Der Medienmarkt wird allmählich etwas bunter. Dank betuchter Sponsoren entstehen kritische Formate, die auch technisch mit dem Mainstream konkurrieren können. Doch ist es nicht längst zu spät, dem veröffentlichten Einheitsbrei Kontra zu geben? Beginnen wir mit einem Rückblick auf Zeiten, da ausgerechnet das ZDF noch streng Konservatives versendete.
Im Jahre 1970 des Herrn Willy, lange nach dem Phänomen der frühen Straßenfeger, erlebte Fernsehdeutschland nochmals einen magischen Halstuchmörder-Moment. Wie bei den Ausstrahlungen der Francis-Durbridge-Krimis in den frühen 1960ern war das Land am Abend des 16. Dezember eine verkehrsberuhigte Zone – erheblich weniger Menschen auf Straßen und Plätzen unterwegs. Denn im ZDF lief ein Streitgespräch, ein spektakulärer Zweikampf, ach was: das TV-Duell des Jahres.
15 bis 20 Millionen Zuschauer verfolgten laut Infratest, wie sich Stern-Chefredakteur Henri Nannen, 56, und Gerhard Löwenthal, 47, Leiter des ZDF-Magazins, vor laufenden Kameras fetzten. In Echtzeit, ungeschnitten, mit Verlängerung. Das war eine andere Nummer als die kontemporären Quasselrunden, wo drei Leute mit einer Meinung versuchen, den Vierten – in der Regel ein zur Ausgewogenheitsvortäuschung eingeladener Nichtsehrlinker oder Nichtganzgrüner – zur Schnecke zu machen.
Gemessen am damals niedrigen Radaupegel des Staatsfernsehens – ein privates existierte noch nicht – holzten die Kontrahenten beträchtlich („Sie sind ein Verleumder“, „Mir kommen die Tränen“, „Was Sie treiben, ist gemeingefährlich“, „Halten Sie den Mund jetzt“).
Posthum in Generalverschiss geraten
Dem Match vorausgegangen waren Vorwürfe von Löwenthal, Nannen sei während des Krieges weit stärker ins Nazitum verstrickt gewesen, als der Stern-Gründer selber es auf eine schlankfüßige Art eingestanden hatte, wie viele aus der Generation der „Verführten“. Laut Löwenthal war Nannen in Italien sogar in Kriegsverbrechen involviert. Doch gerade diesen Punkt konnte der ZDF-Mann nicht belegen.
Hingegen vermochte der Illustriertenanführer, welcher flugs seine hochbezahlte Reporterschar mobilisierte, die Schuldigen an der Ermordung eines Partisanen und einer Geisel zu identifizieren; diese entstammten definitiv nicht Nannens Beritt. So ging das Match letztlich an ihn. Gleichwohl markierte Löwenthals Attacke den Beginn einer – allerdings sehr langsam aufziehenden – Nannen-Dämmerung.
Wenn es stimmt, dass uns die Toten von oben zuschauen können, dann muss es dem seinerzeit unterlegenen Löwenthal Genugtuung bereitet haben, dass das Denkmal von „Sir Henri“ heute, so viele Jahre nach dem medienhistorischen Schlagabtausch, doch noch plattgemacht wird. Das „Raubein mit Seele“, wie ihn Angestellte schönschrieben, geriet 2022 nach Aufdeckung seiner antisemitischen Propagandaschmuddeleien in Italien posthum in Generalverschiss.
Publizistische Stütze der Ostpolitik
Der Henri-Nannen-Preis für Journalisten heißt mittlerweile Stern-Preis, die Henri-Nannen-Schule für journalistischen Haltungsträgernachschub wird mutmaßlich bald umgetauft. Im Stern-Impressum wird Nannen noch in winziger Schriftgröße als Blattgründer vermerkt. Seinen Namen auch dort zu liquidieren, wurde schon erwogen. Ach, eine Unperson ist er geworden, der einstige Star; dieser große Zampano, den Reiche, Mächtige, Schöne bewunderten, fürchteten, umschmeichelten.
