Ist es Ihnen auch schon aufgefallen, dass man inzwischen jeden Tag etwas von oder über Martin Schulz liest? Ein Interview hier, eine Rede dort. Der Mann bringt sich als Kanzerkandidat der SPD in Stellung. Obwohl er erst vor Kurzem versichert hat, sein Platz sei "in Brüssel". Nun ja, man muss so was nicht wörtlich nehmen. Schulz meinte vermutlich, sein Platz als Präsident des Europäischen Parlaments sei in Brüssel. Den Platz muss er aber spätestens im Januar 2017 räumen. Also braucht er einen neuen Job. Und da kommt ihm die Personalkrise in der SPD sehr gelegen.
Gestern hat Schulz die Buchmesse eröffnet. Er war ja mal Buchhändler. In einem Interview mit der Berliner Zeitung sagte er, es sei "wieder an der Zeit, einen Aufstand der Anständigen zu organisieren". In der Rede zur Eröffnung der Buchmesse wollte er den Aufstand der Anständigen "anzetteln". Die Begründung war, sowohl in der Berliner Zeitung wie in der Rede, die gleiche: Schulz rief dazu auf, den Populisten „laut und deutlich“ zu widersprechen und einen „Aufstand der Anständigen“ anzuzetteln. Das europäische Gesellschaftsmodell müsse gegen die „Feinde der Freiheit“ verteidigt werden. Denn für Schulz ist die europäische Einigung nicht nur ein Geschenk, sie ist ein Wunder.
Was will uns Schulz damit sagen? Dass er zu den "Anständigen" gehört? Dass er das Recht hat, an allen Institutionen, die mit der Gesetzgebung befasst sind, zu einem Aufstand aufzurufen? Ist das nicht schon übelster Populismus, den Schulz ansonsten bekämpfen möchte? Was sollen denn die "Anständigen" machen? Die "Unanständigen" vom Hof jagen?
Schulz "macht" seit über 30 Jahren Europa-Politik. Er gehört zu denen, welche die EU an die Wand gefahren haben. Die EU ist am Ende. Schulz ist am Ende. Was er als "Gesellschaftsmodell" bezeichnet, das verteidigt werden muss, ist das Geschäftsmodell einer kleinen aber machtgeilen Elite, deren Angehörige sich gegenseitig stützen und fördern. Von wegen Geschenk und Wunder. Es geht um Stabilität - bei der Besetzung der gut dotierten Posten. Und da wäscht eine Hand die andere.

Da der Schulz ja schon das "Friedensprojekt Europa" erfolgreich vor die Wand gesetzt hat, er diesbezüglich absolut Erkenntnisresistent ist, versucht er offenbar jetzt, der von der Merkeltruppe angeschlagenen bundesdeutschen Republik den Gnadenstoß zu versetzen. Um am Ende seinem guten Kumpel Juncker den gleich geschalteten EU-Bundesstaat zu servieren? Das derzeit beratende Gremium zur Vorbe- reitung einer möglichen RRG-Koaliton als Ergebnis der kommenden Wahl zum Bundestag wäre mit einem SPD-Spitzenkandidaten Schulz vermutlich einfacher umzusetzen als mit einem von der CDU sich abwendenden Gabriel. Fehlt nur noch das passende Wahlvolk.
Der Herr Schulz ist ja nicht der erste Politiker, der in der jüngeren Vergangenheit den "Aufstand der Anständigen" ausruft bzw. fordert. Meine Befürchtung: Der Tag ist nicht mehr fern, an dem die Schulzens hierzulande nur noch auf den Anstand der Aufständischen hoffen können ...
Ich habe diesen ungewählten Scharlatan einmal im TV sagen hören: "ich spreche für 800Mio Menschen". Da verschlägt es einem einfach die Sprache!
Hallo Herr Broder, wieder ein Leckerli Ihr Kommentar und herzlich Willkommen im Club der "Unanständigen", der von Tag zu Tag größer wird. Der Buchhändler Schulz und der "Aufstand der Anständigen" das gehört ins Witzebuch. Es wird immer grotesker und ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr raus. Es fehlt bloß noch Juncker, dann wäre das Maß voll. Schulz, der mit verantwortlich ist an der EU Verdrossenheit der Bürger will ein "Anständiger" sein ??? Jetzt wissen wir wenigstens, daß Schulz Humor hat. Nun holt ihn seine Vergangenheit ein.
Dass Schulz allen Ernstes als Kanzlerkandidat gehandelt wird vertieft das Gefühl von Irrealität. Man erwacht morgens aus wirren nächtlichen Träumen, und es fühlt sich schon wieder an wie Alptraum.
Herrn Schulz ist es offenkundig entgangen, daß es bereits einen "Aufstand der Anständigen" gibt. Die Achse des Guten beispielsweise ist ein Teil dieses Aufstandes . Davon kann man sich täglich überzeugen - freilich nur, wenn man über einen anderen kognitiven Horizont als den eines Bürgermeisters aus Würselen und strammen Parteisoldaten verfügt.
Verehrter Herr Broder, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Diese Jahrzehnte als Parlamentarier lassen den Einen und Anderen einfach abheben. Die Anderen sind Populisten oder die Unanständigen. Wenn Herr Schulz sagt, sein Platz sei in Brüssel heisst das, dass er bei den Straßburger Parlamentssitzungen nicht anwesend ist? Denn das EU-Parlament zieht ja bekanntlich mit Millionen-Euro-Aufwand ständig zwischen Brüssel und Straßburg hin und her. Einfach populistisch, wer diese sinnvolle Steuergeld-Verwendung schlecht reden will. Schulzes Arroganz erinnert mich irgendwie an Herrn Lammert. Böse Zungen behaupten ja, dass dieser die Rede, worin er sagte, die Deutschen sollen doch zufriedener sein, mit dem von unzufriedenen Steuerzahlern finanzierten Mont-Blanc-Füller geschrieben habe.