Davon abgesehen habe ich am Berliner Zentrum nicht den Vergleich, sondern die Gleichsetzung kritisiert. Prof. Benz, der Leiter des Zentrums, spricht im Vorwort des neuen „Jahrbuchs für Antisemitismusforschung“ nicht von „ähneln“, sondern von „gleichen“: „Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der Antisemiten“, der Hass gegen die Muslime bediene sich „der gleichen Methoden…, die vom christlichen Antijudaismus wie vom rassistischen Antisemitismus entwickelt wurden.“ Diese Position wurde auf der Institutskonferenz am 8. Dezember 2008 ohne Abstriche wiederholt…
Es war eine merkwürdige Tagung, auf der man über das, was strittig war, größtenteils schwieg. Besonders strittig ist der Schlüsselbegriff „Islamophobie“. Angelika Königseder, die diesen Begriff ins Jahrbuch eingeführt hatte, erklärte jedoch zu Beginn ihres Vortrags: „Ich will keine Diskussion über diesen Begriff beginnen.“ Professor Benz hatte die Tagung bereits mit der Warnung, dass man über „Begrifflichkeiten und Termini“ nicht diskutiert wolle, eröffnet. Für eine wissenschaftliche Tagung ist diese Form der Eröffnung sehr ungewöhnlich.
Die Ausklammerung kritischer Punkte setzte sich fort. In meinem Papier hatte ich die einseitige Betrachtung des Karikaturenstreits durch das Jahrbuch (hier: gute Muslime, dort: böse Medien) kritisiert. Die Institutsmitarbeiterin Angelika Königseder ließ genau diesen Abschnitt ihres Artikels im mündlichen Vortrag aus. Also fand eine Diskussion hierüber nicht statt. Die Institutsmitarbeiterin Yasemin Shooman skandalisierte in ihrem Buchbeitrag nicht den Antisemitismus unter den Muslimen, sondern den Vorwurf des Antisemitismus unter Muslimen. Auch sie zog es vor, gerade dieses umstrittene Unterkapitel ihres Aufsatzes im mündlichen Vortrag auszusparen.
Da fragt man sich, was das Zentrum unter „Wissenschaftlichkeit“ versteht. Wer nach Wahrheit, also der größtmöglichen Übereinstimmung von Sprache und Wirklichkeit strebt, wird jeden gut begründeten Einwand gegen eine formulierte These begierig aufgreifen, um zu prüfen, ob die These der Kritik standhält oder ob sie gegebenenfalls modifiziert werden muss. Wie aber soll man eine als „wissenschaftlich“ apostrophierte Tagung bezeichnen, die gezielt eben dass, was umstritten ist, ausklammert? http://www.spme.net/cgi-bin/articles.cgi?ID=4791
Infos der Scholars for Peace in the Middle East gibt es hier: http://www.spme.net/join.html