Über das Spektakel im ZDF ist über die Jahre viel geschlaumeiert worden. Als unstrittig kann wohl gelten, dass der die Nazizeit wie durch ein Wunder überlebt habende Jude Löwenthal – die Großeltern wurden ermordet – den forschen Nannen auch deshalb ins Visier genommen hatte, weil ihm dessen Großprotzigkeit auf die Nerven ging. Sir Henris seltsamer Sündenstolz, verbunden mit dem heißen Begehr des ehemaligen Nazipropagandisten, nunmehr auf der vermeintlich richtigen Seite der Geschichte mitzumarschieren, müssen den kompromisslosen Antikommunisten Löwenthal abgestoßen haben.
Man darf annehmen, dass es Nannens Wandlung vom genialen, in der frühen Stern-Zeit eher unpolitischen Illu-Macher zum linken Propagandisten der sogenannten Entspannungspolitik war, was da eine große Geige spielte. Nannens Stern, ein meinungsbildendes Schlachtschiff aus 1,7 Millionen wöchentlich verkauften Heften, war eine publizistische Stütze der Ostpolitik. Wäre sein Kapitän abgeschossen worden, hätte das eine schwere Schlappe für Willy Brandt und dessen Flüsterer Egon Bahr bedeutet.
Langer Marsch durch die Vergütungsgruppen
Moment mal, werden die etwas kürzer hier Lebenden vielleicht fragen – Antikommunismus? Kampf gegen die Sozen und die Entspannungspolitik? Im Staatsfernsehen? Unmöglich! Doch tatsächlich war das ZDF mal eine politisch ziemlich ausgewogene Veranstaltung, wie es sein Sendeauftrag vorsah. Es bildete alle einflussreichen Kräfte ab und wurde daher von Linken gehörig angegiftet. Speziell Löwenthal, so steht es auf Wikipedia zu lesen, „wurde (vielfach) von links als Inbegriff eines konservativ dominierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks angeprangert.“
Kaum glaublich: Es handelt sich um dieselbe Anstalt, dessen Verwaltungsrat später über viele Jahre der rheinland-pfälzische Meckiministerpräsident Kurt Beck vorsaß, zeitweise Vize der Sozialistischen Internationale, eine Inkarnation roter Filzokratie. Wirklich, die Böhmermann-Hayali-Lanz-Schleuder, deren Drall ins Rotgrüne nicht mal vom WDR oder von Radio Bremen getoppt wird, war vor langer Zeit eine halbwegs seriöse Einrichtung. Those Were the Days, hieß damals ein Welthit der reizenden Mary Hopkin.
Überhaupt, wer sich in die Medienlandschaft der alten Bundesrepublik zurückversetzt, kommt aus den Bauklötzen kaum raus. Zwar strömten ab den Willy-Willy-Jahren massenhaft Gesinnungsbolzen in die Staatsfunkhäuser und begannen dort den langen Marsch durch die Vergütungsgruppen. Aber wenigstens in den Privatmedien herrschte noch einigermaßen Patt.
Plötzlich waren die fetten Jahre vorbei
Grob gesagt, standen dem linken Trio Spiegel, Stern und Zeit sowie einer Phalanx von Tagesblättern, in denen die SPD sich durch geschickte Beteiligungen Einfluss verschafft hatte, die auflagenstarke Springerpresse sowie eine Reihe von bürgerlichen Intelligenzgazetten wie die F.A.Z. gegenüber. Harte Linksorgane wie die Frankfurter Rundschau oder Konkret hatten konservative oder erzrechte Antipoden wie Christ und Welt oder Bayernkurier. Für jeden Topf fand sich ein Deckel.
Schwer zu bestimmen, wann genau auf dem Medienmarkt etwas ins Rutschen kam. Ich vermute, dass der Abgang des Dauerkanzlers Kohl im Jahre 1998 auch einen Stimmungsumschwung in der Medienbranche bewirkte. Der gewöhnliche Journo, Opportunist von Berufs wegen, witterte wohl, dass der Wind sich drehen würde. Und er wollte bei der Wende nicht über Bord gehen.
