Gastautor / 10.09.2019 / 12:00 / Foto: Pixabay / 27 / Seite ausdrucken

Maternalismus (2): Moral über alles?

Von Maximilian Tarrach.

Der Maternalismus hat ideologische Facetten. Diese ergeben aber kein ganzheitliches Gesellschaftsmodell. Sie sind eher ein Sammelbecken von Ideen, die der Einschränkung des disruptiven, dominanten, im Hintergrund immer mit Gewalt drohenden, männlichen, unternehmerischen Zivilisationsmodells dienen.

Eine Facette dieser Ideologie ist die permanente Moralisierung öffentlicher Debatten. Frauen neigen deshalb zu einer stärkeren Moralisierung von Konflikten, weil sie Konflikte nicht als Austragungsort von Stärke, sondern von Loyalität verstehen. Kommunikation dient der ständigen Aufrechterhaltung von Loyalität. Damit werden die Handlungsmuster gesteuert. Wer nicht mehr als loyal erlebt wird, wird verbannt. Weibliche Kommunikation ist stark dialektisch und apodiktisch. Freundlich und offen oder abstoßend und verneinend. Die Zwischentöne fehlen. Die für Männer typische asymmetrische Kommunikation, in der durch die Herausforderung (Witz, Argument, Satire) die Autorität des anderen getestet wird und die dem anderen Raum für eine Erwiderung lässt, gibt es hier nicht, weil die weibliche Kommunikation nicht auf der Herausforderung, dem offenen Angriff oder des Wort-Duells, sondern auf der Symmetrie von Gleichen basiert.

Weibliche Kommunikation wird deshalb häufig inhaltlich als redundant und flach, psychologisch aber als Meta-Gespräch erlebt. Das nette Wort zur innerlich längst missliebigen Nachbarin soll die noch vorhandene Neigung zur Versöhnung nicht abbrechen lassen. Die Worte sind nicht ihrem Inhalt gemäß geordnet, sondern dienen der Funktion zur Gruppenintegration oder der Exklusion. Die meiste Zeit über reden Frauen in Sprechakten, nicht in inhaltlich gehaltvoller Sprache. Die Exklusion, der Ausschluss aus der Gemeinschaft, erfolgt durch einen Empörungs-Sprechakt gegenüber dem Missetäter, der durch eine Enttäuschung der Loyalitätserwartungen begründet wird. „Wie kann man nur so etwas tun? Das hätte ich von dir nicht erwartet! Schere dich zum Teufel, dich lasse ich nicht mehr in die Nähe meiner Kinder!“

Das Dogma einer allgemeinen Moral

Männer verstehen oft nicht, warum schon die Art einer Aussage, mithin die Wortwahl, eine solche Empörung auslösen kann. Das geschieht deshalb, weil in der weiblichen Kommunikation schon die Intention des Sprechers auf Loyalität zur Bezugsgruppe hin abgeklopft wird. Lässt die Intention des Sprechers auf eine egoistische oder in anderer Weise nachlässige Gesinnung schließen, ist dies für eine Frau gleichbedeutend mit einer offen ausgetragenen Verletzung. Diese sonst in Paarbeziehungen für Konflikte sorgende Kommunikationsart wird nun öffentlich gemacht und gipfelt in einer erdrückenden politischen Korrektheit, in der nicht nur nette, allgemeinen Höflichkeitsformen verpflichtete Rede geboten ist, sondern auch eine reine Gesinnung überprüft wird.

Damit eine reine Gesinnung überhaupt festgestellt werden kann, braucht es eine allgemeine Gesinnungsethik. Frauen sind daher viel stärker an absoluten Tabus und unverzeihlichen Geboten interessiert als Männer. Für Frauen ist die Ethik das Mittel zur Unterscheidung zwischen einem gefährlichen oder ungefährlichen Menschen. Für Männer hingegen ist die Ethik bloß eine kluge Ansammlung von Regeln zur Gewaltvermeidung. Sie dient der Kooperation, ist die Manifestation des Soll, die nur im Kontrast zum Wollen Sinn ergibt. Sie wird als Leitlinie, aber nicht als Grundzustand verstanden. Unter Männern wird niemandem das verständliche egoistische Motiv zur Moralvermeidung abgesprochen. Ein moralisches Vergehen wird hier nach allgemeinen Grundsätzen bestraft. Die Gesinnung kann dabei außen vor bleiben.

