Dem renommierten Mathematik-Professor Bernhard Krötz wird die Verwendung eines „N-Worts“ zur Last gelegt. Man schießt sich auf ihn ein, nachdem er vorher mit bildungspolitischer Kritik angeeckt ist.
„Zehn kleine black persons“ – das passt vom Versmaß her nicht zur Melodie des bekannten Kinderliedes. Professor Bernhard Krötz, der an der Universität Paderborn Mathematik lehrt, hat sich denn auch in einer E-Mail der Originalformulierung bedient. Ende Oktober ließ er – ungegenderte – „Studenten“ wissen, dass eine der parallel stattfindenden Übungen zur Vorlesung Lineare Algebra I künftig mangels Nachfrage ausfällt. „Die wenigen Teilnehmer verteilen sich bitte auf die verbleibenden Gruppen“, schrieb Krötz. „Hoffe, dass wir die zehn kleinen Negerlein nicht weiter singen müssen.“ Damit spielte der Mathematiker auf einen offenbar fortgesetzten Rückgang der Anwesendenzahl bei der Lehrveranstaltung an. Davon hört man auch an anderen Unis in anderen Fächern. Möglicherweise haben manche junge Leute, die durch die Corona-Zeit geprägt wurden, ein gestörtes Verhältnis zur physischen Präsenz entwickelt.
Die Negerlein-Äußerung des Hochschullehrers erhitzt die Gemüter. Derlei sei „nicht nur verletzend und diskriminierend“, sondern verstoße auch gegen „unsere gemeinsamen Werte von Toleranz und Respekt an der Universität“, heißt es in einer Erklärung, die von über einem Dutzend Fachschaften und mehreren Hochschulgruppen der südostwestfälischen Uni unterstützt wird. Ihr haben sich außeruniversitäre Organisationen wie das Bündnis gegen Rechts Paderborn und ein örtliches Feministisches Kollektiv angeschlossen. Vor dem Hintergrund von „Prof. Bernhard Krötz' Vergangenheit“ sei „diese Entgleisung als gewollte Provokation zu interpretieren“. Zu einer Provokation gehören immer auch diejenigen, die sich provozieren lassen. Die Erklärung wirft dem Wissenschaftler vor, dass er „nun auch offiziell in seiner Tätigkeit als Professor der Universität Paderborn rassistische Stereotype verbreitet“. Welche sollen das sein, wo er nur einen Liedtitel genannt hat?
Schulbildung im Visier
Die angesprochene „Vergangenheit“ des Betroffenen wird sich nicht darauf beziehen, dass er ein Heisenberg-Stipendium und eine ERC-Förderung für herausragende Wissenschaftler erlangen konnte. Außerhalb mathematischer Fachkreise hat sich Krötz vielmehr einen Namen als lautstarker Kritiker der Bildungsmisere in Deutschland gemacht. An der Vermittlung des Lehrstoffes, den Schulbüchern und der Niveauabsenkung hat er eine Menge auszusetzen. Berühmt wurde sein Video „Schulmathematik: Vergleich Indien-NRW“ – wie der wohl ausgegangen sein mag? Dort vertritt er die die Auffassung, dass die Mathe-Abschlussprüfung für baden-württembergische Realschüler in den 1970ern heute fast alle angehenden Realschullehrer in NRW überfordern würde.
„Die jungen Leute scheitern nicht, weil sie zu untalentiert sind“, nimmt Krötz gegenüber Achgut Schulabsolventen in Schutz, „sondern weil man ihnen kein vernünftiges Arbeitsverhalten beigebracht und das nötige Wissen durch fachlich entkernte Lehrpläne vorenthalten hat.“ Den „Vorgaben der Ideologen und Indoktrinatoren im deutschen Bildungswesen“ weist er die Schuld zu. Dabei stellt er böse Absicht in den Raum: „Wissen ist Macht und das soll natürlich nicht bei der Bevölkerung sein und in der Schule nicht vermittelt werden“. Vor einer Weile habe ich „zunehmende Indoktrination und Volksverdummungs-Pädagogik“ ebenfalls als Hauptprobleme im Bildungssektor ausgemacht. Der zweite Punkt – wohl der gefährlichere – war im „Paradies der Werktätigen“ wenig ausgeprägt. Krötz empfiehlt konsequenterweise, alte Mathe-Lehrbücher aus der DDR zu verwenden.