Wer hätte ihn dafür schelten können? Zum Jahrtausendende neigten sich auch die fetten Jahre des Journalismus ihrem Finale zu. Print schüttete nicht mehr so viel Anzeigengeld aus, Online war selbstredend weit davon entfernt. Beim Stern empfanden sie es 1998 als Menetekel, nur noch ausnahmsweise Business Class fliegen zu dürfen. Das Klammern an den Redaktionsstuhl wurde zur Routineübung. Im Flurfunk aufzuschnappen, welche politische Linie verlags- und kollegenseitig angesagt war, geriet zur Überlebensfrage.
Wo sind die Wasserlöcher in der Meinungswüste?
Wer heute durch die Medien raschelt, bewegt sich weitgehend in einer gleichgestimmten, gleichgesinnten Blase. Erst recht natürlich, wenn er Staatsmedien einschaltet. Ebenso, wenn er auf private Sender zappt. Zwischen RTL zum Beispiel, den woken Privatsender, und die Öffis passt kein Blatt aus einer Bibel-Dünndruckausgabe, wenn es etwa um das Klimaarmageddon oder um die heilige Pflicht zur Fernstenliebe geht.
Ulkig zu hören, dass auch ein gebürtiger Australier wie der Historiker Christopher Clark mitgekriegt hat, wie dürftig es um die Bandbreite der deutschen Presse bestellt ist. Im Reich des Wilhelm Zwo, so ließ sein Biograf Clark durchblicken, sei die Pressevielfalt zumindest ab 1890 wahrscheinlich größer gewesen als im aktuellen, dem steinmeierbesten Deutschland aller Zeiten.
Wo befinden sich Wasserlöcher in der Meinungswüste? Meine persönliche Tour d´horizon beginnt täglich im etwas anderen Mainstream aus der Schweiz. Die Neue Zürcher Zeitung verfügt über ein Netz von hervorragenden Auslandskorrespondenten und – seit einigen Jahren – über eine Sparte speziell für deutsche Leser, genannt „Der andere Blick“. Letzterer wird erfreulich kritisch geworfen, zum Beispiel durch Autoren wie Alexander Kissler oder Susanne Gaschke. Seit die FAZ als konservative Stimme weitgehend ausgedient hat, ist die NZZ für mich ein Muss. Ihre lupenreine Humorlosigkeit nehme ich klaglos in Kauf. Swiss will be Swiss. Der Scherzkeksgehalt eines Emil hat sich mir sowieso nie erschlossen.
Federgöttlich auf den Punkt gebracht
Deutlich komischer geht es an manchen Stellen der Welt zu; schon deshalb, weil dort Henryk M. Broder unermüdlich wirkt. Aber auch der fabelhafte Don Alphonso zieht in seiner ererbten Tegernseeanrainer-Arroganz über das grüne Metropolen-Prekariat her, dass es eine Wonne ist. (Würde der Herr Meyer mich nicht so oft mit selbstverfertigten Fotos seiner Rennräder, Torten und Porzellansets behelligen, wäre ich ihm nahezu verfallen.)
Knallschräge Typen wie Frédéric Schwilden bietet im Mainstreamsektor allein die Welt, wenn ich es richtig sehe. Ansonsten sind bei Springers blauer Tageszeitung gute Leute untergekommen, die anderswo politisch nicht mehr genehm waren. Etwa der ehemalige Spiegel-Schreiber Axel Bojanowski, ein gestandener Klimamythenknacker. Im Gegenzug muss der Leser der Welt in Kauf nehmen, dass dort Hannes Stein sein Steckenpferd reitet, die US-Republikaner zu dämonisieren. Aber bitte, auch dieser Mann muss von was leben und hat Familie.
Tichys Einblick, gegründet 2014, ist längst eine Institution im nicht regierungskonformen Medienkomplex. TE beschäftigt neben anderen Stephan Paetow, dessen Kolumnen jenen Humor verströmen („Spezialdemokraten“, „Homeland NRW“), den das optisch etwas betuliche, auf seriös gebrezelte Portal ansonsten vermissen lässt. Roland Tichy selber ist ein gewiefter alter Hase auf ganz vielen Äckern. Ihm würde ich notfalls sogar die These abkaufen, dass Außerirdische an uns Erdwesen brennend interessiert sind.