Dem Maternalismus genügt das nicht. Die öffentliche Berichterstattung und die öffentlich geführten Diskurse werden dem Dogma einer allgemeinen Moral unterworfen. Was man nicht mehr sagen darf, was man nicht mehr denken darf, was man nicht mehr tragen darf, wird penibel durchdekliniert. Frauenzeitschriften definieren „Dos und Don’ts“ am laufenden Band und auch die Politik und die Wirtschaft werden mehr und mehr nach dem äußeren Gebaren und weniger nach der argumentativen Brillanz bewertet.

Für die Abstrafung von Missetätern braucht es natürlich Sanktionsmechanismen. Skandale und Empörungswellen sind die öffentlichen Pendants zur privaten Verdammung von Sündern. Es findet nun ein ständiges gesellschaftliches Inkludieren und Exkludieren von Mitbürgern statt. Jeder ist verdächtig, es nicht gut mit der Gesellschaft zu meinen. Die Unschuldsvermutung ist nur noch männliche Makulatur eines veralteten Systems. Wichtiger als die Feststellung rechtlich relevanter Straftaten wird das Urteil der Öffentlichkeit über die Moral des Täters.

Robert Habeck ist das neue Vorbild

In der Wissenschaft wird der Grundsatz der Wertfreiheit und der kritisch-rationalen Wahrheitsfindung angegriffen. Skeptische Wahrheitsfindung, die das Erreichen letzter Wahrheiten ablehnt, kann nicht als Waffe zur Moralisierung verwendet werden und wird daher als scholastische Überspitzung einer Männerlogik abgelehnt. Auch in der Wissenschaft schleichen sich daher gesellschaftlich akzeptierte und geächtete Wahrheiten ein. Streit und Diskurs werden in der Wissenschaft zunehmend skeptisch gesehen, weil sie Dissens befördern und zu einem größeren Spektrum an akzeptierten Meinungen führen. Die Tendenz des Maternalismus will aber das Spektrum an moralisch zulässigen Wahrheiten möglichst klein halten. Die Komplexität der Theorien darf nicht zu sehr zunehmen. Vagheit und Bescheidenheit der Lehre werden als Charakterschwäche ausgelegt. Außenseiterpositionen werden diskriminiert und vom Hof gejagt. Lehrstühle werden unter die Meinungshoheit der Öffentlichkeit gestellt.

Generell ändern sich die Ansprüche an Amtsträger und Menschen mit verantwortungsvollen Positionen. Werden in Männergesellschaften Querdenker und Einzelgänger für Führungspositionen bevorzugt, die durch Selbstständigkeit, Charisma und Streitlust brillieren, sind nun Mehrheitsfähigkeit, Zurückhaltung und Angepasstheit gefragt. Sie bilden die Charakteristika der maternalistischen Führungsriege. Robert Habeck ist das neue Vorbild dieser Entwicklung. Er tritt nicht als Macho auf, nicht zu chic, nicht zu überheblich, er hat eine klare moralische Botschaft und bleibt immer höflich und dezent. Die Inhalte, gerade die Widersprüche und die Zugkraft seiner Ideen treten in den Hintergrund. Das auf breite Anerkennung ausgelegte äußerliche Betragen schlägt im Maternalismus das auf Dominanz ausgerichtete Führungsideal der alten Männerwelt.

Die Humanisierung wird nicht nur durch einen sorgsameren Umgang der Menschen untereinander deutlich, sondern auch im Umgang mit der Natur. Die Welt der Dinge wird beseelt und unter den Schutz der guten wohlmeinenden Menschen gestellt. Hunde und Katzen werden zu Familienmitgliedern, weshalb Tiere nicht mehr als Nutztiere und Schlachtvieh betrachtet werden dürfen. Frauen können die Tatsache der Hackordnung der Natur, deren Teil sie sind, weniger gut verkraften. Für sie ist die Tötung eines Tieres nicht unter dem Aspekt der Verwertbarkeit, sondern der eigenen Schuldigkeit zu sehen. Frauen können generell stärker für (angebliche) Verfehlungen affiziert werden. Vegetarismus und Veganismus sind Ausdruck dieser Neigung und werden zum Zeichen moralischer Lebensführung offensiv nach außen getragen. Männer würden die Schwäche verstecken, die es ihnen verbietet, ein Tier aus Mitleid zu essen. Frauen machen daraus ein Gesprächsthema.

