Herbert Ammon, Gastautor / 09.01.2019 / 16:00 / 17 / Seite ausdrucken

Mediale Wachsamkeit im Kampf gegen Rechts

Rein moralisch betrachtet, sei das aus dem Rahmen demokratischer Kampfmittel  gegen den Kopf des AfD-Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz gefallene zu verurteilen, befand der politische Autor der Frankfurter Rundschau. So gehe das nicht, zudem gebe es „auch einen politischen Aspekt: „Diese Tat wird niemandem mehr nutzen als der Partei des Opfers, der AfD.“ 

Damit mag der Kommentator recht haben, denn den Umfragen zufolge stagniert die einst so stolze Volkspartei SPD – aus evident politischen sowie personellen Gründen – bei etwa 15 Prozent, in bedenklicher Nähe zur AfD. 

Die totschlägerische Attacke auf den Bremer MdB Magnitz steht derzeit als Thema in den Medien ziemlich oben. Entrüstung herrscht über das empfindsame Gemüter erschreckende Bild mit blutig klaffender Stirn. Der Bundespräsident, der Regierungssprecher, alle Parteiführungen fühlen sich verpflichtet, ihre Ablehnung politischer Gewalt zu bekunden. Immerhin: am unzweideutigsten – sprich: ohne relativierende Worte wie im obigen Kommentar – äußerte sich der „Linke“-Fraktionsvorsitzende Dietmar Bartsch: „Es gibt keine Rechtfertigung für ein solches Verbrechen.“

In anderer Tonart wird die Debatte über die Gewalttat gegen den „Rechten“ Magnitz – in Zeiten seines Pädagogikstudiums gehörte dieser für ein oder zwei Semster der DKP an – in den social media geführt. Dort tut man sich keinen Zwang an. Sawsan Chebli, Bevollmächtigte des Landes Berlin beim Bund sowie Staatssekretärin für Bürgerschaftliches Engagement und Internationales (sic!), verkündet auf Twitter ihr in West-Berlin als Migrantentochter eingeübtes politisches Credo: „Auch heute und jeden Tag gilt: #NazisRaus! Veronika Kracher (kein nom de plume), Autorin bei taz und Junge World, fasst ihre antifaschistische Reaktion auf das Attentat – ohne Rücksicht auf Interpunktion – in folgende Worte: „Dass Magnitz zusammengelazt (sic!, politischer Neologismus) wurde ist übrigens die konsequente Durchführung von #NazisRaus! Abhauen werden die nicht. Die werden sich bei der größten möglichen (sic!) Bedrohungssituation aber zweimal überlegen ob sie offen faschistische Politik machen. Deshalb: Mit ALLEN Mitteln.“ 

Hinterköpfe mit ausrasierten SS-Runen

Grundsätzlich anders als Dietmar Bartsch kommentierte „Die Linke“ auf ihrem Twitter-Account die – noch unaufgeklärte, somit erst mutmaßlich politische – blutige Aktion: „Guten Morgen. Aus aktuellem Anlass posten wir einen unserer Plakat-Klassiker: #NazisRaus! Nazis raus aus den Köpfen“. Der „Klassiker“ zeigt Hinterköpfe mit ausrasierten SS-Runen. Damit ist dem klassischen, „linken“, demokratisch einwandfreien Verhältnis zu Gewalt im Raum des Politischen moralisch Genüge getan. 

An diesem klassischen „Linke“-Tweet nahm der Twitter-Aktivist Andreas Hallaschka – Selbstbeschreibung: Evangelisch. Leidenschaft für Kultur, Reisen, Fussball, Politik. Religionen, Bücher und klassisch gute Musik, Kassel und ידיד ישראל  4696 Followers, 84 500 Tweets – Anstoß: „In #Bremen wird gestern dem Bundestagsabgeordneten #Magnitz von der #AfD mit einem Kantholz fast der Schädel gespalten. Der Tweet von @dieLinke heute Morgen ist vollkommen deplatziert! Zum Fremdschämen. Löscht das!“

Die „Linke“ denkt indes offenbar nicht daran, das zu löschen. Stattdessen wurde dem AfD-kritischen, der Gewalt abholden Twitterer Hallascka vom Großen Internetzensur-Bruder folgende Belehrung zuteil: "Diese Medien können sensibles Material enthalten. Deine Medieneinstellungen sind so konfiguriert, dass du informiert wirst, wenn Medieninhalte sensibel sein könnten.“ 

Wir dürfen beruhigt sein: So sicher bewährt sich die Wachsamkeit der sozialen Medien im Kampf gegen die Gefahren für die Demokratie.

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Leserpost

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Christoph Müller / 09.01.2019

Das Übliche: Entweder wird von den Linken und den sie unterstützenden Medien statt der Tat die Reaktion auf die Tat skandalisiert oder sie versuchen dem Opfer die Schuld zuzuschieben. Bei der AfD folgt die Schuldzuweisung oft folgendem Muster: Die Reden des Opfers haben bei mir Hass ausglöst. Aufgrund dieses Hasses bin ich gewalttätig gegen das Opfer geworden. Ergo ist das Opfer an der Gewalttat schuld.

Karl-Heinz Vonderstein / 09.01.2019

Auf Twitter haben sich seit gestern schon ne Menge Leute, unter dem Hashtag Kantholz, lustig gemacht über Herrn Magnitz. Die merken gar nicht, wie menschenverachtend sie über Herrn Magnitz schreiben.