Der mittelfränkische Mathematiker kritisiert Auswüchse wie „sprachsensiblen Mathematikunterricht'' (siehe jenseits des Großen Teichs: „antirassistische Mathematik“) und Grundsätzliches wie die die große Rolle der Bertelsmann Stiftung bei der Transformation von Bildung in Deutschland. Damit tritt er manchen auf die Füße. Welche „diskriminierenden Aussagen“ er in diesem Zusammenhang allerdings getroffen haben soll, darüber lässt uns der studentische Aufruf gegen Krötz im Unklaren. Vielleicht stößt man sich daran, dass eines seiner Videos den Titel „Diskriminieren Sie!“ trägt und er dort den biologischen Unterschied zwischen Mann und Frau kurz erwähnt – das entspricht schließlich nicht dem woken Wissensstand.
Konsequenzen
Krötz‘ Gegner aus der erwähnten Erklärung – vielfach Studenten mit NRW-Schulhintergrund – verlangen von ihm eine Entschuldigung, von der Uni Paderborn eine Distanzierung sowie disziplinarische Maßnahmen gegen den Professor. Die Hochschule erkennt in den „Negerlein“ nichts strafrechtlich Verbotenes, wie sie dem Spiegel mitteilt, „behält sich vor dem Hintergrund ihres Werteverständnisses jedoch persönliche Gespräche ausdrücklich vor“. Krötz könnte also vor zeigefingerschwingende Uni-Vertreter zitiert werden.
Das Mathematische Forschungsinstitut Oberwolfach (MFO) im Schwarzwald geht einen Schritt weiter: Der Workshop „Mathematik an Gymnasien”, den Krötz dort Ende Januar halten sollte, entfällt. Der Hochschullehrer wurde nach Achgut.com vorliegenden Informationen beim MFO denunziert; dass der Spiegel die Negerlein-E-Mail als „rassistisch“ einstuft, könnte dort Eindruck gemacht haben. „Diese Vorgänge“, teilt das MFO etwas unkonkret einem Radiosender mit, „sind vollkommen unvereinbar mit den Werten und Standards unseres Instituts“.
Der Paderborner Aufruf wirft dem Professor den „nächsten Schritt in einer Eskalation, die wir nicht hinnehmen können“, vor. Welche Eskalation? Dass er einen Bildungsnotstand anprangert, ist schon schlimm genug, jetzt erwähnt er auch noch metaphorisch ein Kinderlied? Wenn hier etwas eskaliert, dann die Cancel Culture.
Christoph Lövenich ist Novo-Redakteur und wohnt in Bonn. Er hat zum Sammelband „Sag, was Du denkst! Meinungsfreiheit in Zeiten der Cancel Culture“ beigetragen.
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Intelligenz ist unerwünscht in diesem unseren Land. Bringen wir es doch einmal einfach auf diesen Nenner. Und wenn ich mir die heutige Politik, deren Äußerungen und Arbeitsergebnisse so anschaue, dann kann ich sehr eindeutige Rückschlüsse auf die dahinterliegenden Grundfähigkeiten ziehen. Und daraus wieder schließen, dass die sozialistische Bildungsgleichmacherei nach unten dazu dienen soll, dass so manches in der Politik und Medien Dargebotene nicht ganz so grottig und peinlich wirkt. Sägen wir also alle hellen Köpfe ab und sie halten uns am Ende noch für klug. Nur allerdings müsste sich doch mindestens die Hälfte der Bevölkerung dafür mit dem Hammer selbst auf den Schädel schlagen, sonst funktioniert das auch nicht. Und seit wann ist der Spiegel Experte für „Rassismus“? Immerhin diskriminiert man dort schon länger sämtliche Herkunftsdeutsche per Geburt als Nazis. Und diesen gesteht man deshalb keinerlei Rechte mehr zu, sollen sie doch arm sein, wohnungslos, sollen sie doch sterben. Geht es noch menschenverachtender als die Bürger im eigenen Land als verzichtbar darzustellen? Der Spiegel ist für mich längst der Gipfel des Zynismus und der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Oder sind Herkunftsdeutsche für euch vielleicht grundsätzlich keine Menschen, ist das eure Logik? Dieses Maß an kognitiver Dissonanz muss man erst einmal ignorieren können, es ist unglaublich. Ihr seid die Guten.