Ausgewählte Schnipsel der Wissenschaft

Aber auch Gurus und Lebensberater erfahren durch das für Beeinflussung durch fremde Ohren offenere Geschlecht eine Aufwertung. Wollen Männer in der Tendenz ihre Probleme selbst bewältigen und nur Rat eines weisen Vaters akzeptieren, der ihre Rolle als Selbstständigen aber nicht gefährdet, sind Frauen weitaus affiner für Menschen, die ihnen Erlösung für vorher nicht empfundene Schwächen garantieren. Methoden, die nicht der rationalen Begründung zugänglich sind, sind hier besonders beliebt. Homöopathie und laienpsychologische Persönlichkeitscoachings liegen nicht zufällig im Trend. Die hohe Beachtung, die das Innenleben der Frau durch die besondere Behandlung des Gurus erfährt, spült all ihre Zweifel hinweg. Erfahrungsberichte von bereits erlösten Leidensgenossinnen sind wichtiger als tatsächlich messbare Erfolge.

Frauen sind in der Tendenz beeindruckter davon, dass ein Außenstehender vorgibt, ihre Persönlichkeit nach wenigen Minuten erkennen zu können, ihr ihre tiefsten Sehnsüchte zu offenbaren und für sie ihre so komplizierte Seele zu deuten. Frauen dehnen die Beratungsindustrie auf alle Bereiche des Lebens aus. Wie mache ich Sport, wie esse ich, wie erziehe ich meine Kinder? Alles Fragen, die nicht durch echte Beschäftigung mit dem Material, sondern durch öffentliche Hypes und Trends entschieden werden, die sich wiederum bestimmte Gurus zunutze machen. Diese benutzen ausgewählte Schnipsel der Wissenschaft, um sich eine Aura der Sachkenntnis zu geben, verbreiten ansonsten aber Allgemeinplätze, verdrehte Halbwahrheiten oder selbst ausgedachten Unsinn.

Der Ökologismus selbst ist älter als der Maternalismus. Er beginnt schon mit den Lebensreformbewegungen des 19. Jahrhunderts, die wiederum starke sozialistische Wurzeln haben. Das Eigentum wird hier als ungerechtfertigter Eingriff in die Natur verstanden, mit der sich der Mensch an der natürlichen Harmonie versündigt. Wie der Sozialismus den Wettbewerb und die Abgrenzung unter den Individuen in der Gesellschaft beklagt, so beklagt der Ökologismus die fehlende Harmonie des Menschen mit seiner Umwelt. Der Mensch mache sich Dinge und Tiere einfach Untertan und denke nur an sein Fortkommen. Das wird als ungerecht und gemein angesehen. Es wird der Wunsch nach einer möglichst friedfertigen, nicht aggressiven Lebensart eingefordert. Man will niemandem etwas wegnehmen oder ein Tier töten müssen, um zu überleben. Man will niemandem etwas zuleide tun, niemanden verletzen. Diese Grundintuitionen greift heute der Maternalismus auf, der auch nach Harmonie und Gewaltfreiheit strebt, nachdem die Lebensreformbewegungen krachend in sektiererischen Kommunen gescheitert sind.

Der Wille zum Natur-Pazifismus

In der Tendenz empfinden Frauen einen starken Wunsch danach, ihrer Umwelt keinen Schaden zuzufügen. Sie empfinden es als gemein und hart, für den eigenen Vorteil die Natur zu verbrauchen oder Tiere zu töten. Die milde und sanfte Seite der Feminisierungswelle, welche bereits die menschliche Gesellschaft reformiert hat, wird weiterentwickelt und auf die unbelebte und restliche belebte Natur ausgedehnt. Dass diese Natur nicht harmonisch, dass sie mithin in einen ständigen Kampf ums Überleben verstrickt ist, ob das dem Menschen gefällt oder nicht, und dass die unbelebte Natur per definitionem keine Seele hat, die man verletzen könnte, wird nicht hinterfragt, wie folgende Floskeln nahelegen: „Der Erde ginge es besser ohne uns.“ „Der Mensch ist der Krebs dieser Welt, er breitet sich exponentiell aus und zerstört alles andere.“ „Hoffentlich kommt bald eine noch besser entwickelte Spezies und verdrängt uns.“

Der Wille zum Natur-Pazifismus mündet logisch in einen suizidalen Nihilismus. Das menschliche Leben wird dem eines Bakteriums gleichgestellt. Dem Überlebenswillen des Menschen wird die Selbstaufgabe als moralisch höherwertig entgegengehalten. Das wäre logisch betrachtet das Ende der menschlichen Zivilisation.

