Gastautor / 30.07.2010 / 22:24 / 0 / Seite ausdrucken

Mazyek macht den Mullah

Paul Nellen

Neulich auf N24 bei “Studio Friedman”

Am 15. Juli bittet Michel Friedman wie immer an seinen wöchentlichen Studiotisch. Thema der Diskussion: “Bedroht der Islam Deutschland?” Für die nächste halbe Stunde stehen Ayman Mazyek, der Generalsekretär des Zentralrates der Muslime, und Berlins Innensenator Ehrhart Körting im Geschosshagel der friedmanschen Fragen.

Der Dialog zwischen dem Moderator und seinem Gast Mazyek beginnt sich plötzlich zu verselbständigen, als die Rede auf Necla Kelek kommt (Film abrufbar unter http://www.pi-news.net/2010/07/friedman-bedroht-der-islam-deutschland/ )

Friedman: Jetzt will ich mal, Herr Mazyek, jemanden zitieren, der nicht Christ ist, nicht Jude ist. Die türkische Muslima Necla Kelek sagt, dass der Islam so, wie er sich in seinem politischen Kern heute versteht, nicht in der Lage ist, sich in eine demokratische Gesellschaft zu integrieren. Was antworten Sie Ihr?

Mazyek: Ja - und das isses nämlich! Wir haben ein Vorurteil, das wie ein…

Friedman: Nicht wir…

Mazyek: Lassen Sie mich doch erklären!

Friedman: Nicht wir - wir haben kein Vorurteil. Ich zitiere eine Muslima, und ich möchte wissen, was antworten Sie ihr?

Mazyek: Eine Islamkritikerin! Ich nehme schon großen Wert, dass Sie ihr…

Friedman: Aber sie ist doch trotzdem eine Muslima?

Mazyek: Sie bezeichnet sich als Islamkritikerin!

Friedman: Moment - ist jemand, der kritisch ist, kein Muslim?

Mazyek: Das müssen Sie sie selber fragen!

Friedman: Das glaube ich nicht! Moment mal! Das will ich jetzt aber mal mit Ihnen diskutieren!

Mazyek: Nee, das brauchen Sie nicht, weil ich… Meine Aufgabe ist nicht…

Friedman: Ist eine Muslima, die den Islam kritisiert, in Ihren Augen keine Muslima?

Mazyek: Hab ich nicht gesagt!

Friedman: Sie sagt, sie ist Muslima!

Mazyek: Hab ich nicht gesagt!

Friedman: Ist sie eine Muslima?

Mazyek: Das ist nicht meine Aufgabe, über Menschen zu urteilen!

Friedman: Interessant! Das finde ich interessant!

Mazyek: Herr Friedman, meine Aufgabe besteht nicht darin ...

Friedman: Sie sollen nicht urteilen, sondern feststellen. Sie vertreten die Muslime!

Mazyek: ... Muslime zu katalogisieren, ob sie Muslime sind oder nicht!

Friedman: Aber das tun Sie doch gerade, wenn Sie nicht sagen können: Sie ist es!

Mazyek: Ich hab gesagt, Sie bezeichnet sich als Islamkritikerin. Und darauf leg ich wert. Das habe ich gesagt. Zurück zu Ihrer Frage. (...)

Ein bemerkenswert heftiger verbaler Schlagabtausch über eine scheinbare Nebensächlichkeit. Herr Mazyek weigert sich, Frau Kelek ausdrücklich als Muslima zu bezeichnen, und Herrn Friedman fällt dies auf. Er hakt nach, weil Mazyek Kelek nur “Islamkritikerin”, nicht aber Muslima nennen will. Es muss doch etwas dahinter stecken, ahnt Friedman – weswegen kann Mazyek nicht einfach “Ja!” sagen, “sie ist eine Muslima”?

Michel Friedman hat richtig bemerkt, dass Kelek für Mazyek anscheinend keine Muslima mehr ist, aber das will der Muslimfunktionär nicht zugeben. Warum eigentlich nicht? Friedman nimmt Mazyek ins Verhör, um ihn am Ende davonkommen zu lassen. So versäumen wir, ein paar ziemlich wichtige Erkenntnisse über einige Wesensmerkmale des Islam gewinnen zu können – Erkenntnisse, die eher zu einer mafiosen Geheimbundstruktur denn zu einer Religion in einer offenen Gesellschaft passen.