Tichys stärkste Kraft, einer der letzten Journalisten in diesem Land, heißt Alexander Wendt. Merken Sie sich den Namen. Wendt bringt Grotesken wie die deutsche Liebe zu afrikanischen Erfindern, die das Energie-Ei des Kolumbus ersonnen haben, es leider nur gerade nicht präsent halten, federgöttlich auf den Punkt. Ohne dabei den politischen Faden zu vernachlässigen, der solche Strunznaivität überhaupt möglich macht. Nie laut, nie eifernd, immer mit kühler Stirn: Wendt.
„Ein Konservativer, der noch eingeladen werden möchte“
Zugegeben: Das Cicero-Magazin kaufe ich nicht, mit Holz habe ich weitgehend abgeschlossen. Gelegentlich finde ich ein Heft auf dem Tischchen eines besseren Hotelzimmers vor und erkenne nach dem Durchblättern, warum ich das eloquente, edel layoutete Geschwafel auch online nicht lesen möchte. Der Cicero ist, nach einem abgewandelten Bonmot von Michael Klonovsky, „ein Konservativer, der noch eingeladen werden möchte.“ Das politische Austarieren, der weltanschauliche Rangierbahnhof und die Vermessung von Äquidistanzen mit dem Zollstock lassen mich ermatten, noch ehe ich mit dem einen oder anderen Artikel durch bin. Wer’s mag, lautete für so etwas das Verdikt im legendären Satiremagazin Pardon.
Zur Wochenzeitung Junge Freiheit: Sie wurde bereits 1986 gegründet. Da stand Kohl noch voll im Saft, das Land auch, da lag noch kein Eisberg voraus. Über das Blatt schreibt die Wokipedia: „Politikwissenschaftler ordnen sie einem Grenzbereich zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu.“ Das ist natürlich Mumpitz, weil schon das erste Wort dieses Satzes ein unbeabsichtigtes Oxymoron bildet.
Tatsächlich ist die JF eine recht biedere Veranstaltung, etwa so extremistisch wie der bräsige Pfälzer Kohl es war. In ihrem Gründungsjahr hätte kein Delegierter eines CDU-Parteitags an der Zeitschrift Anstoß genommen. Darauf hinzuweisen, dass die jüngst von fast allen Medien gestreute Formel, bei den Tätern einer Gruppenvergewaltigung auf Mallorca handele es sich um „fünf junge Deutsche“, die Information ausklammerte: „…sämtlich mit Migrationshintergrund“, was ist daran falsch? Höchstens ist es peinlich. Nämlich für die Mehrzahl der Medien. Warm bin ich mit der JF ehrlich gesagt nie geworden, finde sie etwas tantenhaft geschrieben.
Das laufende Programm: eine Art Gemischtwarenladen
Seit einem Jahr sendet der digitale Kontrafunk, und zwar aus der Schweiz. Das Radio-Urgestein Burkhard Müller-Ullrich, früher bei der Achse des Guten („Indubio“), hat das Projekt in einem Kraftakt aus dem Boden gestampft. Das Programm ist, na sagen wir mal: divers. Neben den üblichen Podcasts mit den üblichen Diskutanten, die auch bei Tichy oder der Achse öfters talken, stehen elegante Features und hinreißende Verstiegenheiten von Bernhard Lassahn auf dem Zettel („Unter Freunden“). Ebenso ein Magazin über Genuss, Landwirtschaft und Weingedöns („Leib und Speise“) des wunderbaren Markus Vahlefeld.
Das laufende Programm: eine Art Gemischtwarenladen. „Freikirchlicher Gottesdienst aus der Bibelgemeinde Pforzheim“, ähem… Aber die Idee mit den etwas anderen Nachrichten ist gut! Statt der unvermeidlichen Aufrufe von Wissenschaftlern zwecks verschärfter Klimapanik, welche vom Mainstream flächendeckend verbreitet werden, sendet Kontrafunk Aufrufe von Wissenschaftlern gegen Hype und Panikmache – diese Leute gibt’s nämlich auch.