Die überwiegende Mehrheit der maternalistischen Gesellschaft denkt diese Position aber nicht zu Ende und erkennt daher die Radikalität der eigenen Ansichten nicht. Die meisten wollen sich nur mit jener Güte schmücken, die sonst schon zum Kriterium öffentlichen Ansehens emporgeklettert ist. In dieser Logik bedeutet „öko“ sein, die intuitiv plausible Forderung, nicht nur gut zu den Mitmenschen, sondern auch zum Planeten zu sein. Wir sind nicht nur nett zueinander, sondern auch zu allem, was uns umgibt. Widersprüche werden ignoriert und verdrängt, das eigene Weltbild verklärt, bestimmte durch Berater und Gurus empfohlene Heilswege werden zu Trends, die zwar nichts am Weltverhältnis, aber am Selbstbild ändern. Man fühlt sich besser, wenn man mit der Baumwolltüte einkaufen geht. Und nur das zählt.

Arbeit ohne Genuss ist vertane Liebesmüh

Auch asketische Ideen sind heute wieder gefragt. Hat die rationale freiheitliche Ordnung dem Individuum Auswahl und Wohlstand, Tätigkeit und Vielfalt gebracht, steht dem die Abkehr, die Müßigkeit und die Unabhängigkeit des Puritaners entgegen. Auch hier wird eine Theorie der Gewaltfreiheit zum Ausgangspunkt einer ganzen Weltsicht. Eigentlich ist Asketismus die Überforderung mit der eigenen Positionierung in der Welt. Man möchte sich am Treiben des Lebens nicht mehr beteiligen müssen. Die Stoa waren reiche alte Männer, die sich um nichts sorgen mussten und aus Angst vor den kleinsten Gefühlsregungen die Idee absoluter Bedürfnislosigkeit predigten. Bedürfnislosigkeit erzeugt in einem perversen Sinne Glück und Unabhängigkeit, denn man hat das Gefühl, endlich vollkommene Macht über das eigene Leben zu besitzen.

Die Einflüsse der Außenwelt werden auf ein Minimum reduziert, deshalb auch der Hang zur Meditation und zu halluzinogenen Drogen, weil auch die geistige Welt noch vollkommen kontrolliert werden soll. Der Asket muss keine Sorgen und keine Erwartungen mehr an das Leben stellen. Er ist nur noch atmendes, halb verhungertes Subjekt seiner reinen Empfindungen. Er braucht nichts und er erhofft sich nichts, aber er baut auch nichts auf und erzeugt nichts. Zivilisation ist immer Hoffnung, Wille und Tat. All das scheut der Asket, aus Angst vor dem Scheitern. Es war eine seltene Mischung und ein lebensrettender Einfall, dass die puritanischen Calvinisten ihren Asketismus nur auf den direkten Konsum, nicht auf die produktive Arbeit richteten und damit immerhin Produktion und damit wirtschaftlichen Fortschritt möglich machten. Aber Arbeit ohne Genuss ist vertane Liebesmüh. Es braucht den Sinn des Verzehrs, damit das Erschaffene schmeckt.

Konsumismus ist Diesseitserfüllung der Wünsche, ist Lebensbejahung und gerechtfertigte Belohnung für die Plage der Arbeit. All das stellt der Asketismus in Frage. Am Asketismus reizt den Maternalismus seine Weltabgewandtheit, seine angebliche Reinheit und Gewaltlosigkeit, da Selbstaufgabe. Nur wenige Menschen waren seit jeher bereit, zu wahren Asketen zu werden. Daher schmückt sich der Maternalismus nach außen mit Askese und belohnt sich nach innen mit Konsum. Die Welt da draußen soll befriedet werden, im Hort der Familie darf man schlemmen. Der Asketismus des Maternalismus ist mehr Schein als Sein.