Wer – wie Kelek – als Muslima geboren ist oder wer unter Zeugen den Islam angenommen hat, der kann nicht mehr aus der “Religion des Friedens” austreten. Einmal Muslima, immer Muslima. Er (oder sie) kann nur bei schwerwiegenden Verfehlungen gegen den islamischen Kommang aus der muslimischen Gemeinschaft, der umma, wieder ausgestoßen werden - danach gilt er als “Ungläubiger” und kann, besonders, wenn ihm ein feindselig-agressives Verhalten gegen den Islam vorgehalten wird, unter islam- und schariabestimmten Gesellschaftsverhältnissen von jedem Muslim gemäß der Scharia getötet werden.

Einer kämpferischen “Islamkritikerin” wie Kelek das Muslimasein abzusprechen ist also kein Leichtes. Es ihr andererseits vor aller Öffentlichkeit – und dies auch noch aus dem Munde eines hohen islamischen Funktionärs – auf Fragen eines “ungläubigen” Juden hin ausdrücklich zu bestätigen, obwohl jeder orthodoxe Muslim Kelek für ihre “antiislamischen” Äußerungen in die Hölle wünscht, setzt den Funktionär seinerseits dem Verdacht aus, sich unislamisch und gegen die Kollektivinteressen der islamischen Weltgemeinschaft zu verhalten; mit unübersehbaren Folgen für ihn selbst. Hier läge nämlich ein Verstoß gegen die “corporate identity”, die Ehre des Islam vor. Und das ist in der tolerantesten Religion der Welt eine Verfehlung, wie es einst der Hochverrat in den beiden deutschen Diktaturen war.

Die Angst, am nächsten Tag als Verräter, bestenfalls als Feigling dazustehen, ist bei Ayman Mazyek mit Händen greifbar. Sie ist so stark, dass Mazyek selbst gegenüber einem Großinquisitor wie Friedman es nicht wagt, die allereinfachste, allerbanalste Feststellung über die Lippen zu bringen, dass Kelek, die den Islam nie öffentlich verlassen hat, eine Muslima ist. Er insistiert bis zur Lächerlichkeit auf dem Abgrenzungsbegriff “Islamkritikerin”, um sie ja nicht inkludierend als “Muslima” bezeichnen zu müssen. Er hat Kelek offenkundig für sich schon längst, den Geboten der Scharia gemäß, aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgestoßen. Mazyek weiß, was er vor laufender Kamera dem Islam schuldet: die Unterwerfung unter den Willen Gottes, die Unterwerfung unter das religiöse Gesetz Allahs, die Scharia.

Die gilt für ihn überall und zu jeder Zeit, in jeder Situation, sei es offen, sei es versteckt. In Deutschland natürlich nicht im vollem Umfang, weil hier die Muslime noch nicht die Gesetzgebung bestimmen. Aber das kann ja noch werden: “Die Demokratie ist für uns gegenwärtig die beste Staatsform”, meinte Mazyek einmal in einem Interview offenherzig, den Unterschied zwischen Staats- und Herrschaftsform durcheinanderwerfend (http://islam.de/9891.php). Aber immerhin “gegenwärtig” – mal sehen, was die Zukunft für den Islam so bringt.

Bei Michel Friedman hatte Herr Mazyek “gegenwärtig” allerdings noch einen wichtigen Gedächtnisaussetzer - einern von vielen, die die Karriere des Islamfunktionärs immer wieder begleiten. “Ich weiß nicht”, treuherzte er Friedman an, “ich weiß nicht, was das religiöse Gesetz ist. Aber Sie wissen das scheinbar!”

Wenn ich Michel Friedmans hartnäckiges Nachfragen richtig interpretiere, dann vermute ich mal, dass Friedman das religiöse Gesetz des Islam anscheinend sehr wohl kennt.

Nur der Zentralratsgeneral Herr Mazyek, der kennt es scheinbar nicht.

 

 

 

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