Ferner sind da literarische Lesungen, philosophische Vorträge, historische Betrachtungen und viel Musikalisches auf gehobenem Niveau. In dieser Station steckt viel Arbeit.
Auch viel Geld, notwendigerweise. Das kommt, sagt Müller-Ullrich, durch Spenden von Mittelständlern rein. Die Konstruktion einer relativ breit aufgestellten Sponsorengruppe verhindere, dass der Sender von einer Person oder nur wenigen Spendern abhängig werden könnte.
Gehirnwaschmächtige Kaste von Haltungsverbreitern und Moralemittenten
Das mit dem Geld ist interessant. Offenbar gibt es neuerdings Kreise, denen angesichts der immer aggressiveren Degrowth-Bewegung es langsam doch mulmig wird. Denen womöglich auch die auf Straßen herumgeschleppte Parole „System change, not climate change“ aufgefallen ist. Fällt der Groschen? Merken die Leistungsträger, dass die Leistungsvermeider ihnen an den Kragen wollen?
Die Einsicht käme reichlich spät. Deutsche Kapitalisten haben niemals Nennenswertes in den Aufbau von kapitalismusaffinen Medien gesteckt, noch sich für Journalistenkaderschmieden engagiert, in denen es nicht zugeht wie auf Seminaren der Grünen. Sie glaubten wohl, ihr Anzeigengeld würde es schon richten. Dass es in den Medien eine nennenswerte Zahl von Suizidgeneigten geben könnte, die lustvoll den Ast absägen, auf dem sie sitzen, war allerdings lange niemandem so recht klar.
Nun, Jahrzehnte später, sehen sie sich überrollt durch eine winzige, aber gehirnwaschmächtige Kaste von Haltungsverbreitern und Moralemittenten, die von Spiegel und Zeit bis runter in die Käseblätter redigiert. Selber schuld, wer den frühen Enzensberger nicht gelesen hat. Dessen „Bewußtseins-Industrie“ von 1962 ist noch höchst aktuell, nunmehr aber auf den Kopf gestellt.
Ein Sender mit Potenzial
Insofern ist ein neue Medienmarke interessant, die mit einiger Kohle befeuert wird. Nein, ich meine nicht den bevorstehenden Deutschland-Start von Springers US-Akquise Politico. Da hängt leider der glücklose Spreedampferschipper Gabor Steingart mit drin, die vielleicht meistüberschätzte Nudel im Medienbetrieb.
Nius heißt das neue Portal, Untertitel: „Die Stimme der Mehrheit“. Redaktionell steckt dahinter der gewesene Bild-Chef Julian Reichelt, mit seiner vor Jahresfrist gestarteten Meinungsshow „Achtung Reichelt!“ auf Anhieb erfolgreich. Finanziert wird der Kanal vom Unternehmer Frank Gotthardt, der bereits ein paar Nischenmedien betreibt. Neben der hochunterhaltsamen Krawalltüte Reichelt sind auf Nius auch behutsamere Charaktere im Einsatz. Etwa der für seine faire, blendend vorbereitete Interviewführung bekannte Ralf Schuler („Fragen, was ist“). Schuler ist wie Reichelt von der Bild gekommen.
Nius ist mit einem aufwendigen Apparat unterfüttert, das ist klar. Oh, da wird emsig recherchiert! Gern graben sie bei Nius decouvrierende O-Töne von Politikern aus und senden sie. Frieren auf die Art politische Wackelpuddings ein, machen Nebelgestalten kenntlich. Der Sender hat Potenzial. Zumal er, wie weiland Löwenthals ZDF-Magazin, auch von vielen Hass-Guckern angeklickt wird. Wäre das ZDF noch so wie einst, müsste es Reichelt stante pede einen Sendeplatz anbieten. (Har, har, war nur ein Joke.)
Wo ich am liebsten einkehre
Habe ich wen vergessen? Ach ja, natürlich gucke ich dann und wann bei reitschuster.de rein; der Mann imponiert mir schon wegen seines Reportermuts. Klar, der Talk im Hangar-7 auf Servus-TV ist nach wie vor guckenswert. Und Fleischhauers Kolumne im Focus enthält mitunter hübsche Sottisen, oder?