Die Mischung macht's

Der Maternalismus gefährdet die Demokratie, den Rechtsstaat, die freie Meinungsäußerung, den kritischen Rationalismus, die Vielfalt der moralisch vertretbaren Haltungen, technische und wirtschaftliche Innovationen, den Wohlstand und die säkulare Gesellschaft. Wir brauchen eine Debatte, die all diese Fehlentwicklungen thematisiert und in einen systematischen Zusammenhang stellt. Dabei darf man nicht der naiven Ansicht verfallen, dass man die heutigen Probleme durch einen Rückbau der Feminisierung erreichen könnte. Die Feminisierung ist zwar der Auslöser, aber nicht das Übel, an dem wir die Debatte aufziehen sollten. Der Maternalismus hat greifbare ideologische Kerne, wie eine übertriebene Sicherheitsaffinität, einen Hang zum Irrationalismus, zur Hysterie, zur Panik und zur Unfreiheit als Mittel der Wahl, um dem Drang nach Sicherheit nachzukommen. Gegen diese Ideen müssen die Ideen der Freiheit, des Fortschritts und die Attraktivität sachlicher Argumente und sinnvoller Debatten ins Feld geführt werden.

Wir können unsere Gesellschaft eine Evolutionsstufe weiterdrehen, wenn wir es schaffen, uns nicht nur zu feminisieren, sondern die Feminisierung kritisch-rational zu gestalten. Wir sollten versuchen, eine Mischung aus rational-legalen, auf Wirtschaftlichkeit und Fortschritt bedachten Gesellschaftszügen mit den auf Würde und Gleichberechtigung abzielenden Institutionen zu vereinen, welche die Feminisierung und Humanisierung uns gebracht haben. Ein gewisses Spannungsfeld wird zwischen diesen beiden Polen immer bleiben.

Wie F. A. von Hayek bereits betonte, kann man den kategorischen Imperativ Kants radikal auslegen, dann dürfte niemand für jemand anderen arbeiten, denn sobald er dies täte, machte er sich zum bloßen Mittel des anderen. Wenn man das Konzept der Würde des Menschen zu stark überzeichnet, ist gesellschaftliche Kooperation unmöglich, da sie nie auf Gleichheit, sondern auf Ungleichheit basiert. Getauscht wird nur zwischen Ungleichen. Der eine will, was der andere hat und umgekehrt. Wer dieses Grundprinzip nicht akzeptieren kann, muss die Wirtschaft und die offene Gesellschaft insgesamt ablehnen. Wer allerdings die Extremposition verlässt, kann sinnvoll für die Achtung vor der Würde eintreten, ohne den Fortschritt zu hemmen.

Teil 1 finden Sie hier.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei Philosophische Auszeit, dem Blog von Maximilian Tarrach.

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Martin Schneider / 10.09.2019

Weibliche Komunikation hat nichts mit Dialektik zu tun. Ein Kardianalsfehler der Männer. “Frauen sind wie Männer, nur indirekter”. Dialektik hat als Kern die Wahrheit, weibliche Kommunikation hat keinen Kern und sucht keine “Wahrheit”. Höchstens emotionale Erfüllung.  Weibliche Kommunikation ist indirekt, vage, und man kommuniziert im Kontext. Männer komunizieren, um Wissen auszutauschen. Frauen kommunizieren, um Schutz, Ressourcen, also einen möglichst ausgeprägten femininen Imperativ ausleben zu können. Um ihre Gene in die nächste Generation unter möglichst idealen Bedingungen weiterzugeben. Das nennt man “female Solipsism”. Und das wars dann. Da kommt keine Erkenntnis mehr, keine Erleuchtung.  “In der Tendenz empfinden Frauen einen starken Wunsch danach, ihrer Umwelt keinen Schaden zuzufügen.” Frauen pflügen sogar die ganze Gesellschaft um, um ihren genetischen Imperativ durchzusetzen.  Siehe die Abholzung der hesssichen Wälder für die für Windkrafträder. “Umweltschutz” ist das neue Vehikel, um den Feminismus auf die nächste (globale) Stufe zu heben. Die Umwelt ist Frauen in einem großeren Kontext total egal. Solange sie in der Innenstadt mit dem Fahrrad zum Lieblingscafe kommen (SUV-Verbot) . Oder warum wird der Klimakiller Nummer 1, die Überbevölkerung, nicht angesprochen? Der “female solipsism” wirkt immer nur auf die nächste Umgebung, der größere Kontext und die Zukunft sind egal. Auch wenn das Gegenteil vehement von Frauen behauptet wird. Man hat mit der Migrationskrise der Umwelt massiven Schaden in Deutschland zugefügt (CO2-Abdruck der Migranten verzehnfacht sich, zudem werden weitere Flächen versiegelt) , alles nur um möglichst archaische junge Männer im Rahmen des femininen Imperativs anzusiedeln. (Der sexuelle Marktwert der einzelnen Frau steigt, je mehr Männer die Gesellschaft hat, desto niedriger die intrasexuelle Konkurrenz der Frauen untereinander). Zukunft und Umwelt? Sind für Frauen entbehrlich.

