Im französischen Fernsehen wird das Scheitern von FCAS zum Teil elegant beschwiegen oder mit den unterschiedlichen Bedarfen der Streitkräfte erklärt. Ja, Frankreich will einen Jet, der auf seinem Flugzeugträger landen und Atomwaffen tragen kann. Diese Anforderungen gehen am deutschen Bedarf vorbei. Das weiß man im Verteidigungsministerium und im Kanzleramt seit Jahren. Dass die Bundesregierung sich jahrelang davor drückte, den Stecker zu ziehen, hängt mit einer speziellen – der politischen Korrektheit geschuldeten – Rücksichtnahme auf den geheiligten Erbfreund Frankreich zusammen.
Einmal mehr war die Bundesregierung so zum Gefangenen ihrer eigenen Fehlurteile geworden. Denn die Gründe für das eklatante Scheitern des 2017 mit viel Pomp verkündeten Rüstungsvorhabens – die Inkongruenz deutscher und französischer Interessen – waren von Anfang an bekannt. Dazu gehört, dass die Konditionen, zu denen die damalige Verteidigungsministerin von der Leyen bereit war, Frankreich viele Milliarden Euro zu schenken, ihren Ambitionen, mit Pariser Hilfe in Brüssel einen Top-Job zu ergattern, entsprachen. Während ihrer Amtszeit war sie Frankreich stets – um sich in Paris lieb Kind zu machen – entgegengekommen. Dazu gehörte auch die Vergabe der optischen Satellitenaufklärung an Frankreich. Die deutsche Industrie protestierte 2014 – vergebens. Kritiker der „Frankreichneigung“ von der Leyens wurden mundtot gemacht.
Dass nun das Ende von FCAS verkündet wird, ist keine Überraschung, sondern das Ergebnis einer von Anfang an verfehlten Planung des Bundesverteidigungsministeriums. Hätten von der Leyen und ihre Nachfolger nicht sofort verstehen müssen, dass die Bedarfe der Streitkräfte unvereinbar waren?! Hätte das Verteidigungsministerium nicht schon längst die Legende von Airbus als „deutschem“ Unternehmen und Partner von Dassault richtigstellen müssen?
Geschäftsmodell der Pariser Dominanz im Namen Europas
Allein die Betriebsräte der in Deutschland (Manching) verbliebenen Airbus-Restkompetenzen haben schließlich die rote Karte gezeigt. Dieser ohnehin seit langem ausgezehrte Standort von Airbus – einem Unternehmen mit Sitz in Toulouse – sollte nach französischen Vorgaben Komponenten fertigen. Dieses – sehr französische – Geschäftsmodell der Pariser Dominanz im Namen Europas hätte die gesamte Entwicklung – mit wesentlicher Finanzierung aus Deutschland – nach Frankreich verlagert und so Manching der Liquidation ausgeliefert. Mit dem FCAS-Projekt hat die Bundesregierung also nur Zeit verloren und die Brüsseler Karriere von von der Leyen befördert.
Während dessen sind die Konkurrenz-Projekte anderer Länder – Tempest unter der Beteiligung von Italien, Großbritannien und Japan sowie Gripen in Schweden weit vorangeschritten. Einen neuen Kampfjet zu entwickeln, kostet sehr viel Geld und Zeit. Deutschland, das Land in Europas Mitte mit den größten Ressourcen, ist also selbstverschuldet durch den jahrelangen Dilettantismus des Verteidigungsministeriums ins Hintertreffen geraten. Personelle Konsequenzen gegenüber den treuen Förderern des Projekts sind daher überfällig. Mehr noch: Gegenüber Frankreich ist ein Kurswechsel angesagt.
Denn bei der „Europäisierung“ der Satellitenindustrie betreibt Frankreich eine ähnlich hegemoniale Politik. Neuer Sitz der drei Hersteller Astrium, Leonardo und Thales soll Toulouse werden. Und selbst bei der deutsch geprägten Heerestechnik – KNDS – geht es um die Erlangung französischer Führung „im Namen Europas.“ Wie lange macht die Bundesregierung diese Politik der Unterwerfung noch mit?
Merz zu FCAS am 18.02.26:
„Ich möchte die Frage jetzt geklärt wissen: Brauchen wir eigentlich noch in 20 Jahren von heute ein bemanntes Kampfflugzeug?“
DAS IST DER KERN DER SACHE!
Auch NZZ am 08.06.26:
Dazu kam, dass der Krieg in der Ukraine und die rasante Entwicklung unbemannter Systeme das Projekt unter Druck setzten. Je länger sich FCAS verzögerte, desto öfter stellte sich die Frage, ob ein Kampfjet für 2040 (eher darüber hinaus) noch das Herzstück eines solchen Systems sein sollte.
Merz selbst hatte bereits öffentlich bezweifelt, dass Deutschland in 20 Jahren noch diese Art von Flugzeug braucht. So gewannen Teile des Programms an Gewicht, die auch ohne bemannten Jet weitergedacht werden können: Drohnen, Sensorik, Vernetzung und die Combat-Cloud.
Wikipedia zu FCAS:
Das Kampfflugzeug sollte bei der deutschen Luftwaffe ab etwa 2040 den Eurofighter (und ggf. den Tornado-Nachfolger F-35) ersetzen.
Wie? Nach der F-35 nochmals sowas?
Man muss am Text oben kritisieren „Vernetzung und die Combat-Cloud“, denn das ist durch Jamming von Funk-Signalen inkl. GPS störbar.
Man kann alles (!!!) jammen!
Ausnahme: Darum gibts für kürzere Reichweiten die Glasfaser-Drohnen im Kampfgebiet.
Ansonsten: GPS-freie und Funklink-freie Navigation ist Pflicht.
