha zurück. Die Sterberate unter Ungeimpften beträgt 0,1%; Die Sterberate unter Erstgeimpften, bei denen die Impfung weniger als 21 Tage zurückliegt, beträgt: 0,02%; Die Sterberate unter Erstgeimpften, bei denen die Impfung mehr als 21 Tage zurückliegt, beträgt: 0,1%; Die Sterbreate unter Zweimal-Geimpften beträgt: 0,64%

Sabine Heinrich / 29.06.2021

@ Gertraude Wenz: Sie sprechen mir aus der Seele! Danke für Ihren Kommentar!!!

Sabine Heinrich / 29.06.2021

@Ilona Grimm zu @Torsten Hopp: Volle Zustimmung! Dieser menschenverachtende, macht- und geldgierige Psychopath hat keinerlei Mitgefühl verdient - sondern eine Strafe, die dem Unheil, das er - wie etliche andere “maßgebliche” Leute - angerichtet hat, seinen Untaten angemessen ist. Da dürfte er wohl bei guter Führung nach 15 Jahren wieder durch Fenster ohne Gitter blicken dürfen.

Michael Brüggemann / 29.06.2021

Ich lach mich tod: Dümmer geht’s nimmer. Delta -Variante - Weil im Sommer Dank UV Licht die Viren Pause haben erfindet die Politik die Delta Variante, um uns per Schockstrategie bei Inszidenzen um Null wieder zum Impfen zu bringen. Leute in Berlin, den Schwachsinn kaufen euch vielleicht einige Leichtgläubige ab, aber der Bürger lacht mittlerweile darüber, weil er das Spiel durchschaut. Seitdem klar ist dass die gentherapeutische Giftspritze statistisch gefährlicher ist als das Risiko an Covid19 zu versterben, hat Merkel verloren. 2021 wird gut: Zwei Überfällige verlassen die Bühne: Löw und Merkel. Danach ist Sperrmüllabfuhr.

Gertraude Wenz / 29.06.2021

Ach liebe Frau Grimm, in der Bibel mag manch weiser Satz stehen wie in vielen anderen spirituellen Büchern auch. Das ist aber noch lange kein Grund, aus archaischen bronzezeitlichen Erzählungen einen Gottesbeweis zu zimmern. Haben Sie sich jemals mit den Ergebnissen der theologischen Forschung beschäftigt? Aber nichts für ungut, ich fand Ihre Replik mit einem geflügelten Wort aus dem Munde Napoleons sogar sehr witzig!

Frances Johnson / 29.06.2021

@ lutzgerke: Nur sind das insgesamt sehr Wenige. Die geimpft verstorben sind, dürften sehr alt sein. Wie gesagt, ganz flache Sterbekurve in GB bei Vorhandensein der Variante seit ca, sechs Wochen. Wie ebfs. früher gesagt, in Indien selbst ein Drittel weniger Verstorbene im Vergleich zu den USA bei gleichen gemessenen Positivraten. I’m not impressed. Weder die Behauptungen über die Variante beeindrucken mich, noch die Unterstellungen oder auch reellen Zahlen bezüglich der Impfung. Sehr Alte sterben auch an Grippe, wenn sie gegen Grippe geimoft sind. So wie einer meiner Nachbarn kurz vor dem Bekanntwerden von C19.

Sigrid Leonhard / 29.06.2021

“Bald darauf blieb höchstens das „ansteckender“ übrig” Dass auch nur einer von den Geistesgrößen der Mainstreammedien oder der Gesundheitspolitiker darauf hingewiesen hat, dass bei Virenmutationen mit ” ansteckender” meist auch “harmloser” einhergeht. Geschenkt. Belegt wurde dies dadurch, dass immer mildere Krankheitsverläufe zu verzeichnen waren. Habe ich (!) jedenfalls von publizierenden Medizinern so gelesen - war deren Praxiserfahrung. Gut, das wird sich jetzt mit den Erfahrungen hinsichtlich Geimpfter womöglich ändern.

Volker Kleinophorst / 29.06.2021

Nicht Ruhe, Misstrauen ist die erste Bürgerpflicht. WIR müssen DIE im Blick haben, nicht DIE UNS. Das wäre demokratisch, schließlich agieren DIE ja in unserem Namen, werden von UNS gewählt und bezahlt. Nur in der Politik ist der Angestellte der Chef.

Jürgen Fischer / 29.06.2021

@Bernhard Krug-Fischer, ein Totimpfstoff? Heißt das nach neuer Nomenklatura, dass man damit totgeimpft wird? Denn komplette, aber inaktivierte Viren kann man nicht verimpfen, wenn das komplette Virus gar nicht bekannt, da nie isoliert worden ist. Ich bin mal gespannt, was da am Ende rauskommt. Unsere Frau Superkanzlerin müsste es schon wissen, da sie ja alles vom Ende her denkt. Ob sie’s uns verrät? Oder wenigstens einer ihrer Bundeswahrsager?

Thomas Oerder / 29.06.2021

Ich verstehe das Problem nicht. Es gibt dutzende Millionen Probanden, die die Impfstoffe bereits freiwillig injiziert bekamen. Mehr Testung geht ja wohl kaum. Und wer irgendwo rein oder hin will, hat die Alternative einen validiertes Testergebnis beizubringen - mancherorts wird das nicht verlangt oder ein Selbsttest vor Ort akzeptiert. Was denn noch? Klar ist es bequemer einen elektronischen Impfausweis vorzuzeigen als ein Testergebnis beizubringen, aber man hat die Wahl. Und man entscheidet freiwillig - sich impfen zu lassen oder auch nicht - in ein Restaurant/Konzert zu gehen oder auch nicht. Zu allem lebensnotwendigen ist der Zutritt ohne Impfung oder Test möglich.

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