Was ist los im Norden? Keine Maskenpflicht in Finnland – wie ist das möglich? Ich habe einen persönlichen Finnland-Korrespondenten – Thomas Penttilä –, der mir regelmäßig berichtet, was da oben los ist und der mir, da wir uns schon länger kennen, das Geheimnis verraten hat, mit dem es die Finnen schaffen, einigermaßen glimpflich durch die Krise zu kommen. Es liegt an gewissen Besonderheiten ihrer Mentalität, über die wir nur staunen können, die sich in dem Zauberwort „kalsarikännit“ verdichten. Ich werde gegen Ende meines kleinen Berichtes versuchen, den Begriff so gut wie möglich zu erklären.
In Finnland gab es bisher kaum Tote. Davon wird in diesem Artikel berichtet, den man sich mit einem Klick aus dem Schwedischen übersetzen lassen kann, und der ein Foto zeigt von einem Restaurant im Freien mit lauter Finnen, die frei von Masken sind und – wie es aussieht – auch frei von Sorgen.
Für das uns so vertraute Stichwort „Corona-Fälle“, auf das wir schon abgerichtet sind, bietet uns die automatische Übersetzung „Corona-Stürze“ an. Davon gab es nicht sehr viele. In den letzten zwei Monaten sind weniger als 10 Menschen pro Tag abgestürzt. Wie viele von ihnen nachher wieder aufgestanden sind, wird nicht gemeldet. In Finnland ist es üblich, dass die Leute nach einem Sturz in der Regel wieder aufstehen.
Es gab bisher keine allgemeine Maskenpflicht
Mein privater Korrespondent meinte, es wären tatsächlich nur fünf bis zehn neue „Stürze“ pro Tag gewesen, womit sowieso nur Testergebnisse mit fragwürdiger Aussagekraft gemeint wären. In einem Zeitraum von sieben Tagen hätte es vielleicht einen Toten gegeben. Kein Grund zur Panik also. Wer Atemwegserkrankungen habe, würde zu Hause bleiben (was der Finne sowieso gerne tut), dazu brauche er keine Vorschriften, ihm reichen Empfehlungen (die der Finne allerdings ernst nimmt).
Es ist erstaunlich, aber wahr: Es gab bisher keine allgemeine Maskenpflicht. Was auch daran liegen kann, dass es zu Beginn der Krise sowieso nicht genügend Masken gegeben hätte. Irgendwie ging es dann auch so. Darin zeige sich, wie Thomas Penttilä erklärt, eine charakteristische finnische Besonderheit: irgendwie geht es immer.
In den Schulen wurde von einem Tag auf den anderen der Unterricht auf Fernunterricht umgestellt (was sowieso recht beliebt ist, der Finne liebt die Ferne …), dann gab es erst einmal Ferien (die sehr lang sind, der Finne liebt lange Ferien …). Doch die gehen nun dem Ende entgegen. Wie der Schulalltag demnächst aussehen soll, ist unklar. Aber irgendwie wird es schon gehen.
Deutsche dürfen jetzt einreisen
Bislang gab es lediglich Empfehlungen, etwa zwei Meter Abstand zu wahren. Damit schienen alle gut zurechtzukommen. Thomas Penttilä nicht. Er war von Anfang an unglücklich darüber und sehnte sich nach der alten Angewohnheit, mindestens vier Meter Abstand zu halten.
Auch das Einkaufen schien ohne Maske – aber mit Abstand – zu funktionieren. Eine Stimmung wie in Deutschland, wo man denunziert wird, wenn man es wagt, ohne Maske einzukaufen, gibt es in Finnland nicht. So etwas entspricht womöglich einer eher typisch deutschen Mentalität.
Vielleicht liegt es an den Elchen, die bekanntlich ein stark ausgeprägtes Hörvermögen haben, das sich auf rätselhafte Weise auf die Menschen übertragen haben könnte. Elche können selbst leise Geräusche auf kilometerlange Entfernungen genau orten. Finnische Kunden können mit ausreichendem Sicherheitsabstand zielgenau einkaufen.
In dem erwähnten Artikel sind weitere Lockerungen angekündigt. Bisher durfte es nur Veranstaltungen mit bis zu 50 Personen geben, jetzt sind bis zu 500 Personen erlaubt. Auch die Einreisebeschränkungen sind gelockert worden. Deutsche dürfen jetzt einreisen. Finnen mögen Besucher aus Deutschland.
Finnen lügen nicht – und haben Humor
Man muss wissen, dass finnische Popgruppen schon lange darauf eingestellt sind, notfalls auch ohne Publikum zu spielen. In diesem Video zeigen sie eindrucksvoll, wie es ihnen gelingt, internationale Welthits selbst aus der Isolation heraus so ergreifend darzubieten, dass man nichts vermisst.
Natürlich kann man im Norden keine Ballermann-Stimmung erwarten. Dieses Video zeigt bereits das Höchstmaß an möglichen Gefühlsausbrüchen, die im näheren Umkreis einer Sauna zu erwarten sind (in Finnland befindet man sich überall im näheren Umkreis einer Sauna). Man spürt die Nähe zur unermesslichen Weite Russlands. Leidenschaft und Ekstase liegt dem Finnen nicht so sehr wie Melancholie und gepflegte Traurigkeit, wie dieses Video zeigt, bei dem zum Schluss echte Tränen fließen (Versionen ohne Tränen sind keine Originalaufnahmen).