Mit etwas mathematischer und statistischer Grundbildung der Bevölkerung hätte sich das RKI mit seinen fehlerstrotzenden Zahlenwerken zum Virenwahn nur lächerlich gemacht. Es fing schließlich mit der Ermittlung der Inzidenz als der Zahl positiver Testergebnisse an, während seriöse wissenschaftliche Methoden zumindest den Versuch unternommen hätten, die tatsächliche Zahl der Infektionen und Erkrankungen zu schätzen. Dazu gehören randomisierte Proben einer repräsentativen Testgruppe.
Ja, Wissen ist Macht und dementsprechend setzt unsere Regierung konsequent und erfolgreich auf Verdummung. Bloomberg schrieb kürzlich, es werde für die deutsche Wirtschaft bald ein „point of no return“ erreicht. Nein, dieser ist längst überschritten.
Vielleicht sollte für das Studieren Gebühren erhoben werden. Damit bekäme das Studium wieder den Stellenwert, den es mal hatte.
Na ja Mathematik ist elementare Logik. Das kollidiert mit unserer gegenwärtigen Politik. Dort ist Wurzel aus Vier ungefähr 3. Die Studierenden (Ich könnte mich wegschmeißen über das Deppenpartizip, Nur Blödseiende verwenden das) sind wider Erwarten unerwartet gut, Unsere jungen Absolventen der Ingenieurwissenschaften sind zwar unerfahren, aber richtig gut. Die lernen das. Das können die. Immer mehr Mädels. Die werden auch immer besser. Könnte auch an der Qualität unserer Personalabteilung liegen. Wer auch immer, Professoren, Dozenten, Personalchefs, Danke!
Nun, da die Intelligenz und Bildung bei „Studier--enden“ vom Mittelwert inzwischen um ein Sigma nach links abweicht, braucht einen doch gar nichts mehr zu überraschen…
„Ende Oktober ließ er – ungegenderte – “Studenten„ wissen, …“ Völlig korrekt. Solange man immatrikuliert ist, darf man sich als Student bezeichnen. „Studierender“ ist man nur, wenn man die Nase in die Bücher steckt, im Labor seine Versuche macht, lernt, sich Wissen und Fähigkeiten aneignet – AKTIV ist. Ich kann bis jetzt nicht nachvollziehen, warum so viele Leute so unreflektiert Begriffe verwenden, die unpassend sind.
Herr Prof. Krötz gehört ganz offensichtlich nicht nur zu den guten Mathematikern, sondern ist auch sprachlich völlig auf der Höhe. Hoffentlich lässt er sich nicht von diesen Zeitgeist-Luftpumpen fertig machen. Ich drücke ihm die Daumen.
Na ja. Ich bin zwar klar auf der Seite dieses Bildungskritikers, jedoch etwas feinfühliger hätte dieser Mensch und „Mathematiker“ schon sein können. ++ An seiner Stelle würde ich die Anforderungen sehr hoch halten (relative Forderung) und diese dummen Freaks und dekadenten Schwätzer und heimtückischen Heuchler, an der Prüfung gnadenlos scheitern lassen. ++ Man sollte diese Deppen und deren Bösartigkeit nie unterschätzen und nicht unnötig provozieren.