Henryk M. Broder / 14.10.2007 / 00:24 / 0 / Seite ausdrucken

Masal tov, Saul!

Am heutigen Sonntag bekommt Saul Friedländer in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2oo7 verliehen - für sein Hauptwerk “Das Dritte Reich und die Juden” Im Schweizer “Magazin” beschreibt Daniel Binswanger den Autor und sein monumentales Werk:

Den Entschluss, eine Geschichte des Holocaust zu schreiben, fällte Friedländer nicht spontan. Direkter Stein des Anstosses waren die Debatten, welche in den Achtzigerjahren die Historikerzunft in Aufruhr versetzten, insbesondere der sogenannte Historikerstreit. Der israelische Forscher ist heftig mit dem konservativen Hauptprotagonisten der damaligen Auseinandersetzung, dem deutschen Geschichtsprofessor Ernst Nolte, zusammengeprallt. Nolte vertrat die These, der Nazismus könne nur als Teil eines europäischen Bürgerkrieges verstanden werden. Die Nazi-Gräuel seien in ihrer Essenz eine Reaktion auf die Verbrechen des Stalinismus, Auschwitz sei eine historische Folge des Gulags und nur als solche auch erklärbar. Später wollte nicht einmal mehr Nolte selber diese unhistorische Verkürzung verteidigen, aber sie brachte eine Unterlassungssünde zum Ausdruck, die auch heute noch weite Teile der Geschichtsschreibung bestimmt: Sie blendet den Judenhass als Zentralmotiv der Nazi-Ideologie aus. Sie behandelt Hitler als einen irregeleiteten Antikommunisten.
http://www.dasmagazin.ch/index.php/Die_ganze_Geschichte

Und in der FAZ gibt Friedländer Antworten auf viele Fragen: Was ist jüdisch? Wo kommt der Antisemitismus her? Und: Ist Religion die Wurzel alles Bösen?

Diese Meinung ist gerade sehr modisch. Es erscheinen viele Bücher mit dieser These. Aber Religion hat auch ihr Gutes. Bei mir war es so - nachdem ich mich in jungen Jahren vom Katholizismus abgewendet hatte, war ich nie wieder religiös, in keiner Religion. Ich bin restloser Agnostiker. Trotzdem weiß ich, dass Religion auch eine starke Kraft für das Gute sein kann. Aber Tatsache ist, dass alle fanatischen, gefährlichen Bewegungen unserer Zeit von ultrareligiösen Fundamentalisten ausgehen - und das schließt Juden nicht aus; die Siedler in der Westbank gehören für mich zur gefährlichen Kategorie. Vom Islam, von fundamentalistischen Protestanten in den Vereinigten Staaten und sonst wo auf der Welt, von der orthodoxen Kirche in Russland gar nicht zu reden. Wenn man sich die Welt heute ansieht, sind es nicht mehr die säkularen Ideologien - Kommunismus, Nationalismus, Faschismus -, die größte Gefahr geht von religiösen Fundamentalisten aus.
http://www.faz.net/s/RubA5D2D6FBDDF441DC904B6BAD9133F933/Doc~E457AB3C6F94E4EC28B94EEA94283857F~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Siehe auch: Walser interessiert mich nicht mehr
http://www.tagesspiegel.de/kultur/Saul-Friedlaender;art15911,2398669

Die Preisverleihung wird am Sonntag von 11.oo bis 12.2o im ZDF live aus der Paulskirche übertragen. Wir gratulieren herzlich und freuen uns, dass es den Richtigen erwischt hat.

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