Natürlicherweise kehre ich am liebsten bei der Achse des Guten ein. Sie ist die Mutter aller Bemühungen, aus den handelsüblichen Erzählungen zu Klima, Umwelt, Energie, Migration etwas heiße Luft abzulassen. Das hat ihr eine ständig wachsende Leserschaft eingetragen. Die Achse zählt drei bis vier Millionen Visits (Besuche) monatlich und registriert 10 Millionen Page Impressions (Seitenaufrufe). Im Durchschnitt bleibt jeder Besucher vier Minuten, was in der Branche als relativ lange Verweildauer gilt.
Intensiv befassen sich Achse-Autoren immer wieder mit den etablierten Medien, beziehungsweise mit deren Verfall. „Wenn ein Mediensystem kaputt ist, stürzt die Demokratie ab“, habe ich mal gelesen. Und zwar, fasten seat belt, ausgerechnet bei Michael Blume, dem wahrscheinlich weltbesten Antisemitismusbeauftragten für Baden-Württemberg.
Auch wenn Blume damit was anderes meint als die Achse: Der Spruch an sich ist goldrichtig. Übrigens, nächstes Jahr wird die Achse des Guten, das Antitoxin für Mediengeschädigte, sage und schreibe süße 20. Darauf erhebe ich schon jetzt mal mein Mojitoglas.
Wolfgang Röhl, geboren 1947 in Stade, studierte Literatur, Romanistik und Anglistik. Ab 1968 Journalist für unterschiedliche Publikationen, unter anderem 30 Jahre Redakteur und Reporter beim „Stern”. Intensive Reisetätigkeit mit Schwerpunkt Südostasien und Lateinamerika. Autor mehrerer Krimis.

Online hatte die Reichweite der grossen Medienhäuser schon vor 25 Jahren gekillt. Medienwende ist deshalb total 1998 und das Medienangebot ist heute vielfältiger denn je. Wirklich geändert hat sich das Finanzierungsmodell. Während man noch zur Nannenzeit einen grossen Teil der Einnahmen durch Käufer erzielte, für die man dann auch schrieb, hängt heute alles von den Werbereichweiten ab. Damit sind die grossen Reichweitennetzwerke wie Publicis und Co die Macher geworden. Journalismus hat nichts mehr zu melden und zwei Möglichkeiten: sich permanent an den ÖR abzuarbeiten, weil für die das Geld sowieso fliesst oder sich an die ÖR ranzuschmeissen um Kohle abzugreifen. In spätestens 10 Jahren wackeln die letzten Journalisten mit dem Kopf. Dann kann diese sinnlose Diskussion endlich begraben werden :)
Schön, wenn die alternativen Medien endlich auch finanziell besser ausgestattet werden, weil einige doch merken, dass sie besser ein paar Kröten in Medien investieren sollten anstatt alles dem linksgrünen Reißwolf zu überlassen.
Ein breiter Überblick Herr Röhl. Printmedien, Rundfunk und Fernsehen dürften langfristig bis auf ein Nischendasein schrumpfen. Das Tempo hat angezogen. Wer nicht bald gut genug ins Netz umgezogen ist, wird Teil der Geschichte. Ich persönlich nutze schon kein Radio mehr. Obwohl es Jahrzehnte locker 4 Stunden täglich dudelte. Eigenartig irgendwie, daß die gigantische Angebotserhöhung der letzten 20 Jahre bei mir eine hohe Selektivität erzeugt hat. Alles, was bei anklicken nicht weiter gefällt, wird ausgeschaltet, peng. So wie die AKWS abgeschaltet wurden, habe ich meine Radioaktivität abgeschaltet. Endgelagert. Fernsehen, fast nur noch ZDF Info, der Rest, wie seit Einführung des Privatfernsehen, wo die Sender den Zuschauer bezahlen. Als Gegenleistung an die Sponsoren, wird gelegentlich auf die getanzte Pinkelpause verzichtet. Zudem können 3 Minuten Werbung beglücken wenn man sich vor Augen führt, daß der ÖRR bald weg sein dürfte. Einen Bedarf habe ich definitiv nicht, kann weg. Muß sogar weg, wegen des Klimas. Der gigantische Stromverbrauch der Sender nebst Klimaschädlichkeit. Beglückend an den freien Medien, die Vielfalt und Eigenständigkeit der Akteure. 1. Liga mit Aufstieg, Abstieg und Spielertransfers. Großer Sport. Der Ligabetrieb funktioniert. Nun müßten eigentlich nur noch Regularien zur Kürzung eines Meisters erarbeitet werden. Mehr Kooperation und Verflechtung halte ich unter den Portalen für unnötig. Es ist gut, gelegentlich gemeinsam aufzutreten und ansonsten sportliche Konkurrenz zu pflegen. Je unterschiedlicher Sie alle informieren, umso mehr kommt an. Sie hatten Ihre Klickraten erwähnt. Das ist neben dem Inhalt, alles, was mich interessiert.