sybille eden / 10.09.2019

Mich beschleicht der “leise” Verdacht ,daß diese ganze Entwicklung erst mit der Einführung des FRAUENWAHLRECHTS 1919 Fahrt aufgenommen hat. Hat die “Gesellschaft” da etwas falsch gemacht ? Es wäre sehr interessant, einmal die damaligen Gegenstimmen zu erfahren. Vielleicht haben einige von denen das alles damals schon geahnt?

Sabine Schönfelder / 10.09.2019

Herr Tarrach, die größten Moralisten in der Verkündigung sind bis heute die Kirchenvertreter, und diese waren jahrhundertelang männlichen Geschlechts. “Konflikte verstehen Frauen als Austragungsort für Loyalität”, wer sich als illoyal erweist, wird entsorgt. Unsere Kommunikation ist dialektisch, apodiktisch, inhaltlich redundant, flach und wird als Meta-Gespräch erlebt? Wir Frauen leben offenbar in geistiger Vernebelung und mit dem Unvermögen zu objektiven Bewertungen, daß aber im Befehlston der Überzeugung. Starker Tobak! Vielleicht sollten Sie, bevor Sie sich von einem Klischee zum nächsten hangeln, überlegen, welche Vorstellungen Sie in ihrem Bewußtsein lagerten, als Sie diese Zeilen schrieben. Von Merkel, Roth, KGE oder Ihrer Klavierlehrerin? Frauen sind nicht die Krankheit an der diese Gesellschaft zweifellos leidet, sondern selbst auch nur ein Symptom. Was Sie anhand Ihrer These eines vorherrschenden Maternalismus den Frauen in ihrer ihnen angeborenen Geschlechtlichkeit an Eigenschaften und Verhaltensmustern zuweisen, trifft ebenso auf jede Menge Männer zu und ist nichts anderes als das fatale Endprodukt einer übersättigten Gesellschaft. Der Spielplatz des beruflichen Erfolgs, des materiellen Gewinns, des gesellschaftspolitischen Agierens muß seit der Emanzipation der Frau und der Erfindung der Pille mit dem anderen Geschlecht geteilt werden. Wer das als ‘Maternalismus’ bezeichnet, ist a) selbst nicht bereit, sich in die Auseinandersetzung mit den Frauen zu begeben (siehe Politik) und begeht b) den Fehler eine gesellschaftliche Fehlentwicklung, die Sie am links-grün ideologisierten Weibchen vortrefflich beobachteten, auf alle Frauen zu verallgemeinern. Frau@ Grimm faßt es pragmatisch zusammen, wir brauchen gesunden Menschenverstand, das Geschlecht ist schnuppe!

Helge-Rainer Decke / 10.09.2019

@Quentin Quenchen, was meinen Sie damit, es bedürfe des Autors Mut, seinen Text auch zu veröffentlichen? @Rainer Niersbach, Ihr Diskurs wird dem Autor aus meinem Horizont geurteilt gerecht. Ausgewogen, sachlich, kritisch und überzeugend. @Helene Bronner-Fiorentino, sehe ich ähnlich. Auch ich möchte wissen, inwieweit Brücken der Statik entsprechend belastbar sind, das Gemüse mit Chemikalien haltbarer gemacht wurde und das Wasser von dem ich trinke, nicht verunreinigt ist, sondern durch kontrollierte Aufbereitungsanlagen in die Wasserrohrleitungen gedrückt wird. Hier widersprach ich gestern bereits dem Autor, indem ich diesbezüglich lieber für ein mehr an Maternalismus als zu wenig plädiert habe.