Dann gibts GPS-Spoofing. 2011 glaubte eine US-Drohne vom Typ RQ-170, sie lande auf ihrer Heimatbasis in Afghanistan, aber stattdessen landete sie fast unbeschädigt im Iran.
GPS-freie Navigation ist Pflicht!
Und was wurde aus den „Gamechangern“, der Panzerhaubitze 2000, dem Leo 2, dem Taurus?
Inzwischen entwickelt die Ukraine das, was sie braucht in kürzester Zeit (!) selbst und fliegt über St. Petersburg hinaus.
Man muss vollständig autonome Systeme entwickeln, die auch ohne GPS und sonstige Vernetzung weiterfunktionieren.
Und Manching muss (!!!) die Federführung haben. Allerdings hat man da manchmal das Gefühl, der Betriebsrat blickt mehr durch als die Firmenleitung.
Leute, wir sprechen im Zeitalter der KI von in 20 Jahren!
Bereits zu Beginn seiner Amtszeit erklärte es der frühere Bundeskanzler Helmut Kohl zu einem strikten Tabu, auch nur zu versuchen, Aufschluss darüber zu gewinnen, was der wahre Grund dafür ist, dass schon damals im Jahr 1982 die Auflösung vor allem der AEG-Telefunken AG als ein wissenschaftlich und technisch weltweit überaus hoch stehender Konzern gerichtlich verfügt worden ist. Das dadurch hoheitlich auf das Strengste verhängte Verbot des Erkenntnisinteresses kennt dabei fortgesetzt bis auf die Gegenwart auch künftig kein Halten davor, den akademischen Lebenslauf sogar der Talentiertesten völlig zu ruinieren. Insofern ist es nichts Neues, wenn von Staats wegen selbst noch heute Kritiker mundtot gemacht werden im Zusammenhang mit den Forschungs- und Entwicklungsleistungen, die vorausgehend für gleich welche industrielle Produktion vonnöten sind.
Nun man muss auch die Stärken deutscher Politiker anerkennen. Wir sind ein starkes und reiches Land und unterstützen andere Länder dabei stärker und reicher als wir zu werden. Und im eigenen Land wird der ganze Größenwahn, ähm die Leistung respektvoll mit Regenbogenflaggen gewürdigt. Diese Leistung ist doch einmalig auf dieser Welt. So schlau ist kein anderes Land.
Sehr geehrter Herr Prof. Kerber, in den 80zigern des letzten Jahrhunderts sollte der Nachfolger des Tornados kommen, der Jäger 80. Er kam nicht, er wurde umgetauft zum Jäger 90, dann zum Jäger 2000 und dann zum Eurofighter. Ja, da hat man Vertrauen in die Regierungen, die Rüstung u d die Beschaffung der Bundewehr (10.000 Mann arbeiten da). Da kann nichts werden und on Top, Frau von der Leyen. Es ist ein Wunder, daß hier überhaupt noch etwas funktioniert.
Mfg
Nico Schmidt
Abgesehen von Frankreichs Hegemonie Deutschland gegenüber – nicht nur in Rüstungsfragen – frage ich mich schon lange, warum das „Rad“ ständig neu erfunden werden muss. Die F-xy-Modelle der Amerikan zeigen doch ausgereifte Technik, die in vielen Ländern eingesetzt werden. Warum muss Deutschland Milliarden in eine Neuentwicklung stecken mit allen Risiken und Tücken, die eben so ein „Neubau“ mit sich bringt? Nur um sagen zu können: <Seht her, ist zwar ein teures Ding von dem wir nicht wissen, ob es jemals in die Luft geht, von dem die deutsche Industrie am wenigsten profitiert, und wir hätten für das Geld besser einige F-Maschinen erstanden. Aber Frankreich ist zufrieden und WIR haben unseren EIGENEN Kampfjet. Hat ja auch was mit „Prestige“ zu tun!> Aber mal ehrlich, was klappt bei der Bundeswehr denn noch? Panzer können nicht repariert werden, die Marine hat Probleme mit den Helis. Selbst wenn es sich um „alte“ Erfindungen handelt wie Funkgerate. Nicht mal da schafft es die BW ins diditale Zeitalter!
Grandios. Der Text entspricht fast vollständig meiner eigenen Einschätzung der verworrenen Lage und der undurchsichtigen Vorgänge, die öffentlich nur lückenhaft zugänglich sind. Man muss sich mit dem Gegebenen unter Gebrauch des eigenen Verstandes auseinandersetzen. Frankreich ist nicht unser Freund; wir haben den Leopard und alle geheimen oder weniger geheimen Zukunftspläne an Frankreich verschenkt – der Leo war mit seiner Technologie bis zur Drohnenzeit eine cashcow und könnte es wieder werden. Genauso wurden der Airbus und das neue Teleskop in Chile verjuxt und viele weitere, insbesondere militärische Technologien. Der Tod ist tatsächlich (auch) ein Meister aus Deutschland. Und nach meiner Meinung haben den Stecker die USA gezogen; Leute, die Trump überstimmen. Im übrigen sind meine – belastbaren – Informationen aus Frankreich, dank eines familiären Netzwerkes, so, dass der französische Flugzeugträger zwar schwimmt, fährt und ab und zu Flugzeuge starten und landen. Sonst kann der nichts. Er ist ein militärischer Blindgänger. Wer ihn längere Zeit im einschlägigen Mittelmeerhafen beobachten konnte, darf durchaus Schlüsse ziehen.
Aus EADS nichts gelernt. Franzosen versuchen in solchen „ gemeinsamen Projekten“ immer die Oberhand zu behalten und möglichst viele Vorteile für sich herauszuschlagen.