In allen Bereichen des öffentlichen Lebens ist Mitläufertum gefragt. Corona hat es sehr schön aufgezeigt. Insofern war Corona ein Vergrösserungsglas für die Charaktere. Nicht umsonst haben sich 80% der Leute in D gentherapieren lassen, zum Teil für eine Bratwurst.Corona war das Vorspiel, ich denke, das Endspiel kommt noch.
Die *Weltwoche„ mit Roger Köppel wurde vergessen und auch das kritische Online – UrgesteinPi News“ mit seiner illustren Vielfalt von Reichelt über Schuler bis Storch besonders bei Rot-Grün verhasst.
Der gemeine Journo und der gemeine Jungpolitiker kommen aus demselben Stall, weshalb sie sich so innig lieben: keine Ahnung von Naturwissenschaften, nie einem leibhaftigen Ingenieur begegnet, dafür ein paar abgebrochene Semester Kommunikations- oder Politikwissenschaft, gerne auch Theologie oder Soziologie, und dann ab zur Zeitung, zum Sender oder in den Bundestag. Dort ist man stramm linksgrün, weil es gerade opportun ist, denn der gemeine Jung-Journo wird niemals gegen den Mainstream anstinken. Und da darf er plötzlich, berauscht von seiner neuen Wichtigkeit, die Leser beschimpfen und belehren. Nur mit dem Unterschied, dass der gemeine Politiker sich den grünen Weltverbesserer-Heizungs-Bioprodukte-Unsinn finanziell leisten kann, während der gemeine Journo das nicht kann, sofern er bei den Öffis noch nicht an die Fleischtöpfe herangekommen ist. Er schreibt also aus Frust irgendwelche Hasstiraden auf die „Reichen“, die die Umwelt versauen, nichts abgeben, Fernreisen machen und im Sommer ihre Pools füllen, diese Miststücke. Während der Journo auf 40m2 zur Miete wohnt und beim Discounter einkauft, schimpft er gerne mal auf gut sortierte Lebensmittelgeschäfte, die die Leute angeblich dazu verführten, mehr zu kaufen, als sie eigentlich wollten (war mal eine erheiternde Reportage eines linken NDR-Journos, der immer unbrauchbare O- Töne bekam wie: „Nee, ich hev immer mien Zeddel dabie“). Kurzum, der gemeine Jung-Journo ist ein frustrierter Wadenbeißer, der weiß, dass ihm sein grünes mindset nicht weiterhelfen wird, die große Knete zu verdienen, aber er kann’s auch nicht lassen und sägt damit noch die letzten Leser ab, die das Geld haben, sich eine Zeitung oder Zeitschrift überhaupt leisten zu wollen. Die vom Jung-Journo umworbene Gruppe von Migranten und sozial Benachteiligten sind jedenfalls nicht diejenigen, die die Auflage sichern. Deshalb wechselt der Journo, wenn er kann, in die Politik. Dann hat er’s geschafft.
Ein wunderbarer und sehr informativer Einblick in die aktuelle Medienlandschaft unseres Landes. Besonders lobenswert: Die Erwähnung der Hoffnungsschimmer am Horizont – damit lässt sich’s gut in den Tag starten…