Was bedeutet denn nun „kalsarikännit“? Es heißt soviel wie: sich in Unterwäsche, alleine, ganz langsam zu betrinken. Für Leute, die an grammatischen und gendersensiblen Fragen interessiert sind, sei noch erläutert: Es handelt sich um eine kuriose, aber poetisch durchaus gelungene Mischung aus der Pluralform „kalsarit“ (Unterhosen), die hier zu einem Singular mutiert, mit der Singularform „känni“ (Rausch), die auf ungewöhnliche Weise zu einem Plural wird. Es ist übrigens Unterwäsche für Männer gemeint. Unterwäsche für Frauen ist nur mitgemeint. Die korrekte Aussprache kann man hier überprüfen.
„Kalsarikännit“ zu betreiben, gilt als Volkssport. Vor Corona hatte es einen eher zweifelhaften Ruf, der nun veredelt wurde. Es gibt Videos dazu im Stil von Vorher-Nachher, die den Sinneswandel in dieser für Finnen so bedeutenden Angelegenheit dokumentieren, doch die habe ich nicht so schnell gefunden – und könnte sie eh nicht erklären. Ich muss mich in diesem Fall ganz auf meinen Gewährsmann verlassen. Das tue ich aber gerne. Finnen lügen nicht. Und haben Humor.
Beitragsbild: Deutsche Fotothek CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia Commons

Nun ja, geschlossene Schulen und Fernunterricht und lange Ferien und 2m Abstand kommen ja dem deutschen Lockdown schon sehr nahe, die Finnen haben also nicht einfach nichts getan. Was wohltuend fehlt, ist das kleingeistige herumpolizeien, wie in Deutschland und natürlich gegenüber dem Bürger, der sich wahrscheinlich im Gegensatz zum Antifanten, Drogendealer oder Migrantenclan im Migrantenviertel nicht zur Wehr setzt. Kalsarikännit ist eine schöne Sitte, morgens im Schlafanzug einfach im Bett bleiben und Kaffee trinken zählt doch ausnahmsweise auch, oder?
Bekanntermassen ist Alkohol hervorragend als Anti-Corona-Mittel geeignet. Bei uns wird fleissig gesprüht, und abgewischt. Finnen desinfizieren gerne von innen,und vertragen, ohne grosse Folgen am nächsten Tag, eine ganze Menge. Bitte nicht nachmachen,hier haben nur wenige das nötige Gen. Survival of the fittest,Finnen sind fit. Eines hat der Verfasser noch vergessen:Sisu,eine Eigenschaft, die hier im "Land ohne Männer" ,so bezeichnen Leute mit Hintergrund dieses Land, unerwüscht ist. Wer da spinnt, dürfte klar sein, die Finnen sind es nicht.
ACHTUNG: Das muß Finnen und Finninnen heißen. Auch gut für's Kreuzworträtsel: "Wort mit fünf N".
Ein Artikel, der Hoffnung macht. Die spinnen, diese Finnen. Aber Leute, die spinnen, scheinen in dieser Welt die einzig Normalen zu sein. Also - Maske runter, Gesicht zeigen. Das werden wieder Hunderttausende am 29. ds. Mts. in Berlin vor einer empörten Politiker- und Medienmischpoke demonstrieren. Alle Daumen hoch!
Man erfährt hier in einem Artikel über Finnland mehr über Deutschland, als einem lieb ist. Ich muss aber gestehen, dass mich der Brauch des „Kalsarikännit“ in tiefster Seele beunruhigt. Bin wohl typisch deutsch.
Das haben Sie schön geschrieben, Herr Lassahn. Aber Sie hätten gar nicht die Finnen fragen müssen. Ein wenig Finnland ist auch in Ostdeutschland. Jetzt dreht sich alles Negative der letzten 30Jahre plötzlich ins Positive. Die Deindustrialisierung führte zu massiver Entvölkerung, die Jungen sind weg, feiern jetzt eng und ständig im Westen. Dadurch ist automatisch Platz in Läden, Bahnen und Bussen. Die Zurückgebliebenen mögen keine Bürger aus mittelalterlichen islamischen Ländern. Das vereinfacht die Einhaltung von Regeln ungemein. Dank Deindustrialisierung gibt es auch keine größere Industrie, damit auch keine Arbeitsheere aus Rumänien, Bulgarien oder sonstwoher. Auch das machts einfacher. Manchmal zeigt sich erst in bestimmten Situationen, wo die Idioten wohnen. Thüringen hat gut 2 Mio Einwohner, Bayern gut 12Mio und NRW gut 16Mio. In Thü wurden in den letzten Tagen 40 Bürger positiv getestet, in Bayern knapp 800 und in NRW über 2000. Also 20 bzw.. 50 mal mehr als in Thüringen, obwohl die Einwohnerzahl nur 6 bzw. 8mal höher liegt. Und so ist das nun schon seit Beginn der Corona-Verbreitung. Die bekommen´s einfach nicht gerafft. Und dann bläst sich dieses CSU-Großmaul auf, er wolle die Grenzen zu Thüringen schließen, wenn die weiter lockern sollten. Wenn er´s nur machen würde, diese Pfeife. Bundeskanzler, tststs. Lächerlich. Da war Stoiber um Längen besser. Vom Bahnhof. Zum Flughafen. 10 Minuten......
Vielleicht ist in Finnland die ethnisch- kulturelle Zusammensetzung der Bevölkerung eine andere? Oder liegt`s an der Besiedlungsdichte? Vermutlich an Beidem :-)