Deutsche Welle: Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung hat die Mordaufrufe gegen Sie verurteilt, das Auswärtige Amt hat einen Vertreter der ägyptischen Botschaft einbestellt. Sind Sie zufrieden mit den bisherigen offiziellen deutschen Reaktionen?
Hamed Abdel-Samad: Das war eine minimalistische diplomatische Reaktion. Ich finde die Bundesregierung sollte in Ägypten politisch anders auftreten als bislang. Zurückhaltung ist nicht mehr angebracht. Ich erwarte mehr Druck auf Kairo, damit die ägyptische Regierung sich nicht nur von diesem Mordaufruf distanziert, sondern auch juristische Schritte gegen Herrn Abdel-Maged unternimmt, wie gegen alle, die diesen Mordaufruf gemacht oder vorbereitet haben. Ägypten braucht die finanzielle Unterstützung Deutschlands und der Europäischen Union in seiner jetzigen Übergangsphase. Es kann nicht sein, dass das Land in den Genuss von Entwicklungshilfe kommt, ohne die Mindeststandards der Rechtstaatlichkeit zu erfüllen. Es muss ein noch deutlicheres Signal aus Berlin kommen.
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