Thomas Bonin / 09.01.2019

Die offensichtlich bemühte Verharmlosung der Bremer Justiz, wonach primä der Sturz als Ursache für die schweren Verletzungen zu begründen sei (trotz gegenteiliger Aussagen des zu Hilfe eilenden Zeugen und bislang ohne Freigabe von Videomaterial) haben einen nahezu einhellig üblen Beigeschmack in den (soweit veröffentlichten) Kommentarspalten ergeben. Fragt sich nur, ob die Spusi “CSI Bremen”!) der interessierten Nachwelt noch das Märchen von der Bananenschale oder Ausgerutschtsein auf Erbrochnem auftischen wird.

Leo Hohensee / 09.01.2019

Sehr geehrter Herr Ammon, die Reaktion der Veronika Kracher, Autorin bei taz und Junge World, ist ja unfassbar! Für mich ist das ein Aufruf zur Gewaltanwendung, ohne Rücksicht auf demokratische Werte und ohne den geringsten Funken von Menschenwürde! Diese Leute sind wirklich besoffen an ihrer eigenen Überheblichkeit, sodass sie einfach lebensfeindlich funktionieren. Vielleicht zücken ja übermorgen die ersten Linksgrünen Fahnen mit der Aufschrift: “Und willst Du nicht mein Bruder sein dann schlag ich Dir den Schädel ein”! Quo vadis?

N. Schneider / 09.01.2019

Veronika Krachers “politisch korrekter” Tweet (Haltung zeigen!) drängt einen Vergleich zu den 1930er Jahren geradezu auf: “Dass der Jude zusammengelazt wurde ist übrigens die konsequente Durchführung von #JudenRaus! Abhauen werden die nicht. Die werden sich bei der größten möglichen Bedrohungssituation aber zweimal überlegen ob sie das Maul aufmachen. Deshalb: Mit ALLEN Mitteln.“

Wolfgang Richter / 09.01.2019

Bei dem umgehauenen Köthener war das Herz “versagensbereit”, was den Tätern nicht anzurechnen sei, bei dem Bremer Herrn MAGNITZ war dann der Körper offenbar einfach “umfallensbereit” . Als nächstes wird dann wohl nach seinem Allgemeinzustand, ggf. Alkoholkonsum gefragt, um sodann ein weiteres Argument für die Rechtfertigung “selbst schuld” zu liefern. Es ist aus meiner Sicht schon mehr als merkwürdig, in welche Richtung sich dieses Land und das allgemeine Rechtsverständnis entwickelt haben.

Dr. Günter Crecelius / 09.01.2019

In dieser unserer Karikatur eines Rechtsstaates sind Staatsanwälte weisungsgebundene Beamte. Natürlich singen sie das Lied ihrer Brötchengeber: der verlogenen Horde korrumpierbarer und oft korrupter, mehrheitlich feiger Parteibonzen, was sie wahrscheinlich in der übergroßen Mehrheit selbst sind - siehe Artikel von Herrn MdB Vaatz oben. Von’ Volksherrschaft’ keine Spur.

Sabine Schönfelder / 09.01.2019

Ich frage Sie, wo ist ANGELA MERKEL, die sich empört in der Mainstreampresse zu Wort meldete, als einem CDU-Bürgermeister ein Schnitt am Hals zugefügt wurde, den er mit immerhin einem Pflaster abkleben mußte, sozusagen einen Schnitt von ‘rrrächts’ erhielt? Wo ist sie, unsere parteiische Kanzlermaus, unsere eindimensionale Interpre-Törin von Antifavideos? Bislang gab es keine Stellungnahme zum Fast-Mord an einem Mitglied des Bundestags. Ist sie erkrankt oder ist sie ausgewandert? Letzteres wäre die einzige Entschuldigung, die ich gelten ließe. Auf klare Worte von A. Nahles zu hoffen, sehe ich als verschwendete Zeit an. Sie sitzt zu Hause und bedauert, daß 2 Bauarbeiter das finale Werk der Antifa unterbrachen. Anders kann man ihr Verhalten nicht interpretieren. Die Propaganda- Maschinerie ist bereits wieder in vollem Gange. Von wegen Kantholz und Tritte von der Antifa. Alles AFD-Geschwätz. Da springt ein junger sportlicher Recke auf den alten unbeweglichen Magnitz, der gerade voller Hass zufällig an den Dreien vorbeiläuft, der fällt und spaltet sich dabei den Schädel. So sind die, die “Nazis”.

Michael Scheffler / 09.01.2019

Lieber Herr Popp, wenn Sie die Auflage der FAZ anschauen, sehen Sie, dass das selbsternannte Flaggschiff langsam aber sicher die Biege macht. Man kann noch nicht einmal sagen: “Friede ihrer Asche”, weil die FAZ selbst nicht mehr friedlich ist…

Michael Scheffler / 09.01.2019

Wäre der Herr Magnitz erst rechts gewesen und danach links, vielleicht sogar linksradikal, wäre alles gut. So ist er halt ein rechter Paria, dem man ruhig mal paar auf die Mütze hauen kann, auch wenn er Vater von sechs Kindern ist. Da kann die HAZ ihm Radikalität nachsagen und behaupten, dass er ein Mitglied der IB in seinem Büro “beschäftigen soll”. Im Übrigen ist das mit den sechs Kindern natürlich auch verdächtig, wem kommt da nicht das elffährige Reich mit seinen Medaillen für viele Kinder in den Sinn?

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