maciste rufus / 10.09.2019

maciste grüßt euch. abgesehen von dem seitenhieb auf die stoa und der zwar in teilen berechtigten (bereits von hegel und später von nietzsche thematisierten), aber zu kurz gefassten kritik der askese ein argumentativ stringent entwickelter und schön geschriebener essay. es war mir ein vergnügen, ihn zu lesen. indes sind und bleiben m.e. gewalt, schmerz und tod die wahren prüfsteine des menschendaseins, und wer frauen mit gewalterfahrung aus kriegerischen auseinandersetzungen kennengelernt hat, der weiß - oder erahnt zumindest - warum frauen so sein müssen, wie sie nun einmal (evolutionsbiologisch durchaus erfolgreich) sind. den männern sind die befindlichkeiten von frauen im kern übrigens vollkommen egal, solange sexuelle bedürfnisstillung möglich ist - auch der angeblich feminisierte mann lebt nur ein aktuell erfolgreiches balzverhalten aus. noch leben wir im nordatlantischen raum in einer historischen ausnahmesituation, aber ein neues eisernes zeitalter zieht schemenhaft bereits auf: wer spricht z.b. in der ostukraine noch von “femen”? battle on.

Gabriele Schulze / 10.09.2019

Natürlich nicht zu verallgemeinern: Frauen ist es sehr wichtig, ihre unmittelbare Umgebung zu kontrollieren, resp. mit ihrer “Fürsorge” zu belästigen, zu ersticken und kleinzuhalten (Krabbenkorb). Angst davor, “böse” zu sein. Das verunmöglicht so einiges, verkleinert den Radius. Lächeln verdeckt durchaus vorhandenes Dominanzstreben (Bestimmerin). Hat mich schon einige Lebenszeit gekostet und ist eigentlich langweilig.

Werner Grandl / 10.09.2019

Der feminisierte, mental kastrierte europäische Mann ist ein Symptom des Niedergangs der Gesellschaft. Deswegen auch die “Angstlust” mancher ansonsten feministischer Frauen, wenn sie junge, virile Migranten auf Bahnhöfen begrüßen durften. Die Vernunft ist nur die dünne oberste Schicht des Menschseins. Darunter walten Triebe und Instinkte. Unsere auf rationalem Denken basierende Zivilisation ist das Ergebnis der Anstrengung kluger Männer über Generationen, seit die griechischen Philosophen den Schritt vom Mythos zum Logos taten.

Werner Arning / 10.09.2019

@Andreas Rühl Es ist kein Zufall, dass Männer in deutschen Film- und Fernsehproduktionen wie die absoluten Volltrottel dargestellt werden. Es geht darum, das angeblich noch existierende Männerbild zu zerstören und ein neues Frauenbild zu schaffen. Männer als Clowns und Frauen als die neuen Männer.

Markus Mertens / 10.09.2019

“Erfahrungsberichte von bereits erlösten Leidensgenossinnen sind wichtiger als tatsächlich messbare Erfolge.” Haha.  Sehr gut, genauso verhält es sich. Die Genauigkeit hat ihren Preis: Der Autor bewegt sich quer und gegen jede derzeit gefühlte Wahrnehmung der Realität. Er muss aufpassen, nicht als “Hetzer” klassifiziert zu werden.  Das geht heute sehr schnell.

Werner Arning / 10.09.2019

Und zum Weiblichen gehört auch die Fürsorge. Das Helfen-wollen, die Pflege, das Verpflegen. Wie stark unsere Gesellschaft weiblich geprägt ist, sieht man auch anhand der Flüchtlingspolitik, der Flüchtlingshilfe. Ein übermäßiger Sozialstaat ist ebenfalls Ausdruck einer Weiblichkeit unserer Gesellschaft. Die bedingungslose Liebe ist nicht männlich. Väterliche Liebe ist an Bedingungen geknüpft. Fordert, stellt Ansprüche, erwartet Gegenleistung und Anpassung. Das deutsche Verhalten in der Flüchtlingskrise ist mütterlich. Mütterlich und weiblich. Auch Männer können sich mütterlich und weiblich verhalten. Unsere Gesellschaft ist auf dem Weg zu einer mütterlich/weiblichen Gesellschaft, bzw. hat diesen Zustand bereits